Ausgabe 
7.10.1907
 
Einzelbild herunterladen

- iS ff 4

sich nur nicht!" meinte er gutmütig spottend.Bedenken Sic immer Iven Sie vor sich haben."

Der Zurechtgewiesene wurde rot.Ich meine ja auch nur, die Aehnlichkeit ist mir ausgefallen ich behaupte ja nicht, das; der Herr da mit"

mit dem Begleiter von heute nacht indentisch ist?" fiel Walden wegvoerfend ein.Das möchte ich mir auch hübsch ver­beten haben!"

Ihre Blicke trafen sich unfreundlich! geheime Gegnerschaft witterte einer beim andern. Der Detektiv würde seinem Unmut noch mehr Ausdruck verliehen haben, hätte sich der Rat nicht be­schwichtigend ins Mittel gelegt.Friede Ihr Herren, wir haben wichtigeres zu tun, als über Aehulichkeiten zu sprechen, die in einer Großstadt tagtäglich vorkoinmen und in unserem Falte völlig gegenstandslos sind." Er legte vertraulich die Hand auf Waldens Arm, der inzwischen unmutig die Bildkarten wieder eingesteckt hatte.Wir können vorläufig den Beweis als erbracht sehen, daß dieser in verwichener Nacht in der Unglücksdroschke gewaltsam ums Leben gekommene Manu identisch mit dem von den ausländischen Sicherheitsbehörden schon seit Jahren steckbrief­lich verfolgten Einbruchsspezialisten ist. Freilich beschämend für uns, das; der Mensch sich zu Lebzeiten unbehelligt hier in Berlin aufgehalten und sogar in öffentlichen Theatern auftreten konnte", bemerkte er mit einem scherzhaften Augenzwinkern gegen Rokohl hin, der seine unmutsvolle Miene beibehalten hatte.Na, immer­hin besser, unser Mann ist zu spät, als garnicht entdeckt worden." Er wendete sich wieder eifrig an den Detektiv.Die Spezialität des Menschen ist es also gewesen, in reiche Privathäuser ge­legentlich der in diesen veranstalteten Festlichkeiten sich einzu­schleichen und an Kostbarkeiten zu stehlen, was ihm unter die Finger kam?"

Walden nickte; er schien gleichfalls noch verärgert.Ich glaube, der Mann hat in letzter Nacht seine letzte Gastrolle ge­geben, um beim Bilde zu bleiben", bemerkte er trocken.Kom- merzicnrat Selkenbach hat durch das Telephon bereits wiederholt nach Ihnen gefragt. Der Herr hat es augenscheinlich eilig, mit Ihnen zu konferieren."

Der Rat stutzte.Selkenbach . . . ach/das ist ja der Mann, welcher in verwichener Nacht die grosse Gesellschaft gab."

Walden hatte von Anfang an der Leiche geflissentlich den Rücken gekehrt; auch jetzt wies er nach ihr mit flüchtigem Achsel­zucken.Vermutlich ist er von dem Manne da in letzter Nacht gehörig gerupft worden."

Mag zutreffen. Vermutlich hat der Mann alsdann nicht allein gearbeitet, sondern Helfershelfer gehabt. Diese mögen ihn berauscht gemacht und beseitigt haben offenbar haben sie ihn; auch geraubte Wertsachen wieder abgenommen", meinte der Rat nachdenklich.Trifft das zu und wurde ein dunkler Ehren­mann vom anderen abgetan, so müßte man diesen Helfershelfern eigentlich Dank wissen, statt sie zu verfolgen, denn ihre Tat befreite die Welt vion einem gefährlichen Halunken......

Hni hm", unterbrach er sich sinnend,was dann freilich der auf solch unerklärliche Weise aus dem Eilenburgschen Hause in der Tegelerstraße verschwundene Kutschwagen mit dieser brutalen Ge­schichte zu tun haben kann, erscheint mir immer schleierhafter und doch muß die Droschke auf das Opfer mit Vorbedacht ge­wartet haben. Mehr noch! Die Wahl der Verbrecher muß ge­rade auf diesen Wagen, von dem sie wußten, daß er unbenutzt stand und sein Fehlen darum schwerlich wahrgenommen werden würde, gefallen sein. Der Mörder dieses Mannes muß also mit den im Eilenburgschen Hause herrschenden Verhältnissen ge­nau vertraut sein und dabei scheint der Fuhrherr den Namen eines ehrlichen Mannes nicht nur im Munde der Leute zu führen, sondern ihn wirklich zu verdienen."

Gehen Sie in JWn Schlußfolgerungen nicht zu weit, Herr Rat. Der Zufall treibt gerade in unserem Beruf oft die wunderbarsten Blüten. Sehen wir ganz von der immerhin vor­handenen Möglichkeit ab, daß das uns hier beschäftigende Ver­hängnis und der Wagen, will sagen der Lenker desselben, in keinerlei Wechselwirkung zueinander stehen, so muß der Kutscher und dies ist sicherlich der Mann, der Wagen und Pferd ent­führte, nicht gewußt haben, daß man ihn nur bemüht hatte,. um ein bereits geplantes Verbrechen umso sicherer und ungestörter ausführen zu können", gab Walden ztl bedenken.

Gewiß, das alles sind nur vorläufige Annahmen, schillernde Seifenblasen, welche schon der nächste rauhe Wirklichkeitshauch zerplatzen mag", stimmte Hansemann bei. Doch vorläufig folge ich meiner kriminalistischen Witterung und die sagt mir, daß zwischen . Droschke und Mord ein innerer Zusammenhang besteht; die Untat geschah in ihr nicht nur zufällig."

(Fortsetzung folg!)

Der Hexenprozeß zu Grerffcnstein 16431645.

(Nachdruck verboten.)

Vor mir liegt ein Aktenband aus dem fürstlichen Archiv zu Braunfels mit der Aufschrift.D er Hexen- prozeß zu Greiffenstein 164345". Das Studium des etwa 200 Schriftseiten umfassenden Buches gewährt einen Einblick in jene düstere Zeit am Ausgang des 30 jährigen Krieges, in der in all dem sonstigen Jammer und Elend der Hexenglaubc und die Hexenverfolgung die krassesten Formen annahmen. Haß, Habgier, Denunzia­tion, Folter und vor allem Dummheit waren die Gift­pflanzen, die den Hexenglauben nährten. Unsägliches Leid wurde durch den unglückseligen Hexenwahn über weite Gegenden Deutschlands heraufgeführt; rücksichtslos ver­nichtete die Folter Familienglück und Menschenleben. Auch unsere engere Heimat hat lange Zeit schwer geseufzt unter den Geißelhieben verblendeter und unmenschlicher Hexen­richter. Man lese nur G. SchäfersHexe von Bingen­heim". Dieser Roman malt ein düsteres Bild jener schreck­lichen Zeit. Nirgends bot den Verfolgten sich Schutz und Hilfe; vor allem nicht im Schoße der Kirche, die diese Art der Barbarei besonders förderte. Wissenschaft und Rechtspflege waren ebenfalls bon- dem Hexenwahn er­griffen. Das möge aus der in dem Greiffensteiner Pro­zeß von der Jur ist en-Fakultät der Universität zu Mainz gegebenen Entscheidung hervorgehen. Das Skrip­tum lautet:

Alls; Wihr T e c a n u s vnndt Andere Doctores der Juristen F a c n l t ä t in der Universität M e i n tz mibt besonderem Bleich ersucht worden, Vnnßer rechtlich Gutachten zu eröffnen, waß uemblich vorgesetzte FaetiDelineationem in puncto verdächtigen Zauberei; Lasters nach Anleitung der Rechten ahm nähesteu ftirzuenehmen vnndt zu st a t n i r e n sein mögte, derowegen so haben Wihr daßelbe rechimeßig begehren in keinen weg verweigern, sondern dem willfährig statt geben wollen vnndt siutemahlen Wihr dann reiflich erwogen, daß au- gezogene Jnquisitin Anna von langer Zeith hero, unter dem gemeinen Mann ihres ortlch, deß verdamblichen Zauberet; Lasters halber einen Bösen Leymunth auf sich geladen und be­halten, Neben beme dießelbe knrtz vorher durch verschiedene vmb gleichen Verdachts willen zur Hofften gezogene Personen, be- nantlich Ellß, Clauß Cumps, Elißabethen und Otilien, zuemahln mit anzihung übereinstimmender v e st i r t e r Vmbständeu, für eine ihrer Hexische mitgespielin angegeben worden, Unbt welche sämmtlich auch hernachs solche ihre so gnet: so Peinlich abgelegte benunciationeS bin* cf) bie Stattet ünnbt scibtlicOen allerdingß ohnewiederrueslich beßtädiget haben. So dann virtens hierzu noch weiters Khombt, daß neben berührtem gemeinem. Geschrei; vnndt nominationiby andere mehr a d m o nie u ta, vnndt argwöhnische Vermuthmaßung eoncurriren, funtilen vnndt midtlaufen, Insonderheit daß Erster und Zwehte beetjbigte Zeugen außgesagt, waß gestallt Sie gehört und gesehen, daß allß vor Jahren, wirbt der Hochwohlgebohrne Graff Hannß Conradt von Solms; zwohr krankhliegendt, iedoch wieder Menmglichst starke Hoffnung zur reconvalesceutz, Buudt wieder des; damahlß gebrauchten Barbierersdohin beschehenes höchstes C o n t st a t i r e n, das; selbige Leibßonpeßlichkeit nemblichen, dasern Gott anderß nicht sonderbohr Unglückh zuschickte, Seiner Grafflichen Gnaden ahm Leben nichts schaden mürbe, gleichwohlen die;elbe gohr balden so plötzlich vmbgeschlagen, vnndt darauf Thothß verblichen. Sol­cher unglückhaffter Fürst vnndt damahm von dero Grässlicher Gemahlin vnndt Jrer Wittibn Niemandt anuderß sehe beyge- weßen Warden, dann! allein dieser beschreyten A n ne n, allß waß welche nicht allein Seine Grässliche Gnaden ,elb,gen lob- würdigsten Andenkens kurtz vor ihrem abschredt, sondern auch dero Gemahlin einen verdacht und argivohu geworffen, wegen eines; beni' wuschen nach mitt Gift «ungefüllten Weckß, den Sw Anna ohnvermerkt inß Zimmer eingebracht, vnndt wovon der Herr Graff eine Schnitten in wein genetzt geilen, gestrackst aber darauff angefangen haben sollt, sich sehr übel äuegeocn, dahero auch von hochwohlermelter Grässlichen Wittib die Ju- guisitin mit zornigem Gemueth gleichsamb in ipso flagranti Crimine behendt anßm Gräsflichen Gemach ver­stoßen vnndt Memiglichßt verbotteu worden, daß man selbige mit mehr inß Gemach einlaßen solte, Item Fünftens noch ein Soldat Jacob Giß i n r a t o bekant. Nach beme etwa waß eine Zeith Seine Hausfraue bey Jhro Annen gantz frisch vnndt ge- sundt zue Gast gemeßen, dieselbe wiederheimbkhommendt sich incontinenti im Leib anfangen zue klagen, vnndt solches biß ahn Ihr absterben geharret, Nuhn aber diese vnndt der­gleichen Theillß von sich selbsten alleinig vnndt ©ine alHs adminieulis, vnndt allßo vielmehr coniunctim zue- samen tringenbe Jndicia nach verordtuung sowohl der Pein-' lichen Halßgerichtsordtnung Caroli V. allß fünften G.e-