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von dem Rüdesheimer getrunken. Tann blinkerte er mit seinen Zähnen, was wohl ein Lächeln sein sollte und für mich eine höhnische Grimasse war und ging nach einer geraumen Weile schweigenden Nachdenkens aus der Weinstube davon.
Na, und ich habe daun meinen Grimm ordentlich begossen. Ungefähr zehnmal habe ich dabei in meinen Gedanken den Japaner mit bloßen Händen erwürgt und gegen siebenmal ihn in eine Gosse getreten, wo er absolut unsichtbar verschwand. Für seine Vermessenheit, an die Kinder von Thea zu denken.
Als ich in die Pension kam, glaubte ich aus der entgegengesetzten Tür des Speisezimmers, in dem Fräulein Lawreß jetzt allein saß, den Japaner verschwinden zu sehen. Außerdem schien mir das junge Mädchen sehr erregt zu sein. Aber ich war in der rechten Stimmung, Konflikte heraufzubeschwören und durchzufechten.
„Ist denn kein Anftaudswauwau für Sie da, gnädiges Fräulein?" fragte ich mit Hinsicht auf die Zimperlichkeit in der Pension und ihre eigene Achtung vor den Philistersitten, die sie immer hatte, ziemlich rauh und männlich
Sie zuckte zusammen, sonst hatte ich sie in der letzten" Zeit immer mit dem Vornamen angeredet, wenn wir allein waren. Nun ja, gegenüber liebenswürdigen und schutzbedürftigen Mädchen, die ganz einsam in der Welt stehen, gewöhnt man sich leicht Vertraulichkeiten an, deren Fortfall nachher von beiden Seiten äußerst schmerzlich empfunden wird.
Aber es geschah etwas, was ich der stolzen Thea niemals zugetraut hätte und worüber ich dann auch etwas aus der Form ging. Sie beugte nämlich ganz still ihr goldschimmerndes schlankes Haupt, und ich sah etwas Blitzendes auf ihre weißen Hände fallen, was meiner Vermutung nach nur Tränen sein konnten. Trotzdem ich sonst eigentlich von Natur nicht sehr rührselig veranlagt bin, sondern, wie gesagt, mehr nach den Ursitten hinneige, war mir dieser stumme Schmerz doch sehr beweglich bezüglich meines Herzens, das sonst immer mehr im Amtsstil schlug, was mit meiner Tätigkeit als Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt zusammenhängt.
Ich trat also ziemlich spronstreichs an das junge Mädchen heran, möglich, daß ich dabei meinen Arm um ihre Schultern gelegt und mich zu ihr hinuntergebeugt habe, man weiß nachher so etwas „nimmer genau", würde Scheffel im Ekkehard sagen und fragte ziemlich erregt:
„Thea, hat Ihnen der Japaner etwas getan? Ich gehe ihm dann sofort nach und drehe sein Genick gen Ragasuki oder Tokio. Wohin wollen Sie es haben?"
„Ach, Herr Mac-Ivar", meinte sie mit ihrer „seligen" Stimme (dieser Ausdruck rührt von einem vernünftig-verrückten Musiker in der Pension her), „das werden Sie nicht tun. Nein?"
In solchen Momenten verspricht man alles mögliche, und ich habe denn auch damals versichert, ich würde den guten (sic!) Japaner bis an das Ende seiner Tage leben lassen, wofür er mir jedenfalls dankbar zu sein alle Ursache hat. Dann aber fragte ich: „Was wollte er denn eigentlich von Ihnen, Thea?"
Als sie nun mit der Sprache nicht recht heraus wollte, was ich erklärilch fand, erwähnte ich so obenhin die Heiratsgedanken, über die sick Koritorubi oder ribi zu mir geäußert hatte, sehr vorsichtig natürlich. Thea Lawreß wurde ganz rot, und ich, bemerkte, daß ihr das auch sehr gut stand. Grund genug für mich, um bei dem Thema zu beharren.
„Ich fürchte mich vor ihm", meinte sie. „Mein Zimmer liegt neben dem seinen, und ich sage es noch heute, daß ich dort ausziehen möchte."
„Tauschen wir!" schlug ist vor, da mir die Aussicht, das ehemalige Stübchen Theas zu bewohnen, ganz närrische Empfindungen hervorzurusen schien, über die ich unbedingt gern mehr Kiarheit gehabt hätte. „Außerdem, wenn etwa ein starker deutscher Männerarm sonst notwendig sein sollte — ich bin keineswegs klein und schwächlich —"
„O, Mac-Ivar", sagte sie, „Sie müssen immer spaßen."
Wenn «sie mir schon die Ehre erweisen wollen", erwiderte ich, „mich mit meinem Vornamen anzureden, so muß ich Ihnen bernerkliw machen, daß ich Rudolf heiße."
„Wird es Ihnen nicht zu beschwerlich sein, mich zu beschützen, fragte sie leise.
Ich hatte mich unterdessen ihrer Hände bemächtigt und beschäftigte mich damit, sie abwechselnd ganz zart zu küssen und wunderte mich nur, daß sie es ganz geduldig geschehen ließ. Trotzdem fano ich Zeit, die Antwort zu geben, daß ich eine derartige Beschützerrolle für einen ausgesuchten Leckerbissen hielte.
„Warum können Sie den Japaner nicht heiraten?" fragte ich störrisch weiter und unterbrach einen Augenblick meine liebliche Tätigkeit.
„Mögen Sie ihn?".
Wir sahen uns an und lachten auf einmal.
„Es ist eigentlich schändlich", sagte ich.
„Was denn?" fragte sie unschuldig.
„Wissen Sie denn das Wort überhaupt?" meinte ich hochmütig, wie ein Vollblutgermane nur sein kann.
„Mäuse!"
„Aber, Thea, Sie waren ja nicht in China oder in Japan. Was wißt Ihr Frauen denn von der gelben Gefahr!? Und deswegen magst Du den koritorubischen Doktor nicht?! Frauen oder Volksinstinkt? Warum denn mich?"
„Wir haben beide so schöne englisch klingende Namen."
„Tas ist wahr", bemerkte ich und mußte sie dafür küssen, „aber einer geht nun verloren, Thea. Oder ist es Tir nicht recht?"
In diesem Augenblick erschien selbstverständlich die Pensionsmama, wie um in Ermangelung der richtigen Mutter die Szene unwiderruflich historisch zu gestalten und sie mit einer Aufwallung des Gefühls, wie sie vorkommt, nicht zu entschuldigen. Als sie sich mit der höhnischen Frage, ob sie störe, zurückziehen wollte, bemerkte ich daß dazu keine Notwendigkeit vorläge. „Aber", fuhr ich fort, „ich! war gerade dabei, meiner Braut bemerklich zu machen, daß sie nun mindestens mir gegenüber einen Teil ihrer Reserviertheit und ihres holden Stolzes aufgeben müsse. Ich denke, ich habe sie überzeugt."
Ta gratulierte sie salbungsvoll, wie das nur eine tugendhafte deutsche Pensionsgewaltige tun kann. In der Tat, wenn mir jemals einige Momente bei meiner Ehe, oder vielmehr bei ihrer Vorgeschichte peinlich wären, so wäre cs das, daß ich mir mein schlankes, goldenes Lieb' aus einer deutschen Pension holen mußte, diese sind mir immer als wahre Brutstätten von Philisterhaftigkeit erschienen, und zweitens, daß sich in die eigentliche Veranlassung meines zunächst zu vermutenden Glückes, die ja der kleine Japaner gab, der Ausdruck „Mäuse" eingeschlichen hat und wird beide einem so intelligenten und tapferen Volke Unrecht getan haben. Aber Instinkte und Geruchsempsindungen müssen bei Liebenden gleich sein, ich halte es für notwendig, das zu betonen, weil man das noch nie erwähnt sand. So ist die verbesserte Nach- kommenschaft des kleinen Japaners an der feinen Nase meiner Thea gescheitert. Ein Vorwurf, des Nachdenkens von Gelehrten würdig.
ßrp obtcs M zept.
Zum Reinigen der Petroleumlampen empfehlen wir als einfaches Mittel trockene Holzasche, mit welcher man Brenner und Glasbecken innen und außen mit weichem Papier abreibt. Das Becken wird spiegelklar und darf nur noch mit einem trockenen Tuche nachgewischt werden. Dieses Putzen mit Asche ist dem vielfach gebräuchlichen Auskochen mit Seife und Soda bei weitem vorzuziehen, da letzteres Verfahren nicht nur viel umständlicher ist, sondern mit der Zeit auch oft die Trennung des Brenners vom Becken zur Folge hat. Die in Seife und Soda enthaltenen Aetzstoffe lösen nämlich die übliche Verkittung auf, welche jene beiden Teile verbindet.
Geheimschrift.
Nachdruck verboten.
* || = § △ ? || + x - || 0 ! § II + Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Streichholzspieles in vor. Nr.:
Man legt die Streichhölzer in zwei Hauieu von drei und sechs Stück; der erste Hausen sind drei, der zweite ein halbes Dutzend Streichhölzer.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Terlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.


