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Das H-effameni des Aanfuers.
Kriminalroman von A. M. B a r b o n r.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.»
Während dieser Erklärung Verschloß er die Tür und dann — an seinem Schreibtisch Platz nehmend — fuhr er fort:
„Nun, mein junger Freund, ich erwartete Sie eigentlich schon eher, denn ich schmeichle mir, die menschliche Natur genugsam zu kennen, um zu wissen, daß es nur sehr wenige gibt, die eine Gelegenheit versäumen, etwas zu erfahren, das ihre Interessen fördert und ihre Stellung im Leben verbessert."
„Das mag für gewöhnlich so fein", entgegnete Skott kühl, was aber mich betrifft, so schmeicheln Sie sich doch etwas zu viel, wenn Sie glauben, ich wäre mit der Erwartung hierher gekommen. Sie könnten mein Interesse fördern oder meine Stellung irgendwie verbessern."
„Hm — nun, das bliebe abzuwarten. Ich glaube mich aber nicht zu täuschen, wenn ich annehme, daß ein junger Mann Ihres Schlages nicht ohne Ehrgeiz ist."
Hobson hielt inne und sah seinen Besucher lauernd an, da jedoch keine Antwort erfolgte, sprach er weiter:
„Ich könnte hinzufügen, daß ich wahrscheinlich in der Lage bin, einem jungen Mann mit so ehrgeizigen Plänen, wie es die Ihrigen find, einen großen Beistand zu leisten."
„Sprechen Sie doch nicht immer von meinem Ehrgeiz, ich bin mir gar keines besonderen Ehrgeizes bewußt."
„I bewahre — einen besonderen will ich ihn auch nicht nennen, aber Sie hatten doch die Absicht, nicht länger als nötig Herrn Mainwarings Sekretär zu bleiben. Das war doch ein gewisser Ehrgeiz, und zwar ein sehr lobenswerter, und für mich besonders bewunderungswürdig durch die schlaue. Vorsichtige Art und Weise, womit Sie Ihre Pläne zu verwirklichen strebten. Dies hat mein Interesse für Sie erregt. Ich glaube mich in der Lage zu befinden, Ihnen gerade für Ihr Unternehmen jene Informationen und Ratschläge geben zu können, die Sie brauchen, um zu einem sicheren Erfolg zu gelangen, und deshalb habe ich Ihnen meine Hilfe angeboten."
Skott, der nicht recht erkennen konnte, ob Hobson aufs Geratewohl gesprochen hatte oder wirklich etwas von seinem Geheimins witterte, antwortete anscheinend verwundert:
„Ich verstehe weder, worauf Sie siü> beziehen, noch woraui sich die Schlüsse gründen, die Sie gezogen zu haben scheinen."
„Nicht? — Nun, dann werden Sie mir die Bemerkung erlauben, daß eine derartige Vertrautheit mit der Privatkorrespondenz Herrn Mainivarings, wie die Ihre, doch unschwer die Schlußfolgerung zuläßt, daß Sie mit allem Vorbedacht gesucht haben, gewisse Vorkommnisse aus dem früheren Leben Ihres Prinzipals kennen zu lernen, um diese zu Ihrem Vorteil auszubeuten."
„So, das meinen Sie! Ta werden Sie aber die Ungereimtheit Ihrer Vermutung sogleich erkennen, wenn ich Ihnen f age, daß mir diese Vorkommnisse schon längst bekannt waren, ehe ich in Herrn Mainwarings Dienst trat; trotzdem habe ich jedoch niemals irgend welchen Gebrauch davon gemacht."
„Vielleicht", erwiderte Hobson mit Betonung, „ist Ihre Kenntnis der Dinge nicht vollkommen genug gewesen, um Ihnen, wenn Sie damit hervorgetreten wären, einen sicheren Erfolg zu verbürgen?"
Unbewußt nahm sein Gesicht in Erwartung der Antwort einen lauernden, gespannten Ausdruck an. Skott merkte das und erwiderte "im Tone völliger Rückhaltslosig- feit:
„Ta täuschen Sie sich. Meine Kenntnis von den Handlungen Hugh Mainwarings würde jedenfalls für ein Vorhaben, wie Sie es mir unterlegen, die nötige Sicherheit geboten haben."
Hobson schüttelte den Kopf. „Machen Sie mir gegenüber doch keine Ausflüchte. Zweifellos verfolgten Sie doch einen Zweck bei Turchsuchung der Privatbriefschaften, uni welch anderer sollte denn der gewesen sein, als persönlichen Nutzen daraus zu ziehen? Nein, mir machen Sik nichts weiß! Aber es ist auch jetzt noch nicht zu spät, auch jetzt könnten Sie mit den Waffen, über die itE), verfüge, einen sehr gewinnreichen Kampf führen."
„Aber ich bitte Sie, wenn ich bis jetzt nichts Derartiges versucht habe, scheint eg mir doch töricht und ganz aussichtslos, es nunmehr noch wagen zu wollen", sagte Skott nut der Harmlosigkeit eines Menschen, der jedem guten Rate zugänglich ist.
Hobson nahm sogleich ein vertrauliches Wesen an, und seinem Besucher etwas näher rückend, flüsterte er:
„Sehen Sie, Herr Skott, das ist es gerade, weshalb ich Sie gern sprechen wollte. Ich weiß mehr von der Sache, als Sie auch nur ahnen können, und als ich merkte, daß Sie ein Spielchen spielten, da kam mir der Gedanke, Ihnen ein Kompagniegeschäft vorzuschlagen. Nun handelt es sich vor allem um gegenseitiges Vertrauen. Was wissen Sie also von der Angelegenheit, auf die sich die von Ihnen aufgefundenen Briefe beziehen? Ich setze voraus, daß Sie sämtliche zwischen Herrn Mainwaring und mir gewechselten Briese gelesen haben."
„Gewiß habe ich das."
„Schön — ich will Ihnen glauben. Aber, Sie werderk mir zugeben, Herr Skott, daß diese Briefe in sehr vorsichtigen Ausdrücken abgefaßt waren und — vielleicht mit Ausnahme von einem oder zweien — keinerlei Andeutung über die Art des in Frage kommenden Geschäftes enthielten. Bemerken möchte ich auch noch, daß die genaue Abschrift des beiderseitigen Briefwechsels in meinem Besitz ist und daher niemals jemand versuchen dürfte, eine Angabe zu machen» die nicht darin steht."


