Ausgabe 
5.3.1906
 
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verschiedenen Land em, an bereit Spitze Deutschland steht, zu einer stehenden Einrichtung geworben. In Köln ist eilte Station Wit 500 bis 600 Tauben vorhanden, die in direkter Verbindung mit Berlin nnd verschiedenen anderen Platzen steht. Man nimmt dort 160 Kilometer als weiteste Normalstrecke an, auf der em Tier seinen Dienst ordentlich versehen kann. Ein speziell zu dem Zwecke ausgerüstetes Militär-Detachement ist mit der Besorg­ung dieser Tauben betraut. In Paris hat man Spezialetablnse- Ments für die Abrichtung der Militärtauben, und jeder Bnef- taubenbesitzer ist gehalten, in Ktiegszeiten seine Tauben der Regierung abzutreten. Italien hat ebenfalls eilten ausgedehnten Brieftaubendienst für die Armee eingerichtet, und die Ntederlande haben nun auch das gleiche getan. Das WerkUnsere Haus­tiere", das nunmehr vollständig vorliegt, schildert m gemem- verständlicher, anregender, doch dabei wissenschaftlich gediegener Weise die Herkunft, die Lebensweise und Eigenart der einzelnen Haustiere, ihre Aufzucht, Pflege, Dressur usw. Besonders wert­voll ist es durch das vortreffliche Jllustrationsmaterial, das 12 farbige Tafeln und 653 Textbilder, durchweg Naturaufnahmen nach dem Leben, umfaßt. Das! prächtige Werk, das seiner ganzen Anlage nach ein rechtes Bolts- und Hausbuch zu werden be­stimmt ist, kann allen Tierfreunden aufs' beste empfohlen werden.

* Das Dienstmädchen Problem, das heutzutage das aufmerksame Nachdenken bet Frauen in zwei Erdteilen erfordert, nimmt in Amerika Formen an, die in Europa denn doch noch un­bekannt sind. Die Amerikanerin sieht sich weit häufiger als ihre europäische Schwester vor plötzliche und überraschende Schwierig­keiten gestellt, die sie zu überwinden suchen muß. Das;der Geist des Fortschritts" bisweilen entschieden seine Schattenseiten hat, erfährt die amerikanische Hausfrau mehr, als ihr lieb ist. Die Dienstmädchen, die aus Europa herüberkommen, geben sehr bald, nachdem sie die Fahrt über den Ozean. gemachMaben, ihre Stellung auf. Englische, schottische und die noch intelli- gentereu irischen Mädchen landen täglich in den verschiedenen amerikanischen Häfen, aber nach kürzester Zeit, sowie sie die Nötigen Vorbereitungen getroffen haben, suchen sie int! Lande Stellung alS Kinderpflegerinnen, Lehrerinnen, Stenographistinnen undSchreibmaschinistinnen. Diese Abneigung, eine dienende Stell­ung int Hause einzunehmen, besteht, obwohl in den Vereinigten Staaten schlechte Dienstbotenräume der Vergangenheit angehören. IN jedem guten Hause sind die Dienstbotenrüume hübsch- an­genehm und den sanitären Anforderungen entsprechend. Alle Dienstboten in Amerika Werden monatlich gemietet und erhalten anster ihrem Lohn stets ihren Lebensunterhalt. Die höchsten Löhne Werden den Chinesen und die niedrigsten den Negern gezahlt. In allen Staaten an bet Küste des Stillen Ozeans kann man Nur chinesische Dienstboten haben. Dort bekommt man selbst in den kleinsten Familien keinen Dienstboten unter 120 Mk. monat­lich: in grösteren Haushaltungen steigt der Lohn ans 2400 Mk. jährlich. Der Neger, der im fernen Süden der Vereinigten Staaten für Hausarbeit, Kochen, Wäsche oder Kinderpflege 20 bis 28 Mk. Monatlich erhält, bekommt für dieselben Dienste int Norden 60 und 80 Mark monatlich. Es gibt keine treueren, anhänglicheren und für die Interessen ihrer Arbeitgeber besorgteren Dienstboten als die zuverlässigen Neger, deren Großeltern noch Sklaven waren, während die Neger, die durch die modernen Schulen gegangen sind, gewöhnlich achtlos' sind und nichts taugen. Die von dem klugen und weitblickenden Führer der Neger, Booker F. Washington, begründete Schule für Farbige in Tuskogee, Georgia, sucht dem entgegenzuarbeiten. Dort lernen Knaben und Männer die int Süden üblichen Zweige des Ackerbaus und Handels; die jungen Mädchen werden in allen Haushaltungs­arbeiten und int Nähen unterrichtet, während sie gleichzeitig den Elementarunterricht geniesten. Englische, irische, schottische, schwedische, deutsche und slawische Dienstmädchen und Köchinnen verdienen 64140 Mark monatlich. Männer verdienen überall Mehr, nicht unter 80100 Mark monatlich und Köche in Privat- häusern bringen es auf 200240 Mark. In Klubs, Hotels nnd Restaurants verdient ein Koch 200300 Mark monatlich. Dienst- botenschutzvereine sind in den letzten Jähren in den großen Städten' im Osten und Westen Amerikas gegründet worden, ohne daß sie wünschenswerte Ergebnisse gehabt hätten. Die sogenann­ten Schntzvereine haben nur den Lohn so gesteigert, daß er in keinem Verhältnis zu den geleisteten Diensten steht, sie haben auch' die Aendenz, einen Katechismus von sehr weitgehenden Fragen aufzustellen, die die Dienstboten an ihre voraussichtlichen Arbeit­geber richten sollen.

Heimatskrmde.

.. J* Zur Urgeschichte des Wester Wald es. Im Jahre 1.1002 erregte die Entdeckung einer Ansiedlung aus der sogenann- Hallstadter Periode bei Neuhäusel durch den hessischen Mmistertalrat W. Sold an großes Aufsehen. In Massen und mchtgedrangt fand er int Bimssteinsand die Löcher, in denen Pfosten der kleinen Hütten gestanden hatten, dazwischen feste Tennen , die er als Feuerstellen und in einigen Fällen als Wasser- behalter deutete, und itVnt das Ganze Reste von Verhauen. Er schloß darauf auf eine dichte Besiedelung des Westerwaldes schon

einige hundert Jahre vor unserer Zeitrechnung. In denk Jahr­gang 58 des Jahrbuches des nassaiiischen Vereins für Naturkunde geht Herr Oberförster Behlen in Haiger mit dieser alten Kultur schwer ins Gericht. Er sieht in den Pfostenlöchern, welche sämt­lich durch bett Saud bis auf den steinigen Ton gehen, nur die Höhlungen von Fichtenstämmchen, die bei dem großen Ausbruch des Krufter Ofens nm Laacher See verbrannt wurden, in den Tennen, vom Wind umgebrochene Stämme, die einen Teil des Tonbodens zwischen ihren Wurzeln an die Oberfläche brachten, in den sogenannten Zugkanälchen brr Feuerstellen die ausgefaulten Wurzeln der gefallenen Stämme. Aehnliche Baumlöcher fanden s ich an vielen Stellen int Neuwied er Becken und am Abhang des Westerwalbes, wo Bimsstein hoch genug gefallen ist, um bie Bäume zu töten und die Stümpfe nachher vor der Verwitterung zu schützen. Dr. Kobelt.

Heiteres.

* Aiis Hänschens Aufsatzheft. Häuschen ist wiohl- bestallter Sextan'er. Kürzlich hatte er einen Aufsatz zu machen, der daK ThemaDas Hans" behandelte. Wie Häuschen sich seiner Aufgabe entledigte, sehen wir in folgendem. Sein Aussatz lautete: Das Haus ist ein Gebäude aus Steinen und Holz, wo die Menschen darin wohnen. Manchmäl wohnen auch Tiere darin, zuut Beispiel Schweine, dann heißt das Haus Schweinestalle Mäuse wohnen aber in richtigen Häusern und werden in beti Speisekammer mit ber Falle gefangen. Wenn ich dort inanch- mal mause, wenn meine Mama den Schlüssel stecken gelassen hat- bin ich doch keine Maus. Diese wird ersäuft, ich aber nicht, sondern mit geschieht was anderes, was ich aber nicht nachsage. Im Hause ist ein Keller und eine Küche und ein Boden. Auch einige Stuben sind int Hause. Biele Häuser nennt man eine Stadt. Große Häuser machen eine Großstadt, z. B. Berlin, kleine Häuser nennt man eine Kleinstadt. Es gibt auch Rathäuser und Gast­häuser, wo Gäste verkehren. Auch aus Karten kann man Häuser bauen, die stürzen immer ein, i*mt ich puste, was allen viel Spaß macht. Wenn ein Haus im Garten steht, nennt man es Gartenhaus. Manche Häuser sind aus Glas. Wer darin sitzt, soll nicht mit Steinen werfen, weil sie sonst entzwei gehen. Aber bas gibt's man bloß im Märchen und darum glaube ich es nicht, weil ich noch keins gesehen habe. Auf denk Hause ist ein Schornstein, und mein Baler sagt, daß man da manchmal was hineinschreiben kann. Wenn ich einmal groß bin, baue ich mir auch ein! Haus. Dann bin ich ein Hausbesitzer und kriege immer die teuren Mieten. Manche Leute bezahlen keine Mieten und bie werden dann hinausgeschmissen. Darauf freue ich mich heute schon. _______

Die verlorene Kirche.

Oft hörst Du im (Seifte ein Glockengehen: nicht merkst Du, woher es mag bringen. Du kannst bie silbernen Glocken nicht fetjn, noch bie Kirche, darin sie erklingen.

Doch ladet der deutliche Gloüenton die Hörer zur einigen Feier . . . O lausche, Du roeitueriunnberter Sohu, dem Locken der himmlischen Leier!

In welcher Kirche Du sonst auch kniest und in welcher Form Du bekennest: sorg, daß Du über die Mauern siehst und int Glaubenber Einen" entbrennest!

Bensheim a. d. Bergstr. Kart Ernst Knodt.

Bilderrätsel.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Leiterrätsels in voriger Nummer: E E

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Redaktion: Ernst Hetz. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'Ichen Universttäts-Bucki- und Stetndruckeret. R. Lana«. Gieße«.