Ausgabe 
29.9.1906
 
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dunkelblauen

jäher Ausdruck des Entsetzens kain

gesehen zu haben, Evelyn."

Sie blickte flüchtig und zerstreut umher, aber plötzlich renn eine schreckliche Veränderung über ihr Gesicht.

Die zarte rosige Farbe erstarb ans den Wangen, em irtßpr ylusdrnck des Entkedens kam in die

können. Nur die Herzogin lächelte ihr gewohntes sanftes j Lächeln der Ueberlegenheit. . I

Ihre Ansicht ist begreiflich; Sie haben natürlich in I dieser Beziehung noch keine große Erfahrung, Lady Wayne. I

Die Erfahrung, die ich bisher gemacht", gab diese zurück,lehrt mich, stets für mein eigenes Geschlecht zu kämpfen." , , . |

Ach, da haben Sie noch viel zil lernen und zu er- | fahren. Ich selbst bin in Bezug auf die Frauen der Ansicht der Schrift." . , _

Lady Wayne hätte die Frage nicht geftellt, und ivenn es ihr Leben gegolten hätte, aber eine andere a,is der Gruppe tat es.Was ist denn die Ansicht der Schrift?"

Vollständige, nichtziveifelnde und schrankenlose, blinde I Unterwerfung", sagte die Herzogin, von der mänmglich wußte, daß sie ihrem Manne niemals gehorchte, nn Gegenteil, nut ihrem starken Eigenwillen ihn regierte.Ich b,n der An­sicht, daß die Hälfte aller ehelichen Zwiste daher kommen, daß'die Frauen sich nicht unterwerfen wollen." .

Die kleine Gruppe horchte ehrfurchtsvoll, als ob ein Orakelspruch verkündet würde.

Abermals widersprach Lady Wayne. j

Es gibt einen Punkt", sprach sie,wo die Unter­würfigkeit zur Sklaverei wird. Viele Fraiien fallen in diesen

Nicht viele, glaube ich", sagten Ihre Durchlaucht kühl und wandten sich, um zum Ballsaal zurückzukehren.

Nicht lange, und es sprach sich die gheimmsvolle, un­bestimmte Flüsterkunde rund, daß die Herzogin eifersüchtig auf Lady Wayne sei, und daß cs also, anstatt einer, zwei Köni­ginnen in der Gesellschaft geben würde.

Der Abend war ein einziger großer Triumvh für Lady Wayne. Die Herren waren fämtlich in sie vernarrt. Sie schivoren sich gegenseitig übereinstimmend, noch nie cm so lieb­liches, bezaubernd schönes und geistvolles, glänzendes Weib gesehen zu haben. Der Herzog selbst >var entzückt von ihr. Ihr Triumph war vollständig. v

Zweimal während des Abends kam sie noch nut der Herzogin in Berührung. Sie wurden anerkannte Rivalinnen, obivohl noch vor zivei Tagen die Herzogin über eine solche Idee verächtlich gelächelt haben ivürde. Mrs. Wayne dagegen wurde eine feste Bundesgenossin dec Herrin von Belvoir Castle. Der Tatsache wurde nicht in Worten Ausdruck gegeben, aber zwischen den beiden ivard ein Kontrakt geschlossen em Bund gegen den lieblichen jugendschönen Eindringling m alte

Gewohnheitsrechte. I

Hätten Sie mir nicht gesagt, daß Lady Wayne vor ryrer 1 Heirat überhaupt keinen Titel besessen, so hätte ich Jie we- | nigstens für eine Prinzessin gehalten", äußerte die Herzogin I gegen ihre Verbündete.

Mrs. Wayne lächelte; aber das Lächeln spracy Bande. |

Es war spät, als sie nach Haiise kamen. Lord Wayne | nab zuerst noch seiner Befriedigung über den Erfolg seiner i Gemahlin Ausdruck; er ivar stolz auf die Beivunderiing, die sie überall hervorgerufen und von allen Seiten geerntet, stolz auf die ihr gezollte Huldigung und Verehrung und ward nicht müde, sie 311 der geistvollen Weise, in der sie ihre Rolle auf der großen Schaubühne der Welt spielte, zii be­glückwünschen. v .

Die beiden Schwestern waren endlich in Lady Waymw Zimmer allein. Evelyn hatte ihre Zofe entlassen und genoß eine erfrischende Tasse Tee. Marian saß und beobachtete sie, erstaunt über den strahlenden Ausdruck des lieblichen Gesichts, worauf die Ermüdung keine Spur zurückgelassen zu haben ^^Marian", fragte Lady Wayne,warst du heute abend mit mir zufrieden? Habe ich meine Rolle in dem großen Schauspiel gut gespielt?"

Besser, als ich erwartet hatte", versetzte ihre Schwester, nur in einem Punkte hielt ich dich für unklug, Eve. Du hast dir die Herzogin Chisledon zur Feindin gemacht."

Und was ist dabei, Marian? Sie kann mir nicht schaden. So ein unleidliches Weib mit ihren absprechenden

Redensarten; als ob niemand sonst ein Recht zu sprechen hätte!"

Sie steht sowohl ihrer Geburt als aiich ihrem Range nach über den meisten ihrer Nachbarn", sagte Marian ernst.

Es ist aber nicht nötig, es so offenknndig zu zeugen/ sagte Lady Wayne stolz.

Aber Marian sah noch immer besorgt aus.Ich halte es immer für einen großen Schaden, Eve, sich Feinde zu machen, ivo man sich Freunde machen könnte. Wenn ich mich nicht irre, hast du jetzt deren zivei, Mrs. Wayne und die Herzogin von Chisledon."

Das ist doch etwas Anregendes," sagte sie und lächelte fröhlich.Uebrigens, Marian, in welcher Weise sollten sie mir schaden können?" c ,

Es ist besser, keine Feindschaft ivachziirufen, äußerte Marian bedächtig. ,

Lady Wayne unterbrach sie nut gerötetem Gesichte.

Meinst du, es sei Gefahr für mich vorhanden? O, Marian, wenn" es das ist, so hast du mich getäuscht; du hast mir ge­sagt, alle Befürchtungen wären vorüber waren tot, wie mein Geheimnis selbst." ,

Sie erhob sich heftig zitternd, und Marian West hatte Mühe, sie mit zärtlichen Worten und beschwichtigenden L,eb- : kosungen wieder zu beruhigen.

7. Kapitel.

Im Strome der Zeit.

Als der liebliche Mai die Erde wieder mit Blüten über­schüttete, nahm Lord Wayne seine Gemahlin mit nach London. Sie hatte sich bereits vorher lebhaft auf eine Saison dort gefreut, und die Saison bedeutete denn auch sür sie emen großartigen und glänzenden Erfolg.

Ihre Jugend, ihre wundervolle Schönheit, der groge Reiz ihres Wesens machten sie überall bekannt und beliebt, sozusagen populär. Sie wurde bei Hofe vorgestellt und war die herrschende Schönheit der Saison. Sie stach die Herzogin von Chisledon vollständig aus. Falls die beiden Damen sich zufällig auf ein und denselben Tag sür einen Ball oder eine Ftzte entschieden hatten, so wurden die Einladungen der Herzogin unvermeidlich gegen die Lady Waynes abgelehnt, und sie ivußte das. Lady Wayne ivar so reizend, so originell, so geistreich, und dieteure Herzogin" war eben em wenig zu würdevoll und herablassend. Ein einziges Mal nur, wahrend dieser Saison, gab Lady Wayne ihrem Gatten und ihrer Schivcster ein Rätsel in ihrem Benehmen auf.

Es war am Abend in der großen Oper, und sie waren mit Algernon und Mrs. Wayne hingegangen, um die große I Königin des lyrischen Operngesangs, die Grisi, zu hören. Das Haus war überfüllt, alles was irgendwie Rang oder Rus hatte, war erschienen. f.

Lady Wayne, in großer, hervorragend geschmackvoller I Toilette, mit ihren Lieblingsjmvelen, Opalen und Rubinen, geschmückt, befand sich mit ihrem Geuiahl in einer der mittleren Logen des großen dritten Ranges. Lord Wayne sah, wie | sehr sie bewundert ivurde; Operngläser und Lorgnetten richteten sich unaufhörlich auf seine Loge. Er war eher befriedigt und | stolz als etwas anderes wegen der allgemeinen Bewunderung, die seiner Gattin gezollt ivurde.

Die Grisi hatte gerade eins ihrer rührendsten Lieder be­endet, und Lady Wayne blickte voll Interesse zu der hoch­begabten Künstlerin hinüber, als ihr Gatte so beiläufig be- | 'Ich erinnere mich nicht, je ein glänzender besetztes Haus

Augen. , , , r. .

Sie streckte die Hände vor sich hm, als ob sie eine fürchterliche Vision von sich abivchren wolle, und sank dann mit einem schwachen Schrei besinnungslos und wie 10 zusammen. folgt.)