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Die wichtigste Entdeckung Charrins ist darin zu suchen, daß per diesen Tieren die Verarbeitung der Nahrung eine entfdjiebene Verlangsamung erfahren hatte, sodaß schließlich die in den Nährstoffen enthaltene Zellulose und auch gewisse Eiweißverbindungen nicht mehr vom Körper ausgenommen werden konnten und deshalb Entzündungen mit tödlichem Ausgang hervorriefen. Danach erscheint es völlig klar, daß gewisse Bakterien innerhalb des mensch- lifchen imi> tierischen Körpers nicht nur keinen Schaden anrichten, sondern von ganz entschiedenem Nüßen sind. Deshalb wird man sich auch wohl überlegen müssen, inwieweit eine Befreiung der Nahr- ungsnlittel von Bakterien dem Menschen zuträglich sein kann. Die Möglichkeit wäre denkbar, daß ein übertriebener Kampf gegen die Bakterien in wichtigen Beziehungen das Gegenteil von dem erreichte, was er erreichen wollte.
Vermischter.
* Neber die masurische Sprache veröffentlicht O. Gerß in den „Mittellungen der Literarischen Gesellschaft Maso- via" einen Aufsatz, dem der „Globus" einige interessante Angaben entnimmt. Das heutige Masurisch ist dieselbe, Sprache, die im 14. und 15. Jahrhundert die niederen Stände in den östlich und südlich vom .heutigen Ostpreußen gelegenen Teilen des Königreichs Polen Mprochen haben. Auch die südlich und südwestlich von dem heutigen Ostpreußen gelegenen Telle Polens hatten damals in den unteren Ständen dieselbe Sprache, mit den geringen Unterschieden unvermeidlicher Provinzialismen. Nur in der Aussprache des Polnischen differierten Osten und, Westen, und diese Differenz macht sich bis heute geltend, wobei die Grenze den Ortelsburger Kreis schneidet. Die Hauptdifferenz betrifft nach Gerß die Aussprache des sz und cz; im nordöstlichen Masuren spricht man es .wie das scharfe s und das scharfe z aus, im übrigen Masuren wie sch und tsch Das z wird ferner im nordöstlichen Masuren wie ein weiches s, im Südwesten wie ein weiches sch gesprochen, dieses in Uebereinstimmung mit der Aussprache och gebildeten Polen. Endlich bildet noch die Aussprache des l eine Differenz, indem der nordöstliche Masur nicht im stände ist, diesen Konsonanten richtig auszusprechen. .Jede Abweichung, jede eigentümliche Betonung, wird auf das peinlichste von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzt, und so hielt bei säst gänzlichem Mangel mt Literatur die mündliche Tradition seit der Einwanderung, Mo 500 Jahre lang, die Sprache des Mittelalters unverändert aufrecht. Nur mußte bei dem Mangel an Weiterbildung .und an Literatur beim Fortschreiten der Kultur die deutsche Sprache, als die offizielle Sprache der Landesregierung, aushelferid eintreten, und so kamen viele deutsche Wörter, die mit polnischen Endungen versehen wurden, in die masurische Umgangssprache hinein. Daß diese jetzt überhaupt noch als polnisch erkennbar ist, verdankt sie lediglich der polnischen Bibelübersetzung und denk polnischen Kirchengesangbuch sowie einer kleinen Zahl polnischer Andachts- und Predigtbücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert, meist Uebersetzungen aus dem Deutschen. Diese Lüe- ratur ist durchweg in der Volkssprache des Mittelalters geschrieben, die bei den heutigen gebildeten Polen natürlich als gänzlich veraltet und minderwertig gilt, die unberührt geblieben ist von der Fortbildung des Polnischen im Königreich Polen durch eine reiche Literatur und große Dichter.
* Zuviel Frauen. Die geringe Zahl der Verheiratungen in Großbritannien und Irland erhellt aus einer jüngst veröffentlichten Statistik: Danach sind von den 20102 408 männlichen Individuen in den Vereinigten Königreichen nur 6 867 250 Ehemännern tntb 711105 Witwer. Von den 21357 313 Vertreterinnen des weiblichen Geschlechtes sind 6998 823 verheiratet und 1632 843 Witwen. Die Zahl der Junggesellen beträgt also 12 524 053 und die der unverheirateten Frauen 12 724 647, sodaß sich das betrübliche Nesultat ergibt, daß 200 594 Frauen überhaupt keinen Mann bekommen könnten, selbst den Fall gesetzt, daß alle Männer heirateten. Die Ehemänner machen nur 34.2 Proz. in Großbritannien und Irland aus, die ^erheirateten Frauen nur 32.8 Proz. Doch wird der geringere Prozentsatz an verheirateten Frauen wieder ausgeglichen durch die große Anzahl von Witwen, die über das Doppelte von der der Witwer beträgt. Die besten Chancen, einen Mann zu bekommen, hat die Frau von allen drei Königreichen noch iz Irland, wo auf 1000 Männer 1027 Frauen kommen; schwere ist es schon in Schottland, wo 1000 Männer immer 1057 Frauen gegenüberstehen. Die größte Aus- wcchl für den Mann aber bietet sich in England, wo 1068 Frauen ans.1000 Männer kommen.
^lyrische UreisLonLurrevz.
Wir geben im Nachstehenden drei Gedichte wieder zur Beurteilung durch unsere ganze Leserschaft, und bitten, jedem der drei Gedichte eine Zensur zu erteilen. Das am besten gefallende soll die Nr. 1, das weniger ansprechende Nr. 2 und das dritte Nr. 3 erhalten.
Die Zensuren sind durch Postkarte (nicht Brief) um" gehend, spätestens bis zum 31. d. M., an die Redaktion der Gießener Familienblätter (nicht des Gieß. Anz.) zu senden. Dabei sind nur die Gedicht-Anfänge wied«> zugeben unter Hinzufügung der Zensur; also z. B.:
Ich denke Dein im Morgenlicht, Nr. I,
Ich denke Dein, hab ich vom deutschen Liede, Nr. II, Ich denke Dein, wenn mir der Sonne, Nr. III.
Mit dem Gedicht, welches die Nr. 1 am häufigsten erhält, sollen drei Preise verbunden werden. Die Verteilung richtet sich nach dem Werte der in einen kurzen Satz zusammenzufassenden Kritik aller Gedichte, oder des am besten, oder des am wenigsten gift befundenen Gedichtes.
L
Mähe der Geliebten.
Ich denke Dein hn Morgenlicht des Maien, Im Sonnenglanz ;
Ich denke Dein, wenn mich die Sterne freuen Am Himmelskranz.
Ich sorg' um Dich, wenn in des Berges Wettern Der Donner lauscht;
Du schwebst mir vor, wenn in den dunklen Blällern Der Zephyr rauscht.
Ich höre Dich, wenn bei des Abends Gluten Die Lerche schwirrt;
Ich denke Dein, wenn durch des Teiches Fluten Der Nachen irrt.
Wir sind vereint, uns raubt der Tod vergebens Ter Liebe Lust;
O, laß mich ruh'n, Du Sonne meines Lebens, An Deiner Brust l
n.
Rühe der Geliebten.
Ich denke Dein, hab ich vom deutschen Liede Ein Buch zur Hand;
Dn schwebst um mich, wenn stiller Abendiriede
Zieht übers Land
Ich höre Dich, wenn fern im Spiel der Winde Das Waldhorn schallt;
Ich ahne Dich, wenn um die Wiesengründe
Der Nebel wallt. _
Ich bet' für Dich in dunklem Fichtenhaine, In Einsamkett;
Du bist mein Trost, wenn ich verborgen weine Um tiefes Leid.
Mir weht Dein Odem, wenn durch Dämmerschwül« Ein Hauch mich küßt;
Und ich bin fern vom Tanz und Saitenspiele, Wenn Du es bist.
HI.
Nähe des Geliebten.
Ich denke Dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom SOieere strahlt;
Ich denke Dein, wenn sich des Mondes Flimmer In Quellen malt.
Ich sehe Dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege Der Wand'rer bebt.
Ich höre Dich, wenn dort in dumpfem Rauschen Die Welle steigt;
Im stillen Haine geh' ich oft zu lauschen. Wenn alles schweigt.
Ich bin bei Dir; Du seist auch noch so ferne, Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterns O, wärst Du dal
Geheimschrift.
(Nachdruck verboten.)
Kbo Iboo widm, xfoo nbo tkdi ovs sfdiu widm avusbvu Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bflderrätsels in vor. Nr^ Beobachtungsgabe.
Redaktion: Paul Witt ko. — Rotationsdruck und Verlag der B r ü b l' scheu Universitäts-Buch- und Steindrrrckerei, R. Lange, Gießen.


