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Die Einteilung des Monatsgeldes.
Für die junge, noch unerfahrene Frau ist es besonders schwierig, mit dem monatlichen Wirtschaftsgelde ausznkommen und dabei allen, deut Einkommen des Haushaltes nach berechtigten Ansprchen gerecht zu morden. , Einen allgemeinen schema- tischen Weg zu zeigen, auf welchem rinnt dieses Rätsel leicht und befriedigend zu lösen vermag, das geht nicht gut an, schon weil dabei eine Menge individueller Besonderheiten des einzelnen Haushaltes ausschlaggebeitd sind.
Tas beste System der praktischen Einteilung des Haushaltungsgeldes ist immer wieder dasjenige der Abteilung in besondere Kassen für besondere Ausgaben. Strenge Festigkeit gehört allerdings auch hier dazu, um die einzelnen Kassen nur üt den allerhöchsten Notfällen zu anderen als ihren Besttmmungszwccken anzugreifen.
Tie Klage ist allgemein, das; die Gehälter nicht mehr reichen wollen; mait hört so viel von Mehrausgaben, sogar von Schulden, das; es schon angebracht erscheint, der Frage, wie man sich am zweckmäßigsten und nützlichsten seinen Budgetverhältnissen anpassen kann, näher zu treten. Tie alten preußischen Generale, welche noch mit dem ehemaligen bescheidenen Kommißvermögen einen Hausstand gründeten, allen Ehrenausgaben und Standes- ansorderungen gerecht wurden, dabei vier bis fünf Söhne für die Armee in den gleichen Grundsätzen erzogen, auch noch Töchter hatten und doch mit dem Ihrigen auszukommen vermochten, sie bedienten sich zu ihrem schwierigen Rechenexempel des Kassensystems und befanden sich allem Anscheine nach am besten dabei; denn diese Art der Berinögeuseinteilung kann man in diesen Kreiselt heute noch oft finden.
Anfangs, als utir das Verständnis für den Wert dieser Einrichtung twch nickst aufgegangen war, mußte ich imtiter lächeln, wenn meine Vettern und Schwäger jeden Ersten ihre zwölf- bis fümfzehnerlei Kassen hervorbrachten, um jede mit einem bestimmten Scherflein zu speisen. Tie bestgenährte und hungrigste war natürlich immer die Haushaltungskasse; roetnt sie beispielsweise 100 Mark bekam, so gab man ihren Kolleginnen, den Kassen für bestimmte andere Bedürfnisse, für Unvorhergesehenes, für Vergnügungen, Geselligkeit kleine Beträge von 30, 20 Mk. Für Versicherungen, für Geschenke ttahm man ebeitfalls besondere Mvnatszuschüsse an. Ter Reisekasse floß auch einiges zu; für Hauszins kam der Vermögenszins an die Reihe, und so waren alle Ausgaben das Jahr hindurch strenge geregelt; der Ebbe in einer Kasse half dan>t der Ueberschuß in einer andern wieder aus. Trotz guter pekuniärer Verhältnisse wurde so eingeteilt, daß ant Schluß des Monats alles stimmte, uitd man nicht mit einem Manko in den neuen Monat hinüberkam.
Tas Wieviel für jede Kasse hängt von der Gesamteinuahme und den Lebensgewohnheiten ab und muß darum ausstudiert werden. Mißgriffe ergeben sich ja da klar gleich nach einigen Monaten. Sieht man, daß der Haushalt zu teuer geleitet ist, daß man trotz Ueberlegung und Sparsamkeit zn viel braucht, so zeigt die eine oder andere zu stark angezogene Sonderkasse gleich den Ziveig, für welchen zu viel verausgabt wird, und man braucht nicht erst zu suchen und sich den Kopf zu zerbrechen, auf welcher Seite mehr eingezogen werden muß.
Auch für bescheidene Verhältnisse ist durch diese Einteilung doch eine. Erleichterung bei den größeren Sonderausgaben zu schaffen; _ denn kommt hier z. B. eine Rechnung, eine Krankheit oder sonst eine größere Zahlverpflichtung, so ist dann doch schon ein kleiner Fonds Zur Begleichung in der für diesen Ausgaben- zweig, bestimmten Kasse.
So lehrt diese einfache Methode nicht nur strenge Ordnung in sämtlichen Vermögenssachen, sondern auch die Kunst, mit bescheidenen Mitteln bei vernünftiger Einteilung und Bescheidenheit der Ansprüche den verschiedensten Bedürfnissen gerecht zu werden. _ Ta man nie deit ganzen Geldvorrat beisammen hat und vereinigt sieht, so fällt auch ein Teil der Gefahr weg, welcher viele Frauen immer wieder unterliegen, nämlich: der Unklugheit, mit vollen Händen auGugeben, so lange die Kasse gefüllt ist, statt am ersten, wie am letzten jede Ausgabe gleich sorgsam, gleich weise auf ihre Notwendigkeit zu prüfen.
Wie vielerlei Kassen zu halten sind und für welche Ztvecke sie zit sondern wären, diese Entscheidung muß der gesellschaftlichen, der beruflichen Stellung überlassen bleiben. Für jedett aber, für den Begüterten, wie für den über beschränkte Geldmittel Verfügendeit läßt sich aus solch konsequenter Einteilung der Lebensführungskosten die kaufmärmische Lage der richtigen Bilanz von Soll und Haben ziehen, deren Ueberblick bei der Kassenform leichter ist, als bei einer Gesamtberechrmng.
Für kleine Mittel bei vielen StandeÄmsprüchen wird das Stift ent wohl entschieden Vorteil bringet! u.ch die kleine Unbequemlichkeit der- verschiedenen getrennten Kassen gewiß bald vergessen lassen. Einen Versuch damit zu wagen, dürfte also jede sparsame Hausfrau sich schon gestatten, keinesfalls wird ihr daraus Schaden erwachsen.
vermischte».
* Hochzeit 6et der Heilsarmee. Aus Anlaß einer Hochzeit von zwei „Offizieren" ber Heilsarmee war der Haupt- iawl der Jndustriesäle zu Berlin dieser Tage von einem Publikum, das sich zum Teil aus männlichen und weiblichen Offizieren, Kadetten und Soldaten der Armee, im übrigen aber besonders aus Neugierigen zusammensetzte, von denen die meisten ein mehr oder weniger humoristisches' Schauspiel erwarteten. Sie kanten dabei aber wenig auf ihre Rechnung; denn gerade die überaus langen Zeremonien an sich waren von einer sympathisch berührenden em fielt Religiosität. Ter Generalsekretär der Armee für Deutschland, Brigadier Gauntlett verlas auf der Bühne zuerst die Bedingungen, unter denen der Kapitän Sattler mit dem weiblichen Leutnant Jenson di« Ehe einzugehen im Begriff war, wobei neben den hergebrachten Pflichten der Eheleute gegeneinander auch die gegen die Heilsamtee eingehend zur Sprache kamen. Während dann von einem Offizier die entfaltete Armeefahne über dem Brautpaar geschwungen wurde, sprachen Bräutigam und Braut einzeln dem Brigadier die langen Formeln nach, bevor dieser sie „im Namen Gottes und der Heilsarmee" als Ehepaar erklärte. Herr Gauntlett hielt darauf eine teilweise recht humoristische Gratulationsrede, die vielfach von lauten Zurufen, Trommelwirbel und Paukenschlägeu unterbrochen wurde. Auch die Neuvermählten, die fortan das neue Rettungshaus der Heilsarmee in Hamubrg leiten sollen, sprachen; aber was sie sagten, waren eigentlich nur Bußmahnungen. Im Anschluß daran begann die vom Brigadier selbst geleitete eigenartige Propagandatätigkeit der Angehörigen der Heilsarmee, während der sich allmählich 20 Personen auf der Bußbank einfanden. Ter Chorgesang: „Ach, wie ist es schön, gerettet zu fein", beendete die Feier.
* D i e freie Amerikanerin. Hat eine Frau das Recht, mit einer brennenden Zigarre im Munde in den Straßen New- Borks herumzuspazieren, und ist die Polizei berechtigt, sie in solchem Falle sestzuuehmen? Tiefe Frage mutet recht merkwürdig an, und doch ist sie jüngst durch die Verhaftung einer Tarne in Newyork aktuell geworden. Wenn es sich um eine Frage des guten Tons handelte, so gäbe es nur eine Antwort darauf. Selbst in Petersburg, wo das Rauchen der Damen etwas ganz alltägliches ist, wird aus der guten Gesellschaft keine noch so leidenschaftliche Raucherin ihre Vorliebe für die Zigarette auf offener Straße kundgeben. Für die Polizei handelt es sich dämm, ob das Rauchen der Frau aus der Straße „grober Unfug" ist, ob es eventuell einen Auflauf verursachen kann, der geeignet ist, den Verkehr zu hemmen und den Unwillen der großen Menge zu erregen. Ter Begriff des groben Unfugs kann ja niemals genau präzisiert werden; er wechselt je nach Ort und Umständen. Tie Trägerin eines Badeanzuges, der -selbst vor den Augen einer gestrengen Prüfungskommission int Heringsdorfer Familienbade Gnade findet, würde in dem gleichen Kostüm von der Strandpromenade umveigerlich zwangsweise entfernt werden. Wenn eine Fran mit der Zigarre im Munde ihre Straßeneinkäufe macht, so erregt dies zweifellos ebenfalls Aufsehen. Ob der „Unfug" so grob ist, daß er eine Arretierung rechtfertigt, muß der gerichtlichen Entscheidung Vorbehalten bleiben. Aber war es !virk- lich nötig, es erst so weit kommen zu lassen!?
* Tintenflecke entfernt man aus angestrichenem Holz durch verdünnte Salzsäure und Abreiben mit einem Lappen. Sofort darnach muß mit klarem Wasser nachgewaschen werden.
Füllrätsel.
Nachdruck verboten.
1. Weiblicher Vorname.
2. Land in Asien.
3. Führt irre.
4. Desinfektionsmittel.
5. Ungarischer Vorname.
6. Metall.
7. Altnordischer Gott.
In dte Felder vorstehender Figur sind die Buchstaben: AAA, B, D, EEEEE, G, III, J, LLL, NNNNN, 000, BRR, SS, T, U, W, Y derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen Wörter von der beiqefiigten Bedeutung bilden, während die erste und letzte senkrechte Reihe zwei europäische Staaten benennen.
Nttflösung in nächster Nummer.
Auflösung, des Bilderrätsels in vor. Nr:.
Achillesfers e.
Redaktion: Ang u st Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.


