Ausgabe 
9.11.1907
 
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Unternehmen der hessischen Regierung in jeder Hinsicht be­deutungsvoll ist und allseitig Dank und Anerkennung ver­dient; wenn schon die meist nur durch kleine Versuchs- gräben und Querschnitte gewonnenen Erfolge der Reichs- Limeskvmmission so gewesen sind, daß sie über die ganze Anlage Klarheit geschaffen nnd eine Fülle bedeutsamer Funde geliefert haben, so darf man sich mit Recht der Hoffnung hingeben, daß die systematische Freilegung und Untersuchung des ganzen Kastells Früheres bestätigen und gering mag auch der Vorteil eingeschätzt werden, der ergänzen und Neues ans Licht bringen wird. Nicht zu gering mag auch der Vorteil eingeschätzt werden, der den Badegästen von Nauheim durch diesen neuen Aus­flugspunkt in den Taunus geboten wird.

VeNMZ?<Htss.

* Die Frau als JoSeh. Aus Paris wird uns berichtet: Eine neue Etappe auf dem Eroberungszugc der Frau in das Ge­biet der einst nur männlichen Berufe ist zu verzeichnen: in Paris ist eine junge Amerikanerin eingetroffeu, deren Ehrgeiz ist, als Jockey auf dem grünen Rasen den Männern den Lorbeer streitig zu machen. In Gesellschaft der Gräfin von Holina ist sie nach Eu- rova gereist und während sie in Chantilly der nachgesuchten Lizenz als Jockey harrt, trainiert sie eifrig und träumt von künf­tigen Rennsiegen. In Amerika hat die kühne Reiterin, die nach Herrenart im Sattel sitzt, scholl mehr als einen Erfolg davon- getragen; 28 Preise und 14 silberne Pokale zeugen davon, daß auch auf der Rennbahn schönere Geschlecht dem stärkeren ein gefährlicher Rivale zu werden droht.Ich liebe cs nicht, daß man von mir spricht", äußerte die junge Amerikanerin lächelnd zu einem Journalisten, der sic eilfertig aufgesucht hatte.Ich trainiere zu meinem Vergnügen. Ich habe schon manche Hecke und manchen Graben genommen imb in Amerika mir manchen Preis errungen. In allen Zeitungen ist mein Bild erschienen. Ich sitze im Herreusattel auf meinem Pferd, haben Sie mich nicht gesehen? Das ist sehr schön . . Mit meiner Freundin recte ich regelmäßig. Ich sollte auch in Kompagnie rennen, vergangene Woche. Ich freute mich so . . . Aber dann kam ein kleiner Unfall und ich mußte verzichten. Nuic fang ich wieder au. Glauben Sie, daß ich meine Lizenz erhalte? Damenjockey o, ja, ja, das wäre sehr lustig." Und die kleine schlanke Persoic mit den lnstigeir Augen und dem dunkelrötlichen Haar lächelt vergnügt ihrer Freundin zu.

* Folgende Bescheinigung ist kürzlich der Hildesbeinier Polizeidirektion zugegangen:Jgat de Stiere, das der Schanddarm dreifache Bunden abgeliefert hat. N. N., Gemeindevorst." Soll heißen: Ich attestiere, daß der Gendarm drei Vagabunden abgelielert hat. N. N., Gemeindevorsteher.

Für unsere Kinder.

Die S e l b st h e r st e l l u n g von Drachen itttb Luftballons, die flugsicher die Lüfte kreuzen, bereitet unseren Knaben großes Vergnügen. Wie man Luftschiffe sol­cher Art selbst Herstellen kann, das zeigt das 8. Heft der be­kannten SammlungSpiel und Arbeit" (Verlag von Otto Maier iir Ravensburg) in Form einer leichtfaßlichen Anlei­tung und mittelst praktischer Modellbogen. Jedem Jungen ists ein Genuß, nach solcher Anleitung ben Bau von allerlei Mobellformen von Drachen rc. anszuführen, insbesondere bereitet auch die Herstellung des ganz ungefährlichen Heiß- luftballons Vergnügen und Anregung. Der Preis dieses Heftes samt Modellbogen beträgt 60 Pfg.

Eine schöne Abenduuterhaltuug bildet die Laterna magica. Damit unserer Jugend größere Apparate, die große Bilder an die Wand iverfen, zur Ver- fügung stehen, ist der SammlungSpiel und Arbeit" als 26. Heft eine Anleitung nebst Modellbogen einverleibt, nach denen sich ein großer Apparat mit schönen Lichteffekten ohne besondere Schwierigkeiten herstellen läßt. Jeder Junge ist im stände, sich selbst eine große Laterna magica zu er­bauen, zudem aber finden wir in dem Heft noch eine An­leitung zur Herstellung farbiger Glasbilder und znm Teil auch unter Benutzung photographischer Aufnahmen. Man ist dadurch in die Lage gesetzt, Porträts farbig an die Wand zu zaubern, ebenso Landschaften. Die Modellbogen und Anleitung kosten zusammen Mk. 1,60. So bildet dieses Heft (Verlag von Otto Maier, Ravensburg) einen iveiteren Beitrag znr Förderung der Handfertigkeit unserer Knaben.

Literarisches.

Lebensfragen. Die Vorgänge des Stoffwechsels. Bon Prof. Dr. Felix B. Ahrens. (Wissenschaft und Bildung, Einzeldarstellungen aus allen Gebieten des Wissens. Band 18.) 160 Seiten mit Abbildungen. In Originalleinenband 1.25 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig: 1907. Mit immer wachsendem Interesse folgt der Leser dieses Buches denr Verfasser auf seiner Wanderung durch das Reich des Lebenspund mit Staunen sieht er die unerschöpf­liche Kraft der Allmutter Natur. Hier lernen ivir die wichtigsten Wandlungen des Stoffes, die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzenwnchs nnd Tierleben, den Ersatz und Ver­brauch der Stoffe im menschlichen Körper kennen. Alle wich­tigen Nahrungsmittel werden in einer Reihe fesselnder, mit zahlreichen Tabellen versehener Kapitel auf ihre Bestand­teile, ihren Nährwert nnd ihre Bedeutung für den Menschen untersucht, so das Fleisch, die Eier, die Molkereiprodukte, die pflanzlichen Nahrungsmittel, der Zucker und die Stärke. Der Frischerhaltung und Konservierung von Lebensmitteln ist ein besonderer Abschnitt gewidmet, desgleichen den alkoho­lischen Genußmitteln nnd ihrer Fabrikation, wobei wir aus­führlich von den Arbeiten der Brennereien und Brauereien, der Weinproduktion usw. hören. Mit einem Kapitel iibcr die alkoholhaltigen Genußmittel (Kaffee, Tee, Kakao usw.) schließen diese wichtigen Ausführungen, während ein sich daran anschließender Ueberblick die geivaltigen Leistungen der Chemie zur gesteigerten Beschaffung von Nährmitteln durch künstliche Düngung behandelt (Kalisalze, Sal­petersäure usw.) und einen großartigen Ausblick in die Zu­kunft gibt.

Briefe von Goethes Mutter. In Auswahl heraus­gegeben und eingeleitet von Albert Köster. Mit einer Silhouette der Frau Rat. Leipzig, int Insel-Verlag. In Pappband Alk. 2.. Der bekannte Verlag hat damit ein Volksbuch im schönsten Sinne des Wortes geschaffen. In dieser Ausgabe sind Briefe sortgelassen worden, die einen besonderen literarischen Charakter tragen nnd die von theatcrgcschichtlichem Interesse sind; alles aber ist geblieben, was Züge zu dem leuchtenden Bild der unvergleichlichen Fran hinzuträgt.Ich habe die Gnade von Gott, daß noch keine Menschenseele mißvergnügt von mir wcggegangen ist"; so schreibt Frau Rath einmal. Mögen nun viele Tausende von neuem die Wirkung dieser Gnade an sich verspüren. Dem Aeußcren der Briefe hat der Verlag alle Sorgfalt geschenkt, und man darf sagen, daß ein so billiges Buch in so anziehendem Gewände wohl selten auf dem Bücher­markt erschienen ist.

Goldene Worte.

Es ist selten ein Schaden, es ist ein Nutzen dabei.

Sprichwort.

Wer den Freund anirichtig cinpstüigt, Verwandte mit Achtung, Frauen mit Höflichkeit, Arme mit Gaben und Gunst, Stolze mit Demut, irrende Menschen mit sanfter Belehrung, Weise nach ihrem Gemüt, der ist der freundliche Mann.

___________ Herder.

Rätsel.

Ich bin ein Wort, nn5 guten Tunen Zu einem Ganzen eng vereint.

Doch dar st du nicht mein Loblied singen, Wenn auch ein jedes gut erscheint.

In der Geselisehast frohem Kreise Hab' ich den Frieden bald gestört; Mein Träger hält sich für gar iveise, Doch wird er nimmer gern gehört. Wenn heiler fiel) ein schöner Glaube Aus lroh bewegter Seele ringt, So iältt er mir sogleich zum Raube, ilnd bald des Streites Rui erklingt.

Mein Erstes ist des Staates Pfeiler; Er schützt des Bürgers Hos und Haus; Selbst in dem allerkleinsten Weiler Kommt ohne es man nimmer aus.

Ein Futter ganz besonders lecker Sind einem Haustier zivei cmd drei; Vier brachte Ruhm deut Wellentdccker, Nun rate, was das Ganze sei I

A. 91 m m a u n. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Unser Leben ist ein Schatten auf Erden.

Redaktion: P. Witt ko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schon Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.