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dem Publikum es' ermöglichen, die Treppe zu erreichen, ohne auf die wenigen Ausgänge, welche den Gallerieraum mit der Treppe für gewöhnlich verbinden, angewiefen zu sein. Es würde dann auch> auf der Gallerte die Gefahr eines unheilvollen, die Ausgänge verstopfenden Gedränges infolge einer Panik beseitigt sein.
Tas zweite Haupterfordernis für eine sichere Entleerung bei Brandfällen ist das Vorhandensein einer betriebssicheren Beleruhtung in allen für die Entleerung des ganzen Hauses in Betracht kommenden Zuschauer- und Bühnerr- räunren. Gasbeleuchtung sollte man grundsätzlich! in keinem Theater verwenden. Gas ist bekanntlich ein brennbarer, explosionsfähiger Stoff; Lei einem Brande kann leicht eine Gasleitung zerschmelzen, wobei dann der Brand durch das aasströmende Gas bis zur Wstellung der Gaszufuhr zu immer größer werdender Heftigkeit angefacht wird. Infolge eines solchen Defektes an der Gasleitung kann die Beleuchtung in den übrigen Räumen von selbst erlöschen, man kann unter Umständen sogar gezwungen sein, die Gaszufuhr ab- zusrellen, um eine Explosion zu verhindern, und hat also bei einer Panik das Versagen der Beleuchtung zu gewärtigen, wodurch die Panik aufs höchste gesteigert und die Entleerung des Hauses sowie die Löscharbeit erschwert wird. Das plötzliche Versagen der Gasbeleuchtung hat bei dem Brande im Wiener Ringtheater einer großen Zahl von Menschen das Leben gekostet, welche in der entstandenen Dunkelheit den Weg nach außen nicht mehr finden konnten. Tie einzig zulässige Beleuchtung in Theatern, mit welcher man den höchsten Grad von Sicherheit erzielt, ist die elektrische. Neben der Hauptbeleuchtung ist eine Notbeleuchtung erforderlich, welche den Verkehr in allen für das Publikum und das Personal bestimmten Räumen im Falle der Unterbrechung der Hauptbeleuchtung stcherstellt. Tie einfachste Notbeleuchtung ist diejenige mit Kerzen. Sie ist sowohl, was die Bedienung und Instandhaltung, als was die Sicherheit betrifft, der Oel- und Petroleumbeleuchtung entschieden vorzuztehen. Bei einem ansprechenden Brande besitzt sie aber die fatale Eigenschaft, daß sie durch Rauch erstickt und dn:«ch Wasser gelöscht wird. 'Eine elektrische Notbeleuchtung dagegen leuchtet auch in dichtestem Rauche weiter und wird auch durch Wasser bei den Löscharbeiten der Feuerwehr nicht beeinträchtigt, so lange die Glühlampen nicht beschädigt und die Leitungen nicht unterbrochen werden. Ties ist für die sichere und prompte Entleerung des Hauses bei eintretender Panik sowie für die Rettungs- und Löscharbeiten bei entstehendem Brande von der größten Bedeutung. Tie Frage, wie eine elektrische Notbeleuchtung am zweckmäßigsten und betriebssichersten einzurichten ist, hat die Sicherheitskommission des Verbandes deutscher Elektrotechniker bei der Aufstellung der Sicherheitsvorschristen für elektrische Anlagen in Theatern eingehend beschäftigt. 'Ein sehr bestechender Vorschlag, welcher seinerzeit beinahe zu einer behördlichen Vorschrift geworden wäre, ist der, jede einzelne elektrische Notlampe mit einem besonderen kleinen Akkumulator zu verbinden. Alle diese Akkumulatoren sollten durch eine gemeinschaftliche Speiseleitung von einer einzigen Dynamo geladen werden; beim Gebrauche sollten die Akkumulatoren von dieser Leitung getrennt werden; und jeder Akkumulator sollte nur ausschließlich die mit ihnr zusammengebaute Lampe während der Vorstellung speisen. Wenn also die Leitring beschädigt würde, so würden bei dieser Einrichtung die Lampen doch weiter leuchten, weil jede Lampe in ihrem zugehörigen Akkumulator ihre eigene Stromquelle hat und die gemeinschaftliche Leitung nur zur Ladung der Akkumulatoren, nicht aber zur Speisung der Lampen dient. Tiefer recht schön klingende Vorschlag leidet aber an einem Fehler, welcher ihn für Theater unbrauchf- bar macht: Ein Akkumulator ist nämlich eine Einrichtung, welche nicht nur im gewöhnlichen Sinne des Wortes einer Abnutzung unterworfen ist, sondern dessen Hauptbestandteile verbraucht werden. Es muß ständig Wasser nachgefüllt werden, und die Bleiplatten nutzen sich allmählich', aber nicht gleichmäßig und gleichzeitig ab, sodaß sie nach und nach ersetzt werden müssen. Man denke sich nun über hundert solcher Akkumulatoren verteilt in den ausgedehnten Räumlichkeiten eines Theaters, so wird man leicht ermessen können, welche Schwierigkeiten — ganz abgesehen von den Kosten — durch die ständige Kontrolle und Instandhaltung derselben entstehen würden. Man würde vielfache, wahr
scheinlich in der Regel, die Reparaturbedürftigkeit eines dieser Akkumulatoren erst aus dem mangelhaften Leuchten oder aus dem Versagen der Notlampen erkennen, und die Notbeleuchtung würde trotz der aufgeweudeten großen Mühe und Kosten doch nicht immer betriebssicher sein. Tie elektrischen Notlampen werden daher weit besser und allen Anforderungen entsprechend durch eine besondere Notleitung aus einer im Theater an einem feuersicheren Platze aufgestellten gemeinschaftlichen Akkumulatorenbatterie gespeist. Es ist zweckmäßig, diese Batterie gleichzeitig auch zur Speisung der Bühnenbeleuchtung zu verwenden. Tie; Bühnenbeleuchtung stellt in Bezug auf Betriebssicherheit nicht minder hohe Anforderungen wie die Notbeleuchtung und muI daher alljen' ftejim direkten Maschinenbetrieb möglichen Störungen entzogen werden. Dagegen ist es nicht empfehlenswert, die Hauptbeleuchtung in den Zuschauerräumen, den Bühnennebenräumen und den Verwaltungsräumen an den der Not- und der Bühnenbeleuchtung dienenden Akkumulator anzuschließen. Tie Aufstellung eines besonderen Akkumulators für die Hauptbeleuchtung würde eine unnötige und bedeutende Mehrausgabe für die Anlage sein und dauernde Mehrkosten für den Betrieb verursachen. Man schließt daher die Hauptbeleuchtung zweckmäßig direkt an oas Leitungsnetz des städtischen Elektrizitätswerkes an, und wo ein solches nicht bestehl, an eine eigene elektrische Maschinenanlage; welche aber dann in allen einzelnen Teilen eine vollwertige Reserve enthalten muß. Sehr empfehlenswert und bei den heutigen niedrigen Preisen der Akkumulatoren nicht zu kostspielig ist es, für die Not- und Bühnen- beleuchtung eine zweite als Reserve dienende Akkumulatorenbatterie aüfzustellen, welche auch ein vollständiges eigenes Instrumentarium besitzt. Man ist dann in der Lage, alle erforderlichen Reparaturen und Erneuerungsarbeiten, welche an Akkumulatoren, wie gesagt, unvermeidlich sind, an der außer Betrieb gesetzten Batterie in aller Ruhe und mit aller Sorgfalt auszusühren, während der Betrieb einer in Reparatur befindlichen Batterie in einer Theateranlage, in welcher der höchste Grad von Sicherheit erstrebt werden muß, nicht ratsam ist.
Kritische Ansichtskarten von
Oskar Blumenthal.
An Ludwig Wüllner.
Wenn Du in wildem Ueberstreben Als Sänger Deinen Ehrgeiz kühlst, Und uns im nächsten Jahr daneben Ten Manired, Faust und Richard spielst . .. Wenn Du iür Schubert bist entflammt Und Ibsen mimst im Neben-Amt...
Kurz, seh ich Dich zugleich ergeben Der Tonkunst und der Poesie, So scheint mir dieses Doppelleben Wie künstlerische Bigamie.
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Dctave Mirbeaus „Dieb".
Ein Philosoph des Dietrichs ist der Held, Ten keck der Dichter auf die Szene stellt. Er braucht die Feile und das Gauner-Eisen, Nur um soziale Thesen zu beweisen.
Und wenn er mit dem Auto sich empstehlt Nach einein Funkenspiel von witz'gen Reden, So überlistet und gewinnt er jeden — Ein Dieb, der sich in alle Herzen stiehlt.
Logogriph.
Nachdruck verboten.
Tu bist's mit r und sehr beliebt Auch in der ganzen Stadt, Und wirst vielleicht einmal gewählt Gar in den Magistrat.
Und doch, mein Freulid, mit dem Kredit Ist es ein eigen Ding, Wenn du nicht gleich mit tt es bringst Schützt man dich nur gering.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Zahlenrätsels in vor. Nr.: Maskenball. — Nelke, Selma, Kabel, Abel.
Redaktion' August Götz. —
Rotationsdruck und Verlag
der Brühl'schen UnivkrsitätS-Luch- und Cteindruckcrei. R. Lange Gießen


