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Mu ist, oder grau oder graublau ober blaugrau oder auch gestreift oder gefleckt was soll mau da noch lange zusehen, wie er eigentlich ist. Es regnete ja nicht und wenn auch bis Trier war ja noch lang und dort würde er wohl schon ein Ein­sehen haben und vernünftig sein denn die Trierer smd ja fromme Leute und gute Christen und manches Heiligen gold­gefaßte Gebeine ruhen in den kostbaren Truhen des alten Tomes. Also nur frisch voran.

So ging es denn in vergnüglicher Fahrt das Lahntal hin­unter dem Rheine. zu nach Koblenz, wo der viertelstündige Aufenthalt endlich eine kleine Erfrischung erlaubte und auch das Abfenden einer Ansichtskarte gestattete. ,

Ja, diese Ansichtskarten oder auch Karten nut Ansicht! Sie spielten eine ganz hervorragende Rolle bei dieser Fahrt. Tie Rollen Matkows'kys imb Kainz sind nicht immer so be­deutend wie die der Ansichtskarte. . ..

Und diese- Karte, die vom Stallburichen aufwärts dem Ge- schmaüe eines jeden Menschen Rechnung trägt vielleicht schreibe ich einmal die Psychologie der Ansichtskarte diese Karte also ist eine ganz vorzügliche Erfindung. Zu ioas allem sie benutzt werden kann, das mag der Leser sich selbst überlegen, jedenfalls ist es eine vorzügliche Erfindung.

Diese Erfindung wurde nun in Koblenz zum ersten Male während dieser Fahrt erprobt. Dann aber gings weiter das Moseltal hinauf bis nach Kochem, wo einige durstige Seelen aus den Abteilen nach dem Ausschank stürzten natürlich nur bildlich gemeint und aus reinem Interesse für die Wissen­schaft denRebensaft der Moseltrauben" versuchten. Diese Braven hatten Recht getan, kam doch gleich hinter Kochem der 4,2 Kilometer lange Kaiser Wilhelm-Tunnel mit schaurigem Ge­rassel und Gestöhn, das an den berüchtigten Ausbruch des Vesuv oder auch je nach Lust und Laune an das Erdbeben vott San Francisco erinnerte. Nebenbei sei bemerkt, daß dieser Tunnel der längste in Deutschland ist und daß er etwa 4 Mill. Mark gekostet hat.

Wie das Lahntal reich an Tunneln ist, so auch das Mofeltal. Merkwürdigerweise mußten wir den letzten ohne jegliche Bclcucht- nng durchsausen.

Genau um 1,1 Uhr kamen wir in der heiligen Stadt an Und begaben uns truppweise nach unseren Hotels, wo wir; mit ganz geringen Ausnahmen sehr gut aufgehoben waren. Mancher klagte allerdings darüber, daß er sein Bett mit einer Anzahl kleinerer Lebewesen habe teilen müssen, aber das liegt erstens an der für feinfühlige Menschen nicht besonders eingerich­teten Welt im allgemeinen, zweitens an. den für blinde Gäste kleinen Kalibers besonders günstig eingerichteten Hotels im be­sonderen und drittens an der nichtgenügenden Btzttschwere des Schläfers im einzelnen. Ich konnte über derartige Einquartier­ung nicht klagen, doch hoffe ich nicht, daß dies dein^ Leser zu dem Schlüsse Veranlassung gibt, ich hätte die nötigeSchwer­fälligkeit" durch reichliche Anwendung von Moselwein erreicht.

Den habe ich nur bei dem ersten Mittagstisch versucht, denn da wir uns um 3 Uhr schon wieder bei der P o r t a n i g r a ein­finden mußten, blieb zu tiefgründigem Studium' der Weinkarte keine Zeit, denn pünktlich mußten tvir sein. Und merkwürdig, das akademische Viertel spielte gar keine Rolle, wenigstens mittags nicht. ~ t

Die Besichtigung d es im 4. oder 5. Jahrhundert entstandenen schwarzen Tores, das seinen Namen von dem verräucherten Aus- fehen hat und im Mittelalter durch Anbauten zum Gotteshause umgestaltet ward fand unter der Leitung von Prof. Dragen­dorff aus Frankfurt, einem Schüler des Herrn Prof. Bethe statt, der in etwa halbstündigen!, fesselndem Vortrage ein Bild von dem römischen Trier gab und besonders die Anlage nnd den Zweck eines so mächtigen Tores, rote eben dieses schwarze, erläuterte.

Alsdann ging es nach dem Am pH i t he a t e r, von dem nur uoch spärliche Reste sichtbar sind, da die Bühne noch nicht ganz ausgegraben und die Sitzreihen, deren Steinplatten in früherer Zeit zu anderen Bauten verwendet tvurden, vollständig verschüttet sind. Auch hier wurde wie überall bei den einzelnen Denkmälern die Anlage an der Hand von Plänen und Skizzen erklärt und erläutert. In diesem Amphitheater sind vom Kaiser Konstantin im Jahre 306 Tausende gefangener Franken und im Jahre 313 ebensoviel Brukterer totgehetzt worden.

Der Direktor des Provinzialmuseums, .Herr Dr. Krüger, ebenfalls ein Schüler von Prof. Bethe, hatte diesmal den Vor­trag übernommen, dem eine eingehende Besichtigung der Trüm­mer folgte, die wiederum ein überzeugendes Bild von der be­deutenden Baukunst der alten Römer abgaben. Wie aus einer noch erhaltenen Steinplatte hervorgeht, waren die Sitz­plätze des Amphitheaters sogar Nummeriert. Ob hierzu auch Nummerierte Karten ausgegeben wurden ist mir nicht bekannt, ebensowenig ob es Abonnements oder Dutzendkarten gegeben hat. Daß es sich aber in diesem Theater besser saß als z. B. hier in unserem das doch eigentlich ein Mufenstall ist das glaube ich kühn behaupten zu dürfen. Der ganze Bau, der durch seinen Anschluß an die Stadtmauer zugleich als Stadttor Verwendung fand, ist aus Kalksteinen erbaut und in den Ge­

wölben sind auch Lagen von Ziegelsteinen mitbenuht, die an­scheinend zur Entlastung der Decken beitragen sollten.

Die Besichtigung der Moselbrücke, deren Pfeiler noch römischen Ursprungs sind, bildete den Beschluß des Tages. Hier hatte tvieder Prof. Dragendorff die Erklärung übernommen, der aus der Lage der Brücke auch die Größe des römischen Trier erläuterte. Während die Brücke im Mittelalter nämlich am Ende der Stadt lag, muß sie nach römischer Gcflogenheit und nach der Anlage der übrigen Tore unbedingt in der Mitte der Längsdehnung auf die Stadt gestoßen sein, sodaß sich für das römische Trier eine größere Ausdehnung ergibt, als für das. mittelalterliche.

Mit der Besichtigung der Brücke tvar die Ausgabe des ersten Tages erledigt, und die Studierenden konnten für den Rest des Tages frei über ihre Zeit verfügen, was denn auch in ausgiebig­stem Maße geschah, tstach einer kurzen Reinigung wurde die Stadt durchschivärmt, tvurden Ansichtskarten gekauft, wurde ge- liebäugelt usw. usw.

Der Rest des Abends spielte sich dann in. den verschiedenen Gasthäusern der Stadt ab. Einen seltsamen Anblick bot die auf dem Pulsberg zur Verherrlichung des Dogmas von der unbefleck­ten Empfängnis errichtete 31 Meter hohe M a r i e u s ü u l c, deren Mond nnd Sterne allabendlich im Mai (deikl Marienmonat) er­leuchtet werden. Air allen anderen Tagen des Jahres tarnt sich der Reisende diesen Genuß gegen eine Gebühr von 6 Mark verschaffen. Ich für meinen Teil faß mit einem1 Freunde und mehreren Bekannten in dem herrlich gelegenen Reiters Garten auf dem linken Ufer der Mosel, wo wir bis spät in die Nacyt zusannnenbliebeu. .

Die Wellen glisterten leise, und um uns wat eine große Stille in dem weiten dämmerigen Garten.

Ach, du lieber Gott, schon halb drei! sagte einer. Um 1/27 ists Tag!

Wir tranken noch einen und dann gings nach dem Hotel, das wir bald gefunden hatten.

Na, also gute Nacht!

Vermischtes.

»Wie i st d i e R e d e n s a r ti u B a u s ch u n d B 0 g e lt'< zu v er stehe n? Wohl die meisten unserer Leser haben bet dieser Redewendung eine dunkle Vorstellung von einem großen Papiervorrat.Bogen" ist die kleinste Maßeinheit, da totrb derBausch", obwohl sonst ein ungebräuchliches Wort, vielleicht ein größtes Papicrquantnm bezeichnen, wie etwa Ballen und Ries. Das ist ein Irrtum. Der Ausdruck kommt von der Feld- meßkunst, wo bei der Vermessung von Grenzen derBausch" die Ausbuchtung in das fremde Gebiet bezeichnet, dieBogeaber die Einbuchtung der fremden Gebietszunge in das zu vermessende Areal. Der Bausch toäre bei einer gedachten geraden Linre also hinzuzuzählen, die Boge wäre abzuziehen, was vielfach m der. Praxis unendliche Mühe verursachen würde. Darum smd z. B, viele Grenzen der Bereinigteil Staaten von Nordamerika tit Bausch und Bogen gezeichnet, was auf der einen Seite fehlt, bringt die andere ein. In Wirklichkeit lassen sich Gebiete von Fluß­ufern, Bergen, Seen und Sümpfen durchaus nicht so glatt zer­teilen wie mit dem Lineal. Die Redewendungin Bausch und Bogen" bedeutet also nurint ungefähren Gesamtwerte, cmS gegen das andere ausgeglichen". In diesem Sinne ist sie ja nnd) tatsächlich in den allgemeinen Sprachgebrauch ubergegcmgen.

Gute D i a gn0s e. K öchin M inna lzmn .Hausarzt): Ach, Herr Doktor, möchtcu Sie mir nicht sagen, was ich dagegen tun soll? Ich habe solch stechendes Jucken um den Mund tjenrnt -- Doktor (nachdem er sie ein Weilchen betrachtet hat):Sagen Sie ihm, er solle sich öfter rasieren lassen das wird helfen!

Buchstabenrätsel.

Nachdruck verboten.

al, cli, co, ck, er, er, ba, fl, fall, gel, i, 11, ni, neu, os, rel, t, la, tr, u, vo, z, zu.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen fünf Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Ansangs­buchstaben voir oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, denNamen einesKlaviervirtuosen undKompomsten ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter der Reihe nach Folgendes:

1. Militärisches Vergehen.

2. Badeort in Schlesien.

3. Bekannte Erscheinung aus dem Weltmeere.

4. Geistlichen Liederdichter.

5, Gefiederten Sänger.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer:

Ball, Wall.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Dieben»