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erstaunt an, bis es, offenbar durch einen mütterlichen Puff Unter Wasser über die Sachlage belehrt, eilfertig tvie ein gescholtenes Kind, auch seinerseits unter Wasser verschwand. Für einen sicheren Schuß waren wir noch, zu weit ab gewesen, und so ließen wir denn alle drei untertauchen, Vhne Dampf zu machen, obwohl wir in heftigem Jagdfieber unsere Büchsen an die Backe gerissen hatten.
So ein Nilpferd zeigt im Wasser nicht viel mehr als Augen, Ohren und Nüstern. Die Kugel muß in dem kaum fußlangen Kopfteil zwischen Auge und Ohr sitzen, soll sie wirksam sein, und da verbietet sich ein Schuß auf werte Entfernung von selbst.
Tie Dampfpinasse wird nun zurückgelassen, und geräuschlos treiben uns die Riemen der anderen Boote den Strom aufwärts. So gleiten wir unr eine zweite, in den wirrdungsreichen Fluß vorspringende Landzunge, rmd in der weiter: Brrcht verstreut erblicken wir mindestens zwanzig Häupter des edlerr Wildes. Noch sind sie 400 bis 500 Meter ab, aber das Jagdfieber hat uns ergriffen, mir schlägt das Herz- bis zunr Halse, sodaß die zitternde Hand kaum die Biichse halten kann. Aber da kracht eh: Schuß aus des Kommandanten Buchse ur:d ihm nach läßt jeder seine Kugel fliegen, daß das Wasser auffliegt, wie von: Hagelschauer gepeitscht. Und die Nilpferde? Unbeschädigt waren sie blitzschnell uutergetaucht und entzogen sich durch eilige Flucht rrnter Wasser dem Bereiche unserer Büchsen. Wir in der vermutlichen Richtung hinter ihnen her. Bald hier, bald dort taucht sekundenlang ein Haupt oder auch nur der Atemstrahl auf, und wieder Und wieder krachen die Büchsen mit stets gleichem Mißerfolg, bis unseren Ruderern die Luft ausgeht. Es war auch Zeit, denn die Aufregung war allgemach eine so allgemeine geworden, daß wir Insassen der Boote uns gegenseitig aufs höchste gefährdeten. Tie Nilpferde aber waren verschwunden, als wären sie nie vorhanden gewesen. Sie verstehen die Kunst, unter Wasser zu schwimmen, so ausgezeichnet, daß auch nicht das leiseste Wirbelchen ihren Weg verrät. So mögen sic denn unter uns lveggetaucht und stromab gegangen fein, ohne daß wir es merkten. Jedenfalls waren wir für diesmal die Gefoppten.
Tie mitgenommenen Eingeborenen versicherten uns zu in Trost, daß weiter stromauf, .wo die Steppe beginne, gewaltige Herden Antilopen, Giraffen und Zebras weideten, daß sich in den Uferbäumen große Banden von Affen tummelten und der Fluß von Federvieh aller Art wimmle. Wir vertrauten ihnen und fuhren weiter den sich mehr und mehr verengenden Fluß hinauf. Mangrovewald und die wilde Oelpalme säumte zunächst die schlickigen Ufer, und Scharen junger Haie, kenntlich an der dreieckigen Rückenflosse, die spannenlang aus dem Wasser hervorragt, standen in den Buchten nahe dem Ufer, wo die Strömung träger lief.
Bon den angeblich so zahlreichen gefiederten Bewohnern aber sahen wir zunächst nur Weberfinken, Tauben, Strandlänfer und Jägerlieste. Zwar belebten die in den buntesten Farben prangenden Webervögelchen und die über dem Wasser rüttelnden, metallisch glänzenden Lieste auf das angenehmste das trübe tzwün des Mangrovenwaldes und entzückten das Auge des Naturfreundes. Aber für den Jäger boten sie nichts erfreuliches; denn unser Sinn war auf Höheres gestellt, und wir fürchteten durch einen Schuß aus das bunte Gelichter das stolze Wild, das wir schon als sichere Beute betrachteten, unnütz zu vergrämen.
Allmählich hob sich das Ufer, immer kürzer wurden die Bogen und Windungen des Flusses, schärfer trat die ausgehöhlte Stoßfeite gegenüber der flachen Ablagerungs- seite des Stromes hervor. Und mit der Erhöhung der Ufer vollzog sich auch ein Wechsel in der Pflanzen- und Tierwelt. Zuerst verschwanden der Schlick und die Mangroven, niedere Fächerpalmen, Mimosen, Akazien und hochstämmige Laubbäume traten an ihre Stelle, dazwischen Lichtungen und Blößen mit hartem, mannshohem Grase. Dre Bäume und niederen Strandbüsche waren durchwebt und überdeckt von Schlingpflanzen und prächtig blühenden Orchideen. Reicher und prächtiger, auch für das Jägerherz, wurde auch das Tierleben: rosenrote Flamingos standen fischend im flachen Wasser, weiße und schwarze Ibisse saßen auf trockenen Aesten oder Stammen über der klarer werdenden Flut, dazwischen die wunderbar zarten, weißen Edelreiher, und ihre rauheren, grauen Brüder und Vettern, und begrüßten uns mit mißtönigem Geschrei. Hoch oben vuf den Wipfeln der Urwaldriefen spähten mächtige Geier
und Adler nach Raub aus, längs der Ufer strichen Sichel- fchnäbel und Brachschnepfen hin. Im Gezweig tummelten sich die munteren, gewandten Scharen der kleinen Meerkatzen, die Tombili, und über uns und um uns gaukelten Hunderte von bunten, prächtig gefärbten Faltern. Ein entzückendes Landschaftsbild und dabei eine Fülle von Wild, das uns sonst wohl eines Schusses wert gewesen wäre.
Wir aber waren wie der törichte Mann des Märchens, der den Spatzen in der Hand fliegen läßt, um nach der Taube auf dem Dache zu greifen. Wir waren nun einmal aus das Großwild erpicht und achteten der bescheidenen Jagdbeute nicht, die uns sicher gewesen iväre. lind fast schien es, als ob unsere Hoffnung berechtigt gewesen, unsere freiwillige Entsagung mit Erfolg gefrönt werden sollte. Tenn als wir wieder einmal eine der weiteinspringenden Ecken rundeten, da stand in voller Größe, eben im Begriff, aus dem Wasser zu treten, den einen Borderfuß schon erhoben, um ihn auf den ins Urwaiddickicht führenden, tief eingetretenen Pfad zu fetzen, ein mächtiges Nilpferd vor uns! Nicht schießen! befiehlt der Kommandant. Schnell wird das Tinghh gelöst, der Kommandant und Signor Marquesini springen mit abgestochener Büchse hinein, des Kommandanten Gigsteurer wriggt das Bootchen lautlos vorwärts, und alles späht in höchster Aufregung nach dem immer noch bewegungslosen Nilpferd. Näher und näher chleicht sich das Boot von rückwärts in Deckung heran, äst gleichzeitig krachen die Büchsen der beiden Schützen m Boote, unmittelbar darnach folgt dröhnend eine Salve aus unserer Barkasse. Klatschend schlagen die Kugeln in die gewaltige Scheibe, das Nilpferd aber steht wie aus Erz gegossen, kein Schweiß entströmt den Wundlöchern!
Noch näher, bis auf wenige Schritte, kommt das Tinghh heran, noch einmal dieselbe Kanonade, das Nilpferd aber rückt nnd rührt sich ebensowenig als zuvor!
Und des Rätsels Lösung? Es war eben schon tot, gefällt von der heimtückisch verborgenen Lanzenspitze, die schwarze, mit den Gewohnheiten ihres Wildes vertraute Jäger in einen schweren Block gefügt hatten, der so über dem Austrittswechsel aufgehaugeu ivar, daß der Fuß des Tieres selbst den Halt auslösen und das schwere Eisen das Genick bis auf das Mark durchbohren mußte. Das Halsmark ivar quer durchschnitten, und der Tod mußte so unmittelbar eiugetreten fein, daß augenblickliche Starre die Glieder in der ■ Lage hielt, die sie beim Herunterfallen des Eisens gerade innegehabt hatten! So waren wir getäuscht worden und hatten allesamt das Tier noch für lebend gehalten!
Doch nicht genug damit. Wir hofften wenigstens, uns Teile dieses Nilpferdes, Kopf, Zähne nnd Haut, letztere um Stöcke und Reitpeitschen daraus zu verfertigen, erwerben zu können, und gingen deshalb in der Nähe zu Lande. Als aber gegen Mittag die Jäger kamen, da dachten sie nicht daran, sich aus solchen Handel mit uns einzulasseu. Sie hofften wohl, ihr Wild anderweit besser verwerten zu können oder wußten den Wert des Geldes — denn wir hatten natürlich nur solches und keine Tauschwaren mit — noch nicht zu schätzen. Kurz und gut, wir mußten zusehen, !vie sie das Nilpferd richtig „ausschlachteten", nnd konnten nicht einmal weg, weil mit der Ebbe das Wasser weggefallen war und unsere Boote festsaßen.
In meinem Aerger schoß ich nun doch noch einen Goldweber, und dieser spatzeugroße, goldig gefiederte Vogel war schließlich das ganze Ergebnis unserer Nilpferdjagd und ich damit Jagdkönig!
Bedeutung und Ursprung unserer Tagesnameu.
Studie von R. Zettler-Mieming.
(Nachdruck verboten.)
Wenn wir leichthin die Namen unserer Tage aussprechen, so denken wohl die allerwenigsten von uns daran, was diese Namen eigentlich bedeuten und besagen wollen, ja es wissen überhaupt die allerwenigsten, daß diese Namen eine gewisse Bedeutung haben und nicht nur einfache an sich bedeutungslose Sprachlaute bilden. Für die meisten ist Montag der Montag, Dienstag der Dienstag usw. und sie verstehen darunter eben die beiden genannten Wochentage, so gut wie unter jedem andern Wort das Ding, das es benennt. Die Namen unserer Wochentage haben nun aber einen tieferen Sinn und deuten in ihren zu ihrem heutigen Klange verschmolzenen Sprachlauten meist auf Begriffe ans der Heidenzeit unserer Vorfahren zurück.
Da haben wir zuerst den Sonntag als den ersten Tag der Woche. Hier sagt schon der Sprüchlaut unschwer jedevt


