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Es ist aber traurig', daß sind nun einmal sehr
entschlüpfen: , , u. .
„Überhaupt ist Herr Mariano einer der eigen ttim- lichsten Menschen, die ich! kenne."
,Me kennen ihn?"
„Allerdings — was man so kennen nennt. Wer kennt einen Menschen?" t ,, . mr
„Es ist bisweilen schwer." Und nach einer Pause, „Und es ist bisweilen gut, die Menschen wenig oder gar'
nicht zu kennen."
„Sie haben vielleicht recht- Sie recht haben können."
JBarum? Tie Menschen
menschlich, Sie freilich
"Weshalb sprechen Die nicht aus? Mtte, sprechen Sie doch! Freilich ich?'^ , ______ . ..
" Es fiel mir auf, daß ich schwer atmen mußte. ,
/ " ' (Fortsetzung folgt.).
Knechte hätten im Hofe eine Coltellata mtieutanber gehabt, wobei der eine tödlich verwundet worden sei. Als handele es sich, um das Leben seines Kindes, so außer sich stürzte Herr Mariano davon. Seine Frau gab kein Zeichen von Teilnahme, wodurch sie mich, zum Zurückbleiben zwang.
Sie saß zurückgelehnt im Sessel und blickte über das Päonienbeet, das die Fontäne füllte, in die Mondnacht hinaus. Ta sie beharrlich schwieg und mir in ihrer stummen Gegenwart immer beklommener zu Mute ward, so begann ich, in ziemlich,er Erregung von dem blutigen Vorfall, den sie mit solcher Gelassenheit ansnahm, zu reden.
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„Ganz abgesehen davon, daß dieses wilde Volk wie wütende Bestien sich aufeinanderstürzt iiiid zerreißt, scheint mir, als käme es auf ein Menschenleben mehr oder weniger in der Welt nicht viel an." ......
„Ich! weiß, daß Sie vom Leben sehr gering denken, was mir unendlich leid tut."
„Es handelt sich nicht darum, tote ich, vom Leben denke", lehnte sie meine stark persönlich ausgefallene Antwort ruhig ab. „Aber betrachten Sie doch die Existenz dieser Menschen. Sie werden in höhlenähnlrchen Wohnungen geboren, leben in Fieber und Schmutz, paaren W wie der Zufall es fügt, bringen in höhlenähnlichen Wohnungen Kinder zur Welt, laufen mit dumpfem Herdeninstintt täglich, in die Messe, essen einmal die Wachse ein etwas besseres Gericht, als von verdorbenem Mehl und ranzigem, Oel, quälen sich für niedrigen Lohn die übrigen sechs Tage und sterben in höhlenähnlichen Wohnungen, oder stechen sich bei Gelegenheit einer Tombola und eines Glases
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„Ihr Lebensbild ist grau in grau. Glücklicherweise finden die Betreffenden selbst diese Welt durchaus nicht besonders schlecht."
„Um so besser für sie."
Damit kein neues Schweigen entstand, bemerkte ich:
„Herr Mariano" — ich hätte die Worte: Ihr Mann nicht über die Lippen bringen tonten — „Herr Mariano ist, übrigens ein vorzüglicher Herr für seine Leute.
© ja!"
Ihre Stimme hatte wieder solchen seltsamen Mang, daß ich in Verwirrung geriet. Ich ließ mir die Bemerkung
Tomenioo kam und meldete Herrn Mariano: zwer. Hofe eine Coltellata miteinander gehabt, dlich verwundet worden sei. Als handele.
«Stimmung. Plötzlich sprang er auf, riß eine Blume aus der Schale und steckte sie seiner Frau ins Haar. Sie saß regungslos, mit einem Gesicht, weiß tote die Blume, und ließ ihn gewähren.
Kaum hatte er sie jedoch geschmückt, als sie langsam/ langsam die Blüte ans dem Haar zog, sie nicht fortwarf, sondern nur fallen liefe als glitte sie ihr ans der Hand.
Ich, befürchtete einen Ausbruch seines wahnwitzigen Jähzorns, vor dem ich, die Tarne, die sich, als Gast unter meinem Dache befand, geschützt haben würde und hätte ich mich, dafür von Herrn Mariano, der ein berühmter Schlitze war, niederschießen lassen müssen. Zu meinem Erstaunen blieb er vollkommen gelassen. Er sah seine Frau nur an. Es war jedoch ein Blick — Gott im Himmel, es war eiN Blick--
Boll und ruhig erwiderte ihn Frau Mariano. Mir war's sogar, als lächelte sie dabei.
Noch, niemals hatte ich, sie lächeln sehett.
Nach vielett, glücklich überwundenen Bedenken entschloß ich mich Herrn Mariano zu Tische zu bitten: ihn und seine Frau.
Wahrscheinlich! würde nur er die Einladung annehmen r— ganz sicher nur er!
Aber auch seine Frau nahm an.
Wahrscheinlich unter feinem Zwange, der, tote ich ja wußte, brutal genug fein konnte.
Tiefe Vorstellung quälte mich sehr, sodaß ich meine Aufforderung bitter bereute und schließlich in eine hochf- gradige Aufregung geriet
Um meine Gedanken abzulenken, machte ich selbst den Speisezettel, ließ in meinem Beisein mit besonderer Sorgfalt decken, auf die Mitte des Tisches eine Fülle von herrlichen Marschal-Niel-Rosen schütten, auch die Armleuchter mit Rosengewinden bekränzen, in schönen Schalen auserlesene Früchte und Konfekt aufstellen und den hohen Saal mit Lavendel-Parfüm durchräuchern.
Herr Mariano erschien im tadellos sitzenden Frack mit weißer Krawatte. Frau Mariano trug ein silbergraues Seidenkleid, wiederum sehr altmodisch und mit viel zu langer Schleppe.
Aber wie die vornehme, leuchtende Farbe sie kleidete!
Glücklicherweise hatte sie dieses Mal kein Spitzentuch Um den Hals schlingen müssen. Ich war so sicher gewesen, sie würde wieder solche schrecklichen blutroten Flecken zu verhüllen haben, daß ich wie von Angst befreit tief aufatmete und mich viel ruhiger fühlte.
«Sie trug nicht den mindesten Schmuck, und die Handschuhe in der Hand, als wäre sie zu müde gewesen, auch noch diese anzuziehen. Ta sie ihren Fächer vergessen hatte, schickte Herr Mariano sogleich sehr ungeduldig danach.
Mein Koch leistete sein Bestes. Herr Mariano vermehrte seine eigenen teuren Gemüse, mußte aber auch seine eigenen gewässerten Weine dazu trinken. Tiese kleine Bosheit hatte ich mir nicht versagen können.
Frau Mariano war ziemlich unnahbar; aber doch nicht gerade bildsäulenhast.
Mas mich anbetraf, so machte ich mit dem letzten Rest noch nicht eingebüßter Liebenswürdigkeit nach, Möglichkeit den angenehmen Wirt.
Tie Unterhaltung wurde französisch geführt, das Frau M'ariano wundervoll sprach Wenn sie nur mehr gesprochen hätte! Ter dunkle Ton ihrer Stimme machte mich in der Seele erbeben: niemals hatte ich! ein klangvolleres Frauen- vrgcm gehört. Sarah Bernhardt hatte gewiß recht gehabt: schon allein dieser weiche, ttese Wohllaut wurde eine Schauspielerin berühmt gemacht haben.
Auf die Stimme lauschend, mußte ich mir immerfort Vorstellen, wie sie Zärtlichkeit, Liebe, Haß, die ganze Skala leidenschaftlicher Empfindungen ausdrücken würde — hörte ich die zauberhafte «Stimme immerfort mit den Worten der Heldinnen meiner eigenen Tragödien zu mir reden. Bielwicht war sie unglücklicher und bedauernswerter, als manche der von mir geschaffenen tragischen Frauengestalten.
Wie jetzt die ganze Welt des Scheins weit, weit hinter mir lag: als wäre sie in einen Abgrund versunken ...
Herr Mariano sand den «Sekt, durch! den ich ihn endlich Von seinem eigenen Gebräu barmherzig erlösen liefe ausgezeichnet und trank sehr viel davon, während Frau Mariano ihr Kelchglas auch aus Höflichkeit nicht anrührte. Aber der Nachtisch schmeckte ihr, was mir eine fast knabenhafte Freude bereitete, so herzlich! gönnte ich der stummen bleich,en Frau etwas Gutes, und wenn dieses auch nur aus einer schönen Frucht bestand. Ich hätte für sie den Apfel vorn Baum der Hesperiden pflücken mögen.
Den Kaffee nahmen Wir in dem Gemach das die wunderlichen holländischen Fresken schsmücken und das auf die Terrasse mit der großen schönen Wasserschale hinaus- sührt. Ich hatte draußen Teppiche legen, behagliche Sitze aufstellen und das ganze Munn env ecken mit weißen Päonien füllen lassen.
Ter über dem Kreuz von Tusculum! aufgehende Mond beschien die lichten Wüten, deren Glanz mit den Wasserstrahlen aus der Schale herabzufließen und alles zu überrieseln schien. IN der Villa Montragone .musizierten bte Aögliuge des Jesuiteninstituts, aus Frascati drang der B; Ruf später Morraspieler herauf, von der Lander Das Schellengeläut der nachts nach Rom ziehenden r ke. „ ,
Herr Mariano befand sich durch den Sekt in zärttichpr


