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werft entlassen werden. Ein Arbeiter in memen Jahren hat es sehr schwer, eine dauernde Stellung zu finden, ^ch habe m Erfurt und Eisenach, in Prag und Brünn, in Wien und Pest, in Jassy und Odessa, in Lodz und Riga, außer den kleinen Städten, gearbeitet, aber überall durchklang mein Leben der gleiche .Ton.
' Wer will in die Fremde wandern.
Der muß mit der Liebsten geh n; ES jubeln und lassen die andern Den Fremdling alleine steh'n.
Ich war in der Heimat srenld geworden. Wie sollte ich tn der Fremde mich Mimisch fühlen! .. - „
Boigt sucht dann darzulegen, daß er bei seinen zwei werteren Bestrafungen einmal das Opfer eines begreiflichen Irrtums, das andere Mal das Opfer eines schweren , Justizirrtums geivorden sei, als er ivcgen Einbruchsdiebstahl tn die Gerrchtskasse zu -vron- gowib zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde
„So wanderte ich zum zweitenmal, der ^Strafanstalt zu. Erst nach langen Jahren raffte ich mich aus meiner Lethargie auf und führte den Kampf mit der Strafkammer dura),alle Instanzen. Natürlich überall vergebens. _ Gegen das kleine Wort 'rechtskräftig" war alles Mühen umsonst. Da packte,mich schließ lich eine grenzenlvsc Wut gegen meine yttch t er. und wäre ich zii jener Zeit freigekommen, ich wäre gewiß zum M o r d e r geworden. Glücklicherweise bin ich davor bewahrt geblieben.
Je näher die Zeit meiner Entlassung heranruckte, desto mehr verblaßte auch die Erinnerung an das mir zugefügte lln- recht. AlS ich angekleidet im Sekretariat stand und der, Hausvater die ganzen Prozeßakten mir übergab, wog ich sre noch einmal in meiner Hand, und mit schnellem Entschluß wanderten sie in den brennenden Ofen. Als ich zurücktrat, überkam mich ein tiefes Gefühl der Befriedigung. Nun war ich innerlich srei — und fünf Minuten später auch äußerlich.
Etwa sechs Monate vor meiner Freilassung begann ich mich ernstlich mit der Frage zu befassen, wie ich mein Leben fernerhin 5u geslalten hätte; und ich gelangte durch die Briete niemer Leidensgeiährttii über die Vorgänge in der „Welt, der ich ia cnt= fremdet war, zu der lleberzeiigiiug, daß cs tür >nich wohl das Beste sei, ivemi ich mich ivieder den Jndustriebezirkeu des Auslandes zu» wendete. Demgemäß bat ich die verschiedenen Behörden um Zu» stellmig eines Passes. Rawitsch verwies mich nach Tilsit, Tilsit nach Posen. Ueberall die gleiche Antivort: Keinen Paß, ohne
Angabe des Grundes!
Ta bat ich bei der Anstalt der Fürsorge für entlassene Gefangene um Berücksichtigung; sie wurde mir, abgeschlagen; ich mochte sehen, wie ich allein sertig werde. Schließlich nahni Herr Pastor Benner die Sache in die Hand, und durch seine Ver- mittlring fanb ich Auinahnie tn die Familie des H o i f ch u h m a ch er- Meisters Hillbrecht in Wismar; ich sage: in die Familie, denn ich bin von meinem Eintritt bis zu meinem Scheiden dort gehalten worden wie ein Kind des Hauses. Aus Wismar und Mecklenburg wurde ich ausgewiesen. Neues, unablässiges Ringen um eine gesicherte Existenz . . .
Noch einmal schien mir das Glück zu lächeln, als ich nt eine Schwester Berta wiederiand. Tas Glück dieser Tage zu beschreiben, bin ich nicht imstande, und als Berta ntich auch noch mit einer Frau zusammeniührte, die bereit war, ihr Leben an das meine zu binden, und wir in aller Stille unsere Verlobung geleiert halten, da meinte ich: nun hat mein Leben doch noch einen Zweck I Wie haben wir uns gefreut, wenn sich mit jedem Samstag unser kleines Kapital vermehrte, und wie haben wir gerechnet, ob sich in unserem zu gründenden Haushalte auch Einnahmen und Ausgaben decken würden I Wie haben unsere Augen geleuchtet und liniere Herzen gejubelt, wenn dann alles so schön stimmte l Wir dünkten uns reich wie die Könige!
Ta kam die zweite AuSweisung der Polizei von Berlin I Die von Wismar traf mich allein. Hier lag es anders. Ich hatte jebt für drei zu sorgen. Sechs Wochen lang habe ich mich nacy allen Seiten hin bemüht. Arbeit überall, aber Sicherheit vor der Ausweisung nirgends. Selbst mein Geburtsort hat das Recht, mich auszuweisen! t ,
Als ich zu dieser Erkemilnis gekommen war, da wollte ich mir holen, was man mir nicht geben wollte: die Möglichkeit, an einem Orte zu wohnen und zu leben.
Und so kam der Tag von Köpenick!
Weihuachtsliteratur.
— Lenau und die Familie Löwenthal. Briefe und Gespräche, Gedichte und Entwürfe. Mit Bewilligung des verstorbenen Freiherrn Arthur von Löwenthal. Vollständiger Abdruck nach den Handschriften. Ausgabe, Einleitung und Anmerkungen von Professor Dr. Eduard Castle. Mit 10 Bildnissen und 5 Schriftproben. Zwei Bände. 634 S. Leipzig, Max Hesses Verlag. Preis brosch. 9 Mk. Was von Lenaus Briefen an Sophie Löwenthal bisher veröffentlicht wurde, war unvollständig und abgekürzt, und diese früheren Ausgaben sind vergriffen. Eine neue hat
Prof. Dr. Eduard Castle in Wien besorgt. Sophie Löwenthals jüngster, 1905 gestorbener Sohn Arthur hat ihm hierzu alle Handschriften seines Besitzes, die auf Lenau Bezug haben, überlassen, darunter nicht nur sämtliche Briefe Lenaus an Sophie Löwenthal, sondern auch zahlreiche Ge- dickte und Entwürfe. Eine umfassende, auf den Briefen und Gerichten Lenaus, den unveröffentlichten, charakteristischen Briefen und Tagebuch-Aufzeichnungen Sophie Löwenthals mit Verständnis aufgebaute Darstellung des Verhältnisses zwischen den beiden leitet das Werk ein. Die Reisebriefe Lenaus, die dann vollständig folgen, zeigen sein mannig- aches Erleben, Leiden und Lieben; die Gespräche, die «o- chiens Gatte, Max Löwenthal, ausgezeichnet hat, lassen gleichfalls interessante Einblicke in die Ansichten, Erlebnisse und Gefühle des Dichters tun, in sein Verhältnis zu den Mitlebenden und die Disharmonie mit sich selbst. Der zweite Band enthält außer einer Reihe von aphoristischen Entwürfen die Briefe an Sophie Löwenthal während zehn Jahren, von denen der Herausgeber sagen kann, daß sie „des Schönsten enthalten, was die Weltliteratur in dieser Gattung aufzuweisen hat." Die Anmerkungen und ein aus zwei Teilen bestehendes Register dienen dem praktischen Gebrauch des Werkes. Zehn Porträts und fünf nach den Handschriften wiedergegebene Schriftproben sind zur Veranschaulichung dem Werke beigegeben, das außerordentlich reiches Material für alle die beibringt, die am Leben des Dichters Anteil nehmen. Eines der wichtigsten Kapitel der Lenauforschung ist mit diesem Buche erschöpfend und end- giltig abgeschlossen.
Nene Kalender.
— Auer
geboten.
____badj’§ Deutscher Kinder-Kalender auf das Jahr 1907. Eine Festgabe für Knaben und Mädchen reden Alters. 25. Jahrgang 1907. Herausgegeben von Georg Bötticher. 168 Seiten stark mit ca. 130, teils bunten Illustrationen, buntem Titelbild und Spielbeilage. Geb. 1 Wart (Leipzig, L. Fern au.) Unter den Mitarbeitern dieses Kalenders finden wir Troian, Biewr Blüthgen, Frida Schanz u. a. Künstler wie Friß Koch. Mcix Brösel, G. Suhr usw. usw. Eine Fülle textlicher und illustrativer Beitrüge, eine Spielbeilage, die den jugendlichen Lesern Ftgtiren aller 25 Kalenderjahrgänge vorführt — dies alles wird für 1 Mart
Rovemberuacht.
Und draußen geht ein Jahr zu Grab. — Nicht läutei's hoch vom Gtockenturm, Aber es läutet der laute Sturm: Der wirkt sich tn das graue Schweigen, Das diesen Novembertagen eigen, Wo die Himmel wie verschlossen stehn Und die Wolken nicht wissen, wohin sie gehn.
Es ist das sonnensetige Jahr:
Das geht heut draußen int Sturm zu Grab, Und was ich von Strahlen gesammelt hab', Tas leg' ich mit aus die Toteubahr.
Als hält' er immer das Wort gehabt, So heult der Sturm: „Begrabt! Begrabt, Was noch nicht schläft, was noch nicht tot, Begrabt das Morgen- und Abendrot, Und wartet einzig der langen Nacht, Der schwarzen Winters- und Todesnacht.
Karl Ernst Knodt.
Magisches Zahlenquadrat.
Nachdruck verboten.
......— In die Felder nebenstehenden Quadrats sollen die Ziffern
4 23 48 67
---viermal derart eingetragen werden, daß die Summe der Zahlen in jeber der senkrechtes ----magerechten und Diagonalreihen stets 142 _____________ beträgt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummerr Keiner geht zum Himmel ein. Der nicht war aus Erden; Weise will ein Jeder sein, Niemand will es werden. Feuchtersteben.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der SB r üb Pichen Universitäts-Buck- und Steindruckerei. R. Lange. Gieße«,


