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Million Frauen auf philanthropischem Gebiete arbeiten, einzig im Dienste ihrer Nebenmenschen. Das ist sicherlich anerkennens- und nachahmenswert.
In Holland gibt es ebenfalls schon 33 Eimelvereine, die namentlich im Erziehnngswesen und in der Sittlichkeitssrage tätig sind. „Klein aber tapfer" ist das Motto des Landes, und das haben auch die Frauen auf ihre Fahne geschrieben.
Die französische Delegierte, Mme. Avril deSt. Croix, hebt als bemerkenswerteste Errungenschaft hervor, daß die Frauen in Paris es erreicht haben, daß alle Wohnungen, welche weniger als 500 Franks jährliche Miete kosten, stets unentgeltlich desinfiziert werden; eine Einrichtung, durch welche die sanitären Zustände in Paris erheblich gebessert werden. Um immer mehr im Sinne und Dienste der Oeffentlichkeit wirken zu können, haben die Frauen Frankreichs auch die Männer auf* gefordert, ihrem Bunde beizutreten. Viktor Hugo hat gesagt: Das 18. Jahrhundert hat dem Manne gehört, das 19. gehört der Frau Frankreichs Frauen aber hoffen, daß das 20. Jahrhundert dem Manne und der Frau gehören werde.
Die östreichische Delegierte, Fran Hainisch, schildert mit großem Humor, wie in Oesterreich alles langsam geht, und folglich müssen auch die Frauen langsam fortschreiten. Sie haben ein Gesetzbuch, das 1811 gegründet wurde, Professor Unger, der bedeutendste Rechtslehrer Oesterreichs, möchte es gern zu seinem hundertjährigen Geburtstage reformieren, und die Frauen werden ihm dazu verhelfen, wenn möglich; aber ob es gelingen wird, ist eine andere Frage!
Auch die übrigen Delegierten haben noch manches Interessante mitzuteilen, das wir aber in den Einzelheiten nicht wiedergeben können. Es sei nur noch erwähnt, daß Norwegen, das kleine Land, das uns jüngst so nahe getreten ist, am 8. Januar ebenfalls einen Nationalverband gegründet hat, der vier Kreise umfaßt. Und einer derselben liegt jenseits des Polarkreises, in Nacht und Kälte, aber seine Frauen haben ein Herz, das warm ist. Und diese Frauen haben am 27. Januar an den Deutschen Kaiser ein Telegramm des Dankes und der Beglückwünschung gesandt, wie Frau Gina Krog, die Delegierte, erzählt, weil er für sie und ihre Kinder gesorgt hat, als der Brand von Aalesund ihnen alles genommen hatte. Sie schildert in ergreifenden Worten, wie diese Hilfe Segen gebracht hat und schließt mit der Versicherung, daß in solchen Wechselbeziehungen der wahre Internationalismus liege.
Vermischtes.
* Ueber Londoner Frauenlaunen wird uns aus der englischen Hauptstadt geschrieben: Immer schwieriger wird es den smarten englischen Frauen, sich anderen gegenüber an originellen Ideen hervorzutun, aber Ausnahmefälle geschehen doch. Eine junge Gattin hat es durchzusetzen verstanden, von ihrer liebevollen — in diesem Falle sicherlich schwächeren — Hälfte die Erlaubnis zur Führung eines eigenen Haushalts zu erlangen. Sie führt ein besonderes Haus und hält sich eigene Dienerschaft, eigene Wagen und das — wenige Schritte von dem Hause ihres Gatten, entfernt! Das moderne Ehepaar lebt ,auf dem denkbar besten Fuße und ladet sich abwechselnd zum Diner und Souper ein. Einige Vertreterinnen derselben englischen Gesellschaftsklasse finden dieses Eheleben geradezu ideal, und das; es Anklang gefunden hat, beweist, daß man sich bestrebt, dem gegebenen Beispiele zu folgen. Nach jenen weiblichen Aposteln wird die Liebe auf die Dauer langweilig, und eine teiltoeise Trennung frischt die alte Freundschaft wieder auf. — Ja, unsere liebe Damenwelt, wie herrlich weit sie es gebracht hat! Nicht lange wird es dauern, und die Royal Covent Garden Opera sowie die besseren Theater der englischen Reichshauptstadt werden sich zu einer Neuerung verstehen müssen, die schon jetzt als unerläßlich und dringend bezeichnet wird. Allen Ernstes hat sich die Gattin eines reichen Londoners jüngst an die hiesige Opernleitung gewandt und die Erlaubnis nachgesucht, in einer Privatloge ihre Gäste beim Souper bewirten zu können. Ihr Plan geht dahin, nach jedem Akte ein Gericht auftragen zu lassen. Wahrscheinlich wird sich die Dame einstweilen eines anderen Mittels bedienen müssen, um für ihren Reichtum Reklame machen zu können.
We MuMatten.
Frau Musika. Jean Gilbert läßt bei Julius Jäger in Berlin O. 27, Alexanderstraße 28, eine Sammlung moderner Salon- und Tanzmusik 'erscheinen, der er den Gesamttitel „Fran Musika" gegeben hat. Die erste Folge liegt uns in recht geschmackvoller Ausstattung vor und beweist, daß die Idee ganz glücklich war. Jean Gilbert führt sich mit einer Lnstspiel-Oou- verture „Thalia" ein, die sich durch Melodienreichtum und künst- lensch eführgte Harmonien auszeichnet. Paul Linckes „Freuden- tränen-Walzer" weist alle Vorzüge dieses populären Komponisten Dessaus Marsch „Kaiser-Parole" und Julius Einodshofers Polka „Neckereien" sind Konzertpiöcen, die jedem
guten Programm zu empfehlen sind. Charakterstücke eigenartigen Gepräges sind die Konzert-Gavotte „Ein Plauderstündchen" von Otto Wellmann und „In der Tropfsteinhöhle" von Robert Vollstedt. Bei beiden vermißt man Schablonenhaftes, wir begegnen vielmehr fein erdachten Harmonien und der logischen Durchsührung der gefaßten Idee. — Gustav Wanda, der Dirigent des Berliner Wintergarten-Orchesters, hat einen Walzer „Bühnensterne" betgesteuert, rassig phrasiert, in der Erfindung originell, in der Ausführung mit harmonischen Feinheiten. — Viftor Holländer, der soeben mit seiner Operette „Der Sonnenvogel" einen Erfolg hatte, gibt eine Polka franyaise „Ballet-Ratten", und Trans- lateur eine Polka „Verliebt!" Gilbert macht den Beschluß der ersten Folge mit einem Konzertmarsch „Kavallerie-Patrouille". — Diese zehn Piöcen füllen beinahe ein ganzes Konzertprogramm aus, das vor allem auch den Vorzug hätte, völlig honorarfrei zu sein. Aber auch unsere musiftiebende» Dilettanten werden an dem Ankauf der „Frau Musika" ihre Freude haben, weil die Kompositionen Geschmack zeigen und auch in engerem Familienkreis Erfolg sichern.
KesundHeitspflege.
Nervöse HungerschRerzen. Sehr verbreitet ist die Erscheinung der „schmerzhaften Magenleere", die als solche auch in den Lehrbüchern der Magenheilkunde beschrieben wird. Selbstverständlich kann das Schmerzgefühl bei leerem Magen aus einem ganz natürlichen Hunger entstehen und ist dann eher ein Zeichen von Gesundheit als von Krankhett. Anders liegt die Sache, wenn sich derartige Beschwerden schon bald nach einer Mahlzeit einstellen bezw. nur für kurze Zeit durch die Nahrungsaufnahme beseitigt werden. Daß in der Tat die Magennerven die Schuld an einer solchen Erscheinung tragen können, wird von den Aerztew zugegeben, aber man scheint nach dieser Richtung hin zu Ueber- treibungen geneigt zu sein. Dr. Franz Ehrlich aus Stettiri hat in der „Münchener Medizinischen Wochenschrift" eine ganze Reihe von Fällen vorgeführt, in denen die Nervosität durchaus nicht der Urheber der sogenannten schmerzhaften Magenleere gewesen ist. Jedenfalls wird der Arzt einem solchen Leidengegen- über vorsichtig sein müssen, denn es kann auch von Magengeschwüren ausgehen. Die Merkmale der Krankheit bestehen gewöhnlich darin, daß nagende Schmerzen im Magen gefühlt werden, die nach dem Essen sofort aufhörem aber nach ein bis zwei Stunden von neuem einsetzen. Zuweilen ft eifern sich die Schmerzen beim Gehen. Der Hinweis von Dr. Ehelich dürste dadurch einen besonderen Wert erhalten, daß er die Möglichkeit anzeigt, Magengeschwüre schon zu einer Zeit in Behandlung zu nehmen, in der sie noch durch Kuren beseitigt werden können, ohne daß der Chirurg sein Messer anzusetzen braucht. Deshalb sollte man die schmerzhafte Magenleere nicht leicht nehmen, loenn sie sich regelmäßig einstellt, und lieber bei Zeiten einen Arzt befragen. Dr. Ehrlich hat durch Kuren verschiedener Art gewöhnlich vollen Erfolg erzielt, indem er die Ursache in einem Magen- ober Darmgeschwür erkannte. Es dürfte immerhin besser sein, die schmerzhafte Magenleere unter dem Verdacht des Vorhandenseins eines solchen Geschwürs zu behandeln, als sie lediglich als nervös zu betrachten, weil sonst leicht eine Verschleppung des Leidens eintritt, bis es durch eine gewöhnliche Kur nicht mehr geheilt werden kann.
—; Unsere Frauen seien aufmerksam gemacht auf das im Verlage von John Henry Schwerin, Berlin W., zum Vierteljahrspreis von 1 Mk. erscheinende Modenblatt „Große Modenwelt" mit bunter Fächervignette. Jede litägige Nummer ist 16 Seiten stark, jeder Nummer liegt ein doppelseitiger Schnittbogen bei, mit dessen Hilfe sich jeder die Kleider selbst anfertigen kann. Unter den Moden-Genrebildern befinden sich farbenprächtige Modenkupfer. Groß ist die Auswahl der Kostüme und Hüte für Erwachsene und Kinder, sowie für jede Geschmacksrichtung; Handarbeitenbeilagen aller möglichen Techniken zieren jede Nummer. Die Große Modenwelt erfährt jetzt eine Erweiterung, indem vom neuen Quartal ab in der Belletristik neben Novellen auch Romane (in der ersten Nummer des neuen Quartals beginnt der Kriminal-. Roman „Ausgestoßen" von Jost Freiherrn v. Steinach) erscheinen. Abonnements auf die „Große Modenwelt" mit bunter Fächervignette zu 1 Mk. .vierteljährlich nehmen sämtliche Buchhandlungen ettchegen.
AmftMrittsel.
(Nachdruck verboten.)
Rahm, Reich, Ilse, Riese, Leim, Tonne, Angel, Ranke, Gans, Mais, Genua, Launem
Von jedem Wort ist durch Umstellung der Buchstaben ein anderes zu bilden. Die Anfangsbuchstaben ber neuen Wörter müssen im Zusammenhang ein deutsches Land bezeichnen.
Auflösung in nächster Nummer.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühk'schcn Univerfitats-Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.


