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Mann zürn Feinde zu machen, besonders nicht an einem Ort, wo ich so wenige Freunde hatte, so antwortete ich:
„Ich Mr. Ibrahim, ich bin ganz bereit, das Vergangene vergessen sein zu lassen."
„Gestatten Sie mir aber. Ihnen nur noch zu versichern, daß meine Gefühle für Sie sich niemals ändern werden: die Sehnsucht der Motte nach dem Lichte, bie heute und immer dieselbe bleibt. Mehr will ich Nicht sagen", fügte er mit einer tiefen Verbeugung hinzu.
„Die Hochzeitsjuwelen sind gewiß sehr schön", begann ich ablenkend, indem ich mich dem zum inneren Hose und in den Garten führenden Ausgang zuwandte.
„Ja, sicherlich die schönsten von ganz Asien, und ich will nur wünschen, daß die Familie sich zum Ankauf entschließt. Leider muß ich aber stark daran zweifeln. Ich habe nämlich die berühmten Jasraperlen zu verkaufen, die schon in den alten Gesängen und in der Geschichte mehrerer Dhnastieen erwähnt werden. Sie sind uralt, von der Größe eines Drosseleies, fehler- und fleckenlos. Ihr Besitz würde die Familie auf die höchste Rangstufe erheben."
„Und doch wollen Sie sie nicht kaufen?" rief ich erstaunt.
„Sie feilschen um den Preis, oder vielmehr Ihr Freund, der Resident, sträubt sich mit aller Macht gegen die hohe Ausgabe. Mer der Reichtum dieser Familie ist ja fabelhaft."
„Welchen Wert haben aber diese Schätze, wenn sie unberührt in der Tofcha-Khana liegen?"
„Das weiß ich wohl", unterbrach er mich ungeduldig, „aber das Land ist fruchtbar. Seit Jahren gab es keine Mißernten mehr, und die Steuern werfen Geld die Menge ab. Bunfi-Lall und noch verschiedene andere Makler sind bereit, das Geld vorzustrecken, und die alte Rani brennt darauf, die Kleinode zu kaufen, trotz dem hohen Preise: zwanzig Lakhs Rupien."
„Hundertfünfzigtausend Pfund!"
„Ja, für vierzig Perlen. Solche Perlen sind aber auch einzig in der Welt, und zudem sind Perlen jetzt sehr in der Mode. In zehn Jahren werden sie vielleicht noch mehr wert sein. Ein russischer Großftirst besitzt eine Perle, die allein einen Wert von sechzehntauserrd Pfund darstellt."
„Hundertfünfzigtausend Pfund für ein paar kleine Muschelerzeugnisse, die ich mit der Hand zudecken könnte!"
„Sie sind ihren Preis wert. Warten Sie einmal, ich werde sie Ihnen zeigen. Alle Frauen haben ja Freude an Perlen."
(Fortsetzung folgt.)
Ernst Kßalkier.
Unsere Gießener Leser besonders wird es interessieren, daß die letzte Nummer der in Wien erscheinenden „Musib- literarischen Blätter" ein Bildnis unseres Mitbürgers Herrn Challier bringt, mit folgendem, die Verdienste des Herrn Challier höchst anerkennenden Text:
Einen um den Musikalienhandel und die Musikpslege hochverdienten Verleger führen wir im Bilde unseren Lesern vor. Persönlich wohl nicht, aber durch seine musikalischen „Speziallexikons" dürfte er heute schon in allen Musikkreisen, „so weit die deutsche Zunge klingt", als wahrer „Wohltäter" rühmlichst bekannt und von seinen Kollegen hoch geschätzt sein.
Ernst Challier ist am 9. Juli 1843 in Berlin geboren, erlernte dort im väterlichen Geschäft den Musikalienhandel und machte sich nach Absolvierung seiner Wanderjahre ebendaselbst selbständig. 1887 siedelte er nach Gießen'über, wo er noch heute als Inhaber der allgemein geachteten Firma Ernst Challier (Rudolphs Nachfolger) tätig ist. Auf seiner Wanderschaft in Deutschland lernte er schon das Bedürfnis seiner Berufsgenossen nach einem praktischen Ratgeber und Führer durch die schon damals stark ausgewachsene deutsche Gesangs- und Klavierliteratur kennen, und deshalb beschloß er, an die Ausarbeitung und Herausgabe von Musikkatalogen zu schreiten, deren Gebrauch bett in der Musikliteratur minder bewanderten Kollegen rasche und sichere Erledigung der. Geschäftsaufträge ermöglichen sollte. Im Jahre 1881 begann er dieses äußerst mühevolle, groß angelegte Verlagsunternehmen mit der Herausgabe des „Doppelhandbnches der Gesangs- und Klavierliteratur", eines Werkes, welch.es auch bei seinem damaligen noch be
scheidenen Umfang in den Musikkreisen schon ein gewisses Aussehen hervorrief. Von diesem Erfolg ermutigt, setzte Challier seine Arbeiten in diesem Spezialfachs mit Fleiß und Energie fort. Schon im darauffolgenden Jahre erschien die „Sonaten-Tabelle", 1883 folgte das „Spezial- Handbuch", 1884 „Verzeichnis komischer Duette und Terzette", 1887 „Beethovens Sonaten-Tabelle". Im Jahre 1892 begann er sein größtes Lebenswerk, „Das Lexikon des Liedes", zu bearbeiten und zu veröffentlichen. Von diesem Lexikon.sind seither erschienen: Teil I Großer Liederschatz 1895 mit 9 Nachträgen, Teil II Großer Dnettenkatalog 1898 mit 1 Nachtrag, Teil III Großer Männergesangskatalog 1900 mit 2 Nachträgen, Teil IV Großer Chorkatalog (gemischte Chöre) 1903, Teil V Großer Katalog für Frauenmusik und Terzette. Dieser letzte Teil liegt schon im Manuskript fertig vor und wird noch üt diesem Jahre zur Herausgabe gelangen. Nach Beendigung des Druckes dieses Teiles wird alsdann jede vertonte und im Druck erschienene lyrische und dramatische Dichtung in diesem Nachschlagewerke mit Angabe von Komponisten, Verlegern und Preisen auffindbar sein.
Wir halten es an dieser Stelle für nicht angebracht, uns über das Registrierungssystem dieser Speziallexikons des Herrn Challier ausführlich zu verbreiten, zumal wir wissen, daß diese mrstikalischen Handbücher bereits allen Interessenten in ihrer Anlage wohl bekannt sind. Dieselben bezwecken in Fällen, wo bei Nachfrage nur der Titel oder Text-Anfang der deutschen Gesangswerke bekannt ist, Komponisten, Verleger und Preise festzustellen, während das von uns zur Herausgabe gelangende „Uni- versal-Handbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker" die übersichtliche Angabe der gesamten im Druck erschienenen Werke der Komponisten aller Völker und Zeiten ent- balten wird. Bei dieser Nebeneinanderstellung der hier kurzgefaßten Ausgestaltung und der Zwecke dieser beiden musikbibliographischen Riesenwerke wird sicherlich sofort jedermann deren volle monumentale und praktische Bedeutung erfassen. Während wir zurzeit unmittelbar vor der Herausgabe des ersten Bandes des ersten Teiles unseres Univ ersal-H andbuches stehen, liegen uns bereits — bis auf den letzten V. Teil — die gesamten „Speziallexikons" des Herrn Challier vor, deren Anblick uns mit größter Bewunderung ftir diese von Herrn Ernst Challier allein geleistete Riesenarbeit erfüllt, die ein beredtes Zeugnis dafür ablegt, mit welch staunenswertem Fleiß, Energie, Ausdauer und Fachkenntnis er dieses Merk vollbracht hat.
Jas Wermögen des Zaren.
Dieser Tage wurde halboffiziell aus Petersburg be richtet, daß der Zar 200000 000 Rubel aus seiner Privatschatulle zum russischen Kriegsfvttds beigesteuert habe. Wenn diese Angabe sich bestätigt, so iväre das sicherlich das größte Geschenk, das ein einzelner Geber je in irgend einer Sache gemacht hat. Mer der Zar ist in der Lage, das tun zu können, denn er ist der reichste Mann der Welt. Selbst Rockefellers viele Millionen nehmen sich gering aus gegen die mannigfaltigen Quellen seines Reichtums und die riesigen Schätze, die seine Vorfahren für Hn aufgehäuft haben. Einige in einem englischen Blatte mllgeteilte nähere Einzelheiten über dieses Riesenvermögen, über dessen vollen Umfang niemand, selbst nicht Baron Friederichs, der Haushofmeister des kaiserlichen Haushaltes genau unterrichtet ist, dürsten daher gerade jetzt von Interesse sein. Das offizielle Einkommen des Zaren beläuft sich auf fast 40 Millionen Mark jährlich. Es ist schwer die Summe genau festzustellen, denn sie wird auf verschiedette Art und in den verschiedensten Formen bezahlt, und die Gesamtsumme schwankt von Jahr zu Jähr, aber der Durchschnitt kann auf 40 Millionen Mark geschätzt werden. Das ist aber nur ein kleiner Teil seines Reichtums, und die Ausgaben zur Erhaltung des kaiserlichen Haushalts wiirden kaum zu bestreiten sein, wenn der Zar nur votr seinem offiziellen Einkommen abhängig wäre. Seine Ausgaben sind unglaublich hoch. Der prächtige Staatsball, der gerade beim Ausbruch des Krieges mit Japan gegeben wurde, kostete z. B. der Schätzung nach über 4000 000 Mark. Die Geschenke des Zaren an die orthodoxe Kirche betragen jährlich durchschnittlich über 10000000 Mark. Andererseits überweist die Kirche ihm große Einkütifte, die den vom Zaren empfangenen Betrag überschreiten sollen. Außer dem Schah von Persien besitzt niemand in der Welt ein größeres Ber-


