Ausgabe 
6.8.1904
 
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-Dieser schaute ihn erst verwundert an und wußte gar nicht, wie er das verstehen sollte. .Endlich ging ihm ein Licht auf, und er sagte: ,

Sehen Sie, mein lieber Herr Major, ich bm erst drer Jahre hier und kümmere mich den Teufel Um all den Klatsch, der hier ebensogut wie anderwärts zu Hause ist. Ws Ihr Herr Vetter starb, da wurde allerdings alter Kohl ausgewärmt ich habe mich indes dafür nicht weiter interessiert und kann Ihnen daher auch nichts Genaueres darüber mitteilen. Aber soviel kann ich Ihnen sagen: Für unfern Vater Marne übeMehme ich volle Bürgschaft, das ist ein Mensch, wie man sich ihn nicht besser wünschen kann, der säuft mrs alle unter den Tisch.; wenn es indes nötig ist, dann versteht er seinen Mund nicht nur zum Trinken, sondern zum heiligen Gottesdonnerwetter zu ge­brauchen, und Sie dürfen mir glauben, er weiß sich, trotz aller sonstigen Gemütlichkeit, bei allen Respekt zu ver­schaffen."

Herr von Höchstfeld war einigermaßen verlegen und wußte nicht gleich, wie er seine Frage noch nachträglich in möglichst unbefangener Weise erklären sollte.

Durch das Hinzutreten des Leutnants Vladoj von Bieli- marinovic, welcher Erna am Arme führte, wurde er dieser heiklen Aufgabe enthoben.

Wir haben die Tamburaschen kommen lassen und wollen im Park ein Tänzchen machen", meldete der junge, schmucke Offizier,Herr Oberst werden sich doch, auch am ersten Kolo beteiligen?"

Aber natürlich, junger Freund", ging dieser sofort darauf ein, und zu Herrn von Höchstfeld gewandt, fragte er:ich darf doch wohl Ihre Frau Gemahlin auffordern?"

Mama und tanzen!" lachte Erna vergnügt auf, und auch der Major meinte kopfschüttelnd:

Ich glaube kaum, daß Sie bei meiner Frau das nötige Verständnis dafür finden werben. Und nun gar Kolo woher sollten wir denn Ihnen Nationaltanz kennen?"

Jedenfalls will ich mein Glück versuchen", entgegnete der Oberst galant und empfahl sich.

Frau von Höchstfeld lehnte natürlich dankend ab.

Sie hatte an ganz anderes zu denken und kam über­haupt aus der Angst und Aufregung nicht heraus. Jedes­mal, wenn sie den Pfarrer in der Nähe ihres Mannes auftauchen sah, fürchtete sie, daß es zum unvermeidlichen Zusammenstoß kommen müsse, und war dies wieder ein­mal glücklich abgewendet, dann betrachtete sie mit ebenso großer Unruhe ihren Sohn, der sich auffallend viel mit Komtesse Ljubiza beschäftigte, viel mehr als ihr lieb war. Am meisten Sorge machte ihr aber natürlich Erna, die sich mit einer Gefltssentlichkeit von ihr fernhielt, die nichts Gutes ahnen ließ. Das Kind war von einer Wild­heit, welche ihr Mutterherz mit starrem Entsetzen erfüllte. Früher hatte sie mit den Zwillingen herumgetollt, und jetzt kam sie von dem des Leutnants mit dem unaus­sprechlichen Namen gar nicht mehr los. Sie wußte wirklich nicht, welches Uebel das kleinere sei, und wollte Gott danken, endlich weit von hier fortzukommen.

Die Damen, an ihrer Spitze Gräfin Stepenaz, gaben sich zwar alle Mühe, sie aus andere Gedanken zu bringen, erreichten aber damit nur so viel, daß sie sich nun auch noch bemitleidet glaubte. Das gab ihr vollends den Rest, uird es entsprach daher der reinen Wahrheit, als sie gegen neun Uhr abends erklärte, nun aus keinen Fall länger bleiben zu können, da sie zu angegriffen sei.

Mr Herrn von Höchstseld, der sich ttotz des mili­tärischen Elementes doch nicht recht wohl fühlte, war dies ein willkommener Anlaß zum Aufbruch, der nun, obgleich von allen Seiten dagegen protestiert wurde, dennoch von statten ging.

Um Mitternacht langte man endlich zu Hause an oder doch beinahe zu Hause. Vor dem Tore, das trotz allen Pochens, Rufens und Lärmens nicht gleösfnet wurde, mußte nämlich eine neue Leidensstation durchgemacht werden.

Herr von Höchstfeld raste und befahl dem Kätscher, über den Zaun zu klettern, um den lässigen Hofwächter zu wecken. Das war aber leichter gesagt als getan, denn der Bauer, der die Livree ohnehin erst nach langem! Sträuben angezogen hatte und sich in der ungewohnten Kleidung höchst beengt fühlte, erklärte sich nach verschiedent- lichen vergeblichen Versuchen dazu außerstande.

(Fortsetzung folgt.)

Aie MaienLönlgin.

Rach dem _Englischen des Lord Tennyson.

L

Weck' mich morgen frühe, Mutter, weck' mich frühe, denn fürwahr Morgen ist der schönste Morgen in dem frohen, neuen Jahr! 's wird der glücklichste der Tage dieses Jahrs, lieb' Mütterlein, Denn ich werde Maienfürstin, Königin des Lenzes sein.

's heißt von allen schwarzen Augen, sei nur mein's so glänzend hell

Sind doch Grete, Karoline und die Käte auch zur Stell!

Doch sei keine schön wie Lieschen, weit bis in das Land hinein, Darum soll ich Maienfürstin, Königin des Lenzes sein.

Ich .verschlafe sicher, .Mutter, und die schöne Zeit verrinnt, Wenn Tu mich nicht pünktlich weckest, eh' der Sonne Lauf beginnt; Doch ich muß jetzt Blumen holen, Rosenknospen, zart und fei' Tenn ich werde Maienflirstin, Königin des Lenzes sein.

Als ich heut das Tal hinaufging, .das sich bis zum Bache dehnt, Sah ich dort den jungen Robert, .an die Brücke angelehnt.

Mütterchen, jch glaub' es fiel ihm jener Blick von gestern ein, Doch ich werde Maienfürstin, Königin des Lenzes sein!

Denk',et hielt mich für 'nen Kobold, .denn mein Kleid war weiß wie Schnee

lind ich huscht' an ihm vorüber, wie ein Lichtstrahl auf dem Seel Und sie sagen, ich ..sei grausam, doch ich füge mich darein Tenn ich werde Maienfürstin, Königin des Lenzes sein.

Ach nran glaubt, er sterb' aus Liebe, was doch nie geschehen kanw Und man sagt, sein Herz zerbräche, aber Ms geht mich das an; Tenn ich denk' ein kühner Knabe wird mich eines Tages frei«, Und ich werde Maienfürsttn, Königin des Lenzes sein.

Unser Aennchen soll mit mir morgen zu der Weihe gehn. Komm' auch Du, lieb' Mütterlein, .meiner Krönung zuzusehm, Mancher Hirte im Gefolge ließ den heimatlichen Hain, Und ich werde Maienfürstin, Königin des Lenzes sein.

Und es winden an den Pfotten Kletterblumen sich hinauf, Und es blühen an dem Strauche Heckenröschen lieblich auf, Gelbe Dotterblumen glänzen feurig in das Feld .hinein, Und jch werde Maienflirstin, Königin des Lenzes sein.

Sieh' die Winde wehen über's Gras so leicht und wohlgemut, Helle Steine blinken drüber hin in stettg sanfter Glut, Und wir haben sicher morgen nichts als Glück und Sonnenschein Und ich werde Maienfürstin, Königin des Lenzes sein!

Unser kleines Tal erglänzet dann in frischem, saft'gen Grün, Und ein Teppich .bunter Blumen wird den Hügel überzieh'«, Und das Bächlein in der Wiesen spielet dann so hell und rein, Den« ich werde Maienfürstin, Königin des Lenzes sein!

Darum weck' mich frühe, .Mutter, weck' mich frühe, denn fürwahr Morgen ist der schönste Morgen in dem frohen neuen Jahr; 's wird der glücklichste der Tage dieses Jahres, lieb' Mütterlein, Denn ich werde Maienfürstin, Königin des Lenzes sein!

* ,

Hleujatzrsaöcnd.

ii.

Weck' mich 'morgen frühe, Mütter, morgen möchte ich fürwahr Noch .einmal die Sonne sehen überm frohen neuen Jahr, 's wird der letzte Neujahrsmorgen meines jungen Lebens sein Tann kannst Du mich niederlegen in das kühle Grab hinein.

Ach die untergeh'nde Sonne ließ jetzt hinter sich zurück

Uns're guten alten Zeiten, ihren Frieden und ihr Glück,

Und jetzt kommt der Neujahrsmorgen, aber ach, mein Auge bricht,

Ehe noch .die Frühlingsknospe glänzt, im frischen Sonnenlicht.

Ach wir flochten Maienkränze und es ivar ein froher Tag.

Als ich Lenzesfürstin wurde, drunten in dem grünen Haag! _ Und wir tanzten um den Maibaum, .tief bis in die Nacht hinein, Bis das Sternenzelt nmhüllte Wald und Feld mit mildern SHem.

Keine Blume auf .der Wiese, eisbedeckt sind Tal und Höh'n, Könnt' ich nur die erste Botin dieses neuen Lenzes seh'n, Würde doch .die Sonne schmelzen allen Schnee auf dieser Flur, Daß an meinem Todestage blühe eine Blume nur!

Bis zum Frühling ist zerflossen in dem Tale dieser Schnee, Und die Krähe krächzt dann fröhlich aus .der milden, blauen Höh', Und die Schwalbe flieget' wieder von dem Süd' zu uns bmab; Dock) ich werde einsam liegen in dem moderigen Grab.