Ausgabe 
3.10.1906
 
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und daß sich der SprachBürt ist dicker als Wasser" an ihnen schlecht genug bewährt hat, darf nach diesen Aus- fiihrunqen nicht wunder nehmen, und die, Emhertlrchkert und Geschlossenheit der beiden Elemente in sich mußte eher dazu beitragen, die Schroffheit des Gegensatzes zu stergern, als sie zu mildern. Mindestens wurde es der spanischen Regierung dadurch schwer gemacht, den Kreolen gegenüber den alten Herrschergrundsatz des ,,Diwde et rmpera m Anwendung zu bringen, und zweifellos wurden sich Na­tiv istcn und Einwanderer in der Nordamerrkamschen Union auch in viel bedenklicherer Weise gcgenüberstchen, wenn äe statt aus einer bunten Vielheit von Nationalitäten ans einer einzigen beständen. Dr. E. Deckert,

Das Wachstum des Haupthaares.

Unsere Haare, io einfach konstruiert sie sind, bieien doch in mcher Hinsicht eigenartige und komplizierte Eiichemiingeii dar.

sie gehören zu unserem Körper, bilden einen nie fehlenden Bestand­teil von Ulin, und können doch verletzt und insultiert werden, ohne daß wir eine Empfindung davon haben- Das Haupthaar ist da zum Schutze des Körpers "gegen die Einflüsse der Temperatur, und doch wird sein Verlust im astgemeinen ertragen, ohne daß diese Temperatureinflüsse sich ivesentlich stärker äußern als wenn üppiger Haarwuchs den Kopf bedeckt. Nicht die geringste Merkwürdigkeit bildet auch das Wachsen des Haupthaares. Wir wissen alle, daß cs, geschnitten, immer wieder nachwächst; man konnte also meinen, daß die Haare ein unbegrenzies Wachstum zeigen, Aber deni ist nicht sodas Haar erreicht vielmehr eine maximale Lange, und wenn cs an dieser Grenze angekommen ist, jo, wachst cs nunter. Unter den heutigen Aiännern ivird, ivcnigstcns m Kriltur- völkern, eS allerdings nur selten einen Simson geben, der sein Haar so lange wachsen läßt, ivie cs null. Aber das weibliche Geschlecht hat nicht die Gewohnheit, das Haupthaar lurzen zu lassen, rind doch gelangt es über eine, bei den verschiedenen In­dividuen freilich recht verschieden bemessene, aber ganz bestimmte Länge nicht hinaus. Das scheint in der Tat sehr sonderbar. Der Vergleich mit Böiimen, die ja auch, wenn sie eme gewisse Hohe erreicht haben, nicht weiter nach oben wachsen, paßt doch nicht. Denn der Baum ivächst an seinem oberen Ende; wenn die Hohe des Baumes einen bestimmten Betrag erreicht hat, hoben die Wurzeln nicht mehr die Kraft, den Zellsaft in solchen Mengen m die Spitze zu befördern, datz er zu einer Vergrößerung des Baumes ausrcichcn könnte, und damit ist das Ende des ^aumwachstums erklärt. Aber das Haar wächst nicht an seinem oberen Ende, sondern an feinen unteren; aus der Haarwurzel scheidet sich stets neue Haarsubstanz ab, die das bischen schon dagewescne Haar eine zu große Last für die Wurzel bildet, so datz diese es nicht weiter hinnuischieben kann. Ucbrigens glaubten noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die Naturforscher, das Haar wachst in seinem oberen Ende durch Knospung fort - eme inzwischen Widerlegte Annahme. Weit verbreitet ist auch die Ansicht, das Haar wachse nwniitelbar, nachvnr. rZ vbgrfchwtim worden, am schnellsten. ' Sorgfältige Messungen haben ergebe,,, daß das nicht ziitrifst, sondern daß das Haar, wenn es gekürzt ist, eine Zeitlang langsamer wächst als vorher, rind daß es sich erst, ivenn e» eme gewisse Länge erreicht hat, mit seiner normalen Geschwindigkeit verlängert. Die normale Wachstiimsgcschwuidigkcit i]t iibrigeils nicht übereil i>nd uiimer die gleiche. Zunächst kann man durch einfache Beobachtung an niehrercu Aienschen desselben V^ten- leicht seststellcn, daß beim Einen das Haar schneller wachstals beim Andern. Aber auch bei einem und demselben Menschen ändert sich während seines Lebens die Geschivmdigkcit seines Haarwuchses. Hierüber haben die Untersuchimgen von Acrzten, die sich nut den Verhältnissen der Haare eingehend beschäftigten, Klarheit gebracht. Beim Beginn der zwanziger Lebensjahre ninunt die Lange ces Haupthaares im Monat diirchschnilllich um 15 Wli(luneter ju, barm verringert sich die Geschwindigkeit in dem Verhältnis» baß bie Haare im Monat nur nur 11 Millimeter wachsen. Die Anthro­pologen teilen die Menschen in neuerer Zeit in zwei große Kate­gorien: In vlietzhaarige und in schlichthaarige. Vließhaarig sind Menschen, bei denen die Haare so aiigeordnct sind, daß immer eine größere Anzahl von ihnen einander dichter benachbart sind, wahrend bie einzelnen Gruppen in größerer Entfermmg voneinander stehen; ein bekanntes Beispiel für Vließhaarigkeit bieten die Neger. Schlicht­haarig sind dagegen Menschen, bei denen die Haare Nicht Ni Gruppen angeordnet sind, sondern einzeln unb ziemlich gleichmäßig von ein­ander sichen. Wir Europäer sind schlichthaarig. Aber eme gewisse Gruppcnbildung der Haare besteht doch auch bet uns und zeigt sich gerade beim Wachsen. Zwei bis vier Haare stehen nainlzch in einer Art von engerer Beziehung zu einander, so daß eine zeillang eins von ihnen schneller wächst, als die übrigen Gruppengenossen; nach einiger Zeit fängt ein zweites von ihnen an, schneller zu wachsen, bis es das erste an Größe erreicht hat, dann wiederholt sich der Vorgang beim dritten, und so wechselt das Spiel in einer Haargruppe dauernd ab. Wahrscheinlich werden alle Haare, die zu einer solchen Gruppe gehören, von einem einzigen Blutgefäß

ernährt, und dies führt den Haarwitrzeln die our Haarbildung nötigen Substanzen nur in solcher Menge zu, datz sie mcht aus­reicht alle Haare, die weitest entfernten, wie die nächsten, m gleichem Maße zu versorgen, sondern nur ein gerade durch seine Lage begünstigtes am meisten; wenn dies aber eine gewisse Länge erreicht hat, sind seine Druckverhältnisse nickt mehr so günstig, rote vorher, und es wird von einem anderen übertroffen. Diese Gruppen- teilunq der Haare bringt aber noch einen wichtigen Vorteil. Wenn ein Haar einer Gruppe ausgefallen ist, braucyc 6«S kleine Blut­gefäß weniger Haare zu ernähren, aus jedes der übrig gebliebenen entfällt also mehr Nahrting als vorher; die gebliebenen werden demnach kräftiger werden und nicht so leicht ausiallen. Auf diese Weise verliert jede Gruppe nur ein Haar und cs wird bet tm allgemeinen schwachen Haargruppen vermieden, daß kahle Stellen entstehen. Das gilt natürlich nur von gesunden Haaren. Wird das Haar von einer Krankheit befallen, so tritt häufig, ganz be­sonders wenn die Krankheit durch Parasiten herbeigesührt ist, der Haarausfall so stark auf, daß dort, wo die Parasiten sich nm meisten entwickelt haben, ganze Gruppen vernichtet werden und dann die bekaiinten kahlen Stellen erscheinen.

Gesrmdheitspflege.

Fern et über den Kaffee. Der große französische Ge­lehrte führt in dem letzten Heft derSemaine msdicale" folgen­des aus:Der Gebrauch oder, besser gesagt, der Mißbrauch des Kaffees ist alt. In unseren Tagen hat er aber besorgniserregend zugeiivmmen. Die Gewohnbeits-Kaffeetrinker leiden vornehmlich an Magenstörungen, Herzklopfen, nervöser Ueberreiztheit unb Schlaflosigkeit. Sonst nicht reizbare Leute, die Kaffee mcht gewöhnt sind, lverden schon nach Einnahme geringer Mengen er­regt, überempfindlich; es tritt Muskelzittcrn, Herzklopfen nsw. ein. Das sind die Symptome der akuten Kasfeevergiftung. Regelmäßiger Genuß von drei bis vier kleinen Tassen genügt, unt die chronische Kaffeevergistimg herbeizuführen. Von dieser werden hauptsächlich Verdauungsapparat und Nerven ergriffen; der Appetit verliert sich, der Kranke empfindet Ekel vor der ein­fachen normalen Kost, namentlich vor Fleisch. Auf die Nach­kommenschaft hat der Kaffee den ungünstigsten Einfluß. Es werden elende, kränkliche, überreizte Kinder erzeugt, tue oft mit Entwickelnngsfehlern behaftet sind. Kurz und gut: der chronische Koffeinismus führt zum allgemeinen Korperversalst zumKaffeesiechtum". Das Gesicht ist bleich, grau, erdfahl, oft runzelig und greisenhaft vor der Zeit, nur die Augen bleiben glänzend und lebhaft. Der Körper ist außerordentlich ab gemagert, oft bis zum Skelett. In diesem Zustande von Körperverfall sind die Kranken eine leichte Beute aller anderen, hauptsächlich Mach der Infektionskrankheiten".

Die Schulratsjungen" betitelt sich ein von Wal- t e r I o h n - M a r l i t t verfaßtes Erzählungsbuch für Erwachsene, welches im Verlag von Mickisch n. Co. in Berlm innerhalb weniger Monate bereits bie dritte Auflage erlebt hat. Preis, 419 Text- feiten Okt., reich illustriert, 3 Mark. Das Buch bereitet al en Freunden harmlosen Humors, Freuiiden unseres Eckstein, Busch, Reuter usw. Freude und bietet eine willkommene Abwechslung. Ja, es wirkt sogar mit all' seinen Max- und Moritzstretchen der Schulratsjungen, den hoffnungsvollen Zöglingen be§ vertrauens­vollen Schulrats Winter zwerchfellerschütternd. Der Verfasser hat es verstanden, bas Treiben schalkhafter Jugend mit ihrem unerschöpflichen Mutterwitz glücklich wieberzugeben. Der Inhalt wird durch bie bem Text eingefügten Illustrationen unterstützt und bringt nicht nur alten, bie jung flick, sondern auch allen, diejung gewesen sind", eine erfrischende Unterhaltung.

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in

Auflösung

ii r s w w w derart einzutragen, daß die wagcrechten Reihen Fol­gendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben.

2. Figur eines mittelalterlichen Heldengedichts.

3. Russische Stadt.

4. Männlichen Vornamen.

5. Mathematische Figur.

6. Vogel aus der Drbnung der Taucher.

7. Einen Buchstaben.

Die senkrechte unb wagerechte

Mittelreihe ergeben das Gleiche, nächster Nummer.

Diamarrirätsel.

In die Felder nebenstehender Figiir sind die Biichstabcn a a o d'e e hiiiikkllllmm

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Auflösung des Rätsels in voriger Nununerr Speck, Specht.

Redaktion: Emst Hetz. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitcits-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange,