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Bedenken von sich ab und ermunterte die beiden Jungen, die sich ohnedies in ritterlicher Galanterie überboten, derart, daß der armen Mama, wenn sie dies hätte hören können, himmelangst geworden wäre.
Ohne im geringsten aufeinander eifersüchtig zu sein, wetteiferten die Brüder in der Darbringung ihrer Huldigungen, für welche Erna, wie sie selbst gestand, sehr empfänglich war.
„Oh, wir ahnten es", rief da Dinko irti höchster Begeisterung, „daß Sie es nicht verschmähen würden, unsere Herzen als Fußschemel Ihrer alles besiegenden Schönheit zu benutzen!"
Bewundernd schaute Mirko zu dem Bruder auf — ihm Wäre eine solch geistreiche Wendung, die ja ihren Eindruck gar nicht verfehlen konnte, nie im Leben eingefallen!
Und Erna, berauscht von dem Weihrauch, den man ihr freiwillig streute, schaute bald den einen, bald den anderen mit ihren verliebtesten Augen an und lispelte errötend:
„Nicht doch, das darf ich ja nicht hören — wir kennen uns doch nur kurze Zeit." — Da aber die beiden Ritter ihren Befehl zu sehr respektieren und ihren Gefühlen tatsächlich Zwang antaten, so fühlte sie sich veranlaßt, sofort ermunternd hinzuzusetzen: „Gegen meine Lebensretter darf ich aber natürlich nicht zu streng sein — das wäre ja undankbar und — und undankbar sollen Sie mich nie finden — nie!"
„Siehst Du, Mirko", rief Dinko glückselig, „ich habe es Dir gleich gesagt, daß sie die Seele von einem Weibe ist!"
„Nein, das habe ich gesagt!" widersprach ihm der Jüngere.
„Aber, meine Herren, Sie beschämen mich ja", wehrte Erna mit züchtigem Augenniederschlag.
„Wir haben uns auch gleich zu Ihren Rittern aufgeworfen", fuhr Dinko voll edlen Feuers fort, „und wie diese im Mittelalter die Farbe ihrer Dame am Herzen trugen, so haben auch wir uns eines Talismans von Ihnen bemächtigt, der fortan unser hehres Panier sein soll!"
„Ja, was haben Sie denn nur?" fragte Erna neugierig.
„Ihre — Strümpfe haben wir", riefen beide gleichzeitig und zogen triumphierend die im Morgentau gesuchten und glücklich gefundenen Beinumspanner ans helle Tageslicht.
Erna wurde feuerrot vor Scham.
„Die — die — die müssen Sie mir geben!" protestierte Erna.
„Um keinen Preis der Welt!" verteidigten die beiden ihre Trophäe.
„Ich will Ihnen ein paar andere dafür schenken", stotterte Erna hilflos, „ein Paar noch nicht getragene."
„Die haben keinen Wert, erst Ihr — Hauch..." —- Dinko kam nicht weiter, denn in der Hitze der Debatte hatten sie gar nicht den Pfarrer heranfahren gesehen, der nun auf einmal vor ihnen hielt.
„Na, was habt Ihr denn da?" fragte er lachend, „das Fräulein soll Euch wohl Eure Strümpfe stopfen?!"
„Das Fräulein ist eine Dame", belehrte ihn Dinko, „und wir. . ."
„Und Ihr seid ein paar Affen", schnitt ihm der Pfarrer das Wort ab, dann wandte er sich an Erna — „Sie sind natürlich die kleine Hochstfeld, kommen Sie, mein Kind, steigen Sie bei mir ein, Ihre Eltern werden Sie wahrscheinlich lieber unter meinem Schutz sehen, als unter dem dieser höchst ehrenwerten, aber sehr unnützen Jünglinge."
Erna war bis in die tiefste Tiefe ihrer Seele empört. Wie kam denn dieser simple Landpfarrer dazu, sie als „kleine Höchstfeld" und „mein Kind" anzureden! Na, sie wollte ihm gleich zeigen, daß sie aus zivilisiertem Lande stamme, wo man nicht auf der Landstraße und noch Dazu m dieser formlosen Weise Bekanntschaften schließt.
„Sie sind wohl der Dorfgeistliche", sagte sie so von oben herab, wie sie es schon oft von ihrem Papa gehört hatte, „ich danke für Ihre Begleitung, ich fahre nicht mit Herren, die mir nicht vorgestellt sind."
Der Pfarrer mischte sich mit seinem großen, karrierten Taschentuch den Staub vom Gesicht und fing herzhaft zu lachen an. x
„I Potz Blitz", rief er, „da werde ich das Versäumte
wohl schnell nachholen! müssen", und sich mit ernsthafte^ Referenz vor ihr verneigend, nannte er seinen Namenr „Adam von Nenadovic."
Sie nickte ganz unmerklich mit dem Kvpfe und ignorierte ihn dann.
„Und nun Sie mich kennen", fuhr er trotzdem spöttisch fort, „darf ich wohl, aus dem schon vorhin angeführten! Grunde, um die hohe Auszeichnung Ihrer Gesellschaft bitten."
Das machte Erna noch wütender, und trotzig und ohne an die möglichen Folgen zu denken, entgegnete sie:
„Meine Eltern werden mich in der Gesellschaft dieser Herren jedenfalls lieber als in der Ihren sehen."
Einen Moment wetterleuchtete es über die Züge des Pfarrers, dann siegte aber doch sein Humor.
„Sie scheinen ja ein netter kleiner Grasteufel zu sein", sagte er, „da hat mich ja der Himmel gerade zur rechten! Zeit hergeschickt. Euch Drei auseinander zu bringen, ehe noch eine Dummheit geschah. Also, mein Kind, keine Sperenzchen gemacht und rasch eingestiegen!" — und er gestikulierte dazu so energisch, daß Erna völlig willenslos nachgab.
Damit war für den Pfarrer die Sache abgetan, und als ob er gar keine Ahnung von seiner wenig chevale- resken Vergewaltigung hätte, versuchte er mit Erna ganz harmlos zu plaudern.
Sie war sprachlos über dies unglaubliche Benehmen! und würdigte ihn keiner Antwort. Auf die Dauer brachte sie es aber doch nicht zu stände, stumm wie ein Pagode dazusitzen und! nachdem sie die ersten, noch zögernden! „ja" und „nein" gelispelt hatte, legte sich ihre Entrüstung ein klein wenig, wurde nach und nach milder und milder, und als sie endlich auf dem Gutshof einfuhren, waren sie in solch eifriger Unterhaltung, daß sie die Herrschaften, die eben die Wirtschaftsgebäude besichtigt hatten, gar! nicht bemerkten.
Dafür starrten aber die Eltern sie wie einen Geist an, und Mama Höchstfeld, einer Ohnmacht nahe, klammerte, sich an den Arm ihres Mannes, und mit einem Ausdrucks als wenn sie das Ende der Welt vor sich sähe, raunte, sie ihm voller Entrüstung zu:
„Erna mit dem — Pfarrer! Ich werde furchtbar Gericht halten!"
6.
. Des Pfarrers Erscheinen traf Herrn von .Höchstfeld! vollkommen unvorbereitet. Alles hätte er für möglich gehalten, daß aber auch dieser zu einem ihm zu Ehren veranstalteten Feste erscheinen könnte, wäre ihm doch! nicht int Traume eingefallen.
Noch mehr verblüffte ihn aber die völlige Ungeniertheit, mit welcher dieser auf ihn zuschritt und ihn in der neuen Heimat willkommen hieß.
Als Mann von Welt blieb ihm natürlich nichts anderes! übrig, als Liebenswürdigkeit zur Schau zu tragen, doch bot das sonderbare Begegnen, das auf ein Haar einem! wohlüberlegten Ucberfall glich, seinem Mißtrauen erst rechte Nahrung.
Bis in die Knochen ehrlich, glaubte er erwarten zn dürfen, daß der Pfarrer wenigstens die erstbeste Gelegenheit ergreifen würde, sich mit ihm offen und ohne Rückhalt über die Vergangenheit auszusprechen, um so für die Zukunft reinen Tisch zu schassen. Als aber jener gar, keine Miene dazu machte, da bemächtigte sich seiner eine innere Unruhe, die er vergeblich zu bemeistern suchte, und: eben deswegen stieg ihm von neuem des Vetters Warnung auf, der wohl des Pfarrers scheinheilige Biederkeit richtig tariert hatte. t, „ „ . „ ., ,
Glücklicherweise konnte er Bei diesem Gedanken nicht allzu lange verweilen, da Wagen aus Wagen neue Gäste heranbrachten, welche ihn und die Seinen mit einer Herzlichkeit begrüßten, der er doch nicht ganz zu widerstehen vermochte. . . . „
Die Offiziere der neunten Ulanen, die in der Umgegend lagen, akklamterten ihn und Erich sofort als die ihren, und Oberst Graf Strelae brachte von vornherein einen derartig kameradschaftlichen Zug in das Ganze, daß Höchstfeld nach und nach wirflich auftaute.
IM Laufe des Tages — denn man ließ ihn tatsächlich nicht fort — nahm er sogar die Gelegenheit wahr, den Oberst auf Offizierswort zu fragen, was er von dem! Pfarrer halte?


