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Sie. Seien Sie also vernünftig und nehmen Sie die Sache von ihrer besten Seite."
„Es gibt keine beste und keine gute Seite daran! Ich bin ein schwaches, albernes, rührseliges Ding gewesen. Ich habe mich von meinen Verwandten, die mich gern los sein wollten, und von Mrs. Thorold, die ihre eigenen Zwecke befolgte, beeinflussen lassen. Sie sehen, wohin es mich geführt hat. Nie wieder soll mich jemand beeinflussen!"
„Sie wollen also meinen Rat, den einer älteren Sckwester, nicht annehmen?" Ihre Stimme bebte.
' „Nein, niemals. Sie selbst haben gesagt, daß Watty schwach, hinterlistig und feig ist. Ich bitte Sie, wie könnte ich ihn achten?"
„Aha, richtig!" rief sie höhnisch. „Ihnen schwebte ja ein anderes Ideal vor, aber das ist unmöglich!"
„Auch Watty ist unmöglich!" Meine Wangen brannten.
„Nun, meine liebe Miß Ferrars, ich hoffe, daß Sie wenigstens keinen übereilten Entschluß fassen. Kann ich vielleicht Ähre Pläne erfahren?"
Ja, hatte ich denn überhaupt fchon Pläne gemacht? Noch lag meine Zukunft in undurchdringlichem Dunkel vor mir.
(Fortsetzung folgt.)
Der Khemann, seine Erziehung und Behandlung.
Von einer Frau.
Im Bücherschrank der jungen Hausfrau prangt so manches Werk, aus dem sie nützliches lernen kann; das sind Kochbücher, Ratschläge für rationelle Kinderpflege, Bücher über Blumenzucht, über Musik und Malerei u. dgl.; — aus all diesen kann oder soll sie sich weiterbilden. Niemand aber scheint es eingefallen zu sein, die Frauenwelt Darüber zu belehren, wie die Männer richtig zu behandeln sind. Dieses Thema, doch unstreitig eins der wichtigsten im Haushalte, ist in der Familienbücherei nicht vertreten. Wie" sie den Mann zu nehmen hat und wie sie für ihn sorgen soll, das zu lernen, bleibt der jungen Ehenovize ganz allein überlassen, wobei sie naturgemäß reckst viel Lehrgeld zahlen muß. Hunderte scheitern kläglich daran, wenn sie mit ungeübter Hand ihr Fahrzeug zwischen all den unbekannten Klippen und Stromschnellen hindurch steuern sollen — unzählige jung verheiratete Frauen schiffen sich ohne Karte und ohne Kompaß ein und ahnen nicht, daß sie dem Untergang ihres Eheglücks entgegentreiben.
Wie kommt es wohl, daß die große Kunst, den Wann richtig zu behandeln, nicht beizeiten gelehrt wird? Niemand dürfte doch in Abrede stellen, daß ein gut Teil Geschick und Feingefühl dazu nötig ist. Und dennoch geht eine Generation von klugen, erfahrenen Frauen nach der anderen dahin, ohne ihren Töchtern die so nötigen Ratschläge zu erteilen, wie sie mit dem „Herrn und Gebieter" umzugehen haben.
„Ist man erst verheiratet, dann lernt sich das ganz von selbst, so behauptet wohl das junge Mädchen, wenn es die Erfahrung machen muß, daß der Verlobte nicht urinier fügsam ist, sondern gegen die feste Hand opponiert, die ihn nach ihrem Willen lenken will. Ist man erst älter und klüger geworden, dann weiß man sehr wohl, daß es bedeutend leichter ist, einen Mann nach seinen Wünschen zu leiten, mit dem man nicht verheiratet ist. Höchst wahrscheinlich ist schon Mutter Eva in den verhängnisvollen Irrtum verfallen, daß eine Frau ganz ohne weiteres hierin das Richtige trifft, und vielleicht war dieser Irrtum eins der schädlichsten Produkte des Gartens Eden. Jedenfalls soll von allen Frauen einzig der Französin die betreffende Gabe schon in die Wiege gelegt sein.
Tie Turchschnittsgattin wird es schon nach krnxer Ehe inne, daß sie darin viel zu lernen hat, und in den meisten Fällen wird sich bereits in der ersten Zeit das Bedauern regen, keine Vorstudien dazu gemacht zu haben. Die Männer sind so unendlich verschieden und lassen sich nicht nach der Schablone behandeln.
„Was soll ich mir die Mühe nehmen, meines Mannes Eigenheiten zu studieren! Das Verständnis kommt schon von selbst." So hört man häufig reden. Wer in häuslichen Dingen geht nichts „von selbst"; man muß alles am richtigen Ende an greifen. Nicht umsonst gab die Natur dem Ewig-Weiblichen zwei köstliche Gaben mit: Takt und
Anpassungsvermögen. Es gibt wohl kaum ein weibliches Wesen, dem diese Eigenschaften von Haus aus fehlten — aber nicht jede weiß diese zur Vollkommenheit zu entfalten. Naturanlagen wollen ebenso gut gepflegt sein wie Gartengewächse — andernfalls werden die zarten und edlen Triebe von den unedlen überwuchert.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß es Sache der Frau ist, ihren Mann richtig zu behandeln und damit ihm und ihrer Ehe die beste Seite abzugewinnen. Es ist dies sogar die Hauptaufgabe ihres Lebens, mag sie es auch »ft nicht einsehen; die Französin bleibt dessen stets eingedenk, nird obwohl sie selten aus Liebe heiratet, selten sich den Gatten selbst wählen darf, so setzt sie dennoch ihre ganze Energie daran, ihre Ehe so befriedigend wie nur irgend möglich zei gestalten — auch wenn diese nichts anderes ist als ein zu gegenseitigem Nutzen begründetes Kompagnie geschüft. Daher kommt es, daß die Französin mit Recht für die klügste Frau Europas gilt. Der Durchschnitts f r a n z o s e ist nur ein kümmerlicher Repräsentant des männlichen Geschlechts. Zum großen Teil dankt es Frankreich der Energie und Tüchtigkeit seiner Frauen, daß es noch besaht und auf eine so bedeutende Vergangenheit zurückblicken kann. Je minderwertiger die Männerwelt ist, um so anerkenneirs- werteres leisten die Frauen, die es so gut verstehen, sich damit abzufinden.
Verträglichkeit, gute Kameradschaft, Freundschaft — im Grunde genommen die Hauptbedingungen einer guten Ehe — findet man in Frankreich in hohem Maß« zwischen Ehegatten, und zwar ist diese Tatsache der Frau um so höher anzurechnen, als sie sich, wie gesagt, ihren Lebensgefährten meist nicht selbst gewählt hat. Die Engländerin ist häufig der Meinung, daß es sehr schwierig sei, einen Hut zu garnieren, sehr leicht dagegen, mit einem Manne auszukommen. Ihre französische Schwester weih gcmz genau, daß eins wie das andere eine Kunst ist, die geübt sein will, aber auch der Mühe lohnt — und somit zupft und glättet sie an dem „Herrn der SchöPsmV" mit derselben Geschicklichkeit herum wie an dem Bande, aus welchem sie für ihren Hut eine unimchahmliche Schleife konstruiert.
Wer Land und Leute nur oberflächlich kennt, urteilt meist ganz falsch über den häuslichen Sinn der Franzosen. Tatsache ist, daß aus der ganzen Welt keine Frau es sich mehr angelegen fein läßt, ihr Haus behaglich zu machen, als die, Französin. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und Paris ist nicht ganz Frankreich, Der Tourist, der durch den Bois de Boulogne fährt und die vielen auf- geputzten Varietä-Divas und andere ihres CckMges sieht, wird denken: „Die Französin hat kein Gemüt, sie lebt nur für die Toilette"; aber man geb« sich doch die Mühe, diese Frau eingehend kennen zu lernen; sie wird es in mehr als einer Hinsicht lohnen, und man wird bald dahinter kommen, daß sie Meisterin ist in ber Kunst, ihrem Gatten das Leben angenehm zu machen, daß sie eine vorzügliche Hausfrau ist und ihr ganzes Sein in dem Wunsche gipfelt, an ihrem Teil dazu beizutraKen, ihre Häuslichkeit zu einer muftvygiltigen zu gestalten.
Eigentlich ist es doch eine recht ärmliche Leistung, solch schlecht assortierte, moderne Ehe! Und die Frau, welche schon zu Beginn chres Elxlebens ringe stehen muß, mit ihrem Mann sei kein Auskommen, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus. Wenn ein puuger Geschäftsmann Bankerott macht, so erregt er da-mit bei feilten gceunben wohl Mitleid, aber auch ein wenig Gerings^tzamz — man wirft ihm, und meist wohl mit Recht, Mangel an Fleiß oder an MsihäftskenntiM vor. Nun Leyt es in erster Linie in der Hand der Fran, tvaS sie ans chrvr Ghe macht; Bankerott sollte sie aber jedensinls nit^t machen. Bei einem jeden Nnternehnten muß früstverstLudL-ch mit unvermeidlichen Nackenschlägen geredettet werden, tatter zehn Ehen würden indessen neun ganz sicherlich zum Guts« sns- schlagen, wenn die Kontrahenten sich der Esche mit eben soviel Eifer und Hingabe widmeten, tote sie dies beispielsweise bei ihren Vereinen tun. S« ost hört man seitens der Frauen darMer klagen, daß ihnen so viele Berufszweige verschlossen seien — sie vcraefjeit dabei, daß das allerwichtigste Ge8), die Pflege des hamMchen Herdes, ihnen fast uneingefH^inkt gehört. Skamn begehrt mut di« Frau, welcher es doch obliegt, dem Staate gute Bürger unfe brauchbare Menschen zu erziehen, sür sich bett Posten eines Polizisten oder eines RegiemnsMemmeWerSr


