Ausgabe 
19.2.1906
 
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1906

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Jem Wahren, Edlen, Schönen.

Ein Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Da in diesem Augenblick der dicke Giesecke an die beiden herantrat, so hielt es Imhoff sür zweckmäßig, den Ton zu ändern.

Mahlzeit, lieber Herr Kollege," sagte er freundschaftlich, setzen Sie sich ein bischen zu uns ... da kommt der Diener mit den Kognaks ... ich bitte noch um einen Kognak, Verehrtester . . . Na, lieber Giesecke, nun plaudern Sie uns mal Ihre Geheimniffe aus. Womit fangen Sie an?"

Der dicke Herr setzte sich vorsichtig auf einen vergoldeten, etwas zart konstruierten Stuhl und kniff pfiffig die Augen zusammen.

Das sage ich nicht," meinte er,aber Sie werden was erleben, meine Herren . . . Wenn die Oper nicht gefällt: nur schlagen ein!"

Etwas Ernstes natürlich?" fragte Pricstap.

Versteht sich, Herr Baron. Ein großes Drama von einem Unbekannten"

Ach herrsch," krähte Imhoff,schon fault"

Wie können Sie solchen Unsinn reden, Kollege," sagte der Direktor ärgerlich.Namen ziehen heutzutage nicht mehr"

Namen ziehen immer"

Das bestreite ich. Das Meisterwerk eines Anfängers findet dieselbe Aufnahme wie das eines berühmten Mannes. Und verschaffen wir einem Unbekannten den ersten Ruhm, so fällt naturgemäß ein Strahlcnbündel auch auf uns zurück. Ich spreche nicht viel, lieber Imhoff; ich renommiere nicht, wie Ihr von der Oper."

Merci. Also Sie beginnen mit einer veritablen Pre­miere. Und Hann?"

Dann folgt der Doppel-Faust."

Aber, Liebster, den bereitet Carolus Dieckhoff ja auch vor l"

Was geht uns das an?!"

Imhoff schüttelte den Kopf.

Total verrückt," murmelte er, und laut fragte er: Wer soll denn den Faust spielen?"

Semper natürlich."

Imhoff pruschte.

Lassen Sie den den Affen in der Hexenküche spielen, Giesecke, aber nicht den Faust!" rief er.Herr von Priestap, dieser Semper ist eine Ruine; kein Organ mehr, keine Haltung nichts I Und das Gretchen, Giesecke?"

Ägg hatte sich verärgert erhoben. sagte ex.

Na", meinte Imhoff,da freu' ich mich auf die Krii^ titeit. Das kann gut werden."

Gericke ging, ohne noch ein Wort zu sagen, davon, ,Was soll ich mich mit diesem Idioten zanken', dachte er,

Priestap fragte, wie inan sich die Verteilung von Oper? und Schauspiel gedacht habe. Imhoff erläuterte das: vier^ mal in der Woche Oper, dreimal Schauspiel; aber an den Operntagen Mittwochs und Sonntags klassische Nachmittage Vorstellungen zu ermäßigten Preisen.Wir müssen sehen,^ wie sich das Ganze entwickelt", sagte er.Ein Haus für beide Künste gab es bisher noch nicht. Auch auf eine zweck­mäßige Ausnüyung, nicht Abnützung" er lachtedes Personals muß Bedacht genommen werden. An den Schaum spieltagen arrangieren wir vielleicht Konzert-Matineen oder dergleichen. Tas wird sich alles finden. Wenn nur erst der Stein int Rollen ist. Ich kann Ihnen sagen, ich brenne' darauf. Ich fiebre der Eröffnung entgegen. . ."

Im ersten Salon stand Hammer, von einem Kreis von Damen und Herren umgeben, und wurde bewundert. AnitN Berndal hatte ihren Autographenfächer mit und bat um einen Namenszugbitte, bitte, bitte, lieber guter Herr Baumeister vielleicht auch noch ein Sprüchelchen dazu... Zu dem Sprüchelchen war Hammer nicht aufgelegt; aber den Namenszug gab er her. Eine feiste Madame zog ihm die Moosrose aus dem Knopfloch und nahm sie mit schämi­gem Lächeln an sich. Hammer fühlte, daß ihm eine Migräne bevorstand. Er befand sich in seltsamer Stimmung. Seit Jahren verkehrte er in Gesellschaften, in denen es genau so oder doch ganz ähnlich zuging wie hier; oberflächlickb heiter, zuweilen mit einem Schuß Frivolität oder Zynis­mus; immer wurde viel Wert auf die materielle Bewirtung gelegt. Aber heute erschien ihm alles unsäglich schal. Er hätte gewünscht, unter feinen Arbeitern bleiben zu können. Er fragte sich unwillkürlich selbst, ob er nicht wohl sei. Ihm war, als fiebere er. Sein Puls ging stark, und er spürte ein zuckendes Klopfen in . der rechten Schläfe. Er dachte schon daran, sich von dein Gastgeber zu verabschieden und bann sich unauffällig zu empfehlen, als der Kultus­minister zu ihm herantrat und ihn in ein Gespräch zog.

Prinz Arenstein hatte seine Cousine aus dem Gesicht verloren. Er suchte nach ihr.

Wo ist Deine Frau, Eugen?" fragte er Frehlinghaus, der mit dem Polizeipräsidenten und Herrn von Serben sprach.

Ich weiß es nicht", antwortete der Graf kurz und fügte mit raschem Aufblicken hinzu:Ich glaube, sie . . Doch da richtete der Polizeipräsident eine Frage an ihn, und er wandte sich, ohne den Satz zu beenden, an diesen zurück.

Heros ging weiter, blieb hie und da vor einem Gemäldd oder einer Bronze stehen, schaute auch einmal in ein auf- liegendes Buch hinein, ließ aber dabei den Blick rastlos umherfliegen. Es war doch merkwürdig: wo steckte denn Freda?! Die halblaut geführte Tischunterhaltung mit