Ausgabe 
7.10.1907
 
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T'tyiUis und Theater in Japan.

Von Fred F r e d y - Gießen. (Original-Artikel derGieß. Fam.-Bl").

Es war an einem kühlen Herbstmorgen des Jahres 1903, als unser Schiff mit verlangsamter Fahrt an der Nordspitze der Insel Nippon vorbei in die Tsngarstraße einfuhr, dann Kurs änderte und im Hafen von Hakodate Anker warf. Hakodate ist eine der größten Städte Japans und wir glaubten daher im Hafen, der einer der sichersten ist, die Mntter Natur geschaffen hat, eine ansehnliche Handels­flotte vorzufinden; doch nur ein einziger Dampfer der Kiuschu-Nippon-Gesellfchaft lag vor Anker, alle anderen Fahrzeuge waren Fischerflotten, große und kleine Zam- pans und Dampfpinassen. Hakodate liegt gänzlich außerhalb der Sphäre des Handelsbetriebes, hat überhaupt keinerlei Verbindungen mit dem ausländischen Handel.

Großer Fischreichtum und der unerschrockene Mut der Schiffsleute, sich in ihren kleinen Fahrzeugen selbst auf hohe See zu wagen, wo der Fang viel lohnender ist, haben die Fischerei in hohe Blüte gebracht, und große Räuchereien an der Küste verarbeiten das Material.

Bis uns die kleine Dampfpinasse eines Schiffsmaklers an Land gebracht hatte, war es Mittag geworden. Da es in Hakodate kein deutsches Konsulat gab, fielen Meldungen und Komplimentierbesuche weg, und ivir konnten unsere Globetrottertätigkeit beginnen, bummeln, hören, sehen und staunen. Denn es war interessant und schön zugleich, eine japanische Stadt kennen zu lernen, die, wenig bedacht mit europäischer Kultur, heute noch kein Ansiedelungspunkt für Ausländer ist. rr_

Was beim Landen sofort jedem Besucher auffallt, i)t der Mangel an Steinbauten; bis auf einige massive Lagerschup­pen und ein größeres japanisches Hotel sieht man nur kleine Holzhäuser. Gerade angelegte Straßen führen vom Kai aus in das Innere der Stadt und fast jedes Wohnhaus hat sein kleines Gärtchen mit Koniferen und Zierpflanzen. Ein gar freundlicher Eindruck war es, den die ganze Stadt sofort aus uns machte, wozu nicht zuletzt die raffinierte Sauberkeit der Japaner beitrug. . , .

Ein Teehaus war bald gefunden und tm Geiste, nicht ohne Ironie den alten Spruch zitierend:Japan ist das Land, wo die Blumen ohne Duft, die Blüten ohne Früchte, und die Mädchen ohne Liebe sind" betrat ich den Bor­garten dieses Hauses. ,

Mit einem tiefgedienertenOhaio!" kam mir eine alte Japanerin entgegen in schwarzem Kunono und mit noch schwärzeren Zähnen. Das gelbe runzelige Gesicht strahlte vor Vergnügen, wahrscheinlich über die Aussicht, einen p-renl-

meinen beschriebenen Rechten vnndt dero Praeticanten einhelligen Lehr allerdingß trisftig seindt, daß nicht allein auf solche weyß Eine häuffig g r a n i r t e Person gefänglich an­genommen, sondern auch in en entum mitt Peinlicher Frag möge angegriffen werden, Hirumb so entschließen Wihr Vnnß nochmahln gleich gestallt dahin, daß die. oberwehnte Anna den nechßten zur Hassten gebracht, vnndt dann nachgchendts, wo Sie guetlich nichtß bekennen wolte, oder die wieder Sie Vor­kommens Jndicia hieroberßteller moßen mitt bestandt nitt ableinen, sondern allein in genere Jhro Verschuldt vergeben würde, wohl könne vnndt möge t o r q u i r t werden, maßen zue- mohln nichtß hindern thuet, Ob schon fast ein Jeder von ob- ernannten Ornzeugen von einer besonderen Thath deponirt vnndt allßo protestiby singularibh wollten geachtet wer­den, dann dorausf diese antwort ist, daß von der Bezeugen de- p o s i t i o n e s vnndt Aussagen zu einem endt vnndt beweißthumb einer Thath sich wenden, allßdann solche Betrüger nicht pro singularibh gehalten werden, Vnndt daß dieße Vnnßere resolution den Gemeinen beschriebenen Kahserlichen Rechten vndt Peinlicher Halßgerichtsordtnnng ähnlich vnndt genieß sehe, So haben Wihr zue Verkhundt, daß es Bnnßer gewöhnlich Jnsigill hirauffgetruekt, So geschehen

Meintz den 2. Octobris 1643

L. S.

Decanus, Senior vnndt anndern Doctores der Juristen Facultät in der Universität Meintz.

In dem Grciffeusteiuer Hexenprozeß wurden 15 Per­sonen 11 Frauen und 4 Männer nachpeinlicher Anklage wegen Mordes, Hexerei, Zauberei, Ehebruchs uitb Giftmischerei" zum Tode verurteilt uud nach vorangegauge- nem Zwicken mit glühenden Zangen verbrannt.

Hungen. S t a u b a ch.

den erwischt zu haben, dem es auf ein paar Aen, gleich zwei Mark, nicht aukam.

Die vielgerühmte Sauberkeit bewirkt, daß man mit der Zeit, wie die Bewohner des Hauses selbst, ganz instinktiv die Schuhe vor der Tür auszieht, um sie mit einer Art Strvhpautoffel zu vertauschen. Und das nicht mit Unrecht. Aitf den feinen Strohmatten, die den ganzen Boden der Zimmer bedecken, schläft, ißt und arbeitet der Japaner.

Was nran iit den japan. Teehäusern nicht bekommt, ist Tee. Den größten Absatz erzielen Wein, Limonade und Asahibier, ein nach deutscher Art gebrautes Helles Bier.

Nachdem mich die Alte grinsend in das Gastzimmer komplimentiert hatte, bestellte icb mir eine Flasche Limo­nade und Zigaretten. Die, Alte brachte es. Und als ich mir eine der dünnen, stark parfümierten Papyros anzündete, summte ich unwillkürlich aus JonesGeisha" den Mi- mosawalzer:Tanz' du kleine Geisha du!" Da klatscht die Alte plötzlich ein paarmal in ihre Hände. Also die Frau kannte die Melodie und ich erfuhr erst später, daß es überhaupt keinen Japaner gibt, der dieGeisha" nicht kennt. Die Alte aber hatte eben den Mimosawalzer für einenWink mit dem Zaunpfahl" gehalten und verstän­digte durch Klatschen ihre jungen Dainerc.

Eine dünne Holztür wurde beiseite geschoben und herein spazierte im Trippelschritt, bekleidet mit farbenprächtigen Kimonos, ein halbes Dutzend der kleinenMädchen ohne Liebe". Nun hatte ich die Wahl; mich mit allen sechsen zu unterhalten, wäre über meine Kraft gegangen. Ich suchte nach der hübschesten, winkte diskret und die fünf übrigen machten kehrt wie eine Korporalschaft gut einexerzierter Soldaten, und verschwanden dort, von wo sie gekommen. Hinter ihnen aber schob die Alte, so süß, als es ihr möglich war, lächelnd, die Tür von außen zu.

Ohne Prüderie und Stolz saß klein Kaita, wie sich meine Mimosa" nannte, bald neben mir, bald auf meinem Schoß und radebrechte in: süßesten Deutsch-Englisch ein ums andere Mal:Ci heff jn lieb, süsse Satz!" Dann griff sie zu einem Saitenspiel, ähnlich dem unserer Gitarre und fing graziös an zu rupfen. Das sah sehr hübsch aus aber diese Töne!

Mir machte Kaitas Gebaren, das die Absicht, mich zu animieren, stark durchleuchten ließ, viel Spaß. Ich ging auf alles ein, trank schließlich Wein und rauchte noch mehr Ziga­retten, bis mich meine Uhr belehrte, daß es Zeit zum Aus­bruch sei. Ich bezahlte meine Rechnung, eine Summe, für die ich hätte bei Dresse! in Berlin dinieren können, und ging, begleitet von dem lieblichenGaio" Kaitas. Als ich mich an der Gartenpforte nochmals umsah, stand die Alte in der Tür und zeigte mir ihre schwarzen Zähne. Wo mögen die sein, die einst aus diesem Mund dassüsse Satz" hörten?

Nach Miike zu reiten, war es zu spät geworden. Es ist das größte der japanischen Kohlenbergwerke, wo übrigens tertiäre Kohle abgebaut wird, im Jahre ea. 400 000 Tonnen.

Jede Stadt Japans hat ihr Theater. Di,e Industrie­ausstellung zu Osaka beherbergte seinerzeit sogar vierzehn Bühnen.

In einer Sackgasse, die das sonst freundliche Straßen­bild vermissen ließ, fanden wir den Musentempel. Man denke sich auf tlnseren Juxplätzen eine große Schaubude, mit der dicken Besitzerin an der Kasse, den Ausschreiern nnd bunten grellen Plakaten; denke sich statt der Dicken einen Japaner mit einem Hallunkengesicht an der Kasse und statt der Pla­kate Fahnen, und man weiß, lute ein japanisches Theater von außen sich präsentiert. Beim Eintritt fällt dem Besucher zunächst die Dunkelheit, ja die Finsternis auf, tue in dem ganzen Raume herrscht. Nach längerem Verweilen gewöhnt man sich jedoch daran und kann seine Umgebung unter cheiden. Während die vorderen Plätze einfache Pettsch- bänke anfweisen, die etwas tiefer liegen, ist der übrige Raum nur mit Strohmatten bedeckt. Hier sitzt nun gro,; und klein, alt und jung üt atemloser Spannung.

Die Bühne weist ein regelrechtes Proszenium auf, das arell bemalt mit altjapanischen Bildern, unter anderem auch Masken zeigt, die denen der griechischen schauspieler sehr nahe kommen. Vergebens suchte ich nach einem Vorhang. Da ei» Gongschlag, noch einer und die Bühne öffnet sich. Der Vorhang ist aus Holz und wird gleich einer Schiebetür nach rechts und links auseinandergeschoben.

Was ich zunächst sah, war ein gewöhnlich eingerichteter