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gefüllt ist, und bis die tönernen Behälter daneben, aus denen man sich kalt übergießen kann, nur gerade noch die Schöpfkelle ohne Ueberlaufen fassen können. Wenn der Kanonenschuß vom astronomischen Observatorium her die Mittagsstunde der japanischen Zeit verkündet, läßt in ganz Japan alles die Arbeit liegen, um den gerade um diese Zeit unbezähmbaren Hunger zu stilleu. Wer in Japan für einen großen Betrieb die Hausordnung feststellt, ohne zwischen 12 und halb 1 Uhr das Essen in Bereitschaft zu stellen, ist ein unbrauchbarer Organisator.
Die Nachmittagsstunden haben im japanischen Haushalte keine so straffe Ordnung. Da finden die Mägde Zeit, sich von der jeden vierten Tag erscheinenden Friseuse den Haaraufbau zurecht machen zu lassen, je nach ihrem Lebensalter, in drei Ringen oder Schmetterlingsform, wenn Jte noch recht jung sind oder scheinen wollen, gerundet, wenn sie ihrem Lebensalter nach schon Jütten verheiratet sein sollen oder es sind, bis herab zu dem urzgeschnittenen Haar, das sich Großmütter und greise Dienerinnen gestatten, die auf den in Japan dem Alter willig entgegengebrachten Respekt Anspruch haben. Zu Näharbeiten, Besorgungen, zum Einmachen und Pökeln für die Vorratskammer ist am Nachmittage leicht Zeit zu finden. Dann kommen die Kinder aus der Schule, bringen Leben und allerlei Berichte über wunderbares Gehörtes, Gelerntes und Gesehenes ins Haus. Die Schule, die der jungem Generation die.Elemente des an europäische Wissenschaft angeknüpften Bewußtseins-Materials unserer Zeit übermittelt, wird auch dem ganzen Haushalt ein geschätzter Born der Belehrung und Unterhaltung. Mit Schularbeiten plagen sich in Japan nur minderbegabte oder hervorragend ehrgeizige Kinder zu Hause länger als eine halbe Stunde. Es bleibt also für Mädchen reichlich Zeit, um Musik und Tanzbewegungen japanischen Stils im Hause zu erlernen. Knaben brauchen ihre Freistunden, um sich sportlich zu trainieren, damit sie ihrer Schule und ihrer Familie Ehre machen. Die Amerikaner in Pokohama haben sich schon ganz daran gewöhnt, daß sie in ihrem nationalen Base-Ball von den Schülern des ersten Gymnasiums in Tokio jahraus jahrein ' geschlagen werden.
Wenn dann auch der Hausherr zwischen 5 und 6 Uhr heimgekehrt ist, es sich bequem gemacht und ein Bad genommen hat, wird von der vereinigten Familie die Abendmahlzeit wieder gemeinsam eingenommen. Dann nimmt die Unterhaltung einen lebhafteren Gang an. Der Vater, -der ja alles wissen muß, wird von. den Kindern ebenso eindringlich ausgefragt, wie er sich durch Examinieren und Einblick in die Schulhefte von dem Fortschritt seiner Pflegebefohlenen überzeugt. Dann wird es Zeit, das Bad zu nehmen; in feststehender Reihenfolge steigen Mutter, Kinder, Dienerinnen und Wagenzieher nacheinander in das heiße Wasser, das dem Hausherrn schon vor dem Abendessen zum Bad gedient hat, und das in der sorgfältig zugedeckten Holzwanne infolge des Nachschüttens von Kohlen seine Temperatur eher erhöht als vermindert hat. Aus dem Bademantel schlüpfen die Kinder, nachdem sie sich erholt haben, in ihre dunklen Nachtgewänder, wünschen auf den Boden gestreckt, ihren Eltern eine gute Ruhe und schlafen auf ihren Decken nebeneinander bald ein, wenn sie sich genug Geschichten erzählt und harmlos geneckt haben. Der Vater bringt wohl noch eine Stunde mit Lesen und Schreiben zu; die Mutter macht aus den Lieferungsbüchern der Händler und dem Gedächtnis ihre Eintragungen in das Haushaltungsbuch, das am Schluffe des Monats der Hausherr revidieren wird. Dann begeben auch sie sich geräuschlos auf das Nachtlager, gewöhnlich kurz nach 10 Uhr, und in dem verschlossenen, von Nachtlichtern matt erhellten Hause ist es still, bis die Morgensonne im Osten emporsteigt und die Holztüre der Außenwand vor ihren lebenbringenden Strahlen sich öffnet.
vernr-schte».
* Ueber die Familie gibt der „Ulk" „aus dem Aufsatzhefte des kleinen Fritz" folgende anschauliche Schilderung: „Die Familie ist ein aus Vater, Mutter, Kindern, Brautpaaren, Großeltern, Schwiegermüttern, Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen gebildetes Ganzes und kommt auf der ganzen Welt vor. Erst kommen Vater und Mutter und dann die Kinder und zu ihnen kommen die andern zu Besuch. Großeltern bringen den Kindern dann immer etwas mit- Wenn Tanten zu Besuch kommen, müssen Kinder Sonntagskleider anziehen. Das Familienoberhaupt, die Hauptperson von der Familie, ist der Vater, weil er das viele Geld verdient. Er geht dazu schon ganz früh morgens fort, nachdem er über seine Kragen und Oberhemden geschimpft hat und Kaffee getrunken. Die Mutter bleibt zu Hause und muß sich über die Dienstmädchen ärgern. Manchmal geht sie auch in die Markthalle. Die Dienstmädchen wohnen in derselben Wohnung, aber sie gehören nicht zur Familie, denn sie bleiben nie lange und es kommen meistens zweimal im Monat neue. Manchmal kommen Soldaten, die Mädchen besuchen. Der Vater gibt der Mutter das Geld, das er verdient, damit sie Essen und all so etwas emkaufen kann. Aber nicht alles Geld. Große Haufen legt er noch m den eisernen Geldschrank, der in der Stube steht. Das Geld darf sich die Familie erst nehmen, wenn er tot ist. Es gibt junge und alte Väter. Aus den ganz alten werden dann die
Großväter gemacht. Wenn der Vater schläft, schnarcht er und dann darf ihn niemand stören. Zu seinen Kindern ist er gut. Die Mutter ist in einer Familie immer die Frau von dem Vater. Sie ist sehr gut und klug und haut selten. Sie näht alle abgerissen Knöpfe an, belegt das Schulfrühstück mit Wurst oder Schinken und hilft bei den Schularbeiten. Mütter haben niemals schlechte Zensuren gehabt. Die Mutter weiß alles. Sie weiß auch, wo die kleinen Kinder Herkommen, aber sie sagt es nicht. Die Mutter ist überhaupt furchtbar gut und immer weiblichen Geschlechts. Wenn die Mutter auch eine Mutter hat, so ist das die Schwiegermutter. Dieselbe ist außerdem die Großmama. Sie kommt meistens, wenn der Vater ausgegangen ist, das viele Geld zu verdienen. Tanten gibt es immer am meisten in einer Familie. Alte und junge. Blanche mit Männern sind netter. Die Männer von den Tanten sind die Onkel. Die Onkels sind groß und dick und spielen mit dem Vater Skat. Alle Kinder von Onkels und Tanten sind die Cousins und Cousinen. Mit Cousins haut man sich. Cousinen sind Mädchen und petzen immer. Und das tun auch Tauten häufig. Dann gibt es manchmal noch Brautpaare. Brautpaare sind sehr drollig und küssen sich immer, wenn man ins Zimmer kommt. Das sind so die hauptsächlichsten Merkmale und einzelne Teile einer Familie. Die Familie als ganzes betrachtet, ist ein notwendiges Nebel zur Erhaltung des Staates."
* Die Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg, ältere Schwester des einstigen Fürsten Alexander von Bulgarien, berichtet in der Frauen-Rundschau (Schweizer u. Co., Berlin und Leipzig) über eine Reise in Bulgarien, die sie zu Anfang der achtziger Jahre unternommen hatte. Bon einem Ausflug nach Bukarest zurückkehrend, äußert die Verfasseriu ihre Freude, wieder an Bord des „Alexander" und auf bulgarischem Boden zu sein, und fährt dann fort: „Die Rückreise ging gut von statten und gegen abend erblickten wir wieder das schöne blaue Meer. Die Bevölkerung von Barna empfing uns sehr zahlreich und mit großem Jubelgeschrei — sie hatten gefürchtet, unsere Abreise sei eine definitive gewesen. Sogar hinter den Gefängnisgittern erschollen wieder die Hurrarufe, die mich jedesmal wehmütig stimmten, und Sandro (Fürst Alexander) und ich gerieten dadurch in ein Gespräch über die große Schwierigkeit und Verantwortung, in einem solchen Lande das Gerichtswesen in Ordnung zu bringen. Es kommt ja leider im Orient beständig vor, daß Leute ungerechterweife angeklagt werden, und es ist oft entsetzlich schwer, alle diese Ränke zu durchschauen. Er erzählte mir, wie er einmal vor einigen Jahren hei einem seiner regelmäßigen Besuchen in den Gefängnissen einen alten Türken mit langem, weißen Bart, an Händen und Füßen gefesselt, in einer Zelle sand. Der Mann sah finster vor sich hin und antwortete nicht auf die wiederholte Frage, warum er im Kerker sei. Auf Sandros Erkundigungen bei dem Aufseher teilte man ihm mit, dieser Mann habe vor so und so viel Monaten in verschiedenen Ortschaften Mord gegen den Fürsten gepredigt und überall ausgerusen, er sei ein Schurke. Nun sei er auf sieben Jahre ins Zuchthaus verurteilt. Sandro ging auf den alten Mann zu, nahm ihm die Ketten ab und sprach:
„Anstatt sieben Jahre im Zuchthaus zu sitzen, sollst Du nun sieben Jahre lang überall verkünden, daß Du Dich geirrt hast, als Du Deinen Fürsten einen Schurken nanntest."
Der alte Mann hatte, wie die Aufseher erzählten, bei seiner Verurteilung und auch im Gefängnis nie einen Versuch gemacht, sich zu verteidigen. Jetzt, als er frei war, beteuerte er unter Tränen seinem Fürsten, daß er nur auf Verleumdung und falsche Anklage hin ins Gefängnis gekommen sei, und bei weiterer Untersuchung stellte es sich heraus, daß er das Opfer eines Racheaktes seiner Feinde geworden war."
* Der schlaue Johnny. Johnni: „Großpapa, hast Du
so
Zähne?"
Großpapa: „Nein, ich habe sie schon alle verloren.
Johnny: „Dann kannst Du mir meine Schinkensemmel halten, lange ich spiele." („Jugend. ">
Tauschrätsel.
Nachdruck verboten.
Wand, Messe, Reim, Wolle, Seife, Motte, Gedicht.
Bon jeden: Wort ist durch Umtausch eines Buchstaben an beliebiger Stelle ein neues bekanntes Hauptwort zu Hilden und zwar derart, daß die neu eingesügten Buchstaben im Zusaminen- hang den Namen eines bekannten philanthrovischen Schriftstellers des 18. Jahrhunderts ergeben.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Magischen Dreiecks in vor. Nr.
B
A R
8 A
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Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäis-Vuch- und Steindrnckerei. R. Lange, Gießen.


