Ausgabe 
23.4.1906
 
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Wiitellgse Mädchen.

Roman von H. E h r Hard t.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

halten.

Einen Kuß noch, Schätzet."

Ach, bitte, nicht mehr", sie wich zuruck,wenn uns! jemand hier findet."

Und ohne sich an sein ehrlich betrübtes Gesicht zu kehren, eilte sie zur Tür.

Er folgte ihr zögernd mit eurem fast ivchmntlgen Ab- schiedsbtick ans beit prosaischen Raum, in dem er nun hoch fern Tornrvscherr wachgelüßt hatte. Eine leichte Unruhe hatte sich auch ihm mitgeieilt.

Suse war doch sonst solch em leckes, natürliches. leb- Geschöstfchen. Warum diese seltsame Schert vor je in eit

schütter er sah das eingestickte Monogramm, das UM so oft geärgert. - Sein Mäntel! Mit einem Schlage er* faßte er ihr kindisches, rührendes Beginnen. Trunken vov. Seligkeit, nichts mehr bedenkend, neigte er srcl; über die Schlafende und preßte seine heißen Lippen aus das halb* geöffnete Mündchen. Sie erwachte nicht gleich,. Noch ich Traum stahl ihr weicher, nackter Arm sich um seinen

Fritz, lieber Fritz!" mnrmelie sw.

Mein süßes Mädchen!"

Er zog sie zärtlich empor. Da erst wurde sw munter. Sie zwinkerte verwirrt, hilflos mit den geblendeten Augen,: Wo bin ich denn?"

"Bei Deinem Herzallerliebsten, Süßes", flüsterte er "^Ehr^ungläubig erstaunter Blick hob sich empor -sie sah sein schönes, dunkles Gesicht in leidenschaftlicher Zart- ichkeit strahlend dicht über dem ihren und blutüberströmt barg sie dias ihre an seine Schulter. Er druckte den Mundi in das weiche, lichtblonde Haar.

Suse, Liebling, sieh mich doch noch mal an, schämst Tu Dich denn, daß Sat mir gut bist?"

Sie nickte heftig, ohne ihre Stellung zu verändern.

Aber, kleines Dummerle, warum denn? Du weißt doch/ wie sehr lieb Dich Dein Fritz schon lange hat und dast Tu sein süßes, angebetetes Francherl werden sollst. Komm, rasch noch einen Kuß, Maus, und dann znrück itt den Ballsaal. Tie Leute sollen nicht erst schandmanlen übet; Dich und sagen dürfen wir's doch nicht, ehe Deine Eltern nicht dravon wissen. Nur Brockhaus möchten wir ms -Ber* tränen ziehen."

Nein, ach, nein!" J

Ein Schauder ging über Snses Herz. Alles wurde plötzlich lebendig tu ihr die Szene mit dein Hauptmann! im Stall, das abscheuliche Empfinden, das sie bei feiltet«; glühenden Kuß überkommen, die häßliche Ausemandersetzimg mit der verratenen Frau, das drohende Gespenst ihrer morgigen Abreise eine gräßliche dumpfe Verzweiflung löste bas überschwängliche Wonnegefühl in ihr ab. Sie hatte ja kein Recht imeh-r, glücklich zu sein tu der Liebe bes ahnungs* loseii Mannes. r,

In ihrer impulsiven Weise entwand )te sich so schnell feiner Umarmung, daß es ihm unmöglich war, sie sestzu-

Jn der Pause, die dem Tischwalzer folgte, stahl sw sich Ms deni Kreise der jungen Mädchen, lief durch den Korri­dor und gelangte unbemerkt vt eins der zum Ablegen der Garderoben bestimmten Ziminer. Es war leer.

Tie Zofe der Kommandeuse war wohl im Extra.- toilettenzimmer der Damen und harrte dort etwaiger ab­gerissener Kleidetsäunw ober zerstörter Frisuren.

Suse warf sich aufatmend in einen Stuhl neben dem Mit Mänteln mtb Tüchetii überhäuften Tifche. Eme Weile blieb sie mit geschlossenen Augen liegen, bann blinzelte sw ittübe in bettt kahlen Raum umher. Trüben an bet Wand hing ein grauer Offiziersmantel an dem anderen.

Sie stand plötzlich aiif den Füßen und lief hinüber. crrt dem Gefühl körperlichen Uebelbefindens hatte sie eine Sehnsucht, wie nur kindliche Verliebtheit erwecken kann, sie wollte wenigstens seinen Mantel haben, den heißen Kops hitwmschmiegen. . , , ..

Jku-e kalten Hände, von betten sw un Herlaufen Die 5tanbschuhe abgestreift, wühlten unter den vielen, gleich* farbiqen Mänteln da war er ja schon das einge- stickte Monogramiit F. T. ans der inneren Tasche eine hübsche Cousine hatte ihm diese Geschmacklosiglett znge- mutet wie et ihr lachend erzählt. ..

Mit Anstrengung hob sie den Mantel herunter, breitete ihn ans dem Tisch aus, zog sich bett Stuhl dichter heran und sich hinsetzeitb, bettete sie das Köpfchen aus bas gran- feibene Futter. Tie Hälfte bes Mantels schlug sw über die nackten Schultern. Wie warm und behaglich ihr gleich würbe! Und wie Die Berührung bes Mantels ihr bas wonnige Gefühl seiner körperlichen Nahe gab.

Fritz, mein Einziggeliebter!" flüsterte sie in seligem Rausch. Ihre Augen schlossen sich. Die Aufregung des! Tages forderte int Verein mit dem reichlich geno,jenen Sekt ihr Recht. Sie schlief ein.

So fand fie Fritz Trautendorf, der ihr Verschwinden bald 6enterbt hatte und in bet Hoffnung, sie irgendwo allem treffen zu können, auf bte Suche nach, ihr gegangen war.

Mit Purpur geröteten Wangen und halbgeöffneten Lippen schlummerte sie süß und friedlich, bas echte Dornröschen.

Dem jungen Offizier stieg bas heiße Blnt ms Gesicht. Wenn er sie nun mit einem Kusse weckte! Aber nein, es wäre nicht Gentlemensart. Noch wat er ja nicht sichet, ab sie ihn liebte. Jedenfalls aber mußte et sie wecken, bamit ihr langes Fernbleiben im Saal nicht mit ge­hässigen Andeutungen glossiert ttmtbe.

Da bewegte sie sich leicht. Der Offiziersmäntel, den er erstaunt jetzt erst bemerkte, glitt von der weihen Mädchen­