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aus weißem, glatte» Papier besteht, und daß Ewald Frank ur der Eile und Aufregung ihr Löschblatt mit der geheimnisvollen Spiegelschrift mit sich nahm. Mit zitternden Fingern löst sie den Faden, der das Papier zusammenhält. Ein Name sieht ihr entgegen,
Ihr wird plötzlich ganz matt und ohnmächtig ... .
Ihr Name. . . und darunter mit Ewald Franks schöner, klarer Handschrift: _ .
„Ich vertraue den Engeln. Sie werden dir mwn, m der Himmelfahrtsnacht den Weg in mein Herz zeigen . . ."
Da wirst sie die Mine über den Tisch und legt ihr braunes Haupt, auf das der Nachttau in schimmernden Tropfen blnikt, darauf... .
Dann faltet sie die Hande und bittet ganz demütig:
„Lieber Gott, der du solch wunderschönes Fest wie Himmelfahrt ist, gemacht hast ... gib auch, daß Ewald Frank meine Spiegelschrift herauskriegt . . ."
Vsrm^ehtss.
** Ggs fer nio e r k. In den Vereinigten Staaten, ivo die Uebertmgung elektrischer Energie auf sehr große Entfernungen sehr verbreitet ist, auch Fernheizwerke vielfach im Betriebe sind und sogar die Verteilung von Kälte zur Kühlung der Speisen und der Luft mit Hülfe auhsgedehnter Rohrnetze in den Großstädten mehr und mehr in Aufnahme kommt, beginnt man neuerdings' auch, Leuchtgas für Licht- und Kraftzwecke unter hoheur Druck auf große Entfernungen zu verteilen. Eines der größten Gasfernwerke ist nach dem „Prometheus" das der Western United Gas and Electric Compauh in Aurora in der Nähe von Chikago. Dieses Werk versorgt in 25 verschiedenen Städten 19 600 Abnehmer mit Gas. Die Gesamtlänge des Rohrnetzes betrügt 690 Kilometer, die grösste Entfernung zivischen Gasanstalt und Berbrauchsstelle 83 Kilometer. Der Betrieb des Werkes begann im Jahre 1902 mit einer 20 Kilometer langen Gasfernleitung. Die Fernleitungen bestehen ganz aus gezogenen Stahlrohren, von 19 bis 203 Millimeter Durchmesser, die durch Muffen miteinander verschraubt und etwa dreiviertel Meter tief im Erdboden verlegt sind; mir für die Verteilungsleitungen in den einzelnen Städten sind gußeiserne Niederdrnckrohre verwendet worden. Die Hochdruckleitungen werden auf fünf Atmosphären geprüft. Das Gas wird in vier Gasanstalten, die zusammen täglich 76 000 Kubikmeter liefern, hergcstellt und durch Dainpf- kompressoren auf 2,1 Atmosphären Druck gebracht, Au den Ver- teilungKstellen wird dieser Druck durch geeignete Drosselventile reduziert,
* K annS t. Hubert u 8 wirkli ch a l s Schn tz Patron der Jäger bezeichnet tu erden? Die Verehrung des hl. Hubertus als des Schutzpatrons der Jäger stützt sich bekanntlich auf die Legende von seiner Bekehrung durch das Erscheinen eines Hirsches mit dem Kreuz zwischen dein Geweih. Zn dieser Legende macht Prof. Dr. A. Schwappach von der Forstakademie Eberswalde interessante Ausführungen in seiner „Entwicklungsgeschichte der Jagd", die ein Kapitel des neuen Povulärwissen- schasllichen Prachtwerkes von Haus Kraemer „Der Mensch und die Erde" (Deutsches VerlagshauS Bong u. Co., Berlin W. 57) bildet. An. der Hand des sorgfältig gesanunelten Urkundeir- materials weist Prof. Schwappach nach, daß hier eine Verwechselung zwischen dem hl. Hubertus und dem hl. Eustachius vorliegt, der ungefähr vier Jahrhunderte vor dem hl. Hubertus lebte und von dein dieselbe Bekehrnugsgeschichte erzählt wird. Professor, Schwappachs Darlegungen werden ergänzt durch Reproduktionen von Türerschen und Beughelschen Bildern, die denselben Gegenstand behandeln und weitere Beweisstücke für Schwappachs Aufsasfung bilden.
„Jemanden beim Schlafittchen kriegen." Was diese Redensart bedeutet, wissen wir alle. Wir denken uns darunter ein derbes Abschütteln unter Anlvendnng von Gewalt, um jemanden zurechtzuweisen oder hinanszustecken. Da wir bei diesem „Polizeigriff" meist nach dem Kragen rind Rock- Henkel des anderen meuchlings streben, so könnte man glauben, das „Schlafittchen" ist ein Teil der Kleidung oder wohl gar ein Körperteil, der dort seinen Sitz hat. Das ist nun freilich eine irrtümliche Mnahme. „Schlafittchen" ist eine ländliche Verkürzung des „Schlagfittichs" der Gans. Hat matt den Vogel erst bet den starken Schlagfittichen, so ist es auch um seine Freiheit geschehen. „Bei den Schlagfittichen" wurde also von bequemen Zungen, wahrscheinlich zuerst int Sachsenland, vereinfacht gesprochen, „beim Schlafittchen", wie ja der Sachse auch einen rüpelhaften Kraftprotzen als „Schlagetot" bezeichnet, wofür er aber gemütlich sagt: „Schladod".
, '"D Karl Simrock. Sein Leben und Schaffen von Gvtt- hold Klee. Mit Simrocks Bildnis und eittetn Stammbuchblatt als Handschriftprobe. Leipzig, Max Hesses Verlag. — Man hat
Simrock bisher zu wenig gewürdigt, und es tväre jetzt an der Zeit, ihn gerechter zu beurteilen. War er doch einer der begeistertsten Vorkämpfer des Deutschtums. Seinen Nebersetznngen des Nibelungenliedes, der Gudrun, Wolframs von Eschenbach, Walthers von der Vogelweide, des Heliand, ist es vor allem zu danken, wenn in weiteren Kreisen Kenntnis und Vertrautheit mit den uralten Schätzen deutscher Heldensage gewachsen ist. S» gut wie nicht gekannt ist sein „Amelnugenlied". In der Regel wird es für eine Uebertragnng aus dem Mittelhochdeutschen gehalten, während es eine vollständige Nendichtnng ist auf Grund aller Epenstoffe.
— Wieder liegt uns eine nette Serie der bekannten Halleschen „Hendel-Bände" vor: Bibliothek der Gesamtliteratur des In- und Auslandes (Halle a. S., Verlag von Otto Hendel.) Zunächst Paul Gerhardts Geistliche Lieder, aus Anlaß der Paul Gerhardt-Feier erschiene». Diese wohlfeile Ausgabe enthält sämtliche religiöse Gedichte Gerhardts, soweit sie uns erhalten sind, in ihrer ursprünglichen Form. —. Gudrun, in der Simrockschen Uebersetzung, bildet das nächste Bändchen. Dieses große Epos ans dem Sagenkreis der Nordsee, das hohe Lied von der Treue, wird recht bezeichnend auch wohl „Die Nebensonne der Nibelungen" genannt; es bildet gewissermaßen ein Seitenstück zutn Nibelungenliede. Dir hier vorliegende Gudrun-Uebersehung, die einer weiteren Empfehlung ja nicht bedarf, schließt sich deut unlängst in der „Bibliothek der Gesamtliteratur" erschienenen Nibelungenliede in der Ausstattung ganz an und darf derselben weiten Verbreitung sicher sein, wie dieses. — Ein weiteres Bändchen enthält dir Ge-, dichte v v n A n a st a s i u s G r n n (Anton Graf von Auerspergs
Des Hirte» Mailied.
(An? den ersten Maitagen des Jahres 1907.)
1. Von Sounenwärme keine Spur, Obwohl der Mai gekommen.
Ein Sturmwind braust durch Wald und Flur, Kein Lied wirb mehr vernommen.
2. Der Regen peitscht das Haus erbost, D'rin Feuer glüh'» und flackern!
Doch kommt vom Hoi ein Frühlingstrost: Der Henne Glucken, Gackern.
8. Sie freut sich ihrer jungen Brut
Troß Kälte, Sturm und Nöten:
Das läßt auch mich mit frohem Mut Ein Lied schalmei'n und flöten.
4. Im winterkalteu Monat Mai
Von ueunzehnhundert sieben, Vlas ich am Ofen die Schalmei Den Kindern, meinen Lieben. Dr, F. K. in Gieße».
Charade.
Nachdruck verboten.
Einst zogen drei Wandergesellen Durch's Erste mit munterem Schritt. Es trieb mit Gewalt sie iit’s Freie; Denn länger bei „Zweie und Dreie" Zu bleiben gefiel ihnen nit.
Im blühenden Frühlingsgeschmeide Erglänzte die lachende Welt. Da sanden beim Sonnenstrahle Die Burschen da? Ganze im Tale, Nur war es so schlecht nicht bestellt. Selddrilt ging es eilig zur Schänke. „Herr Wirt, bringt Erquickung uns schnell Und schaut, was gesunden wir haben — Juchheißa! Wie soll es uns laben! — Werft schnell es hinein in den Quell."
Sie tranken und schwelgten glückselig.
. Doch ivehe l Bald folgte die Pein: Wie tot sand in Eins man sie dorten; Denn — ach! — ihr Zwei-Drei geworden War's Ganze. Was mag das wohl fein ? Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung de8 Kreuzrätsels in voriger Nummerr
S 8 B c e a h m n Sehe i d e g g Semi rami s Band agi b t ernt g i s g s t
Redaktionr Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«.


