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Dom Weikramr Wolksöildmrgslag.
(Aus den „Gemeinnützigen Blättern.")
Wegen Erkrankung des Herrn Volk trat.die Aufgabe an mich heran, über die am 21. Januar im Gasthaus zum//^m* brinus" in Friedberg abgehaltene Versammlung fnr Volkskulturarbeit zu berichten. Da, , inzwischen lange Siit ms Land gegangen ist uitb ich iiticb seinerzeit eines solchen Auftrages in keiner Weise versehen konnte, wird man mich, denke ick, ent- schuldigen, wenn ick statt einer statistisch genauen Uebersickst mehr ein subjektiv gehaltenes Bild gebe. Von den einleitenden Worten des Herrn Volk hörten wir verspäteten Nauheimer nur noch den Schluss der energisch an das Gewißen der Gemeindeverwaltungen appellierte sich der Sache der Volksveredelung und -au klarnng anmnechien Mir war es in meinem Referat vor allem um den Gedanken «t tun, daß die Volksbildungsarbeit Nicht geringeren Ernst beansprucht, als die Tätigkeit der Schule L-'.e muß auch nach pädagÄsck richtigen Gesichtspunkten verfahren Emze ne Vorträae besonders wenn sie an den Hauptinteressen de. Diem scheu an den. religiösen und politischen - vvrubergehen, bedeuten nickt' viel. Mehr schon zusammenhängende Vorlesungen, -vrager der'Arbeit niüssen möglichst ortseiitgeseisene Persönlichkeiten sein So ist mit großem Dank die einmütige Zusammenarbeit der Lehrer an unserer höheren Bürgerschule mit denen der BoliÄ- schulc sowohl in Bad-Nauheim ftlbst als auck) m den benachbarten Orteil anzuerkeunen. Tiefer als die Wirkung von Vorträgen geht die teil Büchern. Die «Schaffung von Bibliotyeken ist deshalb überall zur Grundlegung der Volksbildungsarbeit nuerläsj ich In Bad-Nauheim haben wir außerdem mit Hilfe des Bürgervcrrins rind des Herrn Rentmeisters Langenbach, der uns bis auf Weiteres ein Zimmer zur Vertilgung stellte e n öffentliches Lesezimmer einrichten können, das 1 ich lebhaften Zuspruchs ersreut. Mir die Anschaffung der Bucher /owohl als der Zeitungen muh als Grundregel gelten, das; keine ernstzunehmenden Schriften irgend einer pvlttftcken oder religwien Richtung ausgeschlossen sein dürfen. Das ist die einzige Moglichftrt sich wirklich'neutral zu zeigen und wirklich in allen Äreften wärmeres Jnterefs« zu erwecken. Ein Tisch ist,mit Broschüren, Nachschlage- und Bilderbüchern belegt, die Wände nut guten Kunstreproduktionen aus den Verlagen von Gallwey, Teubner, Vogtländer, Seemann, Elwcrt u. «.*). gcgchmuckt. Vv^rage und Unterhaltungen knüpfen vielfach an diesen geistigen Lositz des Bildungs- Vereins an ober cs wird dafür gesorgt, daß nach solchen Ver- , anstaltungcii Werke zum weiteren Studium für Jmereftentcil beschafft werden. So ist das Lesezimmer der eigentliche ftraftilUc^l- pmikt unserer ganzen Arbeit und soll s immer mehr werden. Auch Mertums- und naturwissensckastliche Sammlungen waren leicht mit einem solchen öffentlichen Lokal zu vereinen. Wir fnid damit ans dem Wege zu unserem an ftdem Ort möglichen Endziel, der Gemeindebildungsstätte, die vcben saMe, Kirche und Rathaus z. Zt. durchaus existenzberechtigt erscheint. (Man denke z B. nur an die Sonutaguachmittage auf dem Land!), sehr wichtig ist bei dem allen die Mitarbeit der Lokalmefte. Sie kommt in jedes Haus, wohin sonst ost genug kein anderes Blatt kommt Diese Lokalblätter durch eine Art genofsenschaftlichen Zusammenschlusses zu größerer geistiger LelMNgsfahigkeft zu bringen und wirklich ernster BolkÄultur nutzbar zu machen, ist der Grundgedanke unserer Zeitungskorrespondenz, an der etwa zwei Dutzend Blätter schon eifrig beteiligt stuck Die dem Vortrag kolgenden Besprechungen ergeben den Ewdrucr emsiger raugreir an vielen Orten.und wir werden alle srncptbarc ^..nregimgen Von einander empfangen haben. Pfarrer Koch schilderte höchst anschaulich das Zustandekommen des VolksbüdungsvereniS Berstadt. Wer meine, daß direkte politische und religiöse Arbeit wichtiger sei als die allgemeine Volksbildungsarbeit,, der vergesse, daß jene doch auch nur bei denkenden Menschen erst zum Ziel kommen könne. Wir müßten alle von der Wtgen Ueberzeugung beseelt sein, deck. jede Bolksbildimgsaroett schließlich doch auch nur nnseru höchsten Idealen förderlich fein werde. Man müsse mit der Arbeit an schon vorhandenes Interesse anknupsen, z B an geschichtliche Ueberreste, seien es äußerlich sichtbare, seien es solche im Rcchtsleben, Sitte, Sprache usw. Wichtig sei die Heranziehung zur Mitarbeit, zum.Mitsuchen, und dgl. Bei Unterhaltungen ziehe man zu Deklamationen, Liedern uftv. auch, wo irgend angängig, einheimische Kräfte heran. Herr Ooer- lehrer 'Walz erzählte von der Tätigkeit des (dem Berliner Verbände angehörigen) Friedberger Bildungsvereins, der durch edelmütige Privatnuterstutzung in der glücklichen Lage ist, sogar einem eigenen Heim zusteuern zu können. Herr Michaeli erklärte die Einrichtung der in Wetzlar bestehenden Lesevereinigung, die bereits auf eine stattliche Reihe vvn Veranstaltungen (Schiller-, Uhland-, SacM u. a. Abende) zurücksieht. Die nötigen Mittel bezieht sie hauptsächlich aus den (wenn auch geringen) Eintrittsgeldern, sowie besonders aus Abonnements auf die ganze Reihe von Veranstaltungen eines Winters. Er äußerte ferner den dringenden Wunsch, daß fick vor allem die akademisch gebildeten
* ) Nroscpkte aller mir bekannten guten und billigen Verleger von Büchern und Bildern hat jeder Teilnehmer mitbekommen Ich bitte auch an dieser Stelle noch einmal dringend, überall ordentlich Gebrauch davon, zu machen.
Lehrer als berufenste Mitarbeiter doch reckt in den Dienst unserer! wichtigen Aufgabe stellen möchten. Herr Hechler berichtete über den Gießener Dürerbund, der besonders mit seinem echt volkstümlichen Wilhelm Busch- und Hans Sachs-Abend unserer Sache schon wirklich unschätzbare Dienste erwiesen hat. Er hat früher schon Dichterabende und neuerdings noch ein Mozart- konzert einstudiert. Sehr schön im Gang ist unsere Arbeit in Gießen, wo nicht nur die Stadt in weitherziger und weitsichtiger Weise hilft, wo sie kann, wo auch durch tüchtige Mitarbeiter und verständnisvolles Entgegenkommen seitens des Publikums die zusammenhängenden Vorlesungen (Geschickte und Ethik) ganz im Sinne der Rüsselsheimer Volksakademie gehalten werden können. In Hungen hat der gemeinnützige Verein die Sache in die Hand genommen, in Friedrichsdorf v. d. ift föerr Bürgermeister Becher für unsere Ziele eifrig tätig, in Waldhof-Elgers- hausen bei Wetzlar Herr Dr. Liebe, in Ossenheim bei Friedberg Herr Pfarrer Dörr. Bon Vilbel, Groß-Karben, Bergen,. Steinbach (bei Gießen), Steinfurth, Wisselsheim, Rödgen (bei, Bad- Nauheim) gab es Erfreuliches zu hören. Ms praktisch scheint cs sich überall zu erweisen, wenn die kleinen Orte gegenseitig unter sich und zu beit nächst benachbarten größeren Orten Beziehungen suchen, woburch gar mancherlei Veranstaltungen erleichtert ober überhaupt erst ermöglicht werden. Wie weit sich die Erinnerungen anderer mit diesen meinen Erinnerungen an den Friedberger Tag decken werden, weiß ich nickt. Pflegt ja jeder nur zu unterstreichen, was strebe ihm persönlich wichtig und wertvoll ist. Unb je mehr wir eben als lebendige Persönlichkeiten arbeiten, umso weniger läßt sich unsere Arbeit schablonenmäßig uniformieren. In dem einen aber denke ich waren wir Teilnehmer uns. alle einig in dem Eindruck: Fleißig regt es sich in allen Orten, fruchtbarer Boden ist überall, hier weniger, dort mehr. Wer fühlt sich da nickt verpflichtet, auch von sich aus, sov'.cl er kann, etwas .Handtut den Pflug zu legen? Dr. Strecker.
* Die zärtlichen Dienstboten. Man fchreibt bett „M. N. Nachr." aus Newyork: „Eine hier lebende Multimillionärin, die sich jeden Luxus gönnen kann, ist der Ansicht, das; die besten Dienstboten der Welt von der Inselgruppe Hawai kommen. „Sie haben keine Ahnung, tvelch gute, treue und arbeitsame Geschöpfe diese Leute sind. Ihr einziger Fehler, wenn dies überhaupt ein Fehler ist, ist ihre schreckliche Naivität", so erzählte die Dame. „So können sie sich z. B. nicht abgc- wöhnen, die Herrschaft mit dem Vornamen anzureden, gerade so, wie sie es von den einzelnen Familiengliedern hören. Unser Diener und unser Koch sagen zu meinem Gatten nie anders als: „Ja, John", oder „Du hast recht, John", und zu mir: „Allright, Mary" und so weiter. Schließlich wurde ich dessen überdrüssig und sagte meinem Mann, als wir neue Dienerschaft engagierten: „John, rufe mich in Gegenwart der Leute nie bei meinem Vornamen. Dann wird man mich doch nicht anders als mit „Madame" aureden können, wenn man meinen Vornamen nicht weiß." Mein Mann richtete sich danach, gab mir alle möglichen Schmeichelnamen, sprach jedoch meinen Namen nie aus, und die Diener gaben mir überhaupt keinen Titel. Eines Tages hatten wir Gesellschaft, und ich erzählte meinen Gästen, wie ich in Bezug auf die erwähnte Eigenschaft, unserer Hawaischen Dienstleute fertig geworden sei. „Sie werden nie hören, daß mich die Leute mit meinem Vornamen ansprechen", fügte ich hinzu. In diesem Augenblick kam der Diener ins Zimmer, verbeugte sich respektvoll und sagte: „Liebchen, das Dtner ist fertig." „Was?" stammelte ich. „Das Diner ist fertig, Scyätz- chen", wiederholte er, und ich wußte nicht, wohin ich vor Verlegenheit blicken follte." , z, ,
* * Der Ursprung des Wortes „salbadern .o. h. viel mib wertlos plappern) soll von einem norddeutschen Land- prebiger abgeleitet worden sein, der den Spitznamen „salvatov- Pastor" deshalb erhielt, weit er Bibelspruch auf Bibelspruch häufte, sobald er seine Predigt nicht gelernt hatte. Mft der iml 18. Jahrhundert noch sehr beliebten Mode, Lateinisch zu reden, auch wenn es die Zuhörer nicht verstanden, verkündete der geistliche Herr seine Sprüche immer mit der Vorrede: ,,Ut dicit Salvator nvster" (Wie unser Heiland sagt). Die Gemeinde verlor aber oft genug den Faden und gönnte sich wohl auch tut Schläfchen. Dann wussten sie über seine Predigt schlteßluy weiter nichts zu sagen, als wie: „Der Herr Salvator-Pastor hat wtedey mal was rechts gefalvatert l"
GsmsrnnÄtzrges.
— Schutz für vernickelte Gegenstände. Vernickelte Gegenstände schützt man vor Anlaufen und Bliubwerden m fokgen- ber Weise- Die Gegenstänbe werben einige Sekunden tu ein Bad, welches aus Schwefelsäure 1:50 und reinem Spiritus besteht, eingetaucht und in klarem Wasser unter Zusatz von reinem Spiritus abgewaschen und in Holzmehl abgetrocknet.
— Schutz der Geräte gegen Rost. Als zwemnaßiges Mittel gegen Rosten eiserner und stählerner Geräte ist eine Mrjchh ung von Fett, welches durch Ausbraten von 1 Kilogramm Speck, dem dann 30 Gramm Kämpher und etwas Graphit beigegeben


