Ausgabe 
21.12.1904
 
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feine Aufmerksamkeit erregte. Die Sonnenstrahlen hatten das kleine Wasser noch nicht erreicht; glatt und kristallklar tote ein Spiegel lag es da. Plötzlich schoß ein leichtes Boot vom Harne her hinaus und brach die glatte Fläche in ein Geriesel glitzernder Wellen. In dem Boote saß Merrick mit einem Manne, den Skott nicht erkennen konnte, weil er dem Hause den Rücken zukehrte; er schien ein Fremder zu sein. Sie hielten nach kurzem Rudern, einige Schritte vom Ufer entfernt, an und warteten ab, bis die Oberfläche wieder glatt geworden war; dann spähten beide, über den Bootsrand gebeugt, aufmerksam in die Tiefe. Kurz darauf ließen sie behutsam ein Schleppnetz nieder.

Skott lächelte über die Schlauheit des Detektivs, der die frühe Morgenstunde dazu benützte, um nach dem Gegenstand zu forschen, den der Kutscher ins Wasser geworfen hatte.

Tann kleidete sich Skott, der das Boot unverwandt be­obachtete, hurtig an, verließ das Haus und eilte durch das Gebüsche dem See zu. Ms er den Rand des Haines erreichte, sah er, wie das Boot, langsam dahingleitend, das Netz schleppte, und.bemerkte auch den Stalljungen, der, halb ver­deckt vom Gesträuch, den Vorgang mit lebhaftem Interesse verfolgte. Unbemerkt nahm Skott seinen Beobachtungs­posten am Fuße einer Ulme, deren Zweige beinahe den Boden berührten, ein.

Inzwischen war es heller Tag geworden, immerhin war es,ab er noch so früh, daß eine Störung durch andere picht zu befürchten stand.

(Fortsetzung folgt.)

Karl Schmidt'sGeistliches Liederbuch."

Eine Weihnachtsgabe für das musikalische Haus.

Es gab eine Zeit, die Zeit der ungeteilten Einheit der Kirche, wo das reich bewegte religiöse Innenleben unseres Volkes es als pine Fessel empfand, seine Herzensfrömmigkeit in ureignen Heimatsweisen nicht ausdrücken zu dürfen; und es gab wieder eine Zeit die der großen protestan­tischen Bewegung und Begeisterung wo dann das neu gefundene geistliche Lied als frischer Quell dem reichen Borne deutschen Geistes- ;unb Gemütslebens entsprang und nicht nur in Kirchen und Schulen, sondern auch in Häusern und Werkstätten, Märkten, Gassen und Feldern ertönte.

Außerhalb der Kirche ist dieses Bedürfnis unserer Zeit abhanden gekommen. Nur verborgen, fast verschämt erklingt hier und da in einem musikalischen Hause ein geistliches Lied. Und doch wäre es zu Nutz und Frommen unserer Nation, wenn ihm gerade in der Privaterbauung wieder eine dauernde Pflegestätte erobert, die natürliche Beziehung der Kunst zum Leben wiederhergestellt, wenn es ins Herz unseres Volkes wieder eingeführt werden könnte.

Von diesem Gesichtspunkte aus ist eine Neuerscheinung des Büchermarktes zu begrüßen/die berufen ist nach dieser Richtung hin günstig M wirken. Es ist:

Karl Schmidts Geistliches Liederbuch für das musikalische Haus". Mit gutem Geschmack, klarem Verständnis, kühnem, aber glücklichem Griff hat der Heraus­geber T r. Kar l Schmidt in unserer Nachbarstadt F r i e d- b e r g aus dem reichen Schatze des altkirchlichen, des litur­gischen und des protestantischen Glaubens liebes, sowie aus den Werken der .klassischen und romantischen Meister Lieder des allgemeinen christlichen Lebens ausgewählt und in 144 Nummern als Begräbnis-, Buß-, Klage--, Trost-, Morgen- und Abendlieder, Lieder des Dankes, des Gottver­trauens, der Sehnsucht, Hoffnung und Entsagung zusammen­gestellt. Die Fülle des Gebotenen und seine Mannig­faltigkeit, die den verschiedenen Momenten, in denen das fromme Gemüt von dem göttlichen Leben berührt und er­griffen wird, Rechnung trägt, ist allein schon eine beachtens­werte Leistung. Dazu kommt nun noch ein hervorstechender, neuartiger Charakterzug des Buches: Der Herausgeber hat Liedern Aufnahme gewährt, deren Form und Gefühlsstyl für gewöhnlich als weltlich betrachtet wird. Er hat Recht darin getan, weil .einerseits die ausschließliche Betonung des Kirchlichen manchem .frommen Gemüte nicht genügt und weil andererseits diesen Liedern mit ihrer tiefen Ge­mütsfeier eine Beziehung auf das Heilige und Höchste nicht abgesprochen werden .kann. (Nr. 49, 50, 53, 57, 61, 63, 66, 67, 68, 69, 75, 76, 83, 87 u. v. a.)

Durchweg hat man an der edlen Weihe und' Reinheit der Gesänge seine Freude. Za, selbst in solchen Liedern> die

in Text oder Melodie einen etwas allzustarken Grab der Simplicität nicht leugnen können, packt bei liebevollem Ver­senken in Wort und Weise einer überholten Zeit die ein­fache Tiefe (Nr. 53, 61, 67, 105, 107).

Tie Klavierbegleitung ist leicht bis mittelschwer und bietet einem mittelmäßigen Spieler keinerlei Schwierig­keiten.

Soweit Bearbeitungen und Harmonisierungen älterer Lieder in Betracht kommen, sind verschiedene unserer musi­kalisch-ästhetischen Gefühle durch Benutzung der modernen Kunstmittel nähergerückt, ohne indessen dadurch Geist und Charakter der alten Musik zu stören. (Nr. 8, 8 a, 10, 15, 19, 20.)

Mit ganz besonderer Freude wird nian die kleine Blütenlese wenig bekannter und wenig zugänglicher Lieder von Ph. Eman. Bach, dessen Bedeutung auf dem Gebiet« des geistlichen Liedes kaum bekannt ist, begrüßen.

Der historischen Treue hat sich der Herausgeber mit großer Gewissenhaftigkeit befleißigt, Manchmal vielleicht zu ängstlich, wie z. B. mit der Beibehaltung der unserem heutigen Geschmack widerstrebenden alten Manieren (Nr. 44, 45, 46), somie der Fermaten, die zuweilen geradezu irre­führen können (Nr. 32, 35, 36), da sie hier, entgegen denen in der Figuralmusik, dock)! nur ein kurzes Absetzen im Gesang bedeuten. Hier hätten vielleicht kurze Beistriche bessere Dienste getan. Berücksichtigungswerter wäre in dieser Be­ziehung die Kenntlichmachung des Bachschen Satzes durch fetteren Truck für diejenigen Lieder gewesen, denen, wegen ihrer veralteten, dünnklingenden Begleitungsform, Füll­noten beigegeben wurden.

Tie dem Werke vorausgeschickte kurze und treffende historische Uebersicht ist geeignet, Interesse für das ge­schichtliche Studium des geistlichen Gesanges zu wecken'..

Tas Werk, bei .Breitkopf und Härtel erschienen, verdient die weiteste Verbreitung und kommt gerade zur rechten Zeit, um als Weihnachtsgabe in den Kreis einer jeden musikalischen Familie seinen Einzug zu halten.

Leopold Geller.

Etwas zum Knacke«.

Parenüsfe oder brasilianische Kastanien, die man gegen- toärtig wieder in Menge in unfern Delikatessenläden findet, sind, so schreibt man uns, die Samen eines 3040 Meter hoch werdenden Baumes, der zur Pflanzenfamilie der Myrtengewächse gehört und den wissenschaftlichen Namen Bertholletia excelsa führt. Seine Heimat ist das ungeheure Ländergebiet, das sich zwischen dem Amazonenstrom und dem Orinoko Südamerikas ausdehnt. Er bildet dort ganze Waldungen, während er in anderen Teilen des tropischen Amerikas häufig eingepflanzt wird. Tie schwarz­braunen, holzigen Früchte haben die Form und Größe von Kanonenkugeln älteren Kalibers. Oben befindet sich ein kreis­runder Teckel, der in der Reife mit lautem Kn.all aufspringt, worauf die dreieckig geformten, hartschaligen Samen unsere Parenüsfe zu Boden fallen, wo sie von den Eingeborenen gesammelt und nach den nächsten Hafenplätzen verkauft werden. Zur Zeit der Reife hallt der Wald wieder vom Bersten der reifen und dem Gekrach der durch das Geäst des Urwalds schla­genden, schweren Früchte; das Ernten soll deshalb nicht ganz gefahrlos sein. Jede Frucht enthält 2535 und mehr Nüsse. Tie nicht aufgesprungenen Früchte werden mit Beilen auf­geschlagen. Tie leere Frucht dient als Trinkgefäß, weshalb der Baum bei den Indianern .,Topfbaum" genannt wird. Die großen, weißen Kerne schmecken angenehm nach Mandeln. Da sie sehr ölreich sind, werden sie, wenn sie älter werden, ranzig und ungenießbar. In Brasilien benützt man sie zur Bereitung eines vorzüglichen Oeles, das zum Brennen, sowie für ver­schiedene technische Zwecke Verwendung findet.

Neben der PareNuß wird noch eine andere exotische Nuß, die Erdnuß oder Erdmandel, angeboten. Sie stammt von einer krautartigen, etwa spannenhoch werdender: Pflanze, Arachis pogdea, die zu den Schmetterlingsblütlern gehört. Von den gelben Blüten entwickeln sich stets nur die, unten am Boden be­findlichen. Tie oberen bleiben taub. Nach dem Verblichen graben sich die jungen Schoten 68 Zentimeter tief in die Erde ein. Tie Erdnuß wird in allen tropischen und halbtropischen Ländern seit uralten Zeiten angebaut. Ihre eigentliche Heimat kennt man ebenso wenig wie die unserer Getreidearten. Tie länglichen weißgelben Hülsen enthalten meistens zwei rötliche Samen. Sie schmecken etwas nach Mandeln und werden von den Südländern gern genossen. Bei uns dürfen sie kaum viel Verehrer finden, denn sie haben einen eigentümlichen, faben Beigeschmack. Man bereitet Ms ihnen das Katjengöl, das dem besten Olivenöl gleich 'geschätzt wird und in neuerer Zeit viel­fach zur Fabrikation von Kunstbutter Verwendrmg findet.

Tie beste Nuß für den Weihnachtstisch bleibt immer noch untere Wallnuü wenn iie nickt durch Schimmelpilze oder