Hlr 50
1906
Miitellole Mädchen.
Roman von H. E h r h a r d t.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
use faltete wie ein fttnb die Händchen zusammen.
„Ach ja, bitte, tun Sie das!" lachte sie in ihrer reizend natürlichen Art, „das wäre sehr lieb von Ihnen allen."
„So? Was wäre denn so sehr lieh?" erkundigte sich Hauptmann von Brockhaus, der unbemerkt herangetreten war und die angeregten Gesichter der jungen Offiziere forschend musterte.
Suse war purpurn erglüht und eine Anwandlung der alten Scheu vor dem älteren Offizier ließ sie nicht gleich eine Antwort finden.
Trautendorf kam ihr zu Hilfe.
„Wir versprachen Fräulein Meridies eine sehr vergnügte Zeit in unserem Kreise und sie geruhte, das liebenswürdig von uns zu finden."
„So, so?"
Nun erschien wirklich ein nwkanteS Lächeln tun den strengen Mund, das Suse empörend erschien. Aber es verging rasch, da er hinzufügte:
„Ich glaube, Fräulein Meridies wird nicht schwer zu befriedigen sein, sie gibt, scheint mir, stets em dankbares Püblikumi Es wird sicher ein Genus; fein, sie zu amüsieren."
ES lag eine ihm selbst unbewusste Wärme im Ton seiner Stimme, ivelche Trautendorf betroffen aufsehen lieh. Vielleicht merkte er es, jedenfalls warf er nun in seiner alten, ruhig-verbindlichen Weise hin:
„Aber wir wollen die Fenster jetzt schliessen, meine Herrschaften, und zur Feier des Abends noch einen Schlummer- punsch trinken."
Der Diener trat int selben Moment schon mit einem grossen Tablett in die Tür und bot den schweren, heißen Trank, der rubinfarben in den geschliffenen Gläsern leuchtete, an. Auch die Haiisfrau war mit den beiden anderen Damen erschienen, zu denen sich unterdess die Ehemänner gesellt hatten, zwei Hauptletite, die mit Brockhaus noch von früher her bekannt waren.
Die Frauen, zufälligerweise zivei Schwestern, nicht sonderlich hübsch, aber brillante Figuren int tailermade und von einer Sicherheit und Freiheit des Benehmens, die Suse bewunderungswürdig dünkte. Sie wurde ganz kleinlaut. Ihre ganze sonstige Keckheit ließ sie im Stich gegenüber diesen eleganten, lebhaften Frauen, die sich so ungeniert über andere Menschen aussprachen,' so unbefangen die gewagtesten Dinge berührten. Ziemlich schüchtern ging sie auf die Unterhaltung mit bcn beiden jüngsten Offizieren an ihrer Seite ein und
beobachtete dazwischen verstohlen Trautendorf, der sich gar nicht mehr um sie kümmerte, sondern in einem oft recht bedenklichen Gesvräch mit den jungen Frauen vor Uebermut sprühte und mit seinem Vorrecht als anerkannter Damen- iieblmg pikante Witze ginn Besten gab, bei denen selbst Frau von Brockhaus ihre kühle Reserve vergaß. Einmal drohte einer der Ehemänner mit dem Finger zu ihm herüber, aber seine Frau schlug ihm ein Schnippehen und lachte:
„Ach was, sei kein Frosch."
Und Trautendorf erzählte vergnügt weiter.
Ihm verzieh man eben alles. Er war wirklich ein Schoßkind des Glücks, obgleich sein Leben unter sehr traurigen Verhältnissen begonnen hatte.
Sein Vater war, wenige Monate vor seiner Geburt, im französischen Feldzüge gefallen und feine Mutter hatte den Verlust des ße-ßgeliebten Mannes nur so lange überlebt, bis sie den Sahn int Kadettenkorps geborgen wußte. Dann hatte sie sich hingelegt wie ein müdeS, verirrtes Kind, das sich nicht mehr zurecht finden kamt im Leben und war gestorben. Die Zinsen ihres hinterlassenen Vermögens reichten gerade aus, dem Sohne die jährlich geforderte Offizierszulage_ zu sichern, Extravaganzen konnte er sich davon keine leisten, reiche Verwandte, die gegebenen Falls für ihn entspringen konnten, besaß er nicht. Er mußte reich heiraten, darüber waren seine Onkels und Tanten sich einig, denn sie gönnten es ihm alte, daß er fein Leben noch einmal aus dem Vollen genießen sollte. Und sie suchten eifrig für ihn unter den Goldfischen des Landes.
Er aber entsetzte sich vor jeder Fessel, mochte sie noch so schwer vergoldet fein. Ausgestattet mit einer Portion glücklichen Leichtsinns schwaiinit er stets lustig auf der Oberfläche des Daseins Da er von Natur anspruchslos war, hatte er sich bis jetzt ohne große Schwierigkeiten durch seine pekuniären Verhältnisse gesteuert, ja, es sogar verstanden, sich den Schein eines wohlhabenden Offiziers zu geben. Er war fel;t tüchtig im Dienst, Soldat mit Leib und Seele, dabei ein unvergleichlicher Gesellschafter, immer gut aufgelegt, tanzlustig, voll Uebermut, von ritterlicher Galanterie gegen die Damenwelt, die ihm den Ruf eines der gefährlichsten, aber -mach liebenswürdigsten KuruiackerS eingetragen hatte. Es konnte ihm schlechterdings niemand böse sein. Er hatte eine Aist und Weise, von einer Dame zur andern zu flattern, seine Liebenswürdigkeiten gleichmäßig zu verteilen, daß, wenn auch jede im stillen hoffte, den Schinetierling für immer zu fesseln, doch keine zu der Behauptimg berechtigt war, et habe ihr wirklich Hoffnungen gemacht. Sie nannten ihn abscheulich, aber wenn feine durchtriebenen Braunaugen sie zerknirscht ßnblicften, seine schmeichelnd» Stimme bettelte: „Nit


