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bart auf dem Hohenaspertz, unter Umständen^ die jedes Herz empören. Er durfte niemand sehen, niemand sprechen, nicht die Kirche besuchen, nicht an das Sterbebett seines Weibes eilen. Die Nahrung war so karg und unreinlich daß er oft vermeinte, dem Hungertode zu verfallen. Im harten Winter, wo der eisige Wind an den morschen Fenstern des hohen Felsennestes rüttelte, erstarrten dem alten Manne die gichtbrüchigen Glieder, daß er oft nicht mehr anfstehen und selbst an Krücken fortguwanken vermochte. Nicht Kaffee, nicht Tee wurde ihm verstattet, utib nicht die geringste Beschäftigung seines Geistes. Keinerlei Bücher durfte er erhalten, keinerlei Schreibmaterialien, und als er na chlangen, bangen Monden Briefe seiner Teuren ausgehändigt erhielt, da war jeder weiße Streifen sorgfältig abgeschnitten, damit sich der Gefangene nicht dessen bediene, seine Gedanken aufzuzeichnen!
• Und dennoch brach benr geprüften Manne nicht das Herz! „Jmpavidunr ferient ruinae!" Er schärfte die Spitze seiner metallenen Lichtscheere und schrieb mit ihr weiß auf weiß die getünchte Wand seiner Zelle und die Ränder und .Zwischenräume zwischen den Zeilen seiner Bibel und jedes Stückchen Packpapier, dass er erlangen konnte, mit historischen, juristischen, theologischen Werken voll; er dichtete über tausend Kirchenlieder in Ljieser trostlosen Einsamkeit, in der ihm selbst das Abendmahl verweigert wurde, als er den Tod unmittelbar bevorstehend wähnte; er schrieb zweiundfünfzig nachmals veröffentlichte Bucher des allerverschiedenartigsten Inhalts mit der Spitze der Scheere, die auf seine Nachkommen vererbt ist, und selbst die gute Laune war ihm nicht ganz erstorben, denn hinter den Gittern komponierte er noch eine Reihe hnmo- rrstisch-satyrischer Fabeln: „Eines alten Mannes muntere Stunden während eines engen Festungsarrestes". Inzwischen starb sein-- geliebte Gattin, starb seine Lieblings- tochter, und seine übrigen Kinder standen vereinsamt in der Welt wie elternlose Waisen. Serenissimus aber fanden kerne Veranlassung, die verheißene Jngnisitiorr zrr veranstalten rrnd das Los eines Patriotischem Mannes zu erleichtern.
Da sollte Jakob Moser Hilfe kommen und fein Frankfurter Schicksal vergolten werden. Alle Vorstellungen der Landschaft an den Herzog Karl ivaren fruchtlos geblieben Der Große Friedrich hielt es daher für geraten, vom Deutschen Kaiser direkt zu verlangen, „daß dem verzog von Württemberg ernstliche Anmahnung geschehe, diesen alte,! ehrwürdigen, hartbedrängten Mann aus feinem Gefäng- nrsse loszulassen." Er ließ auch durch seinen Gesandten, den Freiherrn von Rhod, die Kronen von England und Dänemark — mit Erfolg — ersuchen, dieses Verlangen zu unterstützen. Aber Serenissimus war nicht so leicht zu überreden. Denn er forderte nun nicht nur ein Gnadengesuch, sondern die Unterzeichnung eines Reverses, daß Moser si ch„durchmancherlei schwere Verbrechen einer schärferen Ahndung schuldig gemacht" und „sotyane Entlassung als eine unverdiente Gnade erkenne", „unter Berenunq seiner großen Fehler und Vergehungen".
„Wollen E. H, D." — schrieb Moser darauf an den Herzog — „mir nicht in Ungnade vermerken, daß ich, als em mit Ehren in der Welt bekannter, seit 44 Jahren um das herzogliche Haus E. H. D. und das Land auf allerley Weise wohlverdienter und nun auf der Grube gehender Mann, mich nicht entschließen kann, meine Freyheit mit dem Verlust meiner wohl und sauer erworbenen Ehre zu erkaufen " ~ Dhne Rekurs aber gab es für den ivürttemberaischen Selbstherr;cher keine Freilassung - bis auf abermaliges Andrtngen des preußischen Königs eine geschärfte Anweisung! des Reichshofrates eintraf, Moser ans der Stelle feiner Hast zu entlassen. Da endlich fühlte sich der Mann, der nur zu befehlen gewohnt war, nachgerade gedrungen, einmal zu gehorchen. Der Hammer mußte wohl oder übel Ambos spielen. Moser aber, ein freisinniges und doch frommgläilbiges Gemüt, sprach da er sein Haus in Stuttgart betrat: „Sie zogen Daniel aus der Grube, und man spürte keinen Schaden an ihm, denn er hatte seinem Gott vertraut!"
Der Herzog beschied sich damit, Moser wieder alsRechts- ^ochulenten der Landschaft zuzulassen und zu erklären, k.eJ? „aus erheblichen und wichtigen, auch vornehmlich besonderen Staatsursachen, verhängt worden
sehe", gab ihin aber, wenigstens in späteren Jahren, das Zeugnis, Moser fei ein grundehrlicher Mann, ein guter! Patriot und getreuer Untertan.
F-ür Deutschland ist er noch etwas mehr gewesen, nämlich der epochemachende Begründer der Wissenschaft des deutschen Staatsrechts, und zwar aus dem Grunde des deutschen Rechtsstaates. Sein Name ist mit goldenen Lettern im Buche der Kulturgeschichte verzeichnet. Seine Gedanken gehören der Gegenwart an, seine Schicksale aber, die Komödie von Frankfurt wie die Tragödie vom Hohentwiel, hoffentlich für immer der Vergangenheit, der vielgepriesenen patriarchalischen, der lieben „guten alten Zeit." Johannes Lenzen (in der „Freien Deutschen Presse").
Kesundheilspflege.
— Die Pflege des Ohres. Auf die Pflege des Ohres muß schon beim Säugling Wert gelegt werden. Jede Erkältung ist sorgfältig fern zu halten; beim Bade darf man nie Wasser in die Ohren und in die Nase kommen lassen. Durch einen Schnupfen kann sehr leicht die Ohrtrompete, ein Verbindungskanal zwischen dem Ohrinnern und dem Rachen, entzündet und der Zutritt der Luft zum Innern des Ohres unmöglich gemacht werden; infolgedessen kann leicht Taubheit Eintreten. Man darf deshalb Säuglinge niemals von Personen küsse» lassen, die an schnupfen leiden, es ist überhaupt auch sonst empfhelenswert, die üble Angewohnheit vieler Menschen, ein junges Kind, das sie sehen, gleich zu küssen, auf das eindringlichste zu verbieten, denn durch den Kuß können leicht Krankheiten üb rtragen werden. Wenn das Kind gebadet wird, so mug man sorgfältig die Ohren abtrocknen, weil sonst Hautausschläge entstehen können. Das beste Mittel, um das Kind gegen Ohrkrankheiten zu schützen, ist eine allgemeine Abhärtung des Körpers, und man erreicht einen solchen Schutz nicht etwa, wie es häufig in allzu großer und falsch angebrachter Fürsorge geschieht, durch Hineinstopfen von Watte in die Ohren. Im Gegenteil, dadurch werden dieselben höchstens , noch empfindlicher gegen Witterungseinflüsse werden. Die Reinigung des Ohres darf nur mit einem weichen Handtuch geschehen, Ohrlöffel und Haarnadel sind dagegen höchst gefährliche Jiistrumente, die leicht Berletzungen des Trommelfells her- beiführen können. Das Lochstechen zur Anbringung pon Ohrringen ist eilte sehr unvernünftige Unsitte, die eigentlich in unserem modernen Zeitalter nicht mehr so verbreitet sein sollte. Auch der alte Aberglaube, da» das Tragen von Ohrringen vor Krankheiten bewahre, ist heute noch allzuviel verbreitet. Eine große Gefahr für die Gesundheit der Ohren bilden die so oft als Züchti-gungsmittel benutzten „Ohrfeigen". Es ist nicht selten vorgekommen, daß dadurch das Trommelfell gesprengt wurde, daß eine Erschütterung des Labyrinths und dauernde Taubheit die Folge waren. Auch das Hineinschreien in die Ohren kann leicht ein Platzen des Trommelfells herbeiführen; überhaupt schädigen starke Schalleindrücke das Gehör, besonders wenn sie ganz unerwartet .eintreten. Gelangt einmal ein Fremdkörper in den Gehörgang, so ist es am besten, sich gleich an einen Arzt zu wenden und nicht von unberufener Hand Extraktionsversuche ,nachen zu lassen.
Die Bettlerin.
Eine Dame, reich, im Pruukg-ewande, Ward von einem Weibe angefleht, Tas, voll Trauer, in der Armut Kleide, Sie um eine kleine Gabe bat. „Unverschämte Bettlerin!" Sie tief Aergerlich und trat in einen Laden, „Wählt' eilt Tuch und fragte nach dem Preise. „Fünfunddreißig Mark" versetzt' der Kaufmann. „Laßt's für dreißig!" bat die reiche Dame. Wer war nun die größte Bettlerin? A. Ammann.
Städte-Kapfelrätsel.
Nachdruck verboten.
In nachstehenden Ortsnamen ist je der Name eines anderen Ortes verborgen. Wie lauten diese?
Adenau Bischossburg Bromberg Eggenfelden Friesack Glauchau Helmstedt Kulmbach Marggrabowa Planet« Neichenhall Tegernsee.
(Auflösung in nächster Nmmner.)
Auflösung des Anagramms in vor. Nr.r
Raumer Rein Roea Thor Wilna Ries Palme Seil List
Maurer Iran Karo Hort Alwin Eris Lampe Ilse Stil
Mater Boa Regen.
Trema Abo Genre.
Redaktion: An an st Goeü. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'kchen ttniversttats-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Gießen.


