Ausgabe 
10.3.1906
 
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Dem Wahren, Edlen, Schönen.

(Sin Großstabtroman bon gebot u. Zobeltitz.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Im dritten Akt hielt die Stimmung bis zur Mitte an. Tann kamen die verhängnisvollen letzten Szenen, an denen Rafasli Monate und Monate lang gearbeitet, die er immer wieder umgeworfen und die ihm durchaus nicht hatten gelingen wollen. Es tvar toie ein plötzliches Ver­löschen der Kraft. Tie Musik verblaßte, die Trivialität in den Rezitativen wirkte grotesk; ein Lied des Fräulein Stregler (Blumenmädchen), das volkstümlich sein sollte, schien Anklänge an einen bekannten Gassenhauer zu haben: bet dem Trio zwischen Nina nnd der Bogner-Wettin be­gannen die Zischer. Freilich, sie wurden niedergeklatscht: aber wahrend die Gardine sich schloß, rief keine Stimme mehr nach dem unglückseligen Komponisten, sondern das ganze Haus immer nurHammer! Hammer! . . Ein Kritiker neigte sich zn seinem Kollegen und raunte ihm zu: ,,Tas ist ein großer Erfolg des Baumeisters . . ."

Während des Zischens kam es in einer ersten Rangloge zu einer peinlichen Szene. Zwischen dem Konsul Werner und dem Justizrat Brandes saß ein Unbekannter, also eiil Herr, der sein Billett bezahlt hatte itnb nicht zu den Eingeladenen gehörte. Er hatte schon int zweiten Akt über den Gesang Ninas einige spöttische Worte falletk lassen ttiib begann nach der Duoszene int dritten ebenfalls zu zischen. Da sprang PriestaP totenbleich auf, packte den Herrn an den Schultern und rief ihm in gedämpfter Wnt zn:Wie können Sie sich uitterstehen, ztt zischen, wenn Mitglieder des Königlichen Hauses im Theater sind?! . . ." Der Herr antwortete mit einer Grobheit Brandes, Werner und Sven Trusen Worfelt sich dazwischen und drängten PriestaP rasch aus der Loge, sodaß wenigstens keine Störung ver­ursacht wurde.

PriestaP war außer sich. Ter Mißerfolg Ninas machte ihn rasend. Erhalte nur den einen Wunsch: sie zn sprechen, zu trösten, ihr hundert liebe Worte zu sagen. Er eilte in das Parterregeschoß- den Couloir des Parketts hinab, an den Orchesterlogen vorüber bis zu der eisernen Tür, durch die man von hier aus auf die Bühne gelangte. Er fluchte, als der Logenschließer ihn nicht passieren lassen wollte; vergebens berief er sich darauf, daß er enter der Hanptaktionäre der Gesellschaft sei: der Mann blieb fest. Zum guten Glück öffnete sich die eiserne Tür von außen, und Hammer erschien: er wollte Agnes suchen. PriestaP stürzte ihm entgegen.

Lieber Baumeister tausend herzinnige Glückwünsche! Heut feiert man Sie das ist nur recht und billig . . « Baumeister ich bitte Sie, sagen Sie dem Mann da, daß er mich auf die Bühne läßt! Ich muß Nina Imhoff sprechen..."

Aber versteht sich, Herr von PriestaP", erwiderte Ham- mer ttttb öffnete die Bühnentür.Armer Kerl. . . regen! Sie sich nicht aus... es galt nicht Ihrer Nina allein- die ganze Oper war ein gründlicher Reinfall . . . Mer es! werden auch andere Tage komtnen ..."

PriestaP hörte das gar nicht mehr. Er stürmte auf den Bühnengang. An der hohen Brandmauer waren hundert Versatzstücke und Praktikabel aufgestapelt; Arbeiter und Maschinisten liefen hin und her, schon sanden sich die Ballett­ratten ein. Aus deut tiefsten Hintergründe tönte ein rollen­des und knitterndes Geräusch : da wurde die Wandeldeko­ration aufgezogen. Bon der Szene her hörte man die befehlende Stimme des Ballettmeisters Rosin; in den Soffiten flammten bunte Lichter auf, Girlanden und Lianen schwebten herab. Plötzlich zischte es blendend hell über den ganzen Raum, ein weißer Schein, der jede Fttge in der roten Brandmauer erkennen ließ: die großen Reflektoren wurden entzündet,

PriestaP irrte umher. Er hatte geglaubt, Herrn von Serben zu sehen, und drängte sich durch eine plaudernde und kichernde Gruppe von Balletteusen. Auf einmal stand er dicht vor Rafasli und Imhoff, die sich mit halblauter Stimme eine Anzahl ausgewählter Injurien zuriefen.

Imhoff", sagte PriestaP und legte die Hand auf diej Schulter des Oberregisseurs,Wo ist Ihre Nina? ich möchte sie sprechen . .

Imhoff fuhr herum, ©eilt grimmiges Gesicht wurde sofort freundlich.Das ist recht von Ihnen. Tas arme Mädel . . . Kommen Sie mit! . . ." Tann Wandte er sich noch einmal an Rafasli zurück.Ich verzichte auf Weitere Erörterungen mit Ihnen", rief er;wenden Sie sich, an Wen Sie Wollen, meinetwegen klagen Sie! Die Wahrheit haben Sie von mir gehört die Wirb Ihnen die Kritik morgen früh noch gründlicher sagen! . . /'

Er zog PriestaP mit sich, quer durch die ganze Welt des Scheins.Ein schandbarer Kerl, der Rafasli", schimpfte er;alle Schuld häuft er auf Nina. Ich habe es vorher gesagt: diese Oper ist ein Unding. Hätten wir nur mit ,Wda' angefangen!"

Wo ist Nina?"

In ihrer Garderobe, lieber Herr von PriestaP. Sie heult sich die Augen aus dem Kopse. Sie schreit förmlich. Sie hat Weinkrämpfe. . . Laura wollte zu ihr; sie hat es nicht geduldet."

Mein Gott, wenn sie sich nur nicht ein Leid an tut", sagte PriestaP angstvoll.

Imhoff lachte.I bewahre! Dazu hat sie das Leben zu lieb. Mag sie sich ausjammern. Morgen wird es schon werben."

Sie wirb nicht mehr auftreten", antwortete Prie­staP fest.

Imhoff blieb einen Augenblick stehen.Na na . . . Lieber Baron sie ist an ihren Kontrakt gebunden . .