Ausgabe 
13.3.1907
 
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bekannt toar, nwU iabev Oele imb wohlriechend«! Znsaimnen-- setzungen dazu dienten, um den Körper zu salben. Wenn sie in der Bibel erwähnt wird, so hatte man wahrscheinlich Tonerde oder Holzasche oder Alkalien im Auge, und diese wurden, wenn mltnt allgemein sprechen will, nicht für den Körper angewendet, sondern zum Reinigen von Wein- oder Oelfäsfern oder Marmorstatuen. Indessen wurde der Saft von gewissen Pflanzen, lvelcher Schaum bildete, gwn Waschen benutzt, was bis auf den heutigen Tag bekannt ist. Während Seife bei Homer noch nicht erwähnt wird, der indessen schon Bezug aus kosmetische Sachen für Bader nimmt, beschreibt Plinius ganz ausführlich eine Sustianz zumSchöu-- machen" des Haares, die aus gutem Talg und der Asche der Buche zusammengesetzt ist. Die moberne Chemie lehrt uns, das; die Seife eine Zusammensetzung von Fett oder Fettsäuren mit einem Alkali ist, und es ist davauS klar, daß zu Plinius Zeiten Seife im Gebrauch war, welche sich nicht wesenklich von der Zusammen- setzung unserer modernen Produkte unterschieden hat. Als eine Industrie indessen war die Seifenbereitung im großen Maßstabr bis zu den Zeiten des 17. Jahrhunderts nicht bekannt. Seitdem wuchs aber ihre Produktion ungeheuer, wobei man sie jedoch mehr zum Reinigen int Tierreiche oder für gewisse industrielle! Zivecke, nicht Kber für Menschen benutzte. Es ist indes wahr­scheinlich, daß die Seife vor hundert Jahren auch nicht zur Reini­gung von Personen geeignet war, da man ihr damals zu mächtig ätzende und zerstörende Eigenschaften zufchreiben muß, welche der Haut nachteilig waren. Rcucvdings wird sie von soudeu Fabri­kanten in reinem Zustande hergastcllt, ist aber auch so teuer, daß der dadurch errungene Borteil für die Hygiene wieder hin­fällig wird, weil die einfachen Leute sie nickt bezahlen können und daher $it geringeren Sorten greisen. Nach demLanoet" sollt: die Seifenfabriiätion unter staatliche Attfsicht gestellt werde».

* Spatzennester auf Bäumen. Ein interessantes Bei­spiel dafür, wie das Bedürfnis wach günstigeren Existenzbeding­ungen wenigstens einzelne (wahrscheinlich die intelligenteren) Indi­viduen einer Gattung zum Ucbergaug zu neuen Lebensgewohn- heiten veranlaßt, bietet der Proletarier unter den Vögeln, der Spatz. Obgleich es in der fraglichen Gegend an Nistgelegem- heiten in Mauerlöchern, Schöpfen und Scheunen oder an Ausent­halten zwischen dem Ziegel- und Balkenwerk schiefgewordener Haus- und Rentisendächer nicht fehlte, habe ich, so schreibt uns ein Leser, im Lauf der letzten drei Jahre im badischen Schwarzwald und in der Schweiz 16 Fülle beobachtet, in denen der Sperling sich w'i irgend einen dichtbelaubten Birn-, Nuß- oder Linden­baum der Hofreite, die zu seinem üblichen Wohngebiet gehörte, eine tüchtige Astgabel aussuchte und als Unterlage für seinen Nestbau und dort oben nun seine Sommerwohnung aufschlug. Ties Verhalten steht mit der gewöhnlichen Lebensart des Sper­lings so sehr in Widerspruch, daß ich in der ganzen biologischen Literatur nur einen einzigen Autor finden konnte, der schon ähnliches beobachtet hat. Merkwürdig ist, wie die Anpassung an die neuen Wohnverhältnisse sich sofort auch die sonst übliche Nestform verändert. Der Spatz baut ja bekanntlich gern groß; wie das Nest aussieht, ist ihm freilich höchst einerlei; von architektonischer Schönheit hat er im Gegensatz zu anderen Ver­tretern der Spatzenfamilie nicht den geringsten Begriff, und was er baut, baut er unter normalen Umständen so liederlich, wie es nur irgend geht. Unschön sind zwar die Baumnester auch, aber auffallen muß, daß sie beinahe mit Sorgfalt gemacht sind. Merkt der Spatz, daß er in: Freien sein Nest auf Widerstands­fähigkeit einrichten muß, damit nicht jeder Wind es herunterbläst, jeder Regenguß es forttvaschen kann von seiner Astunterlage? Es sieht so aus, und wenn ich bedenke, daß so ein Spatzenbaunmest fast die Größe eines Wildtauben- oder Häherhorstes hatte, so scheint es mir fast, als ob sein Verfertiger dadurch, daß er den Bau recht massiv machte, ersetzen wollte, was ihm an innerer Solidität fehlte und bei der architektonischen Ungeschicklichkeit des Sperlings begreiflicherweise auch fehlen mußte. Was den Gratis- mieter unserer Häuser bewogen hat, sich in die luftigen Höhen der Nuß- und Birnbäume zurückzuziehen, weiß ich nicht anzu­geben, vermute aber, daß es die Furcht vor dem Flobert war, das auf den betreffenden Höfen Übepall recht fleißig gehandhabt wurde.

* Das Gemüt einer Katze, Män sagt immer, daß Katzen undankbar feien und kein Herz hätten. Als Gegenstück berichtet ein. französisches Blatt folgendes: Pousy, die Lieblings­katze von Louis Bläue, dem bekannten sozialistischen Arbeiter­führer, welche jeden Abend ihren Herrn an der Treppe erwartete, wenn er von der Kammersitzung zurückkehrte, starb ans Gram über seinen Tod. Sie nahm weder Speise noch Trank M sich, bts der Hunger sie tötete.

und WrssssrfehczfL.

®,V* Ü 6- Hofbiblivihek ju Darmstadt, Der fmckw,Aufschwnng und Fortschritt auf so vielen Gebieten unseres öfftntlrchen Lebens beschränkt sich nicht nur auf die geräusch­vollen Stätten des Verkehrs, auf Handel und Gewerbe, sondern

er zwingt auch die stiller wissenschaftlicher oder besinnlicher Ar- beit dienenden Hallen der öffentlichen Sammlungen in seine« Bannkreis hinein. Das zeigt sich nicht nur darin, daß das Landesniuseum int neuen Heim weitere Schichten der Bevölke­rung als je zuvor Anlockt, anregt und belehrt, fast norij schla­gender wird dieser Aufschwung dargetan durch die Zahlen, die uns bedeutsame Einblicke in die Entwickelung der ebenbürtigen Schwesteranstalt des Museums, der Hofbibliothek tun lassem Wir beobachten auf allen Geschäftsgebieten und Zweigen ihrer Tätigkeit einen Ausschwung, der sich mit dem Steigen der Ein­wohnerzahl Darmstadts, der größeren Frequenz der Technisches Hochschule, nicht minder aber auch danrit erklärt, daß die im Geist unserer Zeit liegende Verbreiterung des Bildungstriebes und das Verlanget: itach gesunder geistiger Nahrmtg 'zu häu­figerer Benutzung der reicher: Schätze dieser Bibliothek anreizt, eine für die Anstalt wie für die Benutzer gleich hochersreuliche Erscheinung! Der Lesesaal hat bei aller räumlichen lln zu läng­lich leit im Jahre 1906 doch 11150 Personen die Möglichkeit raschen Nachgchlagens oder gründlicher Forschungen an Ort und Stelle gewährt, eine Zahl, die, gemessen an der des Vorjahres, eine stete Zunahme und gegenüber der von: Jahre 1889 (mit 3350) eine Verdreisachrmg bedeutet, während die Zahl der Benutzer in Darmstadt außerhalb der Räume der Bibliothek um zwei Drittel gestiegen i)t: 1889: 3089, 1908: 4999. Zu begrüßen ist ferner die Tatsache, daß zeitgemäße und weitgehende Erleich­terungen im Versaudverkehr nach Orten des Großherzoglums die Bestände der Bibliothek nicht nur theoretisch, sondern prak­tisch dem ganzen Land erschlossen haben; die Zahl der hessischen Benutzer außerhalb Darmstadts steigt von Jahr zu Jahr und hat sich seit 1889 verdreifacht. Auch die immer mehr in Aufnahme kommende Bereitwilligkeit der Bibliotheks- verwaltnngei: zu gegenseitiger Aushülfe, wo die eigenen Kräfte versagen, ist hier richtig erkannt und praktisch geübt worden und mit welchem Erfolg zeigt die Taisache, daß sich der Bücher­bezug aus auswärtigen Bibliotheken in Zahl der Benutzer und' der besorgten Werke seit 1889 verzehnfacht hat und auch in: Jahre 1906 allein einen raschen Aufschwung zeigt, da die Zahl der bezogenen Bände von 480 auf 907 und die der Besteller von 221 auf 331 gestiegen ist. Wenn man endlich sieht, iuie die Gesamtbenutzung der Hofbibliothek, abgesehen von der beträcht­lichen Steuerung von 1905 auf 1906 sich überhaupt in bett Jahren seik 1889 verdreifacht hat, so darf man wohl sagen: hier reden Bände Zahlen, aber Zahlet: reden auch Bände!

Eine AusstellungD as Kind" findet vom April bis Jun: 1907 in der Rotunde zti Wien statt. An der Spitze de« Aerztekomitees steht Hofrat Professor Dr. Theodor Escherich. An der Spitze des. Damenkomitees stehen die Fürstinnen Hanna und Annelie Lechtenstein. Die Ausstellung verspricht ein vollständiges B:ld der bisher auf beml Gebiete des Kindesschutzes und der Jugendfürsorge geleisteten Arbeit zu geben, lieber das Arrange­ment dieser Ausstellung teilt uns die Direktion mit, daß die Zirka 10 000 Meter Belegraum fassenden Transepte und Galerien ausschließlich für wissenschaftliche Zivecke, ferner für öffentliche Institute, Spitäler, Erziehungsanstalten sowie für die chnritativen Kinder-Wohltätmkeitsvereine verwendet werden. Um jedoch dem Publikum die Bedeutung des Kindes für das Gewerbe und die Industrie vor Augen führen zu können, wurde der gleichfalls zirka 10000 Meter fassende Zentralraum für die einschlägigen ge­werblichen und Industriellen Gruppen sowie für die große Nah­rungsmittelabteilung in Aussicht genommen und gelangen hiev alle für das Kind in Betracht Wurmenden Erzeugnisse, haupt­sächlich Bekleidung, Wäsche rc., Instrumente, Spielwaren, Artikel für Jugendspvrte und Nahrungsmittel usw. zur Exposition. In der Mitte des Zentralraumes wird eine zirka 400 Meter fassendes Podium errichtet, auf welchem in den Nachmittagsstunden Jugend­spiele ausgeführt werden. Tie Ausstellung wird folgende Gruppen umfassen: 1. Säuglingsschutz; 2. Bekleidung; 3. Ernährung^ 4. Kinderzimmer; 5. Gesundheitspflege; 6. Schule und Anstalt; 7. Statistik; 8. Knaben- und Mädchenfortbildung; 9. Schutz des Kindes; 10. Die .Kunst in: Leben des Kindes; 11. Sport und Spiel; 12. Literatur; 13. Industrie und Kind; 14. Nahrungs­mittel.

Ergiirtzimgsrätsel.

E . n . § . ch . ck. .. ch n . ch . . ü . . l. e!

S . h . , e . e., w ,. . r'. . r. i. e,

S.h, . e . e ., .o e . b.ei.e,

U .. .. r s.. h ., .. ß e. n . ch . f. l..!

Goethe Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Köntgspromenade in voriger Nununer: Der Mensch, der zur schwankenden Zeit auch scl wankend gesinnt ish Der vermehrt das Nebel, und breitet es weiter und weiter. Aber wer sest auf dem Sinne beharret, der bildet dre Welt sich.

Goethe.

Redaktion: Ernst Hetz. Rotationsdruck und Vertag der Brühl'schen Unwerfttäts-Buck- und Slemdruckerei. 8t Lange. ®t«&»