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Ich! bin feige.
*
liches geschahen.
*
die Verantwortung.
große Furcht, schreiben konnte ich
Worte:
und warten. !
Jedoch dann geschah's... t a
Es waren gerade viele Leute in der Villa; denn Frascatr bat jetzt season. Die Torlonia sind hier, die Aldobrandcm, Gracioli, und viele andere. Man lebt jetzt hier in Pau oder Baden. Auf Tusculum soll demnächst im griechischen Theater Komödie gespielt werden. Ich hoffe, Assunta Nerr kommt dazu her. .
Also • es war viel Welt bei uns, und auf der Pmien- wiese fand ein fete champetre statt. Ich hatte die schönsten Mädchen und jungen Männer ausgesucht, in das alte, prächtige Frascatanerkostüm gesteckt und ließ unter den Pinien Saltarello tanzen. Die Sarkophage waren mit frischen Rosen gefüllt, in denen große Scheiben Eis aufgestellt wurden. Hier soupierte Man an kleinen Tischen.
Es war wirklich sehr hübsch. , r
Die Fürstin M. . . . war da. Schrieb rchs Dir, daß diese Dame meinen Prinz-Gemahl unwiderstehlich findet? Ich schrieb es Dir wohl nicht? Es ist ja auch so gleuh- giltig. Stelle Dir vor: Madame la Prmcesfe ließ sich sogar von Monsieur le Prince Smaragde schenken —
Außer diesem famosen Paar befand sich trt der Gesell-
Gott stehe mir bei! Ich übernahm *
Wie das gekommen ist?
Ich schrieb ihm nicht: ich hatte zu
Ich! dachte immerfort daran; aber
das an mir sich vollziehen soll? Vielleicht schauderte nur, weil ich an keine Wunder für mich mehr glaube.
Oder kam es, weil er so ganz anders ist als alle Männer, die ich kenne? Weil ich vielleicht einen anderen Mann gewissenlos vernichten könnte, nur nicht diesen Mann! Weil seine Stirn der Genius geküßt hat, sodaß es em Sakrileg sein würde, wollte ich seinen Mund küssen: nicht um ihn zu erlösen, sondern zu vernichten .
Ich weiß es nicht — nichts weiß ich! Ich muß erst Wieder zu mir selbst kommen. Ich muß mich erst erforschen, muß ergründen, ob ich — Dina, Tina! ob ich die Beantwortung übernehmen darf?
Ich höre Deine feste, klare, kalte Stimme nur antworten:
„Nein!"
" *
Die ganze Nacht wachte ich, wollte denken, überlegen, beschließen und kam zu keinem Entschluß.
Sein Licht brannte nicht.
Als der Morgen graute, schrieb ich ihm.
Ich bat ihn, mir Zeit zu lassen.
Ich sehe und höre nichts von ihm. Jeden Morgen, wenn die Kammerfrau zu mir ins Zimmer tritt, erwarre ich, daß sie sagen wird: ... „ ,
„Imaginez-vous, madame: le comte de la Villa rai- conieri, vous savez, le monsieur avec la grande passion, s’est tu6 cette nnit!“
La grande passion —
Wie diese Person das r schnarrt und das s zischt!
„La grande passion“ —
Erinnerst Du Dich des Eindrucks, den die Phrase damals auf mich machte? Und jetzt - jetzt höre ich,immerfort, immerfort mit dem geschnarrten r und dem gezischten f r
„La grande passion! La grande passion!“
Und jeden Morgen erwarte ich, daß meine Kammersrau mir mitteilt: es sei in der Villa Falconieri etwav Eiusetz-
ihm nicht.
Und unablässig dachte ich an ferne
„Du kannst mich erlösen, oder vernichtens
Es war so seltsam! Daß ich die Macht besaß, zu vernichten, wußte ich wohl — welche Frau weiß es nicht? — daß ich! aber auch eine arme Menschenseele erlösen tonnte, hatte ich nicht gewußt. „
Einem einzigen Menschen „alles" zu sein, wünschte ich? Jetzt konnte mein Wunsch sich erfüllen! In einer einzigen Empfindung groß zu sein, sehnte ich mich? Jetzt konnte ich meine Sehnsucht stillen ... Und jetzt graute nur's vor meiner eigenen Macht, jetzt fürchtete ich mich bor nur selbst. Undich schrieb ihm noch immer nicht, ließ ihn warten
Eine Mondaine zu sein und nichts anderes als eine I Mondaine, ist doch eigentlich etwas Jammervolles. Selbst die große Mondaine macht die Sache nicht besser. Als Mondaine geboren werden, als Mondaine lebeii, sterben und sich begraben lassen; und was zwischen solcher Geburt und solchem Tode liegt — mir graut's!
Assunta Neri ist ein großer Mensch; andere Frauen sind | große Malerinnen, Schauspielerinnen, Dichterinnen. Oder sie sind große 'Emanzipierte. Wiederum andere — ja, was sind andere Frauen sonst noch? I
Sie sind groß als Gattin, oder groß als Mutter, oder- groß als Geliebte, oder groß als Weib. I
Ich möchte gar keine große Künstlerin sein, wäre ich nur als Weib etwas weniger klein. .L I
Worin könnte ich ausschließlich in meiner Weiblichkeit groß sein? c j
Als Gattin nicht, auch nicht als Mutter; dann also I Eine große Leidenschaft! Eine große Leidenschaft! „
Wenn ich einem Menschen alles sein könnte — würde | ich dann nicht auch ein einziges Mal leben, ehe ich sterben I muß?
Und ich soll so bald sterben müssen! I
Wie aber, wenn auch diese eine mich verzehrende Sehn- i sucht nur der gierige Wunsch nach Sensation wäre?
*
Der Prinz hat eine neue Maitresse, mein junger Held bleibt fort und hat sich — mit einem anderen Leibe getröstet.
Auch Cola Campana läßt sich nicht blicken.
Die Madama soll abgereist sein — ganz plötzlich!
Was bedeutet das? . . - Und warum kommt er auch jetzt nicht?
Sollte er sich fürchten? Sollte er — !
Ich schrieb Dir, daß er wirklich gar nicht so alt sei. Aber weißt Du auch, woher es kommt, daß er mit seinen vollen fünfundvierzig Jahren noch gar nicht so alt ist?
Seine Jugend ist früh, sehr früh eingcschlafen: durch einen bösen Zauber verhext. Als verzauberte Märchenprinzessin ruht sie eingeschlossen in seiner Seele, unter lanter, lauter Dornen. Tie grauen Stacheln werden duftende Blüten treiben und die Prinzeß wird aus ihrem Todesschlafe erwachen, wenn — Cola Campana auf den Mund geküßt wird.
Es kommt freilich darauf an, wer ihn küßt.
Es müßte merkwürdig sein, die schlummernde Jugend in dieser Mannesseele zu wecken. Er würde dann gewiß wieder ein Dichter werden, vielleicht sogar ein großer Dichter.
Ja! Es müßte wunderbar sein. . .
Dina, Tina! Ich beichte Dir meine Sünde, meine Gedankensünde: „mea culpa, mea maxima culpa!" Bin ich sehr schuldig? Kannst Du mir meine Gedankensünde verzeihen?
Keine so leicht wie diese!
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Heute kam er zu mir und sagte:
,jDu kannst mich erlösen, oder vernichten."
Er sagte es ganz ruhig. Ich hatte auch! gär keine Furcht. Es durchschauerte mich nur im Allertiefsten. Mir war es, als wäre ich eine große Souveränin und die Richter legten in meine Hände ein Todesurteil; und wenn ich das Blatt unter schrieb, mußte ein Mensch sterben.
Es war solche Verantwortung, die er in meine armen kleinen Hände legte.
Nun weiß ich sehr wohl, daß eine Mondaine keine Verantwortung zu tragen hat: weil sie keine Verantwortung übernimmt. Eine echte Mondaine legt niemals Rechenschaft ab: weder Gott noch sich selbst. Was man Gewissen zu nennen pflegt, dieses Organ wird von einer solchen Dame gar nicht gekannt, also gar nicht besessen.
Dennoch durchschauerte es mich.
Eine echte Mondaine läßt sich lieben, nimmt einen Liebhaber und verläßt einen Liebhaber. Sie beseligt kurze Zeit und macht für lange Zeit unselig. Sie bringt ins Irrenhaus, treibt zum Selbstmord, zur Schande und — bleibt eine echte Mondaine.
Und trotzdem diese Schauer!
Bin ich besser und stärker, als ich selbst weiß? Will ich eine Verantwortung übernehmen? Will ich erlösen und nicht vernichten? Oder will ich durch seine Erlösung mich selber befreien; und graut mir's nur vor dem Wunder,


