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Gin angenehmes Gröe.
Humoristischer Roman.
Von Victor von Reisner.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Das sagten wir ihm auch gleich!", erklärte Lladoj in voller Arglosigkeit, „übrigens möchte rch mir erlauben, mich morgen nach dem Befinden der Herrschaften zu erkundigen, das heißt, wenn to) nicht befürchten muß, zu stören."
In seiner eigentümlichen Situation witterte Erich in dem Nachsatz einen unausgesprochenen Argwohn, und um diesem sofort entgegenzutreten und dadurch jedem Verdacht von vornherein den Boden zu entziehen, beeilte er sich zu versichern: „Sie werden uns stets willkommen sein."
Dann brach er, trotzdem ihn Vladoj nicht so schnell sor.tlassen wollte, auf und ritt alsbald zum Städtchen hinaus. Das Gehörte beschäftigte ihn ununterbrochen, und er überlegte ernstlich, ob er den Eltern von des obersten Wahrnehmung, die vielleicht doch nur auf einer Verwechslung beruhte, überhaupt Mitteilung machen sollte.
Es tat ihm leid, sie noch mehr zu beunruhigen, andererseits mußte er sich aber sagen, daß sie das Recht hatten, die volle Wahrheit zn erfahren.
Bet Szabos schlechtem Charakter war von seiner Rachst fucht das schlimmste zu befürchten, und schon deshalb war es angebracht, mit dem Vater sofort und ohne jeden weiteren Aufschub die ■ nötigen Schotte zur Verfolgung des Entführers zu beratschlagen.
Dem Pferde die Sporen in die Weichen drückend, jagte er eiligst nach Hause.
Seme Nachricht war fiir Mama, trotzdem er sie ihr auf die schonendste Weise beibrachte, von niederschmetternder Wirkung.
„Sieh, liebe Eveline, Erna ist doch schließliche kein Kind mehr", suchte sie ihr Gatte in ihrer Verzweiflung aufzurich- ten, „er wird sie unter irgend einem unauffälligem Vorwande mitgelockt haben, und leichtsinnig, wie sie nun einmal ist, hat sie nicht bedacht, welche Angst und welche Sorgen sie uns dadurch! bereitet. Hat sie ihn aber erst durchschaut — und dieser Moment muß ja auch schon eingetreten fein ' : dann wird sie sich! sicher von ihm freizumachen und uns zu verständigen wissen."
„Daran glaubst Du ja selbst nicht", jammerte sie.
„Wenn ich es nicht glaubte, wiirde ick» es doch, nicht sagen", entgegnete er etwas unsicher. „Uebrigens will ich sofort alle noch in Betracht kommenden Stationen depeschieren und zwar mit bezahlter Rückantwort, da ja das Kind Wahrschentlich keinen Heller bei sich hat."
> //Falls sich der Oberst aber doch getäuscht hat, was immerhin möglich ist", gab ihm Erich zu bedenken, „so
erschien
schicken. _ . . „
„Oh, dieses verfluchte Erbe", tobte der Ma;vr in sinnloser Wut, „nichts als Verdruß, Merger und Aufregung hat es uns gebracht." „ c ,
„Und nun noch obendrein diese Schande! stöhnte die Mutter unter verzweifeltem Weinen.
Erich war mittlerweile fertig geworden und las daA Geschriebene den Eltern vor.
„Es ist gut", erklärte sich. Herr von Höchstseld mit der Fassung einverstanden, „sorge für sofortige Bestellung."'
Im selben Augenblick, als Erich davonstürzen wollte, ~ jien der Landbriefträger mit einer Eildepesche in der
bringen wir unnötigerweise die ganze Gegend in Marnt und hängen die Sache dadurch selbst an die große Glocke."
„Oh, du himmlischer Vater", stöhnte Frau von Höchst- feld händeringend, ,/>as ist ja wahr; aber wir können doch nicht völlig untätig bleiben >- irgend etwas muß doch geschehen." . .
„Daß ich daran nicht schon längst dachtet rief der Major plötzlich aus, „der Kutscher, der ihn nach der Station fuhr, wird uns ja am ehesten sagen können, ob Erna mitgefahren ist öder nicht. — Hole ibn sofort herein." Erich stürzte davon und kehrte gleich mit dem Gesuchten zurück.
„Du hast den Herrn Inspektor zur Station gefahren?"' erkundigte sich Herr von Höchstfeld mit nur schwer bewahrter äußerlicher Ruhe.
„Jawohl, gnädiger Herr", bestätigte dieser devot.
„Und das gnädige Fräulein war auch dabei?"
„Wir trafen sie 6et der Brücke, wo sie! fischte", berichtete der Bursche eingehend. „Herr von Szabo stieg ab und sprach mit ihr — was sie geredet haben, weiß ich freilich nicht. Ich sah nur, daß sie freudig in die Hände schjlug, das Angelzeug wegwars und ihren Strohhut aufsetzte. Dann kam sie mit ihm herauf, setzte sich ganz vergnügt in be« Wagen und bestieg mit ihm auch das abgehende Schiff."
„Und Du gottvermaledeiter Esel", fuhr ihn Herr von Höchstfeld wütend an, „konntest Du das nicht sofort melden, als wir das Fräulein suchen gingen?"
„Eh, Herr, ich mag wohl ein Esel sein", meinte der Bauer demütig, „aber da ich erst jetzt nach Hause gekommen bin, so konnte ich doch gar nicht wissen, daß ^zhr sie sucht, und es auch nicht früher melden,";
„Wieso kommst Du erst jetzt nach Hause?!" stellte ihn Erich zur Rede. .
„Eh, Herr, der Herr Inspektor hat mir doch befohlen, bis sieben Uhr an der Station auf seine Rückkehr zn warten und erst, wenn er bis dann nicht, zurückgekomMen et, sollte ich langsam nach Hause fahren."
„Wir stehen also tatsächlich, einem Schurkenstreich dteses elenden Menschen gegenüber", ries Herr von Höchstfeld entsetzt, und den Burschen entlassend, durchmaß er in heller Aufregung das siimmer.
Erich setzte indessen die notwendigen Depeschen auf, um diefe sofort Mittelst reitender Boten in die Stadt zu


