Ausgabe 
9.11.1907
 
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Wänden durch eine dicke Betonschicht sowie durch dagegen- gemauerte Ziegelplatten wasserdicht gemacht; er stellt also den Kaltwasserbaderaum, das Frigidarium dar.

Da das auf abfallendem Gelände liegende Bad schon in römischer Zeit unter stark zufließendem Grundwasser zu leiden hatte, so haben die Römer etwa von der Mitte des Gebäudes ans einen unter dem Westpräsnrninm ziehen­den, bis zum Pfahlgraben reichenden und aus Steinen ge­stellten Abzugskanal angelegt, doch muß er seinen Zweck nur mangelhaft erfüllt haben, da er von ihnen teilweise verlegt und mit stärkerem Gefall versehen worden ist. Im Laufe der Zeit ist er aber vollständig verschlammt und bildete im Verein mit den von früheren Untersuchungen lieget! gebliebenen bis 5 Meter hohen Schutthaufen eine große Gefahr für das Bad, da sie den Wasserabfluß hin­derten und die Mauern unterwuschen. Hier setzte nun die Erhaltungsarbeit in neuester Zeit ein: Der Schutt ist bis auf geringe Reste entfernt, der Kanal gesäubert und gegen Eindringen von Erde usw. gesichert worden. Nach der Trockenlegung des Bades wurden die cingestürzten Mauern wieder aufgerichtet und, soweit es noch nicht ge­schehen war, freigelegt, über dem oben erwähnten Frigi- darinm wurde ein mit Ginster gedecktes hölzernes Schutz­dach errichtet, um von dem Mauerbewurf alle schädlichen Witterungseinflüsse möglichst fernzuhalten. Besonders be­tont muß aber werden und das gilt für das ganze Kastell, daß jede Art von Neubau vermieden worden ist und auch in Zukunft vermieden werden soll: Tas Aste soll in seinem ruinenhaften Zustand offeugelegt, er­halten und befestigt werden unter Benutzung des ursprüng­lichen Materials und unter Beibehaltung des Vorhandenen. Zum Schutze gegen die Zerstörungswut und die Raubgier einzelner roher Gesellen leider muß cs gesagt werden - ist das Bad mit einem Drahtzaun umgeben werden. Tas Kastell selbst bedeckt in seinem heutigen llmfaug einen Raum von etwa 15000 bis 16 000 Quadratmetern und ist rings von einer Mauer und einem davorliegenden Schutz­graben umgeben, es Hal ungefähr quadratische Form, die Ecken der Mauern sind abgerundet, letztere selbst sind etwa in der Mitte durch die Tore unterbrochen. Doch ziehen sie nicht in einer geraden Linie, sondern gehen int stumpfen Winkel auf die ctivas vorgeschobenen Tore zu; sic sind jetzt bis auf ein Viertel des ganze« Umfangs freigelegt und noch bis auf l Meter Höhe und darüber gut erhalten. Als Bau­material ist Taunusquarzit verwendet, während in der Nähe der Tore einzelne gewaltige Sandsteinquadern in die Maner eingelassen waren; in der Mitte jeder Quader befindet sich ein schmaler Schlitz, das sog. Wolfsloch, in den die Zange eingriff, an der der Stein heranfgezogen ivurde. Jedes Tor besitzt außer dem südlichen zloei Tortürme von rechteckiger Form, zwischen denen sich die Einfahrt, durch­schnittlich 3>/2 Meter breit, befindet. Nur daS Südtor hat statt der beiden Türme zwei Flankenmanern. Tie Kästell- manern haben noch 1 Meter hoch über -dem Boden eine Stärke von fast 2 Meter., die Außenseite der Mauer steigt senkrecht auf, während die Innenseite anläuft, und zwar auf 1 Meter 0,10 Meter. Auf der Ost- und Südseite ist die Mauer jetzt ganz, ans der Nord- und Westseite zur Hälfte freigelegt und bis zur Wiederbefestigung mit den abge­stürzten Steinen geschützt und gegen Witterungseinflüsse ge­sichert. Außerdem ist der nördliche Türm des Osttores auf 3 Meter Höhe, der südliche auf 1 Meter Höhe wieder auf- gerichtet worden, wobei der Grundsatz befolgt wurde, daß man, ohne eine Fälschung zu begehen, alle vor der Mauer und den Toren liegenden Steine wieder aufsetzen dürfe, da sie nur von ihnen abgestürzt sein können. Ob und wie der noch nicht freigelegte Kastellgraben an den Toren überbrückt war, wird die weitere Untersuchung lehren müssen. Von innen ist gegen die Mauer ein Wallgang aus Erde aufgeschüttet, der an der nordwestlichen Ab­rundung durch einen Eckturm unterbrochen wird.

Das Innere des Kastells ist zum Schutz vor Verfall und weiterer Zerstörung vorläufig unter seinem Wald­

bestand gelassen worden; die Grabungen der Reichs-Limes- kommission haben ergebet!, daß in der südlichen Hälfte des Kastells das Hauptgebäude, die principia, gewöhnlich praetorium genannt, liegt. Bon anderen Gebäuden sind noch die neben dem jetzigen Mittelweg gelegenen, sowie das an der Nordmauer errichtete zu erwähnen; an der Westinauer liegen in der Nähe des Tores zwei Brunnen, von denen der eine bis 8,50 Meter Tiefe aufgemacht wor­den ist.

Alles das ist aber nur der äußere, heute noch sichtbare Bestand aus der Zeit des letzten Kastellbaues; denn auch auf der Kapersburg sind, lvie bei allen anderes Kastellen, ältere Fe st n u g s a n l a g e n gefunden worden, die kleiner als das letzte Kastell in dieses sozusagen ein- geschachtelt sind und bei ihrer Offenlegung außerordent­lich interessante Aufschlüsse namentlich an der Westseite er­warten lassen. Wir wissen, daß unter Kaiser Domitian am Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts die ersten Anlagen dieser Art in unserer Gegend hergestellt und unter Hadrian erweitert und verstärkt worden sind und daß das letzte Steinkastell der Wende vom zweiten zum dritten Jahrhundert entstammt. Hand in Hand mit jedem Neubau ging eine Vergrößerung des Kastells, die nur durch eine entsprechende Vergrößerung der Trup­penzahl bedingt gewesen sein kann. Während das domi- tianiscye Lager rund 7000 Quadratmeter bedeckt, umschließt das hadrianische 11000 Quadratmeter und das letzte rund 15 000 Quadratmeter. Bon wesentlichem Unterschied ist bei jedem die Umwallung: das domitianische ist ein Erd - lager, es hat als Umfassung einen tiefen Spitzgraben mit dahinterliegendem Erdwall. Nachdem diese Anlage zur Zeit Hadrians verschleift worden war, wurde ein Stein- kastell mit einer ganz eigenartigen Mauerkonstruktiou, entsprechend der der keltischen oppida, und davorliegendem Graben errichtet (siehe: der Obergermanisch-raetische Limes des Römerreichs, Lief. 27 die Kapersburg). Und schließ­lich wurde auch dieses teils geschleift, teils mit Brandschutt und Erde bedeckt und durch das dritte Kastell beziehungs­weise zweite Stein kastel l ersetzt. Das Interessante bei diesen Umbauten ist nun, daß die Mauern der Stcin- kastelle teilweise in den verschütteten Graben des vorher­gehenden Kastells eingebaut worden sind, so daß sich, besonders auf der West- und Nordseite, nicht nur die drei Gräben überschneiden, sondern ineinander überlaufen und außerdem noch die Kastellmauer und -Mauern enthalten. Hierüber haben die Reichsgrabungen schon interessante Ausschlüsse gegeben, die sich bei der vollständigen Frei­legung sicher noch erweitern iverden.

Die bei den Reichsgrabungen gemachten Funde werden vorläufig noch, da die Untersuchung der Kapersburg von Homburg aus geführt wurde, auf der Saalburg auf- bewahrl. Es kann hier nicht der Ort sein, auf die Münzen, Stempel usw. genauer eiuzugchen, sondern es mag ge­nügen darauf hinzuweisen, daß hauptsächlich eine Ab­teilung der legio XXII Primi gen ia. via fidelis (abgekürzt PR PF oder P P F) auf der Kapersburg die Besatzung bildete. Hervorragend unter den bisherigen Funden sind eine goldene Halskette, eine goldene Nadel nnd zlvei Ringe. Auch die bisher gefundenen Bronze-Gegenstände, meist Schmuck- und Wafsenteile, sowie die Eisenstncke bean­spruchen lebhaftes Interesse. Am wichtigsten sind natnr- lich die Inschriften nnd Stein den km äler: dahin gehört l. ' ein Epona - Relief, dessen Inschrift auf das Jahr 202 ii. Ehr. hinweist; 2. ein dem Genius der Veredarii gewidmeter Stein von der Wende des 2. zum 3. nachchrist­lichen Jahrhunderts. Die Vcredarier find eine Truppe (numerus) leichter Reiterei. 3. Eine Bauinschrift vom horrcum,' das ' von der 22. Legion errichtet worden ist. 4. Ein Altar der Fortuna aus der Mitte des dritte.« Jahr­hunderts. 5. Eine Jnschriftplatte auf den Kaiser Alexander Severus (222235).

Die im Vorstehenden gebotene kurze llebersicht der Verhältnisse auf der 'Kapersburg zeigt deutlich, daß das