Ausgabe 
17.12.1904
 
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seine Wünsche geheiratet hatte. Baid darauf starb der alte Herr ans Gram darüber, und nicht lange nach dem Tode des Vaters kam Harold auf dem Meere um."

Hinterließ er Kinder?""

Ich habe nie etw-as davon gehört; aber selbst wenn er Kinder gehabt hätte, würden auch sie enterbt worden sein, denn Onkel Ralph war ein harter Mann und erlaubte sogar nicht mehr, daß Harolds Name vor ihm genannt wurde. Auch Hrrgh muß gänzlich mit seinem Bruder aus­einander gekommen sein, denn auch er duldete nie, daß dieser in seiner Gegenwart erwähnt werde."

Nach beiderseitigem Schweigen sagte Skott:Ich glaube, Hugh Mainwaring fühlte sich nicht glücklich.""

Ta haben Sie recht. Ich werde nie die letzten Worte vergessen, die er zu mir am Abend vor seinem Geburtstag sprach: Mein Junge', sagte er, ,mögeft du, wenn du mein Alter erreicht haben wirst, auf eine glücklichere Ver­gangenheit zurückblicken können, als ich es zu tun vermag'. Ich bin fest überzeugt, daß dieses Weib, die La Grange, hier dahinter steckt, und sie wird wohl ganz sicher auch die Anstifterin all des jetzt geschehenen Unheils sein."

Tas Gespräch drehte sich nunmehr eine lange Weile um das Geheimnis, das die letzten Ereignisse einhüllte. Alle darüber ausgetauschten Mutmaßungen brachten die beiden jungen Männer aber keinen Schritt der Lösung näher. Als sie sich spät iit der Nacht trennten, sagte Hugh Maini- waring:

Mein erster Besuch in diesem Lande hat mir ganz sonderbare Erlebnisse gebracht, und Gott weiß, wie alles enden wird; auf eines aber werde ich immer mit Freude zurückblicken, und das ist, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben. Ich hoffe, daß wir von dieser Stunde ab Freunde sein und es für alle Zukunft bleiben werden, wenn uns auch der Ozean voneinander trennen sollte!"

Beide reichten sich die Hand, Statt sprach dabei ernst: Ja, das ist auch mein Wunsch; sind Sie aber nicht etwas sehr sanguinisch? Bedenken Sie, wie wenig wir voneinander wissen und unter welchen Umständen wir uns kennen- lernten. Die Zukunft Lunte doch noch manches offenbaren, was mir Ihre jetzt so warm angebotene Freundschaft wieder entziehen könnte.""

Nein, wen ich einmal in mein Herz geschlossen habe, der bleibt auch drin. Ich bin Ihr Freund, und was auch kommen möge, ich werde zu Ihnen stehen, das sollen Sie sehen!"

Nun, so sei es denn, Hugh"", erwiderte Skott, gerührt den jungen Engländer umarmend.Seien wir Brüder. Ich dante Dir und hoffe, Tu wirst halten, was Tu qe- sagt hast,""

(Fortsetzung folgt.)

Plaudereien aus der Kaiserstadt.

(Nachdruck verboten.)

Vom Biüethandel. Theater parse. Ter Noland von Berlin.

Eines der schlimmsten Uebel im Theaterleben der Großstadt das angcblia) leider nicht auszurotten ist, zeigt sich im Billett- yandel, zumal bei jenen Theatern, die einen starken Zuspruch von auswärtigen Besuchern aufweisen. Man kommt beispiels- wepe an die Tageskasse des Metropoltheaters, in dem man jetzt e-ne Folge von Theaterdekorationen usw. mit etwas dramati- lcmm Aufputz und nicht immer selbsterfundenen witzigen Pointen gwt und man möchte sich zu diesem schönen Ragout einen guten Ptatz für d?n folgenden oder überfolgenden nächsten Tag sichern afcr verbindliche Oestreich«, der an der Kasse sitzt, zuckt indessen o:e stutzen schultern und bedauert unendlich. Es ist von den gewünschten Plätzen nichts mehr zu haben. Alles schon vcr- gmyen Für heute, für morgen, für übermorgen und weiter ,,^re Herren von Maxim" so heißt nämlich der neueste Schlager dieses bestgelegenen Berliner Theaters üben eben xme Anztehungsbmft aus. Nur wenn man kurz vor

der Vorstellung ore Behrenstraße passiert, merkt man, daß diese Anz-e^mgskrast MeMrch auf Leute wirkt, die garnicht die Ab- Iicht Haben, slchdre Herren von Maxim"" anzusehen. Tenn er!a§rt mrtn. w einem halblaut, beinah freund- chastlrchen Ton, daß man euren ganz ausgezeichneten Platz, erste Rerhe Äer zwMe Rerhe,^ denselben, den man vor drei Tagen bestellen versucht hat, für ein kleines Aufgeld von nur zn-er Marl manchmal auch etwas mehr von dem Wackern raiL erlÄ2-F,m- Das ist ein organisiertes Geschäft mit gewrssenhafter Buchstlhrung und zahlreichem Personal. Und alle ^ersuche diesem parasitischen Getriebe ein Ende zu machen, l5e.r gescheitert. Auch die Intendanz der Königlichen^ Theater hat tm vorigen Jahre durch veränderte Ein­

richtungen im Billetverkauf einen Anlauf genommen, den dunklen Existenzen das Handwerk zu legen: vergeblich, wie der Diens­tag abend mit seiner Leoncavallo-Premisre deutlich gezeigt hat Es war übrigens ein Rekord, den die Zähigkeit dieser Geschäfts­leute dabei aufgestellt hat. Schon am Sonntag abend iiämlich standen vor der Theaterkasse unter den Linden Männer und Jünglinge, um Queue zu bilden bis zum andern Bormittag, wo die wenigen für den Verkauf an das Publikum verfügbaren Plätze zu haben sein sollten. Eine lange Dezembernacht hindurch haben die Herrschaften geduldig gewartet und ihren Platz in der Reihenfolge behauptet, um die diesmal besonders kostbaren Billets zu ergattern. Und es war der Mühe wert. Tie Preise gingen fabelhaft in die Höhe, sodaß Enthusiasten zuletzt für 100, ja für 200 Mark nicht mehr in der Lage waren, einen Parkettsessel zu erwerben. Der Kaiser hatteTheater parse"" be­fohlen. . Dieses Parade-Theater verlangt von den Zuschauern Ballkleidung, von den Damen sogar ausgeschnittene Toiletten, eine Vorschrift, deren Befolgung Exzellenz Hülsen streng über­wachen läßt, sodaß bei der letzten dieser Gelegenheiten Damen im geschlossenen Kleide, mochte es auch noch so elegant sein, mit höflichem Bedauern von bin Logenschließern nach Haus geschickt wurden. . Man hatte sich diese Lektion gemerkt, wie die lieben Berlinerinnen ja für alles ein williges Ohr haben, was mit Touettensragen zusammenhängt und zur Bereicherung des Kleider- fchrankes beizutragen vermag. Und Ruggiero Leoneavallo konnte sich nicht beklagen. Es war ein blendend festliches Haus, was seiner zehnjährigen Arbeit, dem endlich 'vollendetenRoland von Berlin" zum ersten Male lauschte. Zehn Jahre find eine lange I Zeit. Aber man muß auch den Apparat bedenken, der allein dazu nötig war, aus dem prächtigen Roman von Willibald Alexis einen Text zu schneidern, über den sich der märkische Dichter in seinem thüringer Grabe sicher umgedreht hat, sofern ihm nach dem kleinen Friedhof in Ariistadt, wo er neben der Marlitt seine Ruhe gefunden, Kunde von diesem italienischen salat geworden sein sollte. Leoneavallo versteht nämlich nicht deutsch und traute sich wohl auch nicht Talent genug zu, diese Barbarensprache zu erobern. Ter Alexis'sche Roman mußte ihm also zunächst erst in sein geliebtes Italienisch übertragen werden, woraus er bann, das Material zu seinem Textbuch schöpfte. Erst dann kam die Arbeit des Komponisten. Und als diese voll­endet war, lag natürlich eine italienische Oper vor, deren Text wiederum von einem Opernfachmann ins Deutsche übersetzt wurde. Von märkischer Erde kann sonach wohl kaum ein Hauch in diesem mit starkem äußeren Beifall aufgenommenen Werke zu spüren sein. Tie den Zuschauer immer in Spannung erhaltende bunte Handlung ist, wie schon angedeutet, sehr willkürlich gestaltet, und hat mit den Vorgängen, wie sie die Geschichte kennt, wenig mehr zu tun. DerRoland von Berlin"" könnte ebensogut in einer süddeutschen oder italienischen Stadt spielen. Branden­burgisches ist außer den Namen der Handelnden Personen nichts darin. Natürlich ist der Kampf der Städte gegen den Kurfürsten im Sinne jenes Wappens am neuen Rolcmdbrmrnen, das den Berliner Bären in den starken Fängen eines Adlers zeigt, glori­fiziert. Der aufständische Bürgermeister, den bei Alexis die stürzende Rolandsäule erschlägt, sagt bei Leoneavallo Pater peccavi und Jung Henning, der tapfere Geliebte des Bürgermeistertöchter­leins muß sterben. .Wollte das Leoneavallo, um von der Scha­blone abzuweichen, oder um einen dramatischen Höhepunkt für seine Musik zu schaffen, die seineBajazzi"" in keinem Akte über­trifft, aber manchmal deutlich wiederholt? Es wird eine geraume Zeit dauern, bis das endgiltige Urteil über dieses mit so viel äußerem Pomp inszenierte Werk feststeht. Am materiellen Erfolg ledoch, der, wie so oft, davon unabhängig ist, wird cs dem Maestro inzwischen nicht fehlen. Die Leiter verschiedener großer Opernbühnen haben nach der Premisre schon die Verhandlungen eingeleitet, um denRoland von Berlin"" auch auf ihren Brettern erscheinen zu lassen. Ter Kaiser hat beit Komponisten mit dem Kronenorden 2. Klasse ausgezeichnet und seiner Gattin ein Schmuckstück überreicht. Das Publikum ist in Verzückung geraten und hat, ehe Leoneavallo in fein Hotel fuhr, vor dem Opern­hause eine begeisterte Huldigung improvisiert. Wer trotz alledem mußte ich an Spontini denken, der im gleichen Haufe einst noch viel reichere Lorbeeren geerntet, während Karl Maria von Weber mit seiner Freischützpremisre ins Schauspielhaus abgeschoben wurde. Gasparo Spontini, der Günstling der höfischen Kreise jener Zeit, ist längst ein toter Mann; aber die deutsche Musik des damals über die Achseln angesehenen Dresdener Meisters hat sich Unsterblichkeit errungen. . . . A. R.

WerhnachtsSücher.

Christkind. Bilder und Lieder von Paul Mohn und Karl Gerok. Verlag von Greiner u. Pfeiffer in Stuttgart. Preis 3.50 Mk. Jesu Kindheit wird hier in 13 großen Kartonbildern dargestellt: von Mariä Verkündigung an bis zn der Eltern Flucht nach Aegypten. Es sind Bilder liebe­voller Kleinmalerei. Tie heilige Geschichte spielt nicht in der dem kindlichen Denken fremden morgenländischen Welt, sondern im Heimatlande. Die Knaben barfuß in kurzen Hosen, mit blonden Haaren und roten Pausbacken, die Mädchen mit langen Zöpfen, in bunten Röckchen und weißen Schürzchcn: das sind