Ausgabe 
12.3.1904
 
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filtertEr ist enthusiastisch für sein Vaterland eingenommen und sieht auf seine Nachbarn mit einer Art Geringschätzung herab. Vor allem hat das Militär Reiz für ihn, und er nimmt großen Anteil an allem, was darauf Bezug hat. Tiefe V o r l i e b e f ü r d e n Sol­datenstand herrscht in allen Klassen der Einwohner­schaft re." Charakteristisch genug für die Herrschaften, die unter das Ginem'schevon oben" fallen, fährt der betr. Sittensch Oberer fort:Tie höheren Stände genießen zwar eine sorgfältige Erziehung, haben aber trotzdem oft mehr Vorurteile als der gemeine Mann. Besonders auffallend ist ihre Vorliebe, die sich! auf alle Dinge und auf die Men­schen selbst erstreckt re." Tas erläutert er u. a. folgender­maßen:Seinen Pferden läßt er Schweif und Ohren ab- schneiden, sich und seine Leute kleidet er nach geschmack­loser, fremder Sitte, und spielt au Tracht und Geberden den Ausländer mitten unter seinen Mitbürgern, die seine Tor­heit herzlich belachen." Folgt eine Beleuchtung des Er­folges aller Ausländer, ob sie nun Pariser Köche, Tanz­lehrer oder Glücksritter sind. Bei den oberen Zehntausend haben sie infolge ihres Ausländertums immer Glück! Tie Schilderung Formeys steht nicht vereinzelt da. Es lassen sich eine ganze Reihe von Zeitgenossen anführen, ans deren Schriften und Briefen sich ein ganz ähnliches Bild ergiebt, und Herr v. Einem wird gut tun, seine schiefen Ansichten über das Bürger- und Bauerntum jener Zeit zu ändern, wenn er es mit dem Berliner von heute und änderen Leuten nicht verderben will.

Ter Hang für das Ausländische ist hier übrigens nie­mals so ' recht erstorben. Man sieht ihn nicht nur auf unseren Speisekarten mit den unausrottbaren französischen und englischen Bezeichnungen; er zeigt sich auch noch immer in der Vorliebe für echten Pommery ober Heidsieck, die unsere Herren von der Garde haben, wievieldeut­scher Sekt" auch bei Hofe getrunken werden mag, von anderen Dingen ganz zu schweigen. Eines freilich mag ihnen allen verziehen sein, die für Fremdländisches schwär- ,nen. Tas ist die große Freude an Blumen, die auch den Berliner der mittleren und unteren Stände beseelt, und die vielen Hunderten in den Wintermonaten lohnenden Verdienst gewährt. Was an Blütenschmuck aus Frankreich und Italien nach Berlin wandert und in den grauen Wintertag einen Schimmer südlicher Natnrschönheit trägt, ist ganz fabelhaft. 'Nach dem Blumenschmuck zu urteilen, den man in den Wohnungen auch der wenig Bemittelten findet, ivird es überhaupt nie Winter in Berlin. Rosen, Veilchen, Nelken, grünende Zweige, stark duftende Mimosen, werden für ein verhältnismäßig geringes Geld ans allen Hauptstraßen angeboten. Und nun kommen auch endlich- die ersten Boten des heimischen Lenzes: silbern schimmernde Weidenkätzchen, brannknospendes Birkengezweig und ähn­liches. Was für ein unerhörter Luxus jetzt übrigens bei uns getrieben wird, erfuhr ich in einem großen Blumen­geschäftUnter den Linden", wo ich Orchisblüten in ganzen Büscheln sah, von denen jede einzelne fünf und mehr Mark kosten sollte. Immerhin ist das noch mäßig gegen den Preis der -sogenanntenSonnenuntergangsorchidee", die eine tiefgelbe, lärm in- und hellrot gesprenkelte Blüte trägt und in den Urwäldern Brasiliens daheim ist. Von dieser seltenen Art kostet eine einzige Blüte nicht weniger als 70 Mark. Tiefer Preis wird aber noch übertroffen von seltenfarbigen Chrysanthemen, die manchmal bis zu 150 Mark bezahlt werden sollen. So kommt eine Knopfloch- blnme oft teurer zu stehen, als ein schöner glitzernder Orden, obgleich auch der mitunter nicht gerade billig zu erwerben sein soll. Tie Berliner Knopflochblume ist, der Vorliebe des Kaisers entsprechend, die rote Nelke. Manch vornehmer Pflastertreter gerät natürlich- durch diesen Knopf­lochschmuck bei den Anhängern Singers und Bebels, die alles Rote als ihre Domäne betrachten, in den Verdacht, die schönsten Umsturzideen mit ihnen gemeinsam zu pflegen, und manche kecke Bitte um Feuer, die ein rotbeschlipster Arbeiter Sonntags an den Herrn Baron im Tiergarten richtet, hängt direkt mit der roten Nelke in dessen Knopf­loch zusammen. Auf diese Weise nähert sich die Linke der Rechten in geradezu verblüffender Weise. Ter Tabak hatte eben immer etwas Versöhnendes. Schon. die Indianer rauchten nach Kämpf und Streit die Friedenspfeife, und von Rechts wegen müßten dieFriedensfreunde" eine

an

Dabäksblüte im Knopfloch tragen. Kaiser Friedrichs Lieb­lingsblume war neben dem Maiglöckchen das Veilchen; sein Vater bevorzugte, vom Zauber unverlöschlicher Jugend­erinnerungen beeinflußt, die Kornblumen. Königin Luise aber, deren 94. Todestag in diese Märzhälfte fällt, war eine enthusiastische Verehrerin der Hortensien, die noch in ihren letzten Lebenstagen in blühender Fülle ihr Lager umstanden. Ich! will morgen sehen, ob sie zu ihrem Gedenktag auch ihrem schönen Denkmal im Tiergarten prangen.

A. R.

Kleine praktische Aalschläge.

Kupfer und Messing zu putzen. Um Küpser und Messing schneller blank zu haben, als dies bei An- Wendung der üblichen Putzpomade der Fall ist, macht man einen leichten Teig von Essig, Salz, Mehl und Silber- sand, bestreicht mit dieser Masse den zu reinigenden Gegen- stand und reibt mit einem wollenen Lappen nach. Man wird staunen, wie rasch das Metall blank und glänzend löirb. , , ,,

Einen g uten Kitt für Glas erhalt man durch gelindes Anwärmen kleingeschpittener Stücke farbloser Gela­tine in wenig Essigsäure. Die erhaltene Lösung trägt mast fleißig auf, preßt es, wenn tunlich, gut zusammen und läßt den gekitteten Gegenstand an einem trockenen Ort einen Tag ruhig liegen.

Oesundyettspflege.

Beseitigung der Hühneraugen. Die Mittel, die zur Beseitigung der Hühneraugen augewendet werden, bezwecken alle, die hornartige, meistens durch Truck ent­standene Wucherung zu zerstören. Nach allen Erfahrungen wird dies am besten durch Applizierung des aus dem indiscken Hanf hergestellten Extrakts, der in verschiedenen Formen, in Collodium, ober in Pflastern, meistens in Verbinbung mit Salizylsäure, als Universalmittel ange­priesen wird. Die sogenannten Hühneraugenpflaster, ent­halten auch- den genannten Extrakt und sind, wenn richtig angewenbet, immer von Erfolg. Nachdem die Hornwucher- ung möglichst abgeschnitten worden, wird bas Pflaster aufgelegt, nach 24 Stunden kommt depFuß in ein möglichst warmes Bad. Dann wird die Hornhaut abgeschält, und in dem Falle, daß sich der letzte weiße Kern nicht heraus- schälen läßt, die ganze Prozedur wiederholt. Dann hat man das Hühnerauge unzweifelhaft dauernd beseitigt.

Mittel gegen das Ausfallen der Kopf­haare. Man nehme einen Teil Rizinusöl aus drei Teile Franzbranntwein, schüttele tüchtig und reibe mit dieser Flüssigkeit mit einem kleinen Schwämmchen die Haare ein (ein bis zwei Teelöffel genügen). Die Wirkung ist, vor­züglich

Aa, ttaP)

Wo sind denn nur die drei Törtchen geblieben?

Vorhin ivaren's zehn und jetzt sind's nur sieben I Nicht, Hänschen, vorhin da waren's doch zehn?

Hast du vielleicht die drei Törtchen gesehn?"

Ja, gesehen wohl, aber..Na, Hänschen, nicht lugenl"

Ja, aber Schuld haben doch die Fliegen, Die machten da immerzu so'n Dreck. , Und das wollt' ich doch nicht, und da jagt' ich sie weg, Und da blieben die drei Törtchen eben Ganz einfach an meinen Fingern kleben!"

) Aus dem unlängst bei Eduard Bloch in Berlin 0. 2 er- schienenen reizendenG e d i ch t e n" von Josefa M e tz.

Logogriph. 4

Nachdruck verboten.

Sieh meinen Hans, ein prächt'ger was? Je nun, mein Rätsel sagt dir das I Und was er ist, das hat er auch Mit andrem Kopse kerngesund!

Und was er ist, das hat er auch Mit andrem Kopse flink im Mund.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr r Vergelte Böses mit Gutem.

Nedaktion: Stu au ft Gab. Rotationsdruck und Vertan der Briihl'schcn UniversttätS-Diich- und Cteindruckcrei. R. Lanae. Eießen.