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Einnial habe Schuhmacher ihm lachend erzählt, wie Witte sich bei ihm erkundigt, ob cs möglich sei, Nachschlüssel für komplizierte Schlosser zu fertigen. Ter Maler hatte die Frage nur gestellt, >veil ihn die romantisch veranlagte Geliebte darum
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In begreiflicher nebelhafter Erwartung hatte Walden dann mrL bcr Selkcubachschen Billa auf den Jngcndsreund u.« ? Aug« acwefen, wie der sinnlos Berauschte Ä d^n Perwnat ans dem Hause geworfen worden war.
"an"? ^C5 angenommen, da hatten schon h.n erste Worte genügt, um ihn die niederschmetternde Ent- rei ling machen zu Taffen; daß Schuhmacher dem ihm unverhofft «ewordenen Anblick der uiU Kassenfchrank verwahrten Juwelen-- .'ha,r nicht hatte widerstehen können, sondern aiich dies-' an genommen hatte. ‘
Im großen und gaiizen bestätigte er "die scharfsichtigen Vermutungen Thommens. Gustav Schuhmacher war sein Jngend- gespiele; er hatte ihn vor Jahr und Tag in Berlin wieder getroffen und sich ans reiner Menschlichkeit seiner angenommen, weil ihn die junge Frau und deren Kinder, die an der Seite des haltlosen Schwächlings ein gar sorgengetrübtes Dasein sührten, gedauert hätten. Da Frau Schuhmacher die Ansicht zu erkennen gegeben, möblierte Stuben zu vermieten; hatte er ihr selbst ein Zimmer abgemietet. Später hatte der Zufall auch Witte der jungen Frau als Zimälermieter Angeführt; dadurch umreit miteinander bekannt geworden.
nicht entfernt war Walden der Gedanke an dir Ucogltchkeit gekommen, der Jugendfreund könne das in ihn gesetzte Vertrauen mißbrauchen und zum gemeinen Einbrecher werven Da,; Schuhmacher sich einen falschen Schnurrbart zu- gelegt hatte, erklärte er mit der Eitelkeit des Mimen, der nicht in menender Stellung erkannt werden mochte. Auch Walden hatte Vch vorllchkshalbcr in der kritischen Nacht einen blonden Vollbart angelegt, wie er es häufig tat, wenn, der Dienst ihn an ^">tten führte, wo die Klugheit ihm gebot, unerkannt zu vlcwcii. , 0
angegangen: er hatte sich nichts Schlimmes dabei gedacht. Doch bei Walden hatte die Anregung verhängnisvoll gewirkt. Gerade damals war er in seinen Nachforschungen zu dem Schluß gekommen, das, in Selkenbachs Besitz jene beweiskräftigen Papiere sich befänden, welche das ganze Schwindelkonsortium ans Messer liefern mußten. Blitzschnell war der Gedanke in ihm aufgetaucht, wie es unter Beihilfe des Jugendfreundes leicht fallen mußte, sich dieser Dokumente zu versichern.
Zuerst hatte Walden die Versuchung weit von sich ab gewiesen, doch als er zu der Einsicht gekommen war, daß es aus keine andere Weise möglich schien; dem schlauen Fuchs bcizu- lommen, war er erlegen. Als mächtiger Faktor war seine Liebe siis Spiel gekommen. Man hatte ihm für den Fall seines Erfolges die Beförderung zum Kommissar ver- im Hinblick auf seine Jugend unerhörte Beförderung, die ihm, zugleich die Berechtigung gab, nm die Hand der längst Geliebten zu werben. Diese Erwägung hatte schließlich bei ihud den Ausschlag gegeben. Er hatte sich eiuzureden ver- standen, daß es sich nur um eine Kriegslist handelte. Hatte er Erfolg und vermochte er sich die Papiere zu verschaffen, so wurde kein Staatsanwalt deren rechtlichen Erwerb prüfen- sic waren vorhanden und ihr Inhalt lieferte die Bloßgcstelltcn in du- Hände der strafenden Gerechtigkeit; das war entscheidend.
So halte Walden sich mit Gustav Schuhmacher eingelassen; uie,cr hätte lachend erklärt, es sei ihm eine Kleinigkeit, dem öi-CHitb gefällig zu fein. Er müßte sich nur die nötigen Wachs- abdrücke behufs, Anfertigung der notwendigen Schlüssel ver- Ichasien. Um dies zu ermöglichen, war der Detektiv auf bett - Emsall gekommen, den Jugendfreund als Lohnkellner in das Haus des Geheimrats «inznschmuggeln. Das war nicht schwer geweg-n, zumal Walden die Agentur, welche die vornehme Welt bei festlichen Anlässen mit Anshilfspersonal zu versehen pflegte, tonnte und deren Inhaber sich beeilte, dem Detektiv gefällig zu teilt.
(Schluß folgt.)
Jus derr SommerLagerr dieses Jahres.
(Original-Artikel der „Gieß. J a in- Bl.)
Nachdruck verboten.
Em Zufall führte mich nm den 20. Juli in das Lu m b a- das obere Ohin-, Schwalm - und Fuldatal. wer sommer hatte sich immer noch nicht eingestellt. Kalte, nisije -rage wechselten fortgesetzt mit vereinzelten heißen s-onuentagen. Die Landwirte hatten große Not, das Heu .einigermaßen trocken unter Dach zu bringen. Bon Fliegen
ivurde man selten belästigt, die armen Schwalbet, hatten Mühe, Nahrung für ihre Jungen und für sich selbst einzufangen. Sie kamen in ihrer Not nicht selten durch die offenen Fenster in die Zimmer und suchten mit Erfolg die Räume nach Fliegen ab. — Im oberen Schwalmtal wurde es zuweilen so kalt, daß in Niederungen an un- günstigen Stellen das empfindliche Kartoffelkraut erfror, die Felder sahen schtvarz nsie verbrannt aus.
Im Kreise Alsfeld sind die bäuerlichen W i r t - s ch a f t e n meist großer als in den benachbarten hessischen Kreisen. Bauerngüter von 20—60—100—120 Morgen find häufig und da, wo der Besitzer mit Frau und erwachsenen Kindern zusammen wirtschaftet, sich also die Leutenot nicht fühlbar macht, bestehen auch recht erträgliche wirt- schaftliche Verhältnisse. Wehe heute dem, der mit fremden Leuten wirtschaften muß! Er hängt in der Sommerzeit von ihren Launen ab und muß sich denen ingrimmig fügen und ihren immer steigenden Lohnforderungen zu folgen suchen.
Die Bauernhöfe liegen so friedlich in den Talgründen, die Scheunen sind groß und fassen doch kaum den Ernte- segen, der .Hof ist geräumig wie ein Herrenhof, das Wohnhaus sauber und stattlich. In eine solche Hofreite kann man bequem drei von den Hofreiten hineinstellen, wie sie in unseren Lahndörfern oft eng gedrängt um die Kirche herumstehen wie Schafe um ihren Hirten. — Die Landschaft macht da oben einen vortrefflichen Eindruck: die stattlichen Dörfer in den Wiesengründen, die hügelige Gemarkung mit ihren reichen Feldern, der üppige, dunkle Buchenwald ringsum auf den Höhen, der im Basaltboden wurzelt.
Nm den 20. Juli herum war hier oben noch viel Heu zu machen. Das Heu in den Bachtälern war wohl geerntet, aber die F-eld- und die Bergwiefen, die bis an den Wald hinaufreichen und sehr gutes Futter tragen, waren noch zurück. Ich sah auf einer großen Bergwiese 12 Mäher in Tätigkeit. Die Bauern helfen sich gegenseitig, die Grasmähmaschine versagte, da der Hagel vielfach das Gras zu sehr an den Boden gedrückt hatte. Ein junger wohl- stehender Landwirt, der seinen Helfern voranmähte, versicherte mir, daß er gegen Lohn keine Mäher erhalten könne, und wenn er ihnen bei voller Kost einen Tagelohn von 5 Mk. zusichere. Tie entlegensten Landschaften leiden am meisten unter der Landflucht.
Die Schwalm ist hier oben noch ein Gebirgskind. In munteren Sprüngen mit klarem Gesicht eilt sie talab. Die Forellen fühlen sich wohl in der kühlen Flut. Ein geschickter Angler, den ich beobachtete, holte in ganz kurzer Zeit drei prächtige Forellen aus dem Wasser.
In so gesunder Gebirgslnft in dieser friedlichen Umgebung scheinen die Menschen auch ein höheres Alter zu erreichen. Da wurde in einem Dorfe, das ich passierte, ein Mann begraben, der 86 Jahre alt ivurde und int Jahre 1848 den badischen Aufstand niederkämpfen half. Der Mann konnte in den letzten zwei Jahren nicht mehr ausgehen. Der Kriegerverein sorgte aber dafür, daß dieser Veteran an dem Geburtstage seines Landesherrn und seines Kaisers auf deren Wohl trinken konnte: der Verein sandte dem alten Krieger mit einem Glückwunsch jedesmal eine Flasche Wein. Jetzt erwiesen ihm Verwandte und Freunde und der Kriegerverein die letzte Ehre. — Im Nachbardorfe traf ich einen zweiten Veteranen aus dem badischen Feldzugei Er ist auch 86 Jahre alt, noch ganz rüstig, denn er versieht den Flurschützendienst — die elsässischen Bauern würden sagen, er ist „Bannwart" — für zwei Gemeinden. Der 86jährige Veteran erhält für diesen Dienst von der kleineren Gemeinde ein Jahresgehalt von fünfzehn Mark, von der größeren Gemeinde ein Jahresgehalt von zwanzig Mark, und er ist froh, daß er in diesen Stellungen bleiben darf, die ihm so viel bares Geld ins Haus bringen. Und da spricht man noch von hohen B e a m t e u g e - h ä l t e r u !
.So alte Veteranen sind fetten, MückliKeriveise trifft


