Ausgabe 
23.4.1906
 
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leichtsinnige Herz ist schon wieder ganz voll übermütiger Zuversicht. . t'

Und als er sich jetzt zu ihr herabueigt und das begonnene Gespräch weiterführend/ mit leiser, schmeichelnder Stimme fragt:Wars aber nicht schön und unvergeßlich, was zwischen dem Abend und dem Morgen lag?" da schlägt sie die ivunder- vollen Kinderaugen voll Leidenschaft zu dem Geliebten auf und erividert:

Es waren die schönsten Stunden meines Lebens."

Denen hoffentlich noch viel, viel schönere folgen werden," flüstert der Mann heiß,oh, Du Süßes, daß ich Dir jetzt keinen Kuß geben darf, ist hart. Nicht einmal das kleine Patschel ist erreichbar. So ein Mantel ist für Verlobte eine gräßliche Erfindung."

(Fortsetzung folgt.)

Humoristisches vom Dverlehrertag.

lieber den ersten Berufsfragen, mit denen sich der 2. Deutsche Oberlehrertag zu E i s e n a ch zu beschäftigen hatte, wurde der .Humor nicht vergessen. Er kam zu Worte in einer modern aus­gestatteten FestschriftHabt Geduld", von Gottlieb dem Dressierten verfaßt, in der der Verfasser für einen elektro- Ä-radio-aktiven Unterricht eintrat und köstliche Proben des

, d. h. unfreiwilligen Humors znsainmengetragen hat. Gerade die Lehrer haben ja oft Gelegenhejt, einen derartigen Humor zu bewundern und die komischen Entschuldigungszettel sind nicht minder berühmt, wie die Sextaneraufsätze aus dem Tierreich. Bon beiden mögen einige Proben hier folgen:

Mühlhausen, den 7. Dezember.

Wegen Regen und Sturm hat man nicht gleich gehen können. Theodor H.

*

Geherdester Her Lehrer.

Entschuldige mein Sohn Wilhelm K. wegen ausbleiben der Schule. Er Ijntte zu argen Kattaar und Husten.

UchtnngÄ>vll Frau K.

*

Geehrter Herr Lehrer!

Der unterzeichnete bittet um entfchuidigung für meinen Sohn, da er in die Schule wollte, noch ein Buch im Zimmer hatte und meine Fran den Schlüssel in der Tasche hatte, und ist mit auf den Mark, somit ist er verspätet in die Schule gekommen.

Freundlichst Grüßt Sebastian B.

Weichenwärter.

Durch schnelle Abfarth meiner Frau, Wollen Sie, meinen Sohn Emil Dienstag und Mitwog aus der Schule lassen.

Mit aller Hochachtung M.

*

Hochgeehrter Herr Professor!

Friedrich H. tonte am Dienstag den 3. Dezember die Schule nicht besuchen, wegen Abwesenheit, was Herrn Professor gütigst entschuldigen möchte. Achtungsvoll F. H.

*

Herrn Lehrer K.

Wohl demselben erstade ich ganz Ergebenst das Karl heute Bormittag die Schule nicht besuchen hüt fönen wegen heftigen Zahnschmerzen welcher sich jetzt hat ziehen lassen.

Hoch Achtungsvoll

Bernhard H. Postschaffner.

Aufsatz des Quartaners Karl B.

Die A m e i s e.

Eine der wichtigsten Hautflügler die wir wohl alle kennen, ist kleine Waldameise, von dieser wollen wir etwas näher (be­schreiben,.) hören. Ihr Bau besteht aus kleinem Holze, und Tannen- oder Fichtenreis und kleinen Steinchen. Die gewöhnliche, hat ihren Wohnsitz unten geflasten Steinchen, oder in ihrem Bau, dieser ist gewöhnlich ein Meter hoch und einen eineinhalb in. so breit. Bei den Ameisen unterscheidet inan drei Stämme, Männchen, Weibchen und Arbeiter, die Männchen sind von der ganzen Arbeit abgeschlossen, aber die Weibchen legen nur die Eier ab, die Arbeiter haben alles auf sich, sogar die Eier an die Sonne tragen und wenn es regnet wieder zurück in den Bau. Ihre Nahrung besteht aus Hönig süßes Obst, und kleine Leich- nahine. Ja! Am eignen Bau findet kein Kampf stadt, sondern wenn eine Ameise in den Bezirk einer andern läuft, so entsteht eilt Kampf, bei biefent Kampf stehen die Ameisen der einen Bartei auf die Hinterfüße und spritzt einen Atzenden Saft ans. Die Besiegten werden von den Siegern mit, in ihren Ban geschleppt, und müssen sie als Arbeitssklaven dienen. Die Ameisen haben eine Art Melkkühe, diese dienen zum, melken. Dieses melken ist den Blattläusen oft sehr recht, daß sie gemolken werden. Bon den Ameisen können wir ein gutes, arbeitsames Beispiel nehmen.

*

Die Trompete von Vionville. (Aufsatz eines Quintaners, den er im Arrest unfertigen mußte).

Ice der Schlacht bei Vionville, haben viele Soldaten Tod und Verderben gespie'n. Sie haben es nicht gelitten. Es waren in der Schlacht bei Vionvill viele Kvlonen Fußvolk und zwei Batterien. Die Soldaten von Vionwill haben sie niedergeritten. Sie haben den Säbel geschwungen, die Zäune verhängt. AW haben wir sie znsammengesprengt, die Kürassiere und Ulanen. Es war ein blutiger heißer Tag. Von vielen Soldaten war die Brust zerschossen, die Stirn zerklafft. Manche Soldaten lagen bleich auf den Rasen da. Und als er in die Trompete hauchte, und es ging in die herrliche Schlacht hinein. Und ein klagloses Geschrei und Wimmern, entguoll aus Munde. Und die Ver­wundeten klagten um die Wunde. Die Brüder die heut' gefallen, denen ging es durch Mark und Bein. Und- als die Nacht anbrach dachten die lebendigen Soldaten an der Toten.

L., nach Besprechung vonStadt- und Feldmaus" bezüglich der Zufriedenheit, gefragt, warum wohl mitunter einem Reichen seine guten Speisen nicht so gut schmecken wie dem Armen seine einfachen, antwortet verständnisvoll:Weil se sind gewesen so teuer."

*

An der Realschule zu P. werden kleine Sünden der Schüler mit einemBlies" gestraft, in welchem das Vergehen ausführlich geschildert ist. Einige Proben:

Ein Quintaner:

Geehrter Herr P. . .

als Sie in der Turnstunde stillgestanden kommandiert hatten, himmeite ich in den Saal, dafür bekam ich einen Brief. Ms Hornbogen ans das Kloset ging, gab ich ihn einen Tritt dafür wurde mir der Brief verlängert. Ich will es gewiß nicht wiedertun.

Ihr Schüler Bruno Z.

Ein Sextaner:

Geehrter Herr Dr. H . . . .

da Ich nm Donnerstag den Schüler Bruno Z., als er tu die Klasse trat mit dem Atlas auf den Kopf schlug will ick gewiß nicht wiedertun. Ihr Schiller Kürt Fr.

Mein Mann ist krank.

Skizze ans deut Alltagsleben von Pauline Zell. (Nachdruck verboten.)

Mein Mann ist krank! Wo gäbe cs eine Gattin, die das Ansrusungszeichen, das ick diesem Satze folgen lasse, nicht zu würdigen verstände, und die vier, inhaltsschweren Worte ohne inneren Schauder auzuhören vermöchte?! Irrtümlichen Auf­fassungen vorzubeugen, sei bemerkt, daß ich hier nur solcke Krank, Heiken des Gatten im Slüge habe, die tote sage ich nur gleich, um die in diesem Punkte sehr empfindlichen Männer nicht zu beleidigen? nun, die allem Mischdine nach eine baldige Bessertmg zuversichtlich erhoffen lassen.

In düsterem Schweigen tritt mein Herr Gemahl ins Zimmer, gebt mit seltsam beängstigenden Gesichtsverziehungen ein paar Male auf und ab, um endlich in die verhängnisvollen Worte auszubrechen:Frau, ich bekomme den Schnupfen!"Du be­kommst den Schnupfen?" wiederhole ich, entgeistert in meinen Sitz zurücksinkend.Er bekommt den Schnupfen!" hallt es! echoartig tu den verschiedensten Modulationen durch das ganze Haus, bis zum entferntesten Winkel der Küche.

Und er bekommt wirklich den Schnupfen. Was soll ich dieser Tatsache weiter hinzusügen? Die Sckstlderung des Martyriums, das ich als Frau zwischen den einzelnen Niesanfällen zu erdulden habe, sei einer gewandteren Feder überlassen. Schlimmer, als wenn mein Mann den Schnupfen, kann nur eins sein, nämlichz wenn er Zahnweh hat. Noch nie gab es einen Philosophen, der Zahnweh geduldig ertragen konnte. Beim Zahnweh hört Philo­sophie und Heldenmut auf. Sich in das Grauen der Schlacht stürzen, durch Wasser oder Feuer gehen, wenn es sein mutzi Kleinigkeit! Aber geduldig die Schmerzen eines hohlen Zahns ertragen? Lieber sterben!

Wie verzagt, klein- und weichmütig selblt ein unbedeutendes Unwohlsein die meisten Männer zu machen pflegt, das wäre überhaupt herzzerbrechend, wenn es nicht so lächerlich wäre, und wie schnell die Männer sich unter Umständen zu erholen verstehen, das wäre lächerlich, wenn es nicht zuweilen für die Frau so herzbrechend wäre.

Daß der Leser sich in dem nachstehenden Bilde, das meinen Mann zeichnet, wiedererkennen sollte, das erwarte ich nicht; der freundlichen Leserin hingegen dürfte dasselbe möglicherweise nicht ganz fremd Vorkommen. ~

Mein Mann ist krank! Er liegt aus dem «opha mit alleii Anzeichen schrecklichen Leidens, einen kalten Umschlag um die Stirn, die ganze Gestalt schlaft und hinfällig, em Bild! des Jammers.Ach, Paulcken, wenn du bloß wüßtest, tote nur än Mute ist! Stein, st) elend hast du dich in deinem Leben noch nickt gefühlt. Wie das hämmert und bohrt in meinem Kopse! Du kaniist es glauben, ich werde gewiß sterben!"

Warum nicht gar: du hast dir beit Magen tüchtig verdorben, gestern abend mit dem frischen Brote. Ich habe dich gewarnt Ötmi,/$aii6f$ vit, daß es von dem frischen Brote sein kann? Ich