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: . . . Ich habe (da ihn bei: Direktor unverwandt änsieht, ganz verlottert) . . . ich habe . . . ich wollte . . .
Der Direktor (schiebt die Zungenspitze in die linke Backentasche) : S ... . Sprechen Se vor....
D e r S ch a u s p i c l e r (wieder Herr seiner selbst): Was wünschen Herr Direktor? Naturalismus, Idealismus, Synibolismus?
Der Direktor (grinsend): Klassiker! . . . Sprechen Se 'n Klassiker.
Der Schauspieler (mit Anlauf): Bitte sehr . . - Mortimer . . . „Ich zählte zwanzig Jahre, Königin" ... (er deklamiert mit Pathos und starkem Organaufwand. Als er fertig ist, sieht er mit erwartungsvollem Blick zum Direkwr hinüber).
DerDirektor (schiebt die Zungenspitze in die rechte Backentasche): M. . . . Sprechen Se noch was.
Der Schauspieler: Ganz nach Wunsch. . . (räuspert sich, brüllt) „All Ihr guten Geister, mein Roderich". Er rezitiert Carlos und Posa zugleich^und trocknet sich zuweilen mit dem Schnupftuch die triefende Stirn. Dann holt er tief Atem und wirft sich wieder in Pose.)
Der Direktor (wie oben, nach links): Sind Se schon wieder fertig?
Der Schauspieler: Jawohl, Herr Direktor. . .
Der Direktor (wie oben, nach rechts): M . . . Sprechen Se noch was.
Der Schauspieler (schwer atmend) • Wenn Sie wünschen. „Oh, eine edle Himmelsgabe ist . . . ." (Als er geendet hat, sinkt er mit durchweichtem Kragen und zitternden Gliedern in den Stuhl.).
Der Direktor (wie oben, nach links): N... Sehr schon. . . Können Se. . . Demetrius?
, D e r Schauspieler (röchelnd): I. . . ja . . . ja. (Er zwingt sich mit Gewalt empor.) „Durchlauchtigste Versammlung . . ." (Als er vollendet hat, bricht er ohnmächtig zusammen.)
Der Direktor (bleibt sitzen und bewegt die Daumen umeinander): M. . .
Der Schauspieler (hat sich nach fünf Minuten erholt, richtet sich auf, schnappt Luft, sieht fragend den Direkwr an.)
D e r D i r e k t o r stwie oben, nach links): N . . . Ja . . . ich sagte ja schon . . . Sehr gut. . . Großes Organ . . . Schwung- volteS Pathos . . . Schöne Figur . . . Edle Haltung . . . Starkes Temperament.......Kann Se nich jebrauchen.
L>6KM?schtSA.
— Eine Goldstadt in der Wüste. Eine fesselnde, von zahlreichen Jllustratiouen begleitete Schilderung der Goldstadt Manhattan im nordamerikanischen Staat Nevada finden wir in denr o. Heft der illustrierten Zeitschrift „Ueber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt). Manhattan liegt in einem kleinen Tal, das sich in nichts von den unzähligen Bodensenkungen unterscheidet, die wie Runzeln in allen Richtungen kreuz und quer über das Antlitz der Wüste laufen. Durch dieses Tal Eeiit Pfad von San Antone, einer kleinen, drei Häuser um-
iben Niederlassung nach Belmont, tvo seit 1860 Silberminen irrt Betrieb sind. Hunderte von Wanderern sind im Laufe der Jahrzehnte durch dieses kleine Tal gepilgert, ohne es der Mühe wert zu halten, das Gestein neben dem Pfad zu prüfen, bis der Viehzüchter I. C. Humphrey im Frühling 1905 des Weges kant, um einige entlaufene Kühe zu suchen. Ehe er spät nachmittags! sein Pferd wieder sattelte, brach er halb aus Scherz ein Stück einer vorspringenden Felsleiste ab. Nicht daß. er einen reichen Fund erwartete; seine Aufmerksamkeit war seinem Vieh gewidmet, doch war ihm unbewußt ein Anfall des Fiebers, das 40 Meilen weiter südlich in Tonopah wütete, ins Blut geraten. Das Fieber- brach m ihm in Hellen Flammen aus, als er das Stück Fels umwandte und die frische Seite betrachtete. Freies, reines Gold zog sich in kleinen Teilchen durch die Bruchseite und glänzte in den Strahlen der sinkenden Sonne! Doch Humphrey verlor den Kopf nicht. Kaltblütig steckte er den Stein in die Tasche, schwang sich aufs, Pferd mid suchte seine Kühe. Zwei Wochen später kam er in aller Stille mit den nötigen Werkzeugen und zwei seiner vier Söhne zurück, mit denen zusammen er eine Reihe „Claims^ auslegte, die er zu bearbeiten beabsichtigte. Einige wenige Freunde, die den Braten gerochen hatten, folgten ihm bald, doch zogen sie nach einer Woche wieder ab, da das Erz ihnen nicht reich genug zu sein schien. Als aber im Juli Humphrey dte Annie-Laurie-Mine entdeckte, deren von der Oberfläche genommenes Erz einen Ertrag von 300 Dollar die Tonne abwarf, kehrten sie allmählich zurück und machten sich mit erneutem Mute an die Arbeit. Von September bis Dezember letzten Jahres wurden viele ebenso reiche Funde gemacht, die die andern Goldsucher anspvrnten, wie Terrier hinter Ratten im l>eltzen Saud und Fels zu wühlen. Um Weihnachten erlahmte die Wüste m ihrem Widerstande. Quarz, inürbes, bröckliges Quarz wurde gefunden, durch welches das Gold in dünnen, fein gesponnenen Faden lief. Ein einziger solcher Erzklumpen int Gewichte von em m Piunde (uferte Gold im Werte von 208 Dollar, und widere Proben ergaben Werte bis zu einer Million die Tonne.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brü
Diese Funde konnten nicht länger geheim gehalten werden, und wie ein Wildbach ergoß sich die Flut der Goldhungrigen in das Tal. Nach dem 15. Januar dieses Jahres verdoppelte und verdreifachte sich die Bevölkerung der neuen Minenstadt von Tag zu Tag. In den „älteren" Minenstädten — in Tonopah, Bnllfrog und Goldfield — kämpften Männer wie wilde Tiere um Sitze in bett Postkutschen, die eilten Fahrpreis von 30 Dollar für die Entfernung von durchschitittlich 100 Kilometern nach Manhattan verlangten. In drei Tagen war eine Automobil mie eingerichtet, die den Eigentümern in wenigen Wochen Tausende einbrachte, da sie die Entfernung in der halben Zeit zurücklegte und doppelten Fahrpreis berechnete.
* Das Ausatmen des Tabakqualms durch die Nase ist eine Angewohnheit, die zwar, wie einige Raucher behaupten, erst den vollen Genuß des Tabakduftes vermittelt, unter Umständen aber recht unangenehme Folgen haben kann. Abgesehen davon, daß die Anfnahmesläche für Nikotin durch! den Umweg durch die Nase vergrößert wird und somit eine erhöhte Möglichkeit für seine ungünstige Eiilwirkmig auf das Nervensystem und das Herz vorliegt, kann diese Gewohnheit zur Verbreitung ansteckender Krankheiten beitragen. Mau weiß schon lange, daß die Luft durch die Nase gleichsam filtriert wird, sodaß eine Menge von Kleinlebewesen und sonstigen Bestandteilen des Staubes nicht in die Luftwege gelangen. Dieser Vorgang der Filtration wird einerseits durch die feuchte Auskleidung der Nasenhöhle ermöglicht. Ans den zwischen den Augen und der Nase bestehenden Verbindungswegen werden auch alle Ablagerungen der Bindehaut mit der Tränenflüssigkeit in die Nase geleitet, sodaß man ohne weiteres behaupten kann ' aß die Nase unter Umständen eine große Menge von Krankheitskeimen beherbergt. Wird nun der Ranch durch die Nase ausgestoßen, so bestreicht er eben diese Ablagerungsplätze und teilt die Staubteilchen usw. der Außenluft mit. Sind Jnsektionskeime vorhanden, so werden auch sie nach außen befördert. Einen schlagenden Beweis dafür liefert ein im „Sancet" erwähnter Fall von Heilfieberübertragiing, die sich im Staate Ohio ereignet hat. Eine Person, die zeitweise au Heufieber litt, übertrug diese Krankheit auf alle Leute, bereit Haus sie betrat Schon allein ihre Gegenwart genügte, um Erkrankungen hervorzurufen, und es stellte sich schließlich heraus, daß die Uebertragung höchst wahrscheinlich' durch den Tabaksrauch stattfand, den sie durch die Nase aus- zustoßen pflegte.
Musikzeitschristeu.
Die in Stuttgart zweimal monatlich erscheinende „Neue Musik-Zeitung" (Bezugspreis 1,50 Mk. pro Quartal) hat in Nr. 4 des laufendeir Jahrgangs begonnen, ihren Lesern eine Gratisbeilage zu geben, die ihresgleichen sucht. Zweimal im Quartal wird ein Bogen von 16 Seiten Stärke beigegeben, der jedesmal ein Kapitel eines wertvollen Werkes, einer Geschichte der Musik von R. Batka enthält. Der Verfasser ist in der Mufikliteratur, auch atS musikalischer Redakteur des „Kunstwärt", rühmlichst bekannt. Er behandelt in dem vorliegenden ersten Kapitel die „Urmusik". Auch sonst sind die neueften Nummern 4 und 5 der Zeitschrift reich an interessanten Ausführungen, über Hermann Götz, Musikalische Zeitfragen, Das Schwert im Rheingold u. v. ai, abgesehen von all den kleineren Berichten. Hans v. Wolzogen, Weigl, Koch usw. kommen in diesen Nummern zu Worte. Daß daneben die Musikbeilage wieder reiche Schätze bietet, bedarf wohl kaum der Erwähnung. —
Nicht ganz so wissenschaftlich, mehr unterhaltender Natur, sind die „Signale für die musikalische Welt", von denen gewöhnlich wöchentlich eine Doppelnummer in Leipzig erscheint. (Preis 2 Mk. pro Quartal.) Neben musikalischen Be-, sprechungeu bieten sie amüsante Anekdoten, nette Berichte aus dem Leben der Komponisten und vor allem ausgezeichnete Rezensionen aus allen ersten Kvnzertsälen. Auch finden Novitäten gebührende Würdigung. Vielleicht interessiert es, daß auch die Gießener Konzerte darin erwähnt werden. Die Zeitschrift dürste musikalischen Vereinen, Dirigenten und allen denen, die über das Konzertwesen im Lausenden bleiben wollen, sehr empfohlen werden. A. R.
Versteck-Rätsel.
Nachdruck verboten.
Miau suche ein Dichterwort, dessen einzelne Silben und Buch- staben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer".
Taugenichts, Entwürdigung, Indigestion, Kanzelist, Bedienung, Ananas, Sentimental, Wonne, Liebedienerei, Tunichtgut, Weihrauch, Weltall, Herodes, Honnef, Rene, Müdigkeit, Besetzung, Falter, Kanne, Geweih, Rebe, Belehrung, Treten/
N. W. Bhd.
Auflösung in nächster Nummer.
bl’fdjen Universttäts-Buch- und Sleindruckeret, R- Lange, Dleßkw


