Ausgabe 
2.10.1907
 
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1907

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Auf der eigsnsK Spur.

Kriminalroman von Otto H o e cke r-

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sie sollen die Kinder nicht so verwöhnen", schmälte Frau Schuhmacher freundlich.Freilich", setzte sie freundlich hinzu, Sie sind der einzige Mensch, von dem sie Gutes erfahren. Ihr leibeigener Vater denkt nie daran, sie zu erfreuen. Er sorgt kaum für das Nötigste. Gar in der letzten Zeit ist es schlimm geworden". Seufzend hatte sie sich ihrem Besucher gegen­über niedergelassen. Er kommt kaum noch zum Schlafen nach Hause. Von einem Familienleben ist längst keine Rede mehr. Daran trägt nur seine unselige Leidenschaft fürs Theater schuld; er wird es doch nie zu einem wirklichen Schauspieler bringen. Wie glücklich waren wir doch früher! Ms Feinmechaniker ver­diente er ein schönes Stück Geld und es' war doch ein sicheres Brot". Sie seufzte und heftete den trüb umflorten! Blick auf den Detektiv.Doch wie ist mir. Sind Sie gestern vielleicht mit Gustav zusamniengetrofsen? Er sprach mir wenigstens davon, er wollte sich mit Ihnen treffen?"

Walden nickte; er vermied es dabei, dem Blicke der jungen Frau zu begegnen.Ich bringe Ihnen gute Botschaft", äußerte er schnell.Diesmal ist er auf dem besten Wege, seinen Küustler- traum zu verwirklichen."

Nicht möglich", sagte Frau Schuhmacher, ihir erstaunt ast- schauend.Gustav sollte wirklich Aussicht auf eine Anstellung haben?" Sie schüttelte wieder zweifelnd mit dem Kopfe.

Nicht nur Aussicht!" wiedersprach der Detektiv; cs schien ihm zu heiß auf dem Stuhl zu werden. Hastig erhob er sich und begann in der Stube hin und her zu schreiten.Das ist eine lange, wunderbare Geschichte. Erinnern Sie sich noch im letzten Frühjahr hoffte er, ein Engagement nach Nelv-Aork zu be­kommen. Die Sache zerschlug sich dann wieder."

Es war eine Seifenblase, nichts Wester", meinte die junge Frau bitter.Ich sagte es ihm gleich, wie er als unerprobter Anfänger daran denken könnte, an ein großes Theater berufen zu werden".

Das ist nun doch geschehen mehr noch, Gustav! ist bereits nach seinem Wirkunasorte unterwegs. In dieser Stunde schwimmt er bereits auf dem Ozean".

Zittend erhob sich Frau Schuhmacher; ganz verstört starrte sie auf den Detektivs her eben am Fenster stand und interessiert auf den Hof schaute.Das nennen Sie eine Botschaft? Er hätte es über das Herz gebracht, Weib und Kinder zu verlassen ohne auch nur Abschied von! uns zu nehmen? Das setzt allem die Mone auf! Mein Himmel, was soll aus mir und den armen Würmern werden! . . . Doch nein, ich kanns nicht glauben. Sie treiben nur Scherz mit mir!"

Es ist mein voller Ernst," meinte Walden, ihr iroch immer den Rücken wendend.Die Sache kam so überraschend, daß sie fast märchenhaft klingt. Die Saison im Jrving-Placc-Theater in Newjork hat gerade begonnen; der Gustav vorgezogene Schau­

spieler ist plötzlich gestorben. Da kabelte der Direktor nm Ersatz au seinen hiesigen Agenten; dieser entsann sich Gustavs und berief ihn zu sich. Das wär gestern mittag. Er bot ihm fünf­jährigen Kontrakt an; die Bedingung war nur, daß er stehenden Fußes uach seinem neuen Wirkungsvrt abreiste. Da nun gestern abend der DampferColumbia" von der Hamburger Linie in See stach, mußte er diesen benützen. Ich habe ihn selbst nach Bahnhof Friedrichstraße begleitet".

Die junge Frau stand noch im'mer in starrem Erstaunen; die ihr gewordene Mitteilung hatte sie so erregt, daß sie das selt­same Gebahrcu des Detektivs gar nicht wahrnahm; es fiel ihr auch nicht auf, wie Walden ihr immer nvch beharrlich den Rücken kehrte und vom! Festster aus sprach.Aber wie ist das mm Möglich!" hastete sie dann.Gustav ist doch mittellos! Eine solche Reise kostet doch viel Geld er hat ja auch Nichts! mitgenommen. Unmöglich kann er wie er ging und stand, fort-, gefahren sein . . . MM erinnere ich mich, er war im Frackanzug. Ich mußte ihn erst einlösest. Er sagte. Sie hofften ihm eine! Aushilssstelle als Kellner oder dergleichen verschaffen! zu können."

Das wär meine Absicht, doch der glückliche Zwischenfall änderte unfere Plaste". Er wendete sich mit einem gezwungenen Lächeln nach der immer noch kopfschüttelnd in der Mitte des Zimmers stehenden Frau um.Lersteu Sie es nur begreifen/ Frau Schuhmacher, daß das Glück endlich an die Tür gepocht; hat", fuhr er fort, sich zu einem herzlichen Doste zwingend.Da, schauen Sie, was ich für Sie habe". Er hatte in die Tasche gegriffen und dieser die kurz vorher gekauften' Dampferkartest entnommen.Das schickt Ihnen Gustav . . . mehr noch. Hier sind vier Einhundertmarkscheine, die sendet Ihnen gleichfalls. Sie sollen während der Ueberfahrt nicht ohne Mittel sein".

Wie im Traume schastte die junge Frau auf die Fahrkarten in ihrer Hand; nur zaghaft wagte sie die auf dem Tisch liegenden Banknoten zu berühren.Aber ich ich begreife das alles nicht!" hauchte sie endlich tonlos.Das kommt so plötzlich, so unerwartet--

Besser als garnicht", versuchte Walden zu scherzest.Gustav band mir auf die Seele, Ihnen sofort alles mitzuteilen. Doch Sie wissen, mein Beruf macht mich zum Sklaven. Ich könnte gestern nicht mehr abkommen." Er sah auf die Uhr.Wir müssen utts sputen. Es bleibt Ihnen kaum noch eine Stunde zum Packen, wenn wir den Kölner Mittagsschnellzug nicht versäumest wollen; er ist der letzte Anschluß au das holländische Dampf- schuld abtragen! Ja, ja, ich weiß wohl, davon wollest Sie nichts hören, darum wird aber unsere Schuld nicht geringer und wenn nun Gustavs Erwartungen fehlschlagen und er drüben nicht gefällt was denn?" fragte sie in neu aufsteigender Be­sorgnis.Lieber Gott, ist das ein fürchterlicher Gedanke! Haben Sie eine solche Möglichkeit schon erwogen?"

Walden starrte sie betroffen ast; er schien sich auf einen der­artigen Einwand nicht vorbereitet zu haben. Doch schnell gesammelt entgegnete et:Sie sind auch gar zu ängstlich, liebe Frau Schuhmacher. Fällt freilich der Himmel herunter, danst sind alle Spatzen gefangen. Doch daran ist nicht zu denken! Muß Gustav nicht hervorragendes Talent besitzen, wenn der erfahrene