Ausgabe 
30.7.1906
 
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Das Auto ats Zugtier.

Von Patentanwalt R e u t l i n g e r--Frankfurt a. M.

(Nachdruck verboten.)

Lo einfach wie das Triebiverk einer Lokomotive ist der Mechanismus eines Autonwbils nicht. Wer das Prinzip der Dampfmaschine kennt, findet sich bei der Lokoinotive leicht zurecht; die Kenntnis der Wirkungsweise des Gasmotors genügt aber nicht, um z. B. den Auto-Benzinmotor zu verstehen. Dabei sind die Elemente, aus denen der Motor zusammengesetzt ist, so zierlich, zerbrechlich; zusammengedrängt sind sie, wie die Heringe im Fasse, und schwer arbeiten müssen sie auch: kein Wunder, daß sie ge­legentlich streiken.

Nun sollte man erivarten, daß man ein so verwickeltes, empfindliches Ding, wie es dieser Motor ist, als Wesen achtete, daß man cs rücksichtsvoll behandelie, wie man cs bei der Loko- uwtive gewohnt ist. Die hat ihren eigenen Wagen, in dem sie nicht einmal ihren Vorrat an fester und flüssiger Nahrung auf­nimmt. Tie läßt sich ihr Futter hübsch nachrollen. lind auf ihr fahren darf nur ihre Bedienung; gelegentlich ivohl auch einmal ein Aussichtsbeamter. Diese Rücksichten verdankt die Lokomotive ihrem Körperumfang. Der Benzinmotor aber, der im Verhältnis zu seinem Gewicht viel mehr leistet als die Lokoinotive, wird, weil er klein ist, schlecht behandelt. Neuerdings setzt man ihn ivcnigstcns vor den Wagen; früher saß er drunter, wie der Ziehhund unter der Milchkarre. Aber fcstgebamit ist er, weg kann er nicht und zwar zum Schaden des Besitzers: Mit dem Motor wird der ganze Wagen u n b r a u ch b a r.

Kann eS einem Zweifel unterliegen, daß. es vorteilhaft wäre, Motor und Wagen in gleicher Weise lösbar miteinander zu ver­binden, wie Lokoinotive und Zug ? Versagte der Motor, würde ei» anderer vorgehängt, würde der Wagen beschädigt, so ivechsclte man diesen aus. Alan komme nicht mit technischen Schwierigkeiten ; Schwierigkeiten sind Ausgaben, die der Techniker löseii wird. Beim Luxus-Automobil freilich wird die Trennung von Motor und Wägen kaum Liebhaber finden. Da sprechen ästhetische Gründe mit. Der Wagen soll hier ein Stück sein, unsichtbare Kräfte sotten ihn bewegen ; der Feemvagen des Märchens. Aber beim gewerblichen Automobil da tritt das Aesthetische in den Hintergrimd und da sollte man sich, auch im Interesse der Auto­mobilindustrie, mehr mit der Frage der Trennung von Motor imb Wagen befassen, als cs bis jetzt geschehen ist. Die allgemeine Ein- jührung des Automobils würde sich dadurch rascher vollziehen.

Da baut man jetzt Fahrzeuge, die, um den Motor zu schoneit, elastische Räder erhalten müssen, die hohe Kosten verursachen. Nie­mals werde» auf diese» Wagen Sachen befördert, die einen An­spruch darauf hätten,auf Gummi" zu fahrcit. Das Uuterbriugen des Motors, der Antrieb der Wagenräder und so manches andere, was zu berücksichtigen ist, das erschivert den Bau und verteuert de» Wage». Warum trennt inan, wenigstens bei gewerblichen Automobilen, nicht Wagen und Motor, oder, mit anderen Worten: warum baut »tau keine Zlig- oder Schleppaiitomobile und läßt die Wage» wie sie sind?

Was könnte man dagegen einwenden? Daß zwei zusammen- gekiippelte Fahrzeuge zu lang werden würden, den Grund braucht man nicht gelten zu lassen. Dasso geschleppte Fahrzeug wird nicht länger als ein mit Pferden bespanntes, auch fährt man mif diese Weise heute schon gauze Züge. Bei diesen geht man neuerdings von vierräderigen Wagen ab'und baut ziveiräderige Karren, die, einer an den anderen gehängt, dem Zuge eine größere Beweglich­keit geben.

Von diesen wollen wir aber hier absehen, uns interessiert nur das Schleppauto, das Zugtier. Daß solche Autos 511 bauen sind, das weiß man ja, und daß sie Beschäftigung finden werden, ivenn sie erst einmal da sind, das kann man mit ziemlicher Sicherheit annchmen.

Schleppautomobile zu halten imb sie nach Bebarf zu ver­leihen, bas könnte ein neuer Erwerbszweig werden. Um nur auf einige Beispiele hinzuweise», sei zunächst an die Ziehzeit erinnert. Ueberall ficht man da die Möbelwagen vor den Häusern halten. Damit die Pferde nicht unnütz herumstehen, bedient ein Gespann mehrere Wagen. Der Möbelwagen wird ans Haus gefahren und später wieder abgeholt. Das Schleppautomobil könnte das noch besser besorgen. Ebenso ist es mit den Kohlenwagen, da stehen die Gäule während des Abladens in der Regel vor den Wage». Sie könnte» in dieser Zeit doch etwas arbeiten. So wird man noch andere Beispiele finden können.

Auch die Feuerwehren könnten sich des Schleppautomobils mit Erfolg bedienen. Nicht nur die städtischen Feuerwehren, in erster Linie die Beruisseuerwehreu, sondern auch die ländlichen Feuer­wehren, diese vor allen im Dienste nachbarlicher Brandhilfe. Die Feuerwehren sind- zwar bereits eifrig bemüht, sich die Vorteile des Automobilbetriebes zunutze zu machen, aber ich meine, sie sind nicht auf dem richtigen Wege. Moderne Löschgeräte sind heutzu­tage an sich schon verwickelter Bauart, sie werden durch die Aus­gestaltung zum Automobil noch komplizierter, empfindlicher und teuerer. Laßt doch die Spritzen, die Möbel- und Kohlenwagen, die Frachtfuhrwerke und sonstigen schweren Lastsahrzeuge, wie sie

sind, und schafft Schleppautömobile zu ihrer Fortbeivegimg l Das Wie wird sich schon finde».

Kunst.

Als das bedeutendste künstlerische Ereignis dieses Jahres darf man die 3. Deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden ansehen. Hier haben sich alle jene Kräfte ver­einigt, die in Deutschland in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Raumkunst und des Kunstgewerbes als Führer austraten. Wenn man auch nicht allen Leistungen unumschränkte Anerkenn­ung zollen kann, so darf doch kein Einsichtiger das hier Gebotene unbeachtet lassen. Es ist sehr anzuerkennen, daß die Darmstädter KunstzeitschriftDeutsche Kunst und Dekoration" eS unternommeir hat, innerhalb dreier Hefte die besten Leistungen dieser Ausstell­ung zu veröffentlichen. Das erste dieser Ausstellungshefte, das Juli-Heft derDeutschen Kamst und Dekoration" enthält über­raschend schöne Aufnahmen aus allen in der Ausstellung ver­tretenen Gebieten. Diese Publikation ist allen, auch denen, die eine Reise nach Dresden nicht machen können, zu empfehlen; Bietet sie doch für wenig Geld eine vollständige Uebersicht über die Bestrebungen im Sinne einer neuen deutschen Kultur. Das Juli- Heft derDeutschen Kunst und Dekoration" enthält auch noch einen anderen trefflichen Beitrag, einen prächtig illustrierten Aufsatz über neue Denkmäler des Plastikers Franz Metzncr- Wien. Das Hauptwerk dieser Veröffentlichung ist ein monumen­taler Brunnen für Reichenberg, der wegen seiner Eigenart ganz besondere Beachtung verdient.

Msde.

Billige und schöne Sommer- und Reise­toiletten erhält man dadurch, daß man das Modenbiatt Große Modenwelt" mit bunter Fächervignette, Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35, liest. In diesem Moden- blatt findet man zahlreiche Kostümbilder, zugleich aber auch eine praktische Anleitung, sich die Kleidung mit Hilfe eines Schnitt­bogens selbst herzustellcn.

Gegen Hitze schützen die Mütter ihre Kleinen durch zweckentsprechende, leichte Kleidung, die auch die Ungeübte mit geringer Mühe und wenig Mitteln selbst Herstellen kann, wenn sie das MonatsblattKin d er g a rd er 0 be", Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35, zu Rate zieht. Mode-Genre­bilder zu allen Gegenständen der Kinderbekleidung, mit zur Selbst- anfertigung anleitenden doppelseitigen Schnittmusterbogen, sowie aus Resten und Abfällen des Haushaltes selbst kostenlos an­zufertigenden Spielsachen, Gesellschaftsspiele, Modellierbogen, nlustr. Märchen usw. bieten Groß und Klein Beschäftigung und Unterhaltung, Abonnements aufKindergarderobe" zu 60 Pf. pro Quartal bei allen Buchhandlungen.

Für die Frauen.

Die Kunst des Schneiderns gehört zu denjenigen Fertigkeiten, die dem weiblichen Geschlecht in allen Lebensstell­ungen und unten allen Umständen von Wert sind. Der Gattin, der Mutter kommt die Kenntnis im Schneidern zustatten, die vornehme Frau vermag dadurch einen Einfluß auf die mdi- viduelle Gestaltung ihrer Toiletten zu geben, dem Mädchen, welches auf eigenen Füßen stehen muß, wird dadurch eine Existenz geboten. Niemand sollte daher versäumen, sich diese so nützliche Kunst in entsprechender Weise zu eigen zu machen. Anleitung dafür bietet das im Verlag der Europ. Modenzeitung, Dresden-N. 8, in 4. Auflage neu erschienene WerkDie perfekte Schneiderin", leichtfaßliche Lehre des Zuschnittes und der Be­arbeitung aller Frauen-, Mädchen- und Knaben-Garderobe, sowie Wäsche, 20 Hefte ä 50 Pf., von denen uns Heft 2 bis 5 zu­gegangen sind. Die Anleitungen sind von überraschender Ein­fachheit. _______________

Auflösung in nächster Nummer.

Bilderrätsel.

Nachdruck verboten, ft

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Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der B rühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.