Ausgabe 
5.1.1904
 
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Gewiß wird es manchem findigen Kopf gelingen, bessere prophylaktische Maßnahmen gegen den Schmutz der Leih­bibliotheksbände zu finden; so wäre es beispielsweise eine dankbare Aufgabe, Papier so zu imprägnieren, daß es Feuch­tigkeit nicht mehr anfnimmt und also abwaschbar ist. Bücher aus solchem Material könnten einfach vor Gebrauch abgeseift werden. Wer weiß, was in dieser Richtung noch erfunden lvird.

Wir möchten hierzu bemerken, daß in diesem Artikel wie auch in sonstigen Auslassungen der Aerzte die hygie­nischen Gefahren der Leihbibliotheken vielleicht übertrieben werden. Immerhin sollten in erster Reihe die Leser selbst schon aus Anstandsrücksichten darauf bedacht sein, ein Buch ebenso sauber zurückzugeben, wie sie es erhalten haben. Tre Inhaber der Leihbibliotheken, die, wenn sie einen Band beschmutzt wiedererhalten, nicht aus Nach­lässigkeit, sondern aus Besorgnis, den Abonnenten zu ver­lieren, ein Auge zudrücken, würden natürlich die ersten sein, die sich über ein angemesseneres Verhalten des Publi­kums freuen würden.

VsvmsWtes.

* Tas Ende der Pompadour stand nach der bisherigen ileberlieferung zu der glänzenden Rolle, welche die große Kurtisane bei "Lebzeiten gespielt hatte, in grellem Gegensatz. Nachdem sie den letzten Hauch getan, wurde, wie es hieß, der noch warme Leichnam mit einem schlechten Mantel überdeckt, auf eine Tragbahre geworfen und meuch­lings aus dem Schlosse von Versailles geschafft, während der"Zorn des Himmels sich in einem schrecklichen Unwetter entlud. Einige Tage darauf soll die Pompadour ohne jedes Gepränge begraben worden sein. Ludwig XV., der ihrer längst überdrüssig geworden war, soll bei dieser Gelegen­heit sein Bedauern in die gemütvollen Worte zusammen­gefaßt haben:Tie Frau Marquise hat heute schlechtes Wetter für ihre Reise." Man pflegte in diesen Begeben­heiten mit Genugtuung eine gewisse Sühne für all das Un­heil zu erblicken, das die Pompadour über Frankreich gebracht hat und worüber Brachvogels Narciß sich so be­weglich äußert. Ter Geschichtsforscher Fromapert, der sich auf die kürzlich aufgefundeuen Rechnungen von Hand­werkern und Geistlichen stützt, stellt die Vorgänge anders dar. Tie Pompadour endete am 15. April 1764 in ihren Räumen des königlichen Schlosses. An demselben Tage, einem Sonntage, wurde sie nach ihrer Behausung in der Rue des Reservoirs gebracht. Tas Totenzimmer war mit schwarzen Tüchern verhängt, um die Leiche brannten Kerze,:, insgesamt für 118 Livres. Zwei Priester hielten zwei Tage und Nächte Macht am Sarge. Am 17. April fand ein feierlicher Gottesdienst in Notre-Tame statt. Am Nachmittage holte ein Zug von 100 Geistlichen und 24 Kindern, die große Kerzen trugen, 6 Kirchensängern und 2 Bläsern die Leiche ab. Hinter dem Sarge, der auf den Schultern von 8 Trägern ruhte, marschierten 42 Tienst- boteu in Trauerlivree, ebenfalls mit Kerzen und 72 Arme in schwarzen Mänteln. Unter Glockenklang betrat der Zug die Kirche von Versailles, die schwarz ausgeschlagen war; in der Mitte stand auf einem Gerüst ein Katafalk, über­wölbt von einem Hermelinbaldachin. Tie Feierlichkeit ging in der üblichen Weise vor sich, sie erforderte für die Kirche 851, für die Lichter 1600, für die Armen 405 Livres, dazu 32 Paar schwarze Handschuhe. Am Abend setzte sich der Zug nach Paris in Bewegung, denn die Pompadour hatte gewünscht, bei den Kapuzinern der Place Vendome be­stattet zu werden. Beim Verlassen der Kirche ging ein Gewitter nieder und der heftige Wind riß einigen Be­dienten den umflorten Hut vom Kopfe. Der Zug passierte die Place d'armes vor dem Schlosse; Ludwig XV. hatte sich, nur von seinem ersten Kammerdiener geleitet, auf einen Balkon begeben. Er verharrte in nachdenklichem Schweigen und sah trotz des Regens und Sturmes dem traurigen Zuge nach, bis er in der Avenue de Paris all­mählich den Blicken entschwand. Daun kehrte er in seine Gemacher zurück, zweit dicke Tränen rollten über seine Wangen und er sagte zu seinem Kammerdiener:Tas war die einzige Ehre, die ich ihr noch erweisen konnte!" Tiefe sentimentale Aufführung Ludwigs wird in dem ge­nauen Bericht des Grafen Cheveray bezeugt; zum Cha-

raktervtlv des frivolen Monarchen hätte besser das bos­hafte Witzwort gepaßt. Tie Leichenrede, die ein Kapu- ziuermönch der Pompadour am Grabe widmete, war für diese wenig schmeichelhaft. Sie Hub mit den Worten an: Ich empfange den Leichnam der sehr hohen und mäch­tigen Frau Marquise Pompadour, der Palastdame der Königin. Sie war in der Schule aller Tugenden, denn die Königin war ein Musterbeispiel an Güte, Barmherzig­keit ufw." und pries dann die arme, vernachlässigte Kö­nigin Maria Lesczinska. Ter knickerige Geschäftsführer be­zahlte den Kapuzinern für diese Rede auch nur einen! Teil der berechneten Gebühr, nämlich 30 Sous.

* Studentenleben im Jahre 17 72 und 18 24. In einer Berliner Handschrifteufammlung be­findet sich folgendes Schreiben an die geheimen Hof- und Consistorialräte, Prorectori, Tirectori und Profess: ribus zu Halle: Von Gottes Gnaden Friedrich König in Preußen, Marggraf zu Brandenburg ufw.: Unfern gnädigen Gruß zuvor! Würdige, Veste und hochgelahrte Räthe, liebe Ge­treues Ta Ihr Euch zu unserer allergnädigsten Zufrieden­heit durch Erlern Fleiß so sehr hervorthut, so hoffen Wir umsomehr, daß sich au,ch> die dort studierende Jugend durch gute Eonduite zu evertuiren bestreben werde, und erwarten, daß das Herumlaufeu aus die Sächsischen Dörfer als ein den guten Sitten zuwider laufender zeitheriger Gebrauch gänzlich werde abgestellet werden. Ob nun wohl diejenigen, welche eine ordentliche Erziehung gehabt haben, oder sich durch gute Sitten künftiger Beförderung würdig zu machen suchen, bou selbst diesen Mißstand vermeiden werden; so sind doch aud} andere, bey denen es an diesen Bewegungsgrüuden ermangelt, nachdrücklichst zu erinnern, und ihnen das Herumlanfen auf Sächsischen Dörfern zu untersagen, und damit sie die Ursach dieses Berboths nicht mißdeuten, so habt Ihr ihnen die in die Augen fallende Unanständigkeit, und bey Handwerksgesellen allenfalls zu entschuldigende Frequentierung der Bier- und Weinhäuser auf Dörfern begreiflich zu machen, und von dem dieserhalb geflissentlich auszuarbeitendem affigendo ein Exemplar an unser Ober-Curatorium einzuschicken. Sind Euch mit Gnaden gewogen. Gegeben Berlin, den 29. April 1772. Auf Seiner Königlichen Majestäts Allergnädigsten Specialbefehl gez. Zedlitz. In derselben Sammlung befindet sich ein Brief von der Hand des berühmten Akustikers Ernst F. Friedrich Chladni aus Göttingen im Jahre 1824. Welch anderes Bild! Dort heißt es u. a.:Hier in Göttingen sind jetzt über 1500 Studierende, auch aus Gegenden außer Europa, z. B. Nordamerika, Brasilien, Vorgebirge der guten Hoffnung ufw. Es erfordert der jetzt unter ihnen herrschende Ton, sich anständig zu betragen, fleißig zu seyn, und in Kleidung, sowie auch sonst im Aeußern alles Auffallende und Unschickliche zu vermeiden. Wenn einer von wo anders herkommt, und in einem anderen Aufzuge erscheint, so legt er ihn gar bald ab, weil er weder Beifall noch Nachahmung findet. Das einzige, was mancher nicht loben will, ist, daß öfters Duelle stattfiuden sollen; ich habe aber während meines Hierseins nichts spezielles davon gehört. Ter Fleiß in Haltung und Besuchung der Kollegien wird soweit getrieben, daß noch bis abends 8 oder 9 Uhr einige Vorlesungen gehalten werden."

Quadraträtsel.

(9iadjbriicl verboten.)

1. Mythologische Gestalt.

2. Tier aus heißer Zotte.

8, an Gewässern.

4. römischer Kaiser.

In die Felder vorstehenden Quadrates sind die Buchstaben AA, EEE, FFFF, MN, 0, ER, UU derart einzutragen, das die ivage- rechten Reihen gleichlautend mit den senkrechten sind und Wörter von der beigesuglen Bedculuiig ergeben.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in vor. Nr.: Galate.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Ctenlrnckerci, N. Lanac. Gießen.