Ausgabe 
22.9.1904
 
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ßvünschen, als es Ihr Junge ist. Seinen Charakter zu Prüfen, haben wir nicht cr]l nötig, den kennen wir schon, und daß er sich nicket ändern wird, dafür bürgt uns Ihre persönliche Ehrenhaftigkeit, denn ein Mann, der so offen und freimütig sein Unrecht eingesteht, das ist ein ganzer Mann und ein durch und durch, biederer Charakter. Und nun kommen Sie, wir wollen die Kinder nicht länger auf unseren Segen warten lassen."

Als Höchstfeld der Liebenden Hände ineinander legte und sie mit vor Rührung zitternder Stimme ermahnte, stets in Treue und Gottvertrauen zueinander zu halten, da öffnete sich die Tür und auf der Schwelle erschienen Dinko und Mirko, die von Neugierde geplagt den Eltern nachgekommen waren.

Erst starrten sie ganz verdutzt darein, dann begriffen sie endlich und Erich bei der Hand erfassend, stotterte Miicko:Das ist wirklich sehr liebenswürdig von Ihnen, daß Sie Ljubiza..."

Ja, sehr liebenswürdig", pflichtete ihm Dinko bei, aber wir werden uns dafür auch revanchieren und Ihre Schwester heiraten!"

Bladch schob sie sachte zur Seite.Bemüht Euch nicht", »agte er mit verlegenem Lächeln,das werde ich schon besorgen auf Euch mühte sie ja zu lange warten", und sich an Herrn und Frau von Höchstfeld wendend, bat er: Seien. Sie großmütig, machen Sie heute noch ein Paar glücklich; wir werden es Ihnen zeitlebens danken!"

Mer das geht ja nicht, Erna ist ja noch ein Kind", protestierte Frau von Höchstseld. Der Major legte ihm wohlwollend die Hände auf die Schulter und sagte:Ich habe Ihnen schon einmal erklärt, daß wir gegen Sie nicht das geringste einzuwendetl haben) und wiederhole Ihnen, daß Sie in zwei Jahren auf weniger Widerstand bei uns rechnen können."

Herr von Höchstfeld, gnädige Frau", nahm in diesem kritischen Augenblick der Pfarrer das Mort,darf ich Ihnen einen Vorschlag machen?" zünd als ihn beide fragend anschauten, fuhr er mit beredter Stimme fort:Sehen Sie, Ernas unfreiwilliger Ausflug wird ja doch bekannt werden, um nun allen buntmen und gehässigen Redereien die Spitze zu bieten, können Sie nichts besseres tun, als in die Verlobung einzuwilligen!"

Mer sie ist doch noch ein Kind ..."

Ich sage ja auch gar nicht, daß die Hochzeit aus dem Fuße folgen soll, bei den zwei Jahren Wartezeit kann, es ja immerhin bleiben, und da Sie ja die Kleine doch wahrscheinlich mit sich nehmen werden das heißt, wenn Ihr Vorsatz wirklich unwiderrufliche ist--so . . ."

Das ist er sobald Ljubiza und Erich getraut sind, kehren wir in die Heimat zurück."

Nun, dann rate ich Ihnen erst recht, nicht unerbittlich M bleiben. Diese Zeit der Trennung wird für beide ein Prüfstein ihrer Liebe sein, und haben sie diese unange­fochten überstanden, dann, ist es gleichzeitig eine Gewähr Mr ihr ferneres Glück."

Die Gatten schauten sich fragend an.

So sagen S' doch schon ja", redete ihnen die Gräfin zu,vielleicht nimmt die Kleine in ihrer bräutlichen Würde ein gesetzteres Wesen an."

Diese Hofftiung gab schließlich den Ausschlag, und wenn auch nicht besonders freudig, so sagte Herr vöit Höchst­feld doch mit väterlichem Wohlwollen:

Nun denn, in Gottes Namen, es sei, habt Euch lieb und laßt es uns nie gereuen, so unvernünftig nachgiebig gewesen zu sein."

Nie, nie!" beteuerten beide.

Mit zufriedenem, glücklichem Lächeln rieb sich der Pfarrer die Hände.Siehst Du, Hin ko", sagte er schmun­zelnd zu dem Grafen,habe tdji es nicht gesagt, daß es noch ein gutes Ende geben wird? Ja, ja, unser Herrgott wendet doch immer alles zum Geisten!"

Ende.

Aus der guten, alten Jett.

Wvr das ein Treiben in der guten, harmlosen Stadt Frankfurt! Der König kommt! Und er kommt nicht allein) ondern mit seinem ganzen Hofstaat! Und eine große Be- ustigung soll es geben, daß Tränenbache in die Oder ließen. Denn Seiner königlichen Majestät Hofnarr Morgen»- lern sollin einem! possierlichen Habit" tm großen Auditv-

rium der Universität eine Disputation halten überVer­nünftige Gedanken von der Narrheit", und sämtlichePro- fessores ordinarii" undextraordinarii" sind allerhöchst ab- komMandiert, deut lustigen Rat zu imponieren. O, wird das ein Gaudium werden für jeglichen Hörer! Der stolze, strenge, selbstbewußte Geheime Rat und Rektor Johann Jakob Moser wird mit dem Narren Friedrich Wilhelms I. feier lichstcoram publico" disputieren, er zuerst und als­dann die übrigen hochgelahrten Herrensecundnm ordi- nem". Das muß eine unerhörte Komödie iuerben!

Man lachte männiglich schon bei diesem Gedanken und präparierte sein gefährdetes Zwerchfall. Nur einer; lachte nickst, sondern war tief entrüstet. Nimmermehr mit dem Narren disputieren! Nimmermehr, und koste es das Leben! Er eilt zum Obersten von Connor, dem Komman­danten von Frankfurt, und verkündet dem Liebling des preußischen Königs diesen festen Entschluß. Der Oberst bittet ihn, er fleht ihn an, dem Herrscher, der an den unbedingten! Gehorsam gewöhnt sei, keinen Widerstand eutgegenzusetzen. Bei dem geringsten Versuche der Weigerung sei es um ihn und die ganze Universität geschehen. Er aber, der ernste, Gelehrte, bleibt unerschütterlich dabei, dieser Gehorsam gehe gegen Ehre und Gewissen, und da er seine Reputation nicht erst in Frankfurt, geholt, wolle,er sie auch nicht in Frank­furt lassen. .

Er hatte schon einiger» Grund, so hohe. Töne anzu- schlagen, der berühmte Rektor der Universität. War er doch bereits mit neunzehn Jahren in seiner schwäbischen! Heimat zum Professor ernannt worden! Als gereifter Jüngling hatte er ganze Bibliotheken durchgewühlt und' epochemachende Werke veröffentlicht, und hätte er dem mach)' tigen Kanzler Pfaff gehorcht, der ihn mit Gewalt zum Gatten seiner Nichte machen wollte wer weiß, welchen Rang er schon in der württembergischen Beamtenwelt ein­genommen! Aber Moser war nicht zu bewegen gewesen), sein Her zünd seine Hand zu verkaufen, wie ihm ebensowenig! sein Glauben seil war. Er hätte einegar ansehnliche Be­dienung" bei dem kaiserlichen Reichshofrate haben können, wollte er sich nur dazu verstehen,die lutherische Erbsünde abzuschwören". Allein er begnügte sich mit der goldenen! Gnadenkette und dem Bildnis des erhabenen römischen Kaisers deutscher Nation und zog uubekehrt imb unbedienstet von dannen, zurück von Men nach den Ufern des Neckar. Und nachdem er in Stuttgart als Regierungsrat ungescheut die Korruption der berüchtigten Grävenitz, der geldgierigen Geliebten des Herzogs, bekämpft und als Tübinger Rechts­lehrer sich mit servilen Denunzianten und beschrankten Zen­soren herumgeschlagen, da hatte er dem Rufe nach Frankfurt Folge geleistet, in welchem es hieß, daß der König ihn schätze wegen seinerimjure publico und der deutschen Rechtshistorie bekannten Wissenschaft und sonderbaren Me­riten". Und nun sollte er, der schon über hundert Bände geschrieben und die ganze gelehrte Welt mit seinem Namen erfüllt hatte, er, der deutschem Ernst, deutschem Sinn, deut­scher Gediegenheit in Frankfurt zur Herrschaft verhelfen wollte, seine ganze Vergangenheit verleugnen und seine ganze Zukunft Preisgeben? Er war jetzt, im Jahre 1737, kaum in der Blüte des Mannesalters, kaum 36 Jahre konnte er zählen, und da sollte er Bedenken um Amt und Brot haben, sollte er sich herbeilassen, mit einem Narren ,W disputieren! Nochmals und abermals: Nimmermehr!

Mer da kam der Pedell mit der Disputation und dem gemessenen Befehle des Monarchei», unweigerlich zu oppo­nieren, imb da sendet der König auch schon am frühen Morgen eine Ordonnanz und gleich darauf einen hohen Offizier, den Geheimrat »»ach: dem Auditorium!» zn bringen. Vor der Universität harren Tausende des heiteren Schau­spiels, und im Vorsaal steht die glänzende Suite.Das' ist ein unglückseliger Tag für unsere. Universität", ruft Moser dem Prinzen Ferdinand zu.Aus diese Meise ruiniere!» Seine Majestät die Universität."

Ei, Herr Geheimer Rat, nicht so hart, das kann der König nicht leiden", bemerkt ihm rin alter General, mit dem Schwarzen Adler-Orden auf der Brust.

Ich kann nicht dafür. Man tut alles, was die Uni­versität niederdrückt, und dann fordert man von mir, ich solle machen, daß sie floriere."

Ah, das ist ja der Moser", begrüßt der König den? Rektor seiner .Hochschule.Was habt Ihr nur gegen den Morgenstern? Wenn man einen Haken haben will, muß inan ihn ja von Universitäten holen: lassen. Ein Quentchen