M. 142,
1904.
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Hin angenehmes Krke.
Humoristischer Roman.
Von Victor von R e i s n e r.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Höchstfeld lächelte bitter. Nun konnte er doch unmöglich an dem Hasse des Pfarrers zweifeln, und resigniert sagte er: „Dann weiß ich, genug."
„Nein, Sie wissen noch gar nichts, aber jetzt sollen Sie die Wahrheit hören", entgegnete ihm der Pfarrer, und sich energisch in die Höhe richtend und ihm fest ins Auge schauend, sagte er: „Dreiundzwanzig Jahre sind es her — mein Freund Hinko war damals so gut wie verlobt mit ihr, als Ihr Vetter zu uns kam. Mit ehrlichster Gastfreundschaft sind wir ihm entgegengekommen, und jeder von uns stand ihm mit Rat und Tat zur Seite.
Mich beehrte er mit seiner besonderen Freundschaft", fuhr er bitter fort, „ich habe sie teuer bezahlen müssen! Und als man die Schiwester mir dann tot ins Haus brachte, da höhnte ich der Allmacht Gottes und wollte mit eigener Hand die besudelte Familienehrie reinwaschen."
„Still, Adame, still", suchte ihn der Graf zu beruhigen. Der Pfarrer känrpfte den aufsteigeudeu Schmerz nieder, und aus Stepenaz deutend, sagte er:
„An seinem Leid richtete ich mich auf und fand meinen Gott wieder. Kein Mensch kann es aber je erfassen, was, ich damals gelitten habe! Wissen Sie", fragte er mit zitternder Stimme, „was das heißt, der eigenen Schwester ein ehrliches, christliches Leichenbegängnis versagen zu müssen?!"
Uebernrannt von der Erinnerung schluchzte er laut auf, und während die anderen noch ergriffen dastanden und nicht wußten, was sie sagen sollten, fuhr er mit zitternder Stimme fori:
„Ich habe es getan — mir sollte niemand nachsagen, daß mir nicht ein Mensch wie der andere ist, und wer mit der Sünde Idahingegangen ist, soll es auch vor dem höchsten Richter verantworten; die Kirche aber darf in ihrer Pflicht nicht wanken — und ich bin ihr Priester. Ich, konnte für sie nur beten, wie für jeden anderen Sünder, und auch ihn, dem der Herr ein gnädiger Richter sein möge, auch ihn habe ich in mein Gebet eingeschlossen. Und als dann sein letztes Stündlein schlug, und er, gefoltert von Gewissensqualeu nach der letzten Oelung lechzte, da durfte ich ruhig meine Pflicht tun, denn ich — ich hatte ihm vergeben."
Höchstfeld starrte mit dem Ausdruck völliger Fassuugs- losigkeit vor si chhin. „Wie ist das möglich — wie ist das möglich", murmelte er dumpf. Mitleidig verzeihend jah ihn der Pfarrer an.
„Einem echten Christen ist alles möglich", sagte ev mit ruhiger Milde, „und wenn Sie jetzt, wo Sie wissen, daß ich dem Toten vergeben habe, auch noch glaubest) daß ich Ihr Feind bin, dann — daun muß ich eben gehen.">
Ueberwälttgt von solch hoheitsvoller Gesinnung und! wahrer Herzensreinheit, streckte ihm Herr von Höchstfeld beide Hände entgegen und bat:
„Nein, Herr Pfarrer, bleiben Sie, und wenn Sie könnest, vergeben Sie auch mir!"
Dieser drückte ihm, seine Rührung nur schwer 6e# zwingend, die Hände. „Ich habe Ihnen nichts zu vergeben",; sagte er einfach und schlicht, „Sie haben menschlich geirrt, und das tun wir alle."
„Nein, nein, Herr Pfarrer, ich habe mehr als geirrt", widersprach ihm der Major, „ich habe mich mit Msichr gegen die Wahrheit verschlossen, weil ich — weil ich mrt dem Vorurteil hierher kam, auf Schritt und Tritt gegen Falschheit und Bosheit ankämpfen zu Müssen. Die Lehre-, die Sie mir heute durchs Ihre Großmut geben, ist für mich beschämend, und doch danke ich Ihnen dafür, denn sie zwingt mich zur Einkehr m mich selbst und wird . .
„Quälen Sie sich doch nickt Mit solchen Selbstanklagest> unterbrach ihn der. Pfarrer mit aufrichtiger Herzlichkeit, „lassen Sie uns lieber die Vergangenheit vergessen und vost nun an in treuer, rückhaltloser Freundschaft zu einander halten."
Herr von Höchstfeld schüttelte unmerklich mit denk Kopf. „Es ist zu viel vorgefallen", sagte er, „ich fühle es, daß ich Ihre Freundschaft nur als mitleidiges Almosen empfangen würde, und deshalb ist es ivohl am besten, ich kehre dorthin zurück, woher ich gekommen bin — ich bin ein zu alter Baum- um noch in dem neuen Erdreich Wurzel fassen zu können."
„Das ist nicht Ihr Ernst, dann kann und darf nicht Ihr Ernst sein!" rief Graf Stepenaz völlig verblüfft über diesen unerwarteten Ausgang.
„Doch, es ist mein heiliger Ernst", erklärte Höchstfeld bestimmt, „aber meinen Sohn ivill ich Ihnen hier lassen, der ist noch elastisch und wird sich in die neuen Verhältnisse bald hineingelebt haben."
„Das wird er", meinte der Pfarrer schmunzelnd.
„Und nun", wandte sich Herr von Höchstfeld an dest Grafen, „habe ich eine große Bitte an Sie. Vertreten Sie meine Stelle bei ihm, stehen Sie ihm mit Rat und Tat zur Seite, und wenn Sie das nötige Vertrauen in seinem Charakter gefunden haben, dann gewähren Sie ihm das Glück, nach dem er schon lange lechzt, daun schenkest Sie ihm die Hand Ihres Kindes."
„Vater!" rief Erich glückselig und küßte ihn auf beide Wangen, dann stürzte er hinaus, um, berauscht vor Freude, der Reihe nach die Geliebte, die Gräfin, seine Mutter, Ern« und auch Leutnant Vladoj in die Mme zu schließen.
„Mein lieber Major", sagte indes Graf Stepenaz, „wir könnten uns gar keinen tüchtigeren Mann für unser Kintz


