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die Eingeborenen, die sonst mit ihren Waren zum' Markt nach der Stadt eilten, bleiben jetzt aus, der Karawanen- verkehr stockt und das Land wird von Räuberhorden brcrch- gelegt. _______
Der Syrup von Kalabrien.
Bereits in unserem Hauptblatte machten wir vor wenigen Tagen die Mitteilung von einem ganz ungeheuerlichen Schwindel, den sich ein Herr in Siegmar i. S. erdacht hat, atm seine Taschen mit den Talern zu füllen, die seit Jahren der Gesundheit beraubte harmlose Leute in der endlichen Hoffnung auf Heilung gern opfern. Bei uns in Gießen aber ist dieser harte Mann auf einen härteren Klotz geitoßen. Er sandte cm einen im Teufelslustgärtchen wohnenden Herrn folgenden Schreibebrief, den dieser uns überlassen hat, damit an dessen unfreiwilliger Komik sich unsere Leser ergötzen mögen:
Siegmar 1907. Motto;
Gesundheit ist Leben-
Ein hohes Alter zu erreichen ist und muß das Ziel eines jeden Menschen sein, der sich im Kamps um das Dasein redlich Mühe gegeben hat, dem Leben die besten Seiten abzugewinnen und so viel vor sich zu bringen, daß er in Ruhe seinen Lebensabend beschließen kann- Leider ist dies aber nicht immer möglich, da sich entweder durch anhaltend schwere Arbeit, den Witterungsnnbilden ausgesetzt, durch lange Dienstjahre in aufreibender Tätigkeit usw- Gebrechen des Körpers einstellen, die das Wohlbefinden erheblich herabmindern.
Vor nun drei Jahren kam ich durch Zufall in den Besitz eines Rezeptes, das am alte Zeiten erinnert, aus denen es» auch herstammt, wo es kräuterkundige Menschen gab, die sich die Heilkraft _ der Kräuter zunutze machten- Es waren dies meistens Menschen, die, auf sich selbst angewiesen, die Pflanzenwelt von Kindheit an kannten und deren Heilkraft in Krankheitsfällen erprobt hatten. Heut gibt es nur noch wenige Menschen, ivelche die sogenannten Hausmittel kennen, denn meistens sind die wertvollen Rezepte von den alten Leuten mit ins Grab genommen tvvrden, andere sind verloren gegangen- In der jetzigen schnellebigen Zeit hat man auch kein Verständnis dafür, und keine Zeit, sich mit solchen Dingen abzugebeu, huldigt man doch vielfach dem Grundsatz, „gut leben, wenit auch etwas weniger lange" So kommt es, daß man nur rastlos den: Glück und dem Verdienen nachjagt, ohne seinem Körper die nötige Pflege angedeihen zu lassen, um dann zu spät einzuscheu, daß man ein Leiden, welches sich schon längst einstellte, nicht beachtet hat- Meistens ist es dann zu spät, das Leiden läßt sich nicht mehr bekämpfen undj der Körper siecht dahin-
Tas mir überlassene Schriftstück lautet wörtlich:
Syrup Won Calabrien-
Dieses Rezept ist mir von einet vornehmen Dame aus Graz rn Lte her mack im Jahre 1811' mitgeteilt worden, mit dem Beifügen, sie habe dieses Geheimnis von einem ihrer ältesten Sftt» verwandten, gewesener, sehr berühmter Militär, erhalten, welcher rhr dasselbe gleichsam als einen kostbaren Schatz, zum Vermächtnis gab-
Es folgen hier die eigenen Worte des Besitzers von diesem! Geheimnis:
Zur Zeit als ich auf Empfehlung Ihres Herrn Onkels hin vom Kaiser Karl V- als Befehlshaber der schönen Seearmee, welche er nach der Barbarei entsandte, ernannt worden war, logierte ich auf dem Durchmärsche in Calabrien zufällig bei erneut armen Bauer, der mir sehr alt zu sein schien. Er war eZ auch in der Tat, denn wie ich mich nicht bloß durch die Ausfage der Aeltesten des Ortes, sondern, durch Ine Einsicht seines Tauf- zeugnisses, das ich aus' Neugier mit zeigen ließ, überzeugen konnte, zählte der Mann einhundertunddreißig Jahr» Er be- sand sich noch so wohl und war noch so muptet, als wäre er bloß 30 Jahre alt- Ties gab Mir Veranlassung, ihn über seine Lebensweise zu Befragen- Er wat so gefällig, mich aus Er- kenntlichkeit, wie er sagte, für die Ehre, mich beherbergen zu dürfen, mit derselben bekannt zu machen-
Er sagte Mir, daß et sich in dem Zustande, in welchem' ich rhn sehe, durch das Mittel Des nachstehend angegebenen SyrusA erhalten habe, obschon er nach feinet Weise ein ivüftes und land- lcches Leben geführt habe- Et gestand mir, in seiner Jugend ein lustiger Kamerad gewesen zu sein; bis auf das Alter von 55 Jahren sich immer gleicfawahl befunden zu haben, wie vier andere Personen, welche er mir zeigt«, und die ungefähr ebenso alt waren wie er, deren Leben auchetwas locker gewesen und die sich Idurch den Gebrauch dieses Si-rups schon seit 50 Jahren immer vollkommen gesund befanden.
Die Erfahrungen, welche ich seitdem, sowohl an mir selbst nn .tnelen anderen Personen über diesen Syrup machte, haben mach . über . alle Zweifel erfaßen und überzeugt, daß dieies^ Heilmittel ein ganz vortreffliches, ja ein unfeblbares ist.
L-urch seine Wirst amkeit wurden geheilt: Der Graf Decem- berg, der 15 Jahre lang krank lag, S. E. der Kürftirst 'von Bayern, den die Äerzte Deutschlands aufgegeben Hattens det Markgraf votl Brandenburg, die Frau Herzogin ton Innsbruck, an Entkräftung von einer Niederkunft leidend, und noch viele andere, deren Zahl, wenn ich sie angeben könnte, unglaublich schien-
Ich rate Ihnen demüach, mein Freund, der Sie schon so lange krank darniederliegen, die Aerzte zu verlassen und einzig diesen Syrup zu brauchen-
Um nicht das Vergnügen zu haben, mich von Jedermann ausgesucht zu sehen, habe ich bis jetzt dieses Geheimnis für imch behalten, allein in dem Alter ton 99 Jahren, das ich nun erreicht habe, ist es Zeit, alle Eitelkeit bei Seite zu legen und ein Heilmittel aufzudecken, das wegen seines großen Nutzens für das Menschengeschlecht Gott allein geoffenbaret haben kanp.
Zubereitung des Sirups:
Man bedient sich desselben auf nachstehende Weise- Umleitung für den Gebrauch:
Man nimmt des Morgens nüchtern einen Eßlöffel, uitge- fähr ein Lot und genießt nachher 2—3 Stunden nichts, umf demselben Zeit zu lassen zu verdauen und sich mit dem Blute SU vermengen, das er verdünnt und reinigt und mit welchem er sich in alle Teile des Körpers ergießt- Man muß alle Tage davon nefaiten und zwar während 6 Monat bis 1 Jahr und selbst noch länger, je nach den Umständen und im Verhältnis der mehr oder minder stark über Hand genommenen VerWr-- trtngen,. denn es wäre ungeduldig, wenn man in kurzer Zeit Krankheiten heilen wollte, die oft Jahre bedurften, um sich zv entwickeln. Es ist auch gut, wenn man nach der Genesung noch fortfährt, denselben von Zeit zu Zeit zu brauchen, um die Ge^ sundheit zu befestigen-
Wirkung dieses Syrups:
Der Gebrauch dieses Syrups ist niemals von nachteiligen, Folgen, indem derselbe aus allgemein als gesund aneÄannten Stossen bereitet tvirb-
Er stärkt den Magen, reinigt das Gehirn, zerteilt die Verstopsungeu in der Leber und Milz- Er ist mit der Lungej gut befreundet, da er das verdorbene daran wieder Herstellt, selbst wenn nur ein Stückchen davon übrig bleiben sollte- Er heilt die Engbrüstigkeit, wirkt auf die Nerven, indem er ihnen die Freiheit wiedergibt- Er löst die Knoten auf, den Schleims und die Trüset!, welche der Rheumatismus zurückgelassen habest mag- Er wirkt sehr stark auf die Nieren, führt den Gries ab und unterhält den Bauch frei- Er mäßigt die innerlichen Hitzen, heilt den Schwindel und das einseitige Kopfiveh, sotvie! überhaupt alle innerlichen Krankheiten- Er duldet feilte Ber-t dorbenheit noch schlechte Säfte in dem Körper, indem er dieselben gelinde abführt- Seine Wirkung macht sich in allen Teilen des Körpers fühlbar, wo sich Verstopfungen zeigen: sie fängt beim Magen an, wo er einiges Reißen verursacht, hernach wirkt er in den Gedärmen und dann in den Nerven, die er während weniger Tage anspannt- Er erzeugt ein.Reißen und Sticheln in den Ellenbogen, bald in den Handgelenken und so stufenweise,- wo er Ätofs 'zur Abführung findet.
Man erstattet diesen Bericht durch die gemachten Erfahrungen, damit die Personen, welche von diesem Heilmittel Gebrauch machen, sich nicht verwundern, wenn sie anfangen, diese verschiedenen Arten von Symptomen zu verspüren-
Dieser Syrup erfordert im klebrigen keine besondere Diät, auch stört er die gewöhnliche Lebenstätigkeit nicht, er schärft den Appetit und macht schlafen- Mit einem Wort, man darf versichert sein, daß bei dem Gebrauch des Syrups die Gesundheit erhalten wird, solange es Gott gefällt, uns auf dieser Erde zu belassen-
Mein Schwiegervater, 75 Jahre alt, schrieb mir am 11. Dezember 1905 wörtlich:
„Betreff des Erfolges bei meiner Person kann ich Dir nur mitteilen, daß ich jetzt leichteren und regelrechteren Stuhlgang habe; auch haben sich die Niercnschmerzen gemildert, also ein Erfolg."
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Ursprünglich war es mein Wille, nur persönlichen Gebrauch von dem Rezept zu machen, habe mich aber entschlossen, das- sxlbe an einen getvissen Kreis ton Personen abzugeben gegen die geringe Entschädigung von 3 Mk- Ich will keine Reklams damit machen und tvähle deshalb das schriftliche Angebot, wie ich auch das Rezept nur im verschlossenen Kütort versenden Iverde- Wenn Sie im Vollbesitz Ihrer Gesundheit sind, was ich Ihnen von Herzen wünsche, haben Sie gewiß die Liebenswürdigkeit, diese Zeilen an eine Ihnen bekannte oder verwandte Pep-, sünlichkeit weiterzugebeit.
Der Syrup von Calabrien, der der Fran Herzogin von Innsbruck, einer Dame, die es nun und nimmermehr gegeben hat, so gute Dienste geleistet haben soll und der das Gehirn reinigt, dieser edle Freund der Lunge, deI Leibes


