Witirvöch den 1. August
B®0
TKOy
1W
ZMW ®Ä§Mi
MRUM ff <fe -I
Der Siern.
Roman von Ulrich Frank.
Und sie Mir auch
sie ihm nicht geben — ihre Liebe! Herrschaft über sie auch schien, so
herauszuholen. „„ „
Er trieb sie vorwärts, er weckte ihr künstlerisches Streben, er gab ihr Mut und Selbstvertrauen. Ganz nach seinem Willen modelte er sie. und, stark nach außen, War sie wie weiches Wachs in feiner Hund.
Wer niemals hatte er seine Stärke geltend gemacht, um das Weib in ihr zu erobern. Wie oft hatte er gesagt: „Deine künstlerische Seele gehört mir. Ich stehe als Hüter vor den Toren deines Geisteslebens." Und wie ein guter Kamerad hatte er sie behandelt in, den Stunden, da er sie sein Uebergewicht nicht fühlen ließ, und sie war stets zu ihm gekommen in reinem Vertrauen.
Sie hörte oft davon erzählen, welche großen Erfolge er bei den Frauen habe und daß sie ihm immer wieder in die Arme liefen, so brutal er sie auch behandle. Und dann sprach man von dieser und jener, mit denen er gerade Beziehungen unterhielt. Damals vor Jahren, als er sich ihr zuerst genähert hatte, war es die amerikanische Pianistin Miß Elton, mit der man ihn stets zusammen nannte, und dann: die und jene Frau in angesehener Lebensstellung, hübsche, leichtsinnige junge Mädchen, die für den Künstler schwärmten —■ was kümmerte das sie? Nie drängte etwas Unlauteres sich zwischen sie beide, für sie war er nur der Lehrer und Leiter. Und dies machte seinen Einfluß auf sie so groß, daß sie fühlte, er erkenne in ihr eine ebenbürtige Künstlernatur, die er mit seinem Kraftgefühl heben und stützen wolle. ‘
Er sagte ihr auch, daß sie schön sei, daß sie den Charme des Weibes besäße, um ibr Selbstbewußtsein auch nach dieser Richtung zu heben, daß sie Wert darauf zu legen habe, daß sie sich sreuen müsse, daß ihre Erscheinung ihrer Stimme werbend zur Seite stand. Tas alles hatte er ttt seiner zwingenden, überzeugenden Weise ihr klar gemacht, in diesem Gemisch von leichter Frivolität und tiefem Ernst,
Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) dankbar. Wer was er nun von ihr
begehrte, das konnte
So allmächtig seine , , . . . .
sehr sie sich ihm zugehörig fühlte, sich ihm unterordnete, das, was er jetzt heischte, ließ sich nicht erzwingen!
Und doch, sie wußte, daß er nicht nachlassen würde von seinen Wünschen. Er! Er, der nicht gewohnt war, sich etwas zu versagen, seinem schrankenlosen Willen sich etwas entgegenstellen zu sehen. Eine grenzenlose Angst bemächtigte sich ihrer. Sie hatte sich so sicher neben ihm gefühlt gerade solchen Ansprüchen gegenüber. Denn von der ersten Stunde an, da er diese fast unheimliche, unbegreifliche Gewalt über sie gewonnen hatte,, war diese doch nur darauf gerichtet gewesen, das Höchste für die Kunst aus ihr
in diesem halb lehrhaften, halb chnischen Ton, der ein- dringlich wirkte wie ein Zivang, ein Befehl; mit einer Kraft, die den Widerspruch weckt, aber nicht duldet, die sich em- wühlte in ihr Denken und Empfinden,, sich embohrte in ihre Nerven, sie nicht mehr losließ und ihren Willen lähmte. Und so mächtig wirkten diese Erinnerungen in ihr nach, daß sie auch heute, den Namen Wittelsbach auf den Lippen, aus ihren unruhigen Träumereien in einen festen Schlaf versank.
„Tas gnädige Fräulein wird sogleich erscheinen, Herr Graf", sagte die niedliche Zofe, machte emen tiefen, respektvollen Knix und sah ihn dabei von unten heraus Mit schelmischen Blicken an. .....
Er trat in den kleinen Salon, der Mit üppigem Lupus ausgestattet war. Ueberall Blattpflanzeu. Tie großen Blumenkübel, aus denen sie aufragteu, mit Chrysanthemen und feuerrote Beeren tragendem Buschwerk bedeckt. Alles nach der letzten Mode, sogar die Blumen. In allen Ecken trauliche Sitzplätzchen, Ottomanen, amerikanische Schaukel- stichle, dos ä dos und Fauteuils, mit seidenen Polstern überladen. Dazu weiche Felle nnd kostbare Decken. Auf kleinen Tischchen Zigarettenschalen und allerhand graziöse Ueberflüssigkeiten. Kokett! Tie Fenster dicht verhängt nut gestickten Gardinen und Stores, darüber wraperien aus olivgrünem Velour. Ein Halbdunkel in dem Raume.
Tas Mädchen folgte dem eintretenden Gaste, nachdem! sie ihnl im Vorzimmer behilflich gewesen, den langen grauen Mantel abzulegen und den Säbel. Es rasselte, als er ihn abnahm und an den Haken hing. Wie sie das liebte und die grauen Röcke mit den goldenen, blanken Knöpfen. Nichts Schöneres als ein Tragoneroffizier, dachte sie. Wie sie Fräulein Theresa beneidete!
„Bleiben der Herr Graf zum Tee?" fragte , sie.
„Jawohl", antwortete er; „das Fräulein spielt heuts
nicht?"
„Nein, Herr Graf."
„Ich werde warten." , . , .. . '
Sw war verabschiedet, obwohl sie noch einige Anstrengungen machte, das Gespräch auszudehnen
„Soll ich Licht machen, Herr Graf?"
Rein!"
^Wünschen der Herr Graf sonst noch etwas?"
Als sie das Zimmer verlassen hatte, war der Offizier, ans Fenster getreten, ivarf einen Blick auf die vom Dämmerlicht des Novembertages erfüllte Straße. Tie , Laternen brannten bereits. Er sah auf seine Uhr. „Halb fünf! Noch Zeit genug, bevor ich beim Familieudmer Mich langweilen mnß. Guido ist schauderhaft seriös und gemessen, Linse fad und tont comme il faut, und der liebe Vitt tragt dieser Feierlichkeit bestens Rechnung, enfin ennuyeux! Aber riesig feudal! So 'ne kleine Familientafel! Ich werde mich, also mit Anstand langweilen und mich hier für die bevor-


