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Das Hestamsni des AZankiers.
Kriminalroman von A. M. Barbour.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Während des letzten Teiles der Zeugenaussage hatten Skott und Herr Sutherland nicht allein öfter Blicke gewechselt, sondern. auch zweimal Zettel ausgetauscht, Skott war sich völlig klar darüber, daß die Angaben des Kutschers den Verdacht gegen ihn erheblich verstärkt haben mußten) er fand auch diese Annahme bestätigt, als er seine Umgebung musterte. Alles blickte ihn entrüstet an, besonders die Mainwarings. Die Augen Ralphs schossen vernichtende Blitze, der sonst so joviale, heitere Herr Thorn- ton wandte sich kalt von ihm ab, der junge Mainwaring starrte ihn mit dem Ausdruck von Verachtung an, und Fräulein Isabella maß ihn mit einem Blick hochmütigen .Abscheus.
Dieser unverkennbaren Verurteilung gegenüber stellte er die kalte Ruhe eines Marmorbildes entgegen. Wie von ungefähr begegnete sein Blick auch dem Fräulein Carleton und wurde von diesem wie von einem Zauber gebannt. Ein ganz eigenes Licht belebte Fräulein Carletorrs Augen — nicht Mitleid, nicht weichherziges Bedauern — das hätte er verschmäht — nein, was ihm da entgegenstrahlte, war vollkommenes Vertrauen. Keine Muskel in seinem steinernen Gesicht regte sich, aber seine großen, schwarzen Augen gaben Antwort. Fräulein Carleton verstand diese und sie senkte ihren Blick. Ein Lächeln huschte über ihr Antlitz.
„John Wilsou!" rief der Coroner nach einer kurzen Pause.
Ein Mann in mittleren Jahren trat langsam und gemessen vor. Er hielt wohl etwas auf sich, würde aber ohne seine auffallend scharf beobachtenden Augen einen unbedeutenden Eindruck gemacht haben.
„Sia sind Herrn Ralph Mainwarings Kammerdiener ?"
„Jawohl."
„Sie sind schon längere Zeit in seinem Deinst?"
Unter den buschigen Brauen des Mannes blitzte ein stolzes Selbstbewußtsein aus; mit Würde antwortete er: „Nahe an die dreißig Jahre. Die Wilsons dienen den Mainwarings seit drei Generationen. Mein Vater war schon Kammerdiener bei dem Vater des jetzt gemordeten Herrn Hugh Mainwaring, dem ehrenwerten Herrn Ralph Maxwell Mainwaring."
Bei diesen mit einem gewissen Pathos gesprochenen Worten horchte Skott unwillkürlich scharf auf und kritzelte, nachdem er Wilsons Gesicht einen Moment sinnend betrachtet hatte, hastig einige Worte auf einen Zettel, den er Herrn Sutherland reichte. Beide wandten dann dem Zeugen besondere Aufmerksamkeit zu.
Sein Zeugnis wich wenig von den Aussagen ab, bis. Hardy und der Portier gemacht hatten.
Als nächster Zeuge erschien das Stubenmädchen Kathi Brien, eine junge Irländerin. Sie trat sehr ruhig und sicher, auf und beantwortete die an sie gerichteten Fragen mit einer Kürze und Bestimmtheit, als wenn sie ihre Aussage reiflich erwogen und vorher einstudiert hätte.
hatten Sie die Wohnzimmer Herrn Mainwarings zu besorgen?"
„Ja."
„Auch vorgestern verrichteten Sie Ihren Dienst tote gewöhnlich?"
„Gewiß."
„Sahen Sie Herrn Mainwaring im Laufe dieses Tages?"
„Ich begegnete ihm zweimal auf dem Flur."
„Wann zum letztenmale?"
„Etwa um zwei Uhr nachmittags."
„Wann hörten Sie von seinem Tode?"
„Morgens gegen sieben Uhr. Ich fegte zu der Zeit die obere Halle und hörte auf einmal ein Hin- und Herrennen, als ob etwas Besonderes geschehen wäre. Da lief ich schnell hinaus und stieß auf den Portier, der mir im Vorübereilen zurief, der Herr wäre ermordet. Er lief durch die Bibliothek nach dem Turmzimmer, und ich folgte ihm. Tort sah ich den Herrn liegen, blieb aber nur einen Augenblick, weil es mich zu sehr schauderte."
„In Ihrer Bestürzung sahen Sie sich wohl nicht viel um, als Sie durch die Zimmer Herrn Mainwarings kamen, oder siel Ihnen da etwas Ungewöhnliches auf?"
„Nicht daß ich wüßte."
„Und später auch nicht?"
„Nein, in diesen Zimmern nichts."
„Run? Aber in anderen vielleicht?" ,/^a.
„Erzählen Sie doch."
„Als sich meine Aufregung etwas gelegt hatte, ging ich wieder an meine Arbeit. So kam ich auch in das Zimmer von Herrn Skott. Dort fiel mir verschiedenes auf; vor allem das, daß er nicht im Bett geschlafen hatte; dieses war ganz unberührt, gerade noch so, wie ich es am Abend 'vorher zurecht gemacht hatte. Dann lagen auch seine Sachen sehr unordentlich umher, und ganz gegen seine Gewohnheit hatte er die oberste Lade der Kommode verschlossen und den Schlüssel abgezogen. Dieser steckte erst wieder^ als der Herr Sekretär nach der Stadt gefahren war."
„Wann war das?"
„Nachmittags, gleich nachdem hier das Verhör beendet war."
„Sahen Sie Herrn Skott am Tage vor Herrn Mainwarings Tod?"
„Nein, ich weiß aber, daß er sich den ganzen Nachmittag in der Bibliothek eingeschlossen hatte, nachdem bis Herrschaften ausgefahren waren."


