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Im Jahre 1809 verkauft die Witwe des Geh. Regierungs- rats Grollmann, Sophie, geb. von Rau, ihrer Tochter, des Prof. T> Arens Ehegattin dahier „das von meinen Kindern erkaufte, auf dem Brande neben dem von Senkenbergischen Univerfitäts-- gebäude gelegene Wohnhaug mit allen Zubehörungen, insbesondere mit dem daranstoßenden Hofraum, Holtzstall und beiden Gärtchen, so ehemals ädelich ftey gewesen, nunmehro aber contribuabel geworden ist: wobey bedungen worden, daß ich das Eigenthum sogleich übergeben, ich, Verkäuferin, jedoch in einem Theile des Dauses den Jnsitz behalte, wie dieses der darüber separat abgeschlossene Vertrag besaget, auch werden an der Kaufsumme 2500 fl. sogleich bezahlt, der Rest von 1500 fl. hingegen bleibt auf dem Lause stehen. (4000 fl. int 24 Gulden-Fuß, der Gulden zu 60 Kreutzer gerechnet.)
Gießen, 21. April 1809.
Siegel. Bürgermeister und Rath.
Gg. Daniel Keil, d. z. Oberbürgermeister.
Tiefer Urkunde liegt bei: . ,,, _
Des Herrn G. R. R. Grollmanns Erben tn Gießen haben urkundlich dieses in der Brandassekuranzkasse gewährt bekommen Ein Wohnhaus; Nr. 136 für 2800 fl., ein Waschhauß und 'Stall Lit. A für 200 fl. zusammen 3000 fl.
Gießen, 25. Januar 1796.
Fürst!. Hess. Brandassecurationscomnumon Ti Tietz. Balser.
Am 26. Okt. 1822 verkauft der Großh. Geh. Rath Arens' dem Großh. Major von Schmalkalder einen Theil seines Gartens 19 Quadratruthen 415/iC Fuß altes oder 65 Klafter 35 Quadratsuß Neues Maaß für 300 fl. im 24 Guldenfuß.
Beide haben unterschrieben und gesiegelt.
Tr. Arens Fr. v. Schmalkalder,
Major.
Am 23. Dez. 1851 verkauften die Erben des' Großh. Geh. iegierungsrats Schmitthenner, nämlich
1. Tr. Kar Schmitthenner zu Gießen;
2. Thekla, Ehegattin des Herrn Karl Zimmermann in Worms;
3. Friedrich Schmitthenner, noch minderjährig, und namens desselben der Vormund, Großh. Forstmeister von Buseck in Gießen, an Tr. Kehrer, Großh. Phtzsikatsarzt und dessen Eheftau Luise, geb. Baumann, zu Gießen 171 Quadrat-Klafter Hofraithe auf dem Brand neben der Universität, Wohnhaus, Hofraum, Nebengebäude und Garten mit Brunnen für 7000 fl.
Tr. von Krug, Großh. Stadtgerichts-Messor.
Am 31. Mai 1866 verkauft Tr. Fehr, fürstl. Jsenburg-Bir- stein'sche Kammer-Tirektor zu Birstein unter Zustimmung seiner Eheftau Mathilde, geb. von Schmalkalder, an Tr. Friedrich Kehrer 78 Quadrat-Klafter Grabgarten an der Wallthorstraße und 68 Quadrat-Klafter Grabgarten auf dem Brand.
Großh. Ortsgericht Gießen: Ebel.
Ties sind die Urkunden über das Haus „ufm Brand", soweit sie noch im Besitze des jetzigen Eigentümers dieses Hauses sich vorfinden. Trei Jahrhunderte sind verflossen, seit Balthasar Mentzer der Aeltere dies Haus bezogen hat. Wann es erbaut worden, weiß ich nicht zu berichten. Ter große Brand, der in dieser Gegend einst so viele Häuser in Asche legte, hat 1560 stattgefunden. Wie viele Jahre wird dies alte Haus auf dem Brand wohl noch bestehen? Wie viel Leid und Freud hat es wohl in sich eingeschlossen! Tank des Tenkmalschutzgesetzes wird dies Haus, wenn es einmal fallen muß, nicht verschwinden, ohne daß man es im Bilde und durch Zeichnungen festlegt. Tas Treppengeländer im Innern, die alte Standuhr daneben sind wert, daß man sie schütze.
Worms, im Oktober 1904.
Prof. D. Bonin, Großh. Oberlehrer.
Märchenpracht
strahlt uns aus einem neuen Märchenbuchc von Angelica Harten entgegen. Zur Sonnwendzeit. Neue Märchen. Mit acht Kunstdruckbildern, vielen Textbildern und Einbandzeichnung von Prof. I. Kiener. Köln, Bachem, 1904, 193 S.; in Originalprachtband gebunden 4 Mk. Mit der Sonnwendnacht hängen diese Märchen zusammen, sei es, daß in dieser Nacht die verwunschene Prinzessin befreit oder der Unhold getötet werden kann. Zehn Märchen sind hier vereinigt: Prinzessin Tausendschön; Tie Zauberburg; Besserweiß und Dummchen; Freund Helfrich; Lügenliesel; Tas Märchen vom Rapünzelchen; Tas nußbraune Schlänglein; Tie Roggenmuhme; Bruder Leichtherz; Tas Märchen vom traurigen Königsfohn. Tie Phantasie der Verfasserin öffnet die Zauberburgen und Wunderschlösser, dringt ein in die Köhlerhütten und Eishöhlen, führt in geheimnisvolle Wälder und trotzige Ritterburgen und gestattet einen Blick in die Zwergwohnungen wie in den Traumsee. Tie Waldfrauen und Erdmännlein werden lebendig; die Burgftauen und Schloßfräulein werden verzaubert und erlöst; die Eisjungftau und die Bergkönigin kommen aus ihren Wohnungen, Höhlenfrau und Traum- ftau erzählen tragische Geschichten, Neck und Nixe fehlen selbstverständlich auch nicht. Angelica Harten kennt alle Heilkräuter und Wunderblumen mit ihrer Kraft und zeichnet Wald und Feld,
Wiesen und Schneelandschaften in der ganzen Farbenpracht und mit allen Reizen. Tie Natur wird lebendig in ihrer Phantasie: die Tiere des Waldes, die Vögel des Himmels, die Blumen des Feldes, die schlossen Felsen der Berge. Mit einem Worte: es ist der ganze Zauber echter Märchenpocsie, der uns im Buche gefangen hält. Tabei weiß die Verfasserin, wie schon der Titel mancher der vorliegenden Märchen andeutet, ihren Schöpfungen einen tieferen Sinn zugrunde zu legen. Auf diese Weise werden die jugendlichen Leser und Leserinnen auch vor manchen Fehlern gewarnt, namentlich vor Trägheit, Pflichtvergessenheit, Neugierde, Ungehorsam, Lüge. Aber das geschieht nicht in aufdringlicher Weise, sondern nur durch den ganzen Inhalt der Erzählung. Auch nicht ein einziges Mal ist ein moralisierender Ton angeschlagen. Auch der sittliche Gehalt der Märchen ist daher groß, was bei einem Buch für die Jugend nicyt unterschätzt werden darf, namentlich da der ästhetische Wert dadurch nicht beeinträchtigt wird. Tie Ausstattung ist gut. Amt größere bunte Bilder, die fteilich künstlerischer hätten ausgeführt werden können, illustrieren Hauptzüge aus den einzelnen Märchen, während in den Text selbst eine Menge von sehr hübschen und feinen kleinen schwarzen! Bildern eingestreut sind. Tie Illustrationen stammen von Prof. Kiener, der für diesen Band auch eine bunte Einbandzeichnung! geliefert hat. Tie Märchen von Angelica Harten, Zur Sonn- wendzeit, gehören zum Besten, was an Märchen in den letzten Jahren geschrieben wurde. Sie seien der Jugend aufs wärmste empfohlen. ■
KesundHeitspflege.
— Pflege der Sinne. Tie Pflege der kindlichen Sinne kann nicht warm genug empfohlen werden. Kurzsichtige und schwerhörige Kinder gibt es in erschreckender Menge, noch mehr solche, bei denen Geschmack, Gefühl oder Geruch abgestumpft oder gar verdorben sind. Und doch, welche Übeln Folgen hat die fehlende Sinnesschärfe — nicht allein für das leibliche Wohlbefinden, sondern auch ’iir jede geistige Förderung! Tenn ein Kind mit abgestumpften Sinnen kann schwer scharfe Beobachtungen machen, daher auch schwer zu scharfem Tenken, scharfem Urteilen erzogen werden. Zweierlet ist nötig zur Sinnespflege: Bewahrung vor Abstumpfung und beständige Uebung. Der Geschmack z. B. darf tricht durch scharfe Gewürze verdorben, der Geruch nicht durch Verweilen in schlechter, dunstiger Luft und Taba'ks- qualm abgestumpft werden. Gesicht und Gehör bedürfen neben sorgfältiger Bewahrung vor Krankheiten und unvernünftiger Behandlung (Lesen in der Dunkelheit, Verletzen des Trommelfells durch Bohren in den Ohren usw.) vor allen Tingen beständiger Uebung, die besonders in fteier Natur leicht und wirksam an-, zustellen ist. (Prakt. Wegw.)
Neue Wücher.
und
Hartenau, Gert, Dramatische Werke. 3 Bde. Bd. 1. Und führe uns ntchk in VersuckMNg. — Bd. 2. Judas. —■ Bd. 3. Kreuz und Schwert. München, Karl Haushälter.
Dtsche. Städteztg. Jllustr. Wochenschrift für Gemeinde-. Verwaltungen und Städte-Jnteressen. Nr. 1. Berlin SW. 11, vierteljährlich 3 Mark. _ „ n , .
Arens, Tr. Ed., Annette v. Troste-Hulshoffs Leben und Merke. (72 S. mit 2 Bildnissen und einen Bericht nach der Handschrift.) Leipzig, Max Hesse's Verlag. ~
Mo rris, Tr. Max, El. Brentanos Leben nnd Werke. (51 ö. mit 2 Bildnissen und einem Brief nach Handschrift.) Ebda.
Deutscher Armeekalender, 1905. (182 mit Wand- 1 Taschenkalender). Minden, I. C. C. Bruns. 50 Pfg. ,
Bilderrätsel.
Nachdruck verboten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Quadrats in vor. Nr.r
ALM LEA MAI
Redaktion: 91 uguft Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


