Ausgabe 
21.7.1906
 
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Samstag den 21. In!''

1906 M. 106

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die Glückspendenden sein konnten!

Tränen traten in ihre Augen. Wie sie diese Enisae) heit und Bescheidenheit liebte, diese innigste Freude nut de n Schlichtesten, Kleinsten, was andere Blicke kaum sehen und beachten. Sie aber sah cs, groß und leuchtend und be­gehrenswert. Nie war es ihr teurer erschienen als m eie,er Stunde. F., .

Unwillkürlich hatte sie ans dem großen Verkehr sich m stillere Gäßchen geflüchtet und in ihre Gedanken vertieft, d e sie ans dein unruhigen Treiben hinweggeführt hatten nach dein friedvollen Heimatsstädtchen, 'var sie vor dem Museum ^Erstaunt schaute sie auf, .zögerte einen Augenblick, und dann stieg sie rasch die Freitreppe empor, einer «''geno l'chen Eingebiing folgend Wo hätte sie das Weihnachtsfest wohl feierlicher und würdiger einleiten können alv ) dem heiligen Bilde? t n . . e.tr.r,pn

Besser als draußen im Trubel und Larin diesem hastigen, geräuschvollen Drängen und Sturmen.

Durch den Raum, den sie betrat, schwebte e

Heimat!

ti( | sprach sie cs vor sich hin: Heuiiat l ,

Wie eng und klein sie auch war, noch umfaßte sic ihr ganzes Sehnen, ihr ganzes Glück. Mit leeren Blicken starrte | sie in das lebhafte, bunte Marktgcwühl.

Großstadttreiben! Ihr war cs fremd und gleichglltig. Und mit einem Schlage erstand die Vaterstadt vor ihrem Auas Mit den kleinen Häuschen imb den hölzernen Markt­buden, in denen billiger Weihnachtströdel aufgestellt war für naive Gemüter! Ihr schien er in der Erinnerung reizender als di- Herrlichkeiten, die hier prunkvoll und prangend durch di- breiten Glasfenster lockten. Die wundervollen Kims- g.zenständc, das köstliche Geschmeide, d,e hocheleganten Toi- lctteii und nun gar diese raffinierten Spielgerate für dw Kinder. Pnppcn von außergewöhnlicher Große und bekleidet mit den feinsten und schönsten Stoffen und doch . . . dav hölzerne Püppchen und der papicrne Hampelmann der Tern-- stadtcr Jugend dünkten ihr in diesem Augenblicke schöner und wertvoller als alle die Kostbarkeiten. Swsah "" Geiste die jauchzenden Kleinen, denen sie selbst bet sich ju beschert hatten, armer Leute Kinder, für die Kantors scho>.

l^gtc den Muss neben sich, und heftete die wunderbar! Sie war zerstreut, vermochte sich nicht zu sammeln, »nd in eigentümlicher Jdecnverbrndtmg war es ihr plötzlich, als ob jemand hmter ihr Herzoge du ch die beschneiten Pfade eines Parkes itnd daß diese Ges alt ihr immer näher kam, näher, ganz nahe nut leisem Aufschrei

j Stille, und in tiefster Rührung fühlte sic sich gemahnt an die I andächtig weihevolle Stimmung des Elternhau,cS.

Ja wahrhaftig, wenn schon nicht daheim, so war hier nur die Stätte, wo man dem religiösen, erhabenen Inhalt dieses Festes in innerster Seele nachspüren konnte.

| Nichts würde sie stören, ihre Gedanken ablcnkcn. Heute i I kam sicherlich kein Mensch hierher, alle Welt war »""em

sprang sie empor.

Nein . . . nicht . . . ich . . abwehrend streckte sie

Der Siern.

Roman von Ulrich Frank.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

zurückzwang.

Einen Augenblick, mein Fräulcm. Sw muffen sich er­holen" Ein leichter Schwindelanfall, der bald vorüber sein wird. Wahrscheinlich hat ihn der jähe Wechsel der Tempe­ratur veranlaßt. Es ist eisig kalt g£

beklemmende Hitze; erlauben S>e, daß ich Hlmen lehilsiici, bin " Er nahnt ein Etui aus der Tasche seines Pelzes und

.i...r,fe »r ihren Schle er zuruckstreifen. Willenlos ließ !>e es

ch 'h-7 Dmw windete -- sich «n den sich ... Mtal« Entfernung haltenden Saaldiener. Dieser kaititte l)n g , denn -- kam seit einiger Zeit fast täglich h.-rh-r, und .nanch 8

Wasser besorgen?" #

öffnen . > , , ($je niar wie gelähmt. Und dennoch

I stand entgegenzt sio - Beivnßtsci» unk» vermochte sich die war st° w'-d r bn vollem^ ^Wcn unb roie?0 sie die I^dMÄmderi Mannes als ganz selbstverständlich an- sich ihr keine Zeit, darüber nachzudenken. Er fragte | auch nicht viel, sondern er entschied.