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Redaktion! Ananst Götz. — Rotationsdruck mib Verlag der Brühl'schen liniversitütS-Vnch- und Etcindrulkerei. R. Lange, Gießen.
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(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Schiebrätsels in vor. Nr.r
Tie Hütten der Ovaherero erinnern teils an die Hottentotten, teils an die der Buschmänner. Es sind viel mehr Nomadenhütten als bei den Betschuanen. Alles ist leicht, flüchtig gemacht, zum Mitnehmen geeignet. Während der Regenzeit schüft man die bienenkorbförmige Behausung durch Felle. Für jedes Dorf bildet ein heiliges Feuer den idealen Mittelpunkt der Gemeinde, und auf dem Aschenhaufen, der ebenfalls eine heilige Stätte ist, liegen die großen Hörner der bei feierlichen Gelegenheiten geschlachs- teten Ochsen; mit dieser Asche bestreicht sich der Aelteste bei heiligen Handlungen Schläfe und Wimpern. Kein .Herero geht nachts ohne Feuerbrand ,teils aus Furcht, teils um Licht und Wärme zu genießen; es kommt vor, daß er dem Löwen seine Beute mit einem Feuerbrand abjagt. Das Mobiliar der Hütte besteht aus einigen hölzernen Gefäßen, einem irdenen Kochtopf, der oft so groß ist, daß er nicht durch die Tür geht, einem Lederbeutel mit Fett, einem anderen mit verschiedenen Schmucksachen (Rötel und Perlen) und schließlich einem eisernen Messer zum Schnitzen. Geflochten wird zwar wenig, schon deshalb, weil Palmen erst tni Ovambolande Vorkommen, aber darum nicht ungeschickt.
Entsprechend ihrer Beschäftigung und Lebensweise besteht die Nahrung der Herero hauptsächlich aus Milch und aus dem, was die Steppe an Wild und eßbaren Gewächsen darbietet. Wo sich der alte Herdenreichtum erhalten hat, trinkt ein Erwachsener täglich 5—9 Liter saurer Milch und ißt dazu nur Erdnüsse. Das Schlachten von Vieh, bloß um Nahrung zu gewinnen, ist ihnen fremd. Ein Stück aus der Herde wird nur dann getötet, wenn ein Fremdling in das Torf kommt, oder wenn ein Fest, wie Zahnverstümmelung oder Hochzeit, gefeiert werden soll. Daran nimmt das ganze Dorf teil und verzehrt mit berühmter Gefräßigkeit selbst mehrere Rinder in unglaublich kurzer Zeit mit Haut und Eingeweiden. Jedes tote Tier, das verspeist werden kann, sei es auch gefallen, ist Gemeingut; und so begreift man,, daß für einen toten Ochsen noch, nicht einmal ein lebendiges Schaf zu kaufen ist. Tabei setzen ihnen aber zahlreiche abergläubische Meinungen Schranken: kein Volk dürfte reicher an Vorurteilen gegen Speisen sein. Als die Tamara aus ihren besten Jagdgrünben durch die Namaqua verdrängt waren, fanden sich die Aermeren unter ihnen, die sich mit den Buschmännern an Geschick im Jagen nicht vergleichen können, vorwiegend auf P'lanzcnkost angewiesen, wiewohl sie in der Not selbst Hyänen und Leoparden nicht verschmähten. Sie wetteifern aber mit den Buschmännern in der Kenntnis und Ausbeutung der zahlreichen eßbaren Wurzeln und Knollen. Sie kauen im Notfall das Holz einer Sterculia. Selbst aus dem Elefantendünger lesen sie unverdaut abgehende Mandeln auf und verspeisen sie mit Appetit. Ganz rohes Fleisch zu essen, verbietet ihnen ihr Aberglaube; aber es genügt der geringste Grad von Röstung, es genießbar erscheinen zu lassen.
Solange sie ungestört lebten, gruppierte sich ihr Leben mit einer selbst in Südafrika bewundernswerten Einseitigkeit um die Viehzumt. Sie hat in kriegerischen Zeiten zu ihrem waschen Rückgang beigetragen, da Verlust einer Herde unfehlbar Verarmung ihrer Besitzer mit sich brachte. Tie Tamararinder bilden noa, heute den wichtigsten Gegenstand des Handels nach der Kapkolonie. Die Schafrasse trägt Fettschwänze, aber keine Wolle. Außerdem werden Riegen gehalten. Tie Hunderasse ist ebenso schlecht wie die irgend eines anderen südafrikanischen Stammes, indes wird es lobend hervorgehoben, daß die Ovaherero ihre Hunde besser behandeln als die Namaqua.
Indem die Ovaherero durchaus Hirten und Jäger sind, fehlt ihnen das dauernde Kleben au der Scholle, das die Grundlage des persönlichen Besitzes ist; und es ist nur natürlich, daß sie ihr ganzes Land als allgemeines Eigentum betrachten. Es wird aber doch das Herkommen streng ausrecht erhalten, daß, wer sich zuerst an einem bestimmten Orte festsetzt, so lange dessen Herr ist, als es ihm beliebt; und ein anderer wird im Iriedenszustand niemals wagen, feine Herden ebendort zu tränken oder zu füttern, ohne formelle Erlaubnis erhalten zu haben. Einen interessanten Beleg biersür liefert die Geschichte der Beziehungen zwischen Sem Häuptling Kahitschene und den deutschen Missionaren von Richterfeld, Von den Namaqua ge- orängt, wünschte jener, sich bei Richterfeld niederzulasfen, tat dies aber nicht, ohne einige seiner Aeltesten an den Missionar Rath mit der Frage zu senden, ob diese Absicht seinen I
Beifall finde. Tiefer erwiderte, daß Kähitschem tun könne, wie ihm beliebe, da der Missionar als Fremder keinerlei Anspruch auf den Boden erheben könne. Tie Botschafter waren aber keineswegs zufrieden mit dieser „ausweichenden" Antwort und versicherten, daß ich ihr Häuptling Pie ohne besondere Erlaubnis hier estsetzen werde. Von allen südafrikanischen Kaffernvölkern ind die Herero das einzige, dem der Ackerbau früher gänzlich fehlte. Handelt es sich dabei um einen Kultur- Verlust, oder haben wir ein ursprünglich rein viehzüchtendes Volk vor uns? Tie Einseitigkeit der nur als Hirten lebenden, keinen anderen Stand umschließenden Herero hat sogar den Gedanken nahegelegt, sie seien ein Glied eines anderen Volkes, der Hirtenstand, der sich mit den Herden losgelöst und isoliert habe. Tie Wahrscheinlichkeit spricht für die erstere Annahme. Halten wir fest an der Einwanderung ans einer nördlich ober nordöstlich von den heutigen Wohnsitzen der Ovaherero gelegenen Landschaft, so wohnen dort Völker, die zu den besten Ackerbauern in ganz Afrika gehören. Und wenn nun die Herero von dorther vor so kurzer Frist, wie man annehmen muß, einwanderten, so müssen sie dort an der großen folgenreichen Errungenschaft des Ackerbaues teilgenommen haben. Tie haben sie erst später sei es auf dem Wege ober in bett neuen Wohnsitzen, eingebüßt. Hand in Hand geht mit ber Ackerbaulosigkeit bei bi es em Volke bie Unkenntnis bes Tabaks, bett sie erst von ben Namaqua seit bereu Vorbringen nach Norben kennen gelernt haben. Seitbem sie sich auf Anregung ber Missionare auch mit bem Ackerbau beschäftigen, haben sie die Narnahacke angenommen.
Ter Handel der Herero nach außen scheint vor der Zeit des europäischen Handels, der bis vor etwa 40 Jahren verschwindeno klein war, hauptsächlich von ihren nördlichen Nachbarn, den Ovambo, vermittelt worden zu sein. Haupttauschmittel waren Eisen- und Kupferwaren und portugiesische Perlen gegen Rinder. Glasperlen, mit denen schon Anfang ber 30er Jahre am Ngamisee von ben Bakoba (Mkaba) gehanbelt würbe, kamen auf bem Wege über das alte Monomotapa sambesiaufwärts. Tie Herero besitzen keine eigenen Schmiede, sondern lassen diese Arbeit von fahrenden Leuten aus dem Ovambolande besorgen. Vor der Zeit der Europäer hatte das Eisen hier mehr Wert als bei uns Silber- denn bie Ovamboschmiebe trugen es 15 bis 20 Tagemärsche aus ihrem Lanbe herüber. Nicht bloß Sagen ber Herero erzählen vom Nähen mit Dornen und vom Baumfällen mit Steinäxten; sie lassen mit scharfen Steinen zur Ader. Ter häufigere Besuch der Südwestküste Afrikas durch europäische Schiffe hat auch hierin Aender« ungen hervorgerufen, denen ber politische Aufschwung ber Herero zu Hilfe kam. Heute finb sie es, die den Handel von ber Küste nach ber Ngamiregion vermitteln.
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