756

Wien viel gesprochen nnb die Sache nicht recht glauben wollen. Mir ist sie von einem Tat- und Augenzeugen verbürgt."

Wkihnachtsküchcr.

EinB u ch f ü r K i n d e r. Gespräche.über Entstehung von Pflanzen, Tieren und Menschen. Bon Tr. med. Friedrich Sie­bert. 176 S. München, Seih u. Schauer. Obgleich man meinen sollte, jeder hätte eilt sozusagen vitales Interesse daran, die Vorgänge, die mit seiner Entstehung zusammenhängeu, möglichst genau kennen zu lernen, ist es doch eine betrübende Erfahrung, dass sonst sehr gebildete Menschen hierin die allergrößte Ignoranz zeigen. Jeder Versuch, hier Wandel zu schaffen, ist daher von vornherein zu begrüßen. Aut rationellsten wird ohne Zweifel eine Besserung herbeigeführt werden, wenn in jüngeren Jahren mit der Belehrung begonnen werden kann. Aus solchen Erwägungen heraus ist das vorliegende Buch entstanden. Sein Verfasser ist so radikal, zu meinen, schon Kinder von 10 bis 12 Jahren sollten im staube sein, zu verstehen, was er ihnen vorträgt. Er behandelt in sieben Kapiteln die Zelltheorie, die Lehre von der Konju­gation und von der Befruchtung, gibt eine Darstellung der Be­gattung, der Embryonaleutwicklung und des Geburtsaktes; dazu fügt er einige kleinere Exkurse aus der Deszendenz- und Selek- tionstheorie und streut, über das Ganze verteilt, allerhand ethische Betrachtungen ein. Ein Kind wird das gut gemeinte Buch wohl kaum mit Ruhen lesen; es wird nicht im stände feilt, den Stoff zu bewältigen und sich ein auch nur einigermaßen klares Bild von den Vorgängen zu machen. Der Verfasser hat es auch gefühlt, daß seinBuch für Kinder" nicht für Kinder ist. Er schiebt deshalb die Eltern als Interpreten ein, und er tut sehr recht daran. Tos Buch scheint so gemeint zu sein, daß die Eltern es ihrent Kinde vorlesen und erläutern. Dazu gehört freilich ein Anschauungsmaterial, das für Laien schwer erhältlich ist. Tie Illustrationen des Buches reichen dazu nicht aus. Immerhin verdient das Buch, von verständigen Eltern mit Vorsicht benützt zu werden zum Besten des wichtigsten Wissens ihrer Kinder.

Frau en. Novellen von H elene Christaller. Ju­genheim a. d. Bergstraße, Sueviaverlag. 1904. br. 1.50 Mk. Tie sec^ Novellen dieses Bändchens beschäftigen sich alle mit Frauenschicksalen und geben Blicke in das Seelenleben und die Hingebungsfähigkeit der Frau. Frauenlieben und -leiden zwingt uns hier zum Miterleben; man liest die Erzählungen nicht ohne Bewegung und gleichzeitig werden Gedanken in uns angeregt, die uns verlocken, ihnen weiter nachzudenken. Es steckt ein tiefer Ernst in dem Buch, eine sittliche Persönlichkeit. Um so überraschender berührt es, daß die Verfasserin in einer schalk­haften KinderskizzeEtwas Lebendiges" auch eilten reizenden Humor verrät. Das Buch ist ein passendes Geschenk für gebildete Frauen und gereifte« junge Mädchen. Die Verfasserin ist eine geborene Hessin.

Werden und Vergehen. Eine Entwicklungsgeschichte des Naturganzen in gemeinverständlicher Fassung von Carus Sterne. Sechste neubearbeitete Auflage herausgegeben von W i l- 6 e 1 in Bölsche. Mit zahlreichen Abbildungen im Text, vielen Tafeln usw. Vollständig in 40 Lieferungen ä 50 Pfg. oder in zwei Bänden ä 12.50 Mk. Verlag von Gebrüder Bornträger in Berlin SW. 11, Dessauerstraße 29. Wenige Bücher haben die Weltanschauung der Gebildeten und Bildungsbeflisseuen so stark revolutioniert, so mächtig beeinflußt, wie Carus Sternes geist­volles BuchWerden und Vergehen". Immer wieder wendet sich das Interesse aller Denkenden diesem Buche zu. Es ist uns eine aufrichtige Freude, mitteilen zu können, daß von der neuen Auflage, der sechsten, der erste Band dieses in seiner Art klassi­schen Werkes abgeschlossen vorliegt und ein Urteil über die Be­arbeitung durch Wilhelm Bölsche erlaubt. Zweifellos hat die Verlagsbuchhandlung eine glückliche Wahl in der Person gerade dieses Bearbeiters getroffen. Bölsche hat sich mit seltenem Takt und feinem Verständnis seiner Aufgabe entledigt. So steht das Werk wieder auf der Höhe und bietet wie kein anderes in geradezu glänzender Darstellung ein umfassendes einheitliches Gesamt­gemälde der Weltentwickelung. Fügen wir noch hinzu, daß sich dem inneren Werte auch eine vortreffliche äußere Ausstattung anschließt, so erscheintWerden und Vergehen" als ein Werk, das sich «auch in Zukunft als die sichere Basis einer inodernen Weltanschauung erweisen wird." In allen deutschen Familien, in denen man nach Licht und geistiger Freiheit ringt, verdient das schöne Werk eine der ersten Stellen in der Hausbibliothek.

Kleine Bibliothek Band 76: Lieber Simpli- cissimus. Dritte Folge. Hundert Anekdoten. Umschlagzeich- nuug von F. von Reznieek. Ladenpreis geh. 1 Mk. Verlag von Albert Langen in München. Auekdotensammlungen gibt es ja sicher genug, aber sie machen meistens einen trübfeligen Eindruck, einerseits wegen der Witzlosigkeit des größten Teils ihres Inhalts, andererseits der literarisch unmöglichen Einkleid­ung ihrer Witze und ihrer mangelhaften Truckausstattung wegen. Hier bekommen wir ein elegant ausgestattetes Bändchen in die Hand, das viel geistreiche, treffende Pointen enthält, und dabei sind diese kleinen Geschichtchen geschickt abgefaßt und in einem Deutsch geschrieben, das jeder Kritik standhalten kann.

Hier kann man wirklich eine Weile lang von Herzen lachen, ohne sich nachher dessen schämen zu müssen, daß man gelacht hat, oder sich verwundert zu fragen, . warum man gelacht habe.

Fedor von Zobeltitz: Dem Wahren, Edlen, Schöne n. Ein Großstadtroman. Verlag von Fleischel & Co. Preis 5 Mk. Ter Roman eines Berliner Theater bans. Zobeltitz führt uns in das bunte Milieu der Künstlerwelt und der Steife, die sich um diese gruppieren, in denen man sich feiten zu langweilen pflegt und die durch ihre eigentümliche Mischung von Gesellschaft und Zigeunertum interessant werden. Ter Hauptreiz der Lektüre liegt in der Darstellung, in der Schilderung groß­städtischen Lebens und Treibens, der Fülle der Figuren, in der Ausgestaltung der Charaktere.

Ralph Waldo Emerson. Von (seinem Sohne) E. W. Emerson. Autorisierte Uebersetzuug von Sophie v. Hartou. Brosch. 3.50 Mk. I. C. C. Bruns' Verlag, Minden i. W. Zwanzig Jahre nach feinem Tode ist Emerson heute eine Biacht in unserem geistigen Leben geworden und eine stetig wachsende Gemeinde schart sich um das Evangelium der Harmonie, das durch ihn in leuchtenden Worten verkündet worden ist. Emerson ist eine überragende Erscheinung unserer Zeit. So wird denn diese der Feder seines Sohnes entstaminende Biographie von seinen Freunden mit Freude begrüßt werden. Diese Lebens­beschreibung darf den Anspruch erheben, die innerlichste und intimste zu sein und wie keine andere tiefe Blicke in das Leben und die Gedankenwelt Emersous zu eröffnen. In lebensvoller Klarheit tritt Emerson dem Leser aus diesem Buche seines Sohnes entgegen, leuchtend im sonnigen Glanze geistigen Höhen- tums, groß im ruhigen Tahinschreiten durchbie Tinge des All­tags. Das Bild eines Mannes, der im Reiche des Geistes tiefe Spuren gegraben hat, mit einem Herzen voll Güte ist es, was diese Blätter in milder Schönheit enthüllen.

Die illustrierte allgemeine Geschichte der Literatur von Gustav Karpel es, die in neuer! Auslage im historischen Verlag 53 a um gärte» er­schienen ist, hat große Vorzüge. Das Werk ist fesselnd, auch für den Laien, geschrieben und enthält alle nennenswerten lite­rarhistorischen Ergebnisse mit Berücksichtigung aller neuesten wissenschaftlichen Forschungen. Dabei ist die Darstellung trotz des vielseitigen Inhalts knapp und klar, und das Buch kann dem Fachmann sowohl wie allen, die mit Literatur zu tun haben, die besten Dienste leisten. Tie Literaturen aller Länder, auch der An­tike, sind mit gleicher Sorgfalt und Liebe behandelt. Besonders interessant wird das Werk, durch die zahlreichen authentischen Illustrationen, die es enthält Sämtliche Literaturgrößen werden in guten Bildnissen dem Leser vorgeführt, auch viele Hand­schriften, zum Teil Reproduktionen berühmter Originale, wieder- gegeben. Ter Verfasser hat sich mit diesem wertvollen Werk große Verdienste um die Vermittlung des großen Gedankens der Weltliteratur erworben, der noch nicht allzu lange im Volk Wurzel gefaßt hat. Tie treue Darstellung der orientalischen Lite­ratur ist besonders eine hochinteressante Lektüre. Bei der recht eingehenden und erschöpfenden Behandlung der neueren Literatur hat der Verfasser einen feinen Geschmack und ein treffendes Urteil bewiesen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist diese Literaturgeschichte fortgesührt, die in drei Bänden ein Werk dar­stellt, dem bei seinem ersten Erscheinen sogleich große Auerkeun- ung gezollt wurde. Die äußere Ausstattung ist vorzüglich.

Kunst.

Die Aquarellfarben drucke aus dem Ver­lag von Troivi 151 ch n. Sohn, Frankfurt a.O. erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die Sammlung der mit großer. Treue und Feinheit reproduzierten Meisterbilder hat neuerdings einen sehr wertvollen Zuwachs erfahren in SchenkersWin ter tag". Dem kunstgeübten Auge wird auf diesem großen Kunstblatte auch nicht der leiseste Fehlgriff in der Farbenharmonie begegnen. Die fein ab­getönten Farben, das Weiß des Schnees, das Rotgelb der durch das bewölkte Firmament durchbrechenden Abendröte sind tadellos reproduziert; die Stille des Flusses, seiner steinernen Brücke und des malerischen Häuschens daneben geben dem Bilde großen Stimmungswert.

Fehl-Rätsel.

Nachdruck verboten.

Unter Hinzufügung der Silbe ri als zweite sollen aus nach« neheuden 33 Silben 14 Worte gebildet werden. Wie lauten diese? a as ba bar da de de e e e ent fa fu ki ka ka ku la ma me no o o o pe ri sa spi ton tur tur tus u us

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Bier-Reise in vor. Nr.

Erlangen.

Redaktion: August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lange, Gießen,